Geht nach Hause, Fernsehpreise!
Text: rene
Gestern habe ich mich gefragt, ob es eigentlich eine schlimmere Veranstaltung gibt als die Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst". Im Anschluss fragte ich mich dann noch, ob es wohl einen unpassenderen Empfänger geben könnte als Friedrich Merz. Schlussendlich konnte ich wenigstens letztere Frage verneinen: das trostlose Humorsubstitut, das diese und ähnliche Veranstaltungen prägt, dürfte im diesjährigen Preisträger wohl eine regelrechte Galleonsfigur finden. Der gestrige Abend in Aachen - ein Fanal der nur unzureichend hinter biederen Scherzen verdeckten Humorlosigkeit.
Man begründete die Verleihung übrigens mit Merzens Forderung, die Steuererklärung künftig auf einem Bierdeckel tätigen zu können. Man muß keineswegs ein allzu wählerischer Humorgourmet sein, um zu finden, daß es sich bei diesem Diktum nicht unbedingt um einen funkelnden, pointierten oder eventuell sogar lustigen Witz handelt. Allein für die Verwendung eines Begriffs, der aus dem vertrauten Vokabular politischer Reden herausfällt (=> Bierdeckel), erhält man also einen Witzpokal. Na herzlichen Glückwunsch.
Überhaupt werden viel zu viele schwachsinnige und überflüssige Preise vergeben, die wiederum viel zu viele hohle und peinliche Verleihungen wie schlechte und scheinheilige Dankesreden zur Folge haben und überdies nicht selten an Menschen verliehen werde, die alles andere verdient hätten, als für ihre offen zur Schau getragene Belanglosigkeit, Inkompetenz und/oder Humorlosigkeit auch noch geehrt zu werden.
Für die Zukunft schlage ich vor, aus Goldener Kamera, Bambi, Silbernem Nilpferd, Telespargel und wie sie alle heißen mögen eine einzige überlebensgroße Schrottrophäe zu löten und diese dann jedes Jahr an irgendeine beliebige Person zu vergeben, die bei ihrer Dankesrede möglichst viel weint. Oder wahlweise jedes Jahr an Jopi Heesters.
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12.02.2006 - 13:53 Uhr
tritop