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Oh mein, Gott, sie haben Kenny getötet. Schon wieder Siegstyle hat das Mercedes-Beispiel benutzt. Ich baue es etwas um. Silbergrau ist vermutlich die meist-verkaufte Farbe der S-Klasse. Die Kunden lieben es. Was würde nun passieren, wenn der Mercedes-Vorstand eines Morgens aufwacht und sich denkt: „Ach, die Kunden mögen Silbergrau, aber ich eigentlich nicht. Wir bauen die S-Klasse ab jetzt nur noch in Pink. Das find ich viel schöner.“ Heute ist 4-wöchiges. 4 Wochen neues jetzt.de. Da kann und will auch ich nicht anders, als mal so etwas wie ein Resümee zu ziehen. Wir sind für Euch da. Wir verstehen Euch. Wir sind wie Ihr. Das war so etwas wie das inoffizielle Credo des jetzt-Magazins. Pop, Kunst, Erwachsen werden, Jungs und Mädchen, die großen Fragen. Alles was wichtig und gleichzeitig unwichtig, aber niemals uninteressant war, fand seinen Weg in dieses Magazin. 2002 wurde es eingestellt. Jetzt.de war immer noch ganz deutlich der Ableger dieser alten Zeiten. Es gab die Sexkritik, Verlieben-Lieben-Entlieben. Vor allem gab es etwas sehr wichtiges: Das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Teil von etwas Einzigartigem zu sein. Das war immer ein wenig elitär, sehr verkopft, oft selbst-referentiell, aber vor allem war es: Echt. Jetzt.de war Heimat. Eine echte Community im besten Wortsinne: Eine Gemeinschaft. Auch wenn es oft Reibereien zwischen Usern gab, genauso oft auch mit der Redaktion, waren sich wohl alle einig: Wir sind anders. Wir sind nicht irgendwer. Wir sind Jetzt. Und wie ist das entstanden? Es gab eben nicht nur Text, sondern viele kleine Nischen. Für jeden etwas. Jeder konnte genau das finden, was er suchte. Bilderrätsel, In-Echt-Berichte, Tagebuch, Tagesticker, Foren, Zufallsbekanntschaft, Komm-Küssen-Button, Original der Woche. Vieles war user-gemacht, vieles kam von der Redaktion. Und genau diese Mischung machte es so interessant. Der Gegensatz zwischen Profis und Laien. Feste Punkte, an denen man sich orientieren kann. Heute Morgen habe ich einen Bericht über die „Rallye Dakar“ gesehen, sie machen gerade Station in der Hauptstadt von Mauretanien. Man sah Autos, LKW, Eselkarren, Fahrräder, Fußgänger, alle wild durcheinander. Ein großes Chaos, ohne jede Ordnung, ohne jede Sicherheit. Jedes Auto hatte Beulen, jeder Karren Löcher, jeder Fußgänger den Tot im Nacken. Das passiert, wenn es keine Regeln, keine Strukturen gibt: Durcheinander. Im jetzt gab es Regeln: Nicht jeder darf Tagebuch schreiben. Verlieben-Lieben-Entlieben wird von der Redaktion frei geschaltet, in den Foren gilt Themenbezug. Wenn ich auf Tagebuch klicke, bekomme ich Herzschmerz und Humor, in den Foren bekomme ich Tipps und Diskussionen, im In-Echt Berichte über Treffen und Lesungen. Ich wusste, was wo warum und wie passiert. Und was passierte dann? Gute Frage. Hatte die Redaktion keine Lust mehr auf diese Arbeit? Wollten Sie sich tatsächlich journalistisch verwirklichen und sich nicht mehr mit Pipi-Fax-Arbeit wie dem Gegenlesen von User-Texten beschäftigen? Vielleicht. Das ist dann aber gründlich in die Hose gegangen. Die Kategorisierung als „junges Nachrichtenmagazin“ ist ein schlechter Witz. Die harten Fakten sind aus der SZ kopierte Texte, das Eigen-Produzierte ist größtenteils ähnlich belanglos wie vor dem Relaunch. Es ist nur viel mehr als vorher und deshalb hat man schnell keine Lust mehr es zu lesen. Noch immer wird bei Spiegel Online kopiert, noch immer sind die Themen in erste Linie Sex und Musik. Und wie war das: „Alle Inhalte bleiben erhalten.“ Das war wohl nichts. Foren sind weg. Eigentlich eine unglaubliche Frechheit und vor allem Respektlosigkeit gegenüber allen Usern, die viel Arbeit darin investiert haben. Ohne Vorwarnung gelöscht. Oder war es der Süddeutsche Verlag (SV), der kein Geld mehr ausgeben wollte für ein in seinen Augen belanglosen Internet-Seitchen, das in erster Linie als Flirt-Community genutzt wurde? War es der SV, der den Wandel hin zum billig produzierten Light-Ableger des Flaggschiffs Süddeutsche Zeitung forcierte? Wahrscheinlich eine Mischung aus Beidem. Und man muss sich fragen? Wissen die Damen und Herren in München überhaupt, was Jetzt ist? Wissen sie überhaupt, was das Besondere, das Einzigartige, das Andersartige an Jetzt ist (oder soll ich sagen: war)? Diese Frage muss wohl verneint werden. Statt mit leichten Korrekturen eine Hinwendung zur Zeitung zu schaffen, wurde alles bisher dagewesene weggeworfen. Warum konnten in der alten Struktur keine SZ-Links eingebaut werden? Aber das Schlimmste: Warum diese Einfalt(slosigkeit)? Warum ist plötzlich alles und jeder gleich? Warum ist alles Text? Warum stehen Film-Rätsel neben Tagebüchern neben Song-Schnipseln neben Bildern? Die Redaktion verspricht uns mehr Freiheit. Meint damit aber in erster Linie ihre eigene Freiheit. Denn es heißt ja nichts anders als: Macht Euren Scheiß doch alleine, wir haben da keine Zeit und keine Lust mehr zu. Baut Euch doch selber ein Tagebuch, wenn Ihr das wollt. Baut Euch doch selber Teaser, wenn Ihr das wollt. Ja, aber hallo? Wozu gibt es denn bezahlte Mitarbeiter? Die Jetzt-Redaktion ist nur noch für den inhaltlichen, angeblich journalistisch hochwertigen Content zuständig. Und genau damit haben sie die Community, das Gemeinschaftsgefühl getötet. Denn wo jeder alles machen kann, wo jeder alle Freiheiten hat, wo jeder gleich ist – da ist niemand mehr Besonders. Nichts und niemand sticht aus dem Einheits-Brei hervor. Alle sind gleich. Und wenn alle super sind, ist niemand super. Warum erfahren wir eigentlich nicht mehr, von wie vielen usern wir gelesen wurden? Warum wurden die Lesenswertpunkte abgeschafft? Weil nur dann die Gleichmacherei funktioniert. Denn wenn wir wüssten, dass Bachstelze 250-mal, Siegstyle 350-mal, userxy aber nur 5-mal gelesen wird, bilden sich wieder Strukturen heraus. Und genau das gilt es zu verhindern. Wo alle gleich sind, kann keiner Meinungsführer sein. Die Redaktionsbeiträge sind geschützt. Ihre Labels bleiben immer auf der Startseite, egal wie lange nichts mehr in ihnen geschrieben wurde. Alle sind gleich – manche sind gleicher. Das sage ja nicht nur ich als ehemaliger Tagebuchlizenzinhaber, sondern interessanterweise auch viele User, die keine Lizenz hatten. Der Stammtisch ist geschlossen. Ja, das ist er. Nur dass der Stammtisch das Besondere hier war. Wenn ich Nachrichten will, gehe ich auf spiegel.de, fluter.de oder sueddeutsche.de. Jetzt.de war etwas anderes, jetzt.de war Heimat. Heute ist es ein „junges Nachrichtenmagazin“. Heute ist es kalt, beliebig, wie viele andere da draußen. Heute ist es nicht mehr Orientierung, sondern Durcheinander. Nicht mehr Sammelplatz, sondern Blog. Natürlich haben sie sich nach dem Relaunch bemüht, die schlimmsten Fehler auszumerzen. Das kann und muss man anerkennen. Viel Arbeit steckt in diesem Projekt. Noch immer wird umprogrammiert, geändert, erneuert. Viel Arbeit, aber kein Herzblut. Wo geht es also hin? Vermutlich nirgends. Jetzt2.de ist der Light-Ableger der SZ. Die Abo-Beschaffungsmaschine als einzige Daseinsberechtigung. Das jetzt-Magazin gewann Dutzende Preise für Layout und Inhalt. Jetzt.de gewann den Lead Award. Jetzt2 gewinnt 20 neue Abonnenten. So ändern sich die Zeiten. Aber was will man auch erwarten von einem Verlag, der sich selbst immer mehr in Beliebigkeit verzettelt? Der jetzt die 4. Buchreihe herausgibt. Blickt da noch jemand durch? Die erste Reihe war eine Sensation. Heute weiß niemand mehr, was gerade aktuell ist. Der SV arbeitet wie RTL: Jede gute Idee wird so lange gemolken bis sie tot ist. Und so wird es wohl auch jetzt2 ergehen. Wenn das hier scheitert – also nicht genügend Klicks auf sueddeutsche.de generiert, nicht genügend Abos abwirft, wird es irgendwann eingestellt. www.sz-light.de oder www.kinder-sz.de; so sollte diese Seite konsequenterweise heute heißen. Denn mit Jetzt hat sie nichts mehr zu tun. Dies ist ein Blog wie jeder Andere. Eine buntgewordene Katastrophe. Der SV sollte die Rechte am Namen Jetzt abgeben. Das wäre nur ehrlich. Sie werden es nicht tun. So wie sie es schon 2002 nicht tun wollten. Denn sie wissen genau, was dieser Name wert ist. Selbst wenn der Inhalt nichts mehr damit zu tun hat. Für das Magazin sind wir auf die Straße gegangen. Die Abschaffung von jetzt.de hat uns laut aufheulen lassen. Aber wenn dieses Kunstprojekt stirbt, wer wird ihm nur eine Träne nachweinen? Ich nicht.
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das trifft es auf den Punkt.
Auch ich will mein altes Zuhause Jetzt.de zurück!
Aber scheinbar wollen das die Verantwortlichen nicht, oder wie lässt sich sonst die Fehlentscheidung, oder besser die Beibehaltung derer erklären, wenn die deutliche Mehrheit der Jetztler mit Ablehnung reagiert und sich vor den Kopf gestoßen fühlt?
Wer wollte denn eine komplette Umgestaltung?
(um in den Worten des neuen Jetzt-Anlgizismus-Wahns zu sprechen: Complete Makeover...)
Wer wollte denn eine inhaltliche Annäherung an jede x-beliebige Pubertätszahnspangenteenieseite?
Wer wollte denn eine technische Verbesserung, die dazu führt, dass sie die Benutzer rauswirft oder gar nicht erst ein loggen lässt?
Ich nicht!
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Vor allem ohne diese allgegenwärtige Verbitterung, die langsam nervte.
entwickel doch bitte eine neue/alte seite, sagen wir ein "damals.de". wir folgen dir und werden wieder glücklich.
schickt die lilli
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11.01.2006 - 14:48 Uhr
schweden-anna