dinge die man sich erzählt
Irgendwie wusste ich das er mich vermissen würde. Er war die Art wie sein Herz schlug, zu schnell. Schnelle Herzen gewöhnen sich in einer Nacht an mich. Und mehr als eine Nacht ist es nie. War es nie gewesen. Überall wo ich hin gehe scheint es traurig zu sein. Auch meine Freunde berichten nur traurige Dinge. Joseph schrieb mir von einem Mann in der Mensa, den er fragte: „Und was tun sie?“ „Jetzt grade esse ich!“ sagte dieser und lachte, worauf Joseph wissen wollte warum er lachte und der Mann sagte: „Wenn ich nicht lache, muss ich weinen.“ Traurig, wie es der Junge ist. Bei jeder Nachricht auf meiner Mailbox wird es schlimmer. Ich glaube das er bei der letzten geweint hat. Ich höre sie ab, während ich im Kaffee mache. Clara lachte sehr als ich es ihr erzählte. Sie findet in einem Pornoladen arbeiten sehr komisch. All die Schwänze, meint sie, müssten mich inspirieren. Es macht mich nur müde. Ich nehme einen Schluck Kaffee und gehe in den Verkaufsraum. Schwänze. Ein Alter Mann steht dort und ich lächle, wie ich es im Fernsehen gesehen habe. Ob ich ihm helfen kann, frage ich. Er nuschelt so leise das ich aus dem was er sagt ein Puzzle mache und es solange in meinem Kopf verschiebe, bis ein Sinn entsteht. Ich glaube er fragt nach VHS Kassetten. Ich beuge mich über den Tresen und rufe Carsten zu ob wir noch VHS haben. Nein, schreit dieser zurück. Ich wende mich dem alten Mann zu und überrasche mich selbst, als ich feststelle, dass meine Stimme warm und freundlich klingt. „Es tut mir leid“, sage ich ihm, „aber VHS ist wohl leider nicht mehr aktuell.“ Und der alte Mann dreht sich mühselig zu Tür und mit reeller Trauer antwortet er: „Dann bin ich wohl auch nicht mehr aktuell.“ In diesem Moment habe ich derartiges Mitleid mit ihm das ich ihm etwas schenken will. Aber ich glaube das er weder einen Dildo noch einen Cockring gebrauchen kann und so sage ich nur, dass er sich noch einen schönen Abend machen soll und komme mir verlogen vor. Ich bitte Carsten an die Kasse zu gehen. Dafür muss ich seine Arbeit machen und die Neuerscheinung einordnen. Schwänze. Bären, Sklaven, Twens und Twinks. Wild und Devot. Auf dem Stuhl, im Park. Asian Speminator. Youngs guys drinking cum. Und jede DVD lässt mich ein wenig leerer werden und ich weiß, dass ich kein schönes Herz habe und gestern Nacht ein schnelles Herz schwarz angestrichen habe. Fast will ich ihn anrufen, und sagen, dass es mir leid tut. Aber es würde nichts ändern. Ich würde keine guten Worte finden mit meinem Möwenherz. Also nur weiter arbeiten, einatmen und ausatmen. Ich war niemals traurig. Es ist zuviel Platz dafür. Es geht verloren. Als der letzte Film im Regal steht gehe ich zurück zu meinem Kaffee, nehme einen Schluck und beobachte mein Telephon, das auf dem Tresen vibriert.- es ist nur 30.08.2006
- flugversuche 29.08.2006
- was ich bin 02.05.2006
- bodenhaftung 14.04.2006
- Echo 21.03.2006
Alle Kommentare anzeigen
Alle Kommentare anzeigen







0
26.01.2006 - 15:29 Uhr
valeri