08.10.2005 - 22:18 Uhr

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Fußmarsch

Text: KleinOrangenmaedchen

Seine Wangen waren rot. So rot, wie er das Blut in seinen Adern fließen hören konnte. Mit jedem Atemzug zog er das Leben in sich ein. Und wenn er dann ausatmete, bildeten sich Schleier auf seinen Brillengläsern.

Er mochte es, im Nebel durch die Welt zu laufen. Er liebte es, zu laufen. Immerzu zu laufen. Seine Füße waren ihm dankbar, dass er stets vorwärts ging. Und auf der Straße konnten auch keine großen Steine für Fehltritte sorgen. Das Leben war schon kompliziert genug. Durch den Nebel betrachtet, konnte er jedoch nur darüber lächeln. Doch sein Lächeln war nicht sichtbar. Zumindest nicht für die vielen Autofahrer, die stur an ihm vorbeifuhren. Täglich. Die Menschen fahren viel in ihren Autos. Zu viel, dachte er. Schritt für Schritt wurde er gelassener. Fühlte sich so unglaublich frei und stark und mutig. Er betrachtete mit langsamen aber stets neugierigen Blicken die Landschaft. Nachts konnte er dann in seinem Kopf Bilder davon malen und je nach Belieben ein paar Vögel hinzufügen oder Sonnenstrahlen zu Regentropfen werden lassen. Nur Autos, die gehörten niemals in seine Kunstwerke. Die Bäume faszinierten ihn. Es war ihm, als sprachen sie mit ihm. Und er ärgerte sich darüber, dass es keinen Lehrer gab auf dieser Welt, der ihn lehren konnte, sie zu verstehen. Mit ihnen zu flüstern. Doch er war sich sicher, von was sie ihm erzählen würden. Er liebte diese Zeit, denn die Farben der Blätter erinnerten ihn an seine Großmutter und ihre selbst gestrickten Pullover. Und den Geruch nach frischen Äpfeln. Dann lächelte er noch breiter und die Autofahrer hupten. Er bekam davon Ohrenschmerzen. Er bekam sowieso oft Schmerzen, doch diese Beschwerden konnte kein Arzt stillen. Wenn es zu regnen anfing, ging er noch langsamer als zuvor. Er glaubte so, die Regentropfen besser in seiner Kapuze auffangen zu können. Der Mensch braucht Wasser. Er lief und lief. Durch den Herbst hindurch. Die bunten Blätter fielen zu dem Wasser in seine Kapuze und blieben auf seiner salzigen Haut kleben. Er sah lustig aus. Jetzt lachten die Autofahrer. Aber sie lächelten nicht. Seine Füße wurden schwer und schwerer, als der Schnee kam und ihn zu größeren und höheren Schritten drängte. Die kalte Luft kühlte die Schweißtropfen auf seiner Stirn. In seiner Kapuze erblickte ein kleiner putziger Schneemann das Licht der Welt. Ein warmes Licht. Von der roten Abendsonne. So rot wie seine Wangen. Er durchlief auch den Winter und gähnte laut mit den ersten Flügelschlägen der Vögel und dem Lied der Krokusse am Wegrand. Seine Augen waren träge und er trauerte um die vielen Regenwürmer und Schnecken, die unter seinem schweren Gewicht leiden mussten. Es sah von weitem nicht aus, als hätte er viel zu tragen, nur er, in seiner grünen Kapuzenjacke. Hellgrün, wie die Augen der Katzen. Aber du hättest gesehen, wie schwach er war, wärst du an ihm vorbeigekommen. Der Frühling brachte einige Menschen zum Lächeln. Das freute ihn sehr. Doch seine Freudentränen waren zu schwach, um seine Haut zu versüßen. Als alles blühte und es immer heißer wurde, begann er zu frieren. Er war sehr weit gegangen. Der Sommer war gekommen. Die Bank stand am rechten Fleck. So konnte er die Landschaft in seinen Träumen ausmalen. Als er sich setzte, knarrte das Holz unter ihm. Er hielt seine Hand vor seine Augen und begann zu reisen. In das Land der Träume. Er träumte vom Herbst. Von der Großmutter. Und von dir.


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3 Kommentare

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john_doa
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Mag ich Mag ich nicht

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08.10.2005 - 22:35 Uhr
john_doa

: )

Gambit
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.10.2005 - 23:11 Uhr
Gambit

ganz gut ;)

violacee
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Mag ich Mag ich nicht

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09.11.2007 - 22:14 Uhr
violacee

du schreibst wirklich wunderschön.


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