09.11.2005 - 21:32 Uhr

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Kleine Prinzessin

Text: KleinOrangenmaedchen

Das kleine Mädchen saß in seinem Sandkasten und blickte in den Garten. Mit leuchtenden Augen beobachtete sie die kleine Nachbarskatze auf dem Baum.

Sie lächelte. Wünschte sich auch so eine Katze zum Kuscheln. Der Sand klebte an ihren kleinen Fingern, am Morgen hatte es noch geregnet. Sie begann wieder langsam und konzentriert mit Schaufel, Förmchen und dem großen gelben Eimer an ihrer Burg zu bauen. Groß war sie. Und golden. Ihr großer Bruder hatte gelacht: „Gold? Dieser eklige, matschige Sandhaufen soll gold sein?! Du spinnst ja!“ und hatte sie absichtlich an ihrem blonden Zopf gezogen. Verträumt stellte sie sich vor, wie sie in einem roten schillernden Prinzessinnenkleid durch die goldene Burg gleiten würde. Ihre kleinen Kinderhände waren geschickt und sorgfältig am Werk. Die Burg sah richtig echt aus, im Abendrot. Fertig. Die Türme wuchsen aus der kleinen Sandkiste gen Sommerhimmel und das Fähnchen, dass sie beim Eisessen stibitzt hatte, wehte im leichten Abendwind. Plötzlich wackelte es im Gebüsch und am Horizont leuchtete es hell auf. Das Mädchen musste heftig blinzeln, um ihre kleinen grünen Augen offen zu halten. Noch einmal kam ein Windstoß, der ihr kurz die Luft wegnahm. Langsam öffnete sie ihre Augen und schloss sie gleich darauf wieder. Ganz grell war es und viel zu hell für einen Spätsommerabend. Als sich das kleine Mädchen nun wieder umblicken konnte, erschreckte es. Festliche Musik drang in ihre winzigen Ohren und es duftete nach deftigem Essen. Sie suchte den Garten und die kleine Nachbarskatze, doch war sie gar nicht mehr an der frischen Luft. Sie war nicht mehr in ihrem Sandkasten. Nicht mehr hinter dem Haus. Nicht mehr in der Nähe ihres großen Bruders. Sie war in einer Burg. Einer alten Burg aus dem Mittelalter. Kerzenlicht flackerte im Abendwind und beleuchtete einen großen Festsaal mit schweren Tischen und Stühlen und riesigen Wänden. Die Menschen in den bunten Kleidern tanzten fröhlich auf dem glänzenden Parkett. Das kleine Mädchen tapste langsam näher an das Geschehen heran. Blickte an sich herunter und es funkelte in ihren Kinderaugen. Das Kleid war rot und mit silbern schimmernden Sternen bestickt. Sie war eine Prinzessin. Und die Wände der Burg waren golden. Richtig golden. „Ha!“, dachte das kleine Mädchen „meine Burg war genauso golden.“ Die Musik war laut. Die Frauen in den eng sitzenden Kleidern kicherten laut und die Männer lachten vergnügt. So ein ausgelassenes Fest hatte die Kleine noch nie zuvor beobachten können. Sie lächelte verträumt und ihre kleinen Augen musterten die so unbekannte Umgebung genau. Plötzlich strich etwas über ihre winzigen Füße. Sie schaute nach unten und erblickte die kleine Nachbarskatze. „Wo kommst du denn her?“, fragte das Mädchen erstaunt. Die Katze erwiderte mit ihren leuchtenden grünen Augen den fragenden Blick des Mädchens, kratzte an dem weißen Leder ihrer Schuhe und schlich langsam davon. Das kleine Mädchen entschied sich, dem Tier zu folgen. Sie hatte große Mühe, mit den vier flinken Beinen der Katze mitzuhalten. Ganz außer Puste blieb sie schließlich vor einer großen in einem dunkelgold glänzenden schweren Tür stehen. Die Katze miaute. Plötzlich sprang die Tür mit einem Quietschen auf. Draußen, im Hof, stand der kleine Sandkasten. Die Burg war verschwunden. Nur noch eine kleine Schaufel lag einsam im beigen Matsch. Das Mädchen blinzelte mehrmals. Allmählich verwandelte sich die ganze Umgebung in ihren großen bunten Garten. Lange stand das kleine Mädchen noch an derselben Stelle, bis sie plötzlich die Stimme ihrer Mutter vernahm: „Lene, komm jetzt bitte rein!“ Aber nein, sie wollte nicht reingehen. Sie wollte nie wieder reingehen. Die Mutter kam hinaus und ging auf die Kleine zu: „Aber Lene, du weinst ja.“ Eine einzelne Träne glitzerte auf den roten Wangen. Wie ein Stern. „Mama…“, stammelte die Kinderstimme, „ich war eine Prinzessin. In meiner eigenen Burg. Und die war golden. Richtig golden, weißt du.“ Die Mutter stupste mit ihrer Nase gegen die kleine mit den Sommersprossen und lachte herzlich. Dann nahm sie Lene auf den Arm, drückte sie fest an sich und ging in Richtung Haus. Das kleine Mädchen blickte zurück und sah die kleine Nachbarskatze auf dem Baum. Sie zwinkerte ihr zu und am Abendhimmel leuchtete es ganz kurz auf.


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2 Kommentare

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heavenly-jason
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Mag ich Mag ich nicht

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09.11.2005 - 21:41 Uhr
heavenly-jason

ein wintermärchen, das im sommer spielt? ein mädchen, das mit einer katze spielt? eine goldene burg? ... für ein orangenmädchen, das mit ihren gedanken spielt... = )

john_doa
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.11.2005 - 07:44 Uhr
john_doa

Für ein paar Minuten konnte ich die Burg auch sehen...


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