Kein Praktikanten-Klassensprecher
Er hat mit seinem Artikel den Begriff der "Generation Praktikum" geprägt - dabei sagt er, er habe eigentlich nur aufgeschrieben, was in seinem Freundeskreis schon längst alle dachten. Ein Interview mit ZEIT-Autor Matthias Stolz.
Erzähl doch bitte kurz, wie es vor fast einem Jahr zu deinem Artikel „Generation Praktikum“ kam. Die Idee hatte ich, weil mich das Thema persönlich betraf. Ich hatte selbst viele Praktika gemacht und mich oft gefragt, ob es richtig ist, das jetzt alles zum neunten Mal zu erleben – oder ob vier Praktika nicht vielleicht auch reichen sollten. Auch im Bekanntenkreis fragten sich das immer mehr Leute. Nicht nur Journalisten übrigens, sondern auch Leute mit durchaus vernünftigen Abschlüssen fingen an, sich mit Praktika über Wasser zu halten. Fertige Juristen mit guten Examen, die stolz berichteten, dass sie ein EU-Praktikum in Brüssel ergattern konnten, nachdem sie sich durch drei Bewerbungsphasen gekämpft hatten. Wusstest du, dass du mit der Geschichte so einen Nerv treffen würdest? Überhaupt nicht. Ich war am Vorabend mit einer Freundin auf einem Konzert und erzählte ihr, dass ich am Wochenende einen Artikel über das Leid des ewigen Praktikantendaseins schreiben wolle. „Oh Mann, das ist doch echt kein Thema“, sagte die nur. Das macht einem nicht gerade Mut. Es hat natürlich auch geholfen, dass unsere Blattmacher das Thema in der ZEIT so groß gemacht und auf den Titel genommen haben. Dadurch hat es erst diese Wucht bekommen. Der Ausdruck "Generation Praktikum" ist inzwischen zu einem feststehenden Begriff geworden. Eine Ehre? Das ist schon sehr okay und ich freue mich darüber – auch wenn der Titel nicht meine Idee war. Aber wenn man dann morgens in den ersten Artikel anderer Zeitungen liest, dass die das übernehmen, dann ist das schon ein guter Tag. Neben der persönlichen Eitelkeit ist es natürlich auch schön, wenn man merkt, dass man einen Nerv trifft. Es kamen mehr Zuschriften als in meinem ganzen journalistischen Leben vorher, und viele davon haben mich sehr berührt. Ein Mädchen zum Beispiel ist wieder Zuhause eingezogen, weil sie sich mit Praktika durchschlagen musste und sich keine eigene Wohnung leisten konnte. Die Mutter sagte immer nur: "Du musst halt mal was Richtiges machen.“ Das Mädchen hat ihr dann meinen Text laut vorgelesen und die Mutter hat es zum ersten Mal verstanden, dass ihre Tochter eben nicht „selbst Schuld“ ist, wenn sie keinen richtigen Job findet.
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vierte zeile von unten, dass muss "wirklich" heißen.
hätteich mir ausschneiden sollen.
jetzt druck ich ihn auf jeden fall aus und verteile ihn in meiner familie. dann wissen die wenigstens, was so abgeht in meinem leben...
Sehr schön hinterfragt.
Da hast du recht in Deiner Ironie(?), aber sowas tue ich achselzuckend als dämliche Mode ab. Kann man nichts machen *g*








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01.02.2006 - 00:17 Uhr
VergissBerlin