Basiswissen Brinkmann
Der Autor Rolf Dieter Brinkmann wäre in diesen Tagen 65 Jahre alt geworden. Anlass genug, den ersten Popliteraten Deutschland etwas genauer kennen zu lernen. Immerhin jährt sich in diesen Tagen auch sein Todestag: vor dreißig Jahren starb Brinkmann bei einem Autounfall in London.
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Interessant ist auch der Umgang mit Rolf Dieter Brinkmann in Vechta, seinem Heimatort. Dort ist er immer noch verpöhnt, Vechtaer Buchhändlerinnen antworten auf die Frage nach seinen Büchern mit "So einen schmutzigen Schund führen wir hier nicht." Gabs mal eine schöne Dokumentation im NDR darüber.
Naja, wer weiß vielleicht ist ja ein Auswahlthema in meinem Abitur an Montag ja Brinkmann. Schaun mer mal.
23.04.2005 - 11:19 Uhr
cohiba
Überraschend, daß an keinem anderen Tag gleich so viele Literaturnobelpreisträger geboren sind: von Vladimir Nabokov über de Cervantes bis hin zu Halldor Laxness. Aber das nur nebenbei, denn welcher aufgeklärte Dichter glaubt schon an die Macht der Sterne?
Für mich hat Brinkmann jenen Parlandoton in der Lyrik "erfunden", der nicht nur das Ende der gereimten "Hochdichtung" einläutete, sondern auch eine Spur von sensiblen Alltagsempfindungen in Sprache umsetzte.
Leider ist Brinkmann das nicht wirklich bewußt gewesen; wie alle, die an einer Zeitgrenze arbeiten, ahnte er das grundlegend Neue, ohne es schon tatsächlich analysieren zu können.
An seinem Todestag verdient er jedenfalls auch zu Wort zu kommen:
"Einer jener klassischen
schwarzen Tangos in Köln, Ende des
Monats August, da der Sommer schon
ganz verstaubt ist, kurz nach Laden
Schluß aus der offenen Tür einer
dunklen Wirtschaft, die einem
Griechen gehört, hören, ist beinahe
ein Wunder: für einen Moment eine
Überraschung, für einen Moment
Aufatmen, für einen Moment
eine Pause in dieser Straße,
die niemand liebt und atemlos
macht, beim Hindurchgehen. Ich
schrieb das schnell auf, bevor
der Moment in der verfluchten
dunstigen Abgestorbenheit Kölns
wieder erlosch.
(aus R.D. Brinkmann: "Westwärts 1& 2. Gedichte",
Reinbek 1975)
Brinkmann war radikal Außenseiter, vielleicht längst vergessen, hätte nicht sein tragischer Tod zur Mythenbildung beigetragen. So wäre er im Nachhinein noch um einiges verstörter gewesen, hätte er geahnt, dass er einst Thema im Deutsch_LK werden würde.
Um einiges zeitloser hingegen seine Gedichte:
"Vielleicht sind es überall
die Lücken, die Zwischenräume, das, was man nicht tat,
unterliess, gelassen hat, die den Raum
zum träumen offenliessen, ohne Wörter,
sich zu bewegen, aufeinander zu, eine neue
Möglichkeit, und die eine selbe Person
ist nicht länger die eine
selbe Person wie vorher
und umgekehrt.
*****
Küss mich. Ich
küsse Dich."
aus Eiswasser an der Guadelupe Street.
Der Weitermachentext ist das Vorwort zu Westwärts I & II und einer der besten Texte von Brinkmann überhaupt und wurde kongenial vertont von der Frankfurter Formation März. Weiß nicht, ob das dieselbe Version ist, wie die aus der MTV-Sendung, weil ich letztere nie gesehen habe. Aber in jedem Falle sehr hörenswert.
wie kommts dass sich niemand außer mir an den sexistischen und abstoßenden passagen stößt?
erklärts mir
25.04.2005 - 14:04 Uhr
mieke
ist doch widerlich
Aber "Rom, Blicke" ist saugut!








0
22.04.2005 - 14:37 Uhr
rockerking