„Fanta und Weinbrand. Er trank viel…“
Sein Herz trug er auf dem Arm. Es war rot, ein Schwert aus Silber durchbohrte es. Die Farben waren verblichen, die Tätowierung war alt. Er liebte sein Herz.Er hatte es sich als junger Mann auf den Arm tätowieren lassen. Lange vor dem Gefängnis, dem Alkohol und dem Schlaganfall, der seine rechte Seite lähmte. Er hieß Alois. Ich war sein neuer Zivi. Am ersten Tag hatte ich neben ihm zu sitzen und zuzusehen, wie er trank. Er trank, was er sich alle paar Stunden in einem bauchigen Glas zusammengoss: Fanta und Weinbrand. Er trank viel. Am zweiten Tag schickte er mich zum Supermarkt, Fanta holen und Weinbrand. Es dürfe nur der weiche sein, sagte er, der Weinbrand von Chantré. Ich kam mit der Fanta zurück. Er blickte mich an. Es habe keinen Chantré mehr gegeben, sagte ich, im ganzen Laden nicht und auch nicht im Lager, keine einzige Flasche, selbstverständlich hätte ich nachgefragt, aber leider – Chantré sei aus. Er blickte mich an. Er sagte, ich solle gut aufpassen: Dies sei sein Leben. Und er allein entscheide, wie er es leben wolle. Niemand sonst. Schon gar kein Zivi. Der Supermarkt habe noch bis 20 Uhr offen, ich könne mir Zeit lassen. Ich ging sofort.
- 26. November 2011, ca. 18 Uhr 11.05.2012
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