17.09.2005 - 15:54 Uhr

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Mondmädchen

Text: KleinOrangenmaedchen

Vor ein paar Jahren hatte ihr jemand ihr Lächeln geklaut. Sie ließ ihn laufen, denn der jemand war stark. Und sie war klein. Auch ihre Grübchen nahm er mit. Er kam in der Nacht und verschwand wieder ruckzuck.

Am Anfang bemerkte es niemand. Denn ihr schaute niemand ins Gesicht. Es fehlte auch niemandem das Lachen in ihren Augen, denn ihre Augen hatten vorher so selten gelacht. Wenn sie nun die Kinder sah, wie sie im Wald Baumhäuser bauten oder Vogelnester fanden, so stand sie nur da und schaute und schaute. Und ihr Blick war leer. So leer, dass man noch nicht einmal durch sie durch schauen konnte. Die Kinder blieben stehen, wenn das Mädchen sie beobachtete. Es war ein komisches Mädchen, sagten ihre Mütter. Und die Väter warfen ihr große Blicke zu. Doch das Mädchen konnte nicht gut fangen. Wollte nicht. Sie war nicht gut im Fangen. Aber Werfen konnte sie auch nicht. Alles knallte gegen sie. Doch es ging nichts kaputt, denn ihre Seele war schon zerbrochen. Wie ein Krug. Ein klirrendes Geräusch. Mitten in der Nacht. Sie wollte so sein wie die Kinder. Die im Winter mit den Schneemännern sprachen und im Sommer mit der Sonne. Doch ihre Stimme klang nach Trauer und schwarz. Jeden Abend ging sie spazieren. Sie lief um einen großen See herum. Auf dem Wasser spielten Schwäne und der Mond schaute ihnen zu. Sie liebte den Mond und hatte Angst vor der Sonne. Denn die Sonne zeigte ihr das Leben in schwarz-weiß. Nur in der Nacht war ihre Welt bunt. So bunt, wie sie nur Kinder sehen. In Farben, die glänzen und schillern und duften. Sie lief die ganze Nacht um den See herum und summte eine Melodie, die sie von ihrer Mutter kannte. Sie wusste, dass sie nie wieder lächeln können würde. Denn ihr Lächeln war schon mehrmals weiterverkauft. Das sind ganz schlimme Leute, die mit Lächeln handeln. Wenn sie morgens in ihr Bett kletterte, sangen die Vögel die letzten bunten Lieder. Und wenn sie wieder aufwachte, hatte sie Schmerzen. Ganz schreckliche Schmerzen. Die nur Menschen kannten, deren Lächeln geklaut worden war. Kein Arzt konnte ihr helfen. Wollte ihr helfen. Die lachten nur ganz schrill. Schwarzweiß. Eines Abends, sie hatte gerade ihre Sachen gepackt und wollte den Mond besuchen gehen, kam ein junger Mann ihr auf der Wiese entgegen, die zu dem See führt. Er war bunt. Seine Augen lachten für zwei. Und seine Nase kicherte vergnügt, wenn sie das frische Gras erschnupperte. Er lief auf sie zu. Er kannte sie. Kannte ihre Melodie. Und die Schwäne. Und kam gerade vom Mond. Er blieb stehen. Sie auch. Er nahm ihre Hand und steckte sie in sein Herz. So gingen sie Hand in Herz zum See. Und als sie die Schwäne sahen und wie diese im Mondschein spielten und auf dem Wasser tanzten, da küsste er ihr Lächeln.


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2 Kommentare

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Mag ich Mag ich nicht

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17.09.2005 - 18:33 Uhr
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*sniff*
Das ist schöner als alle Teile von Sissi zusammen! :)
Ich will auch!

violacee
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.11.2007 - 22:23 Uhr
violacee

ausgezeichnet!


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