Auf Anruf 'Danke'
oder - Nobody is perfect Es klingelt das Telefon. Die Melodie, von der ich anfangs, als das Telefon noch ganz neu installiert war, so begeistert war, bringt mich mit jedem Takt neu auf die Palme.Ich sitze am Schreibtisch und knabbere gerade an diesem einen komplizierten französischen Satz und plötzlich reißt mich dieses provozierende Geräusch aus meinen französischen Träumen. Aber am Anfang bin ich ja nicht so. Nein, ich bin ein guter Mensch. Und hilfsbereit. Ja, das rede ich mir zumindest ein. Auf dem Display kann ich schon erkennen, wer mich da so schrecklich laut und fröhlich-blöd aus der gemütlichen Lage auf meinem Bürostuhl holt. War mir auch eigentlich schon klar, S. , meine Freundin. Was sie wohl heute von mir wissen möchte?! Eine kurze Frage zu Deutsch, ein Unwissen über die Mathehausaufgaben oder doch Übersetzungsprobleme in Englisch? Ich, ich helfe doch natürlich gerne. Auch ohne ein liebes „Danke“ am Ende. Ist wohl heutzutage zu viel verlangt. In meinen Gedankengängen treffe ich auf eine neue Art von Anrufbeantworter. So in etwa eine elektronische Sekretärin. „ Drücken sie die 1, wenn sie eine Frage zu Mathe haben, drücken Sie die 2, wenn sie nicht mehr weiter wissen…. Und drücken sie die 6, wenn Sie etwas Liebes von mir wollen.“ Wer dann wohl die 6 drücken würde?! Meine vielen „Freunde“ bestimmt nicht. Die wollen nur von mir profitieren. Oder ´mal mit mir plaudern. Spaß haben. So fühlt sich das zumindest an, was sich bei mir „Freundschaft“ nennt. Wie lange träume ich schon von der besten Freundin, dem einen guten Freund. Bin ich einmal mit jemandem etwas besser befreundet, geht das so lange gut, bis ich immer mehr Macken bei meinem Gegenüber registriere. Diese summieren sich dann so lange, bis ich mich dabei erwische und mich richtig dafür schäme, wenn mich sogar schon allein die typische Aussprache eines Wortes oder die Stimme am Telefon nervt. Das ist doch wirklich schlimm. Kann ich nicht einmal einfach über diese Macken hinwegsehen?! Muss das immer so enden, dass ich wieder alleine dastehe und mich zur nächsten zunächst „perfekten“ Person geselle, bei der ich anfangs noch völlig blind für irgendwelche Macken bin… Oder soll ich es auf die anderen schieben. Es mir ganz einfach machen. Pöh, es sind einfach die falschen Freunde. Genau. Wir sind uns zu unterschiedlich oder zu ähnlich und eigentlich haben wir uns von Anfang an nicht gut verstanden. Ja, das tut gut. Doch wäre es wohl die falsche Lösung. Die leichtesten sind bekanntlich immer die schlechtesten. Wenn ich über Freundschaft nachdenke, kommt mir das so fremd vor. Aber vielleicht stelle ich auch einfach zu hohe Ansprüche. Lieb, hilfsbereit, lustig, immer für mich da – eine Person, mit der ich genauso gut über die blödesten Dinge lachen und dann wieder gemeinsam weinen kann. Mit der ich mir die Haare färbe, den neuen Bikini aussuche, einen Krimi schreibe oder von der Zukunft träume. Von der ich ein „Danke“ höre, wenn ich etwas gebe, was ich auch jederzeit von ihr zurückbekommen könnte. Die mich versteht, wenn ich so unglaublich kompliziert denke und die meine Gedichte interpretieren kann. Die mir direkt sagt, wenn ihr etwas nicht passt und die mit einer großen Packung Tempo und Erdbeer-Sahne-Tee zu mir kommt, wenn mein Freund sich mit einer anderen trifft. Die einfach einmal so bei mir anruft, um mir zu sagen, dass sie gerade an mich gedacht hat. Die jedes Mal die 6 drücken würde. Vielleicht müsste sie genau so sein, die nächste Person, zu der ich mich geselle. Und bitte nicht perfekt – von Anfang an. Denn dann werde ich vielleicht neuerdings wieder gerne diese altbekannte Melodie hören und meinen Platz am Schreibtisch verlassen. Aber bis dahin träume ich noch ein bisschen weiter – über das blöde Klingeln hinweg. Ich kann schließlich gar kein Mathe…
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aber zu christinaw: nein, ich finde eine gute freundschaft ist nicht harte arbeit, sie läuft wie von selbst!!! das ist ja das tolle, weil es die unabdingbarkeit von beiden seiten ist sich zu sehen und dem anderen was liebes zu tun. aber ehrlichkeit, die ist schon wichtig! das heißt: wenn einen was nervt: dem anderen sagen, und zwar auf liebevolle art und weise, schließlich mag man den anderen ja sehr gerne! und wenn das nicht so ist, dann ist es keine tiefe, wirkliche freundschaft, sondern eine bekanntschaft, die manchmal lustig ist, manchmal nervt!
freue mich auf neue texte!
deswegen kann ich dir nicht zustimmen. schön wärs, wenn es von anfang an so easy weiter laufen würde. tut es aber nicht. wir sind schließlich alle nur menschen.








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28.04.2005 - 18:07 Uhr
christinaw