11.09.2005 - 12:12 Uhr

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Schneewittchen vs. Barbie

Text: KleinOrangenmaedchen

Gestern Abend bei unseren Nachbarn. Ich nehme mir nach langer Zeit wieder einmal einen ganzen Abend Zeit für mein Patenkind Alexandra, bald 4 Jahre alt.

Sie und ihre Schwester haben schon den ganzen Nachmittag sehnsüchtig auf mich gewartet: „Mama, spielt sie auch mit uns?“ Ich fühle mich toll. Ich werde gemocht. Beobachtet. Ich bin beliebt. Ich muss mich nur neben sie setzen und ihnen aus ihrer „Die Prinzessin“ – Zeitschrift Geschichten vorlesen und schon weichen sie den ganzen Abend nicht mehr von meiner Seite, obwohl ich vor ein paar Monaten gar nicht als richtige „Patentante“ für sie gegolten habe. Ich muss mir mit ihnen eine „Schneewittchen“-DVD anschauen und lerne, dass der eine Zwerg „Hatschi“ und ein anderer der sieben „Brummbär“ heißt. Aha. In meinen Kindestagen bekam ich Schneewittchen noch vorgelesen und musste sie mir in meinem Kopf selbst ausmalen. Apropos ausmalen… Malbücher lagern sich bei ihnen im Wohnzimmerschrank auch reichliche. Ich werde dazu gebeten, die Frontscheibe eines Autos silbern anzumalen. Oho. Ich gebe mir reichlich Mühe, will ich doch nicht, dass an die Luft kommt, dass ich wahrlich nicht zu so einer Aufgabe geboren bin. Nach einigem Betteln haben sie mich dazu überredet, dass ich mich vom Sofa erhebe und mit ihnen ihr Spielzimmerreich betrete. Mein Gott, ist das aufgeräumt. Extra für mich? Ich denke an mein eigenes Zimmer und unterdrücke einen Seufzer. Etliche Barbiepuppen sitzen elegant an den 4 Wänden und tragen Namen wie „Die schöne Schlafende“ über „Prinzessin Anneliese“ zu „Prinzessin Erika“. Sie wollen, dass ich mir eine der perfekten Püppchen schnappe und mit ihnen spiele, aber tut mir leid, ich spiele ja wirklich sehr gerne und erinnere mich sehr gerne an meine Kindheitseindrücke, aber… Barbies?! Nein, über die lästere ich lieber im realen Spielzimmer der Wirklichkeit. Na gut, Lego ist das genialste Spielzeug überhaupt, habe ich in „Sophies Welt“ gelesen, damit spiele ich immer noch gerne. Ich baue Autos und Häuser und Wohnwagen und Blumenbeete und gehe sichtlich darin auf. Irgendwann mag ich zu den Großen zurück und frage, ob sie auch Durst haben. „Nee!“ „Ok, ich gehe aber ´mal runter was trinken. Kommt jemand mit?“ „Jaaa, ich.“ „Ich auch!!!“ „Ich habe ja so einen Durst.“ Ich könnte fies sein und mir gemeine Aktionen ausdenken, die sie mir sicherlich nachmachen würden. Aber ich habe ja ein Herz für Kinder. Hoho. Mein Plan ist aufgegangen. Es bettelt nun keine mehr, dass ich mit nach oben kommen soll. Ich sitze unter Eltern und neben ihnen auf der Couch und unterhalte mich. Es geht um meine Zahnspange. Es wird gefragt, wie lange ich die noch tragen muss. Da sagt die eine: „Mach ´mal den Mund auf!“ Wie beim Zahnarzt mache ich brav „Aaah!“. „Oh, glitzert das?“ „Ja! Und du kannst dir sogar die Farbe auswählen. Ich habe Silber.“ Ich grinse, weil sie so erstaunt gucken. „Du, geht das auch in Rosa?“ Jetzt muss ich lachen: „Ja, bestimmt. Es gibt etliche Farben.“ Mein Patenkind beobachtet mich lange und fragt schließlich ihre Mutter, nachdem sie gründlich überlegt hat: „Mama, Mama darf ich das bitte auch haben, was die Kathrin hat?“


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2 Kommentare

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heavenly-jason
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Mag ich Mag ich nicht

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11.09.2005 - 23:55 Uhr
heavenly-jason

potentielle frühförderung bezüglich zukünftigen zahnarztbesuche. lobenswert. :-) liebgruss.

john_doa
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Mag ich Mag ich nicht

0

12.09.2005 - 11:25 Uhr
john_doa

sehr schön erzählt!
ich habe auch ein vierjährige patentochter. : )


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ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.

//her mind, was a very big house, we got lost there for hours until august fell//