Lektion Leistung lohnt sich
Die Welt vor dem Autofenster war grau und die Zukunft düster. Im Familienauto fuhren wir mit unserer Mutter zu den Hochhäusern am Stadtrand, große Betonquadrate mit 70 Namen an der Tür und 70 Briefkästen. Viel Arbeit eben.Die Welt vor dem Autofenster war grau und die Zukunft düster. Im Familienauto fuhren wir mit unserer Mutter zu den Hochhäusern am Stadtrand, große Betonquadrate mit 70 Namen an der Tür und 70 Briefkästen. Viel Arbeit eben. Im Kofferraum: Prospekte, für einen Supermarkt. Unser erster Job - unsere utter hatte den Vertrag unterschrieben und brachte die Stützräder und Lehrbücher. 1000 Blatt Hochglanzpapier, drei Pfennig pro Hangriff, macht dreißig Mark; Lektion Leistung lohnt sich, oder so. Sechs Jahre Zeitungsjunge steht in unseren Lebensläufen, sechs Jahre Tour de Force durch Hochhaussiedlungen, Vorgartenwüsten und Einkaufszonen.. Und am Ende des Tages hatten Druckerschwärze und Regen unsere Finger schwarz bemalt. Manchmal konnte man sogar ein Wort lesen, deutlich auf die Hand gedruckt: das Wort "Extraangebot" natürlich, oder: "Billig!" Der Zeitungsstapel stand jede Woche vor unserer Tür. Zwei Stunden dauerte die Tour, jede Woche Bestzeit und doch kein Fortschritt. Wir verarbeiteten den Zeitungsstapel, trugen ihn ab, Schicht für Schicht, doch eine Woche später war er wieder da, kam nicht polternd wie ein Stein den Hügel hinab, sondern einfach so, aus dem Nichts, als Last des Nachmittags. Zeitungsaustragen erlaubt einen öden Ausblick aufs Erwachsenwerden. Das hatten wir schnell erkannt. Und so liefen wir schon bei der Arbeits-Premiere zwischen den großen Häusern extra langsam und waren bald erschöpft. DenGroßteil der Arbeit erledigte damals unsere Mutter, das Geld steckte sie uns später zu. Wir hatten die Lektion gelernt. Irgendeine ganz bestimmt.
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