Cola küsst Orange – Ausgetrunken
Wochenlang hatte sie nichts von ihm gehört. War allein. Versuchte zu vergessen, woran sie ihr Leben lang denken wollte.Ferien waren gewesen, gleich nachdem er weg war. Lange leere Ferien. Am See war sie gewesen und im Freibad. Mit Freundinnen beim Eisessen. Und im Kino. Mit ihrer Familie in den Bergen. Mit ihrer Freundin beim Zelten. Gelacht hatte sie. Spaß gehabt. Und ihn vermisst. Jeden Tag. Jede Nacht. Jede Stunde. Jede Minute. Und jede Sekunde. Viel geweint hatte sie. Seinetwegen. Morgens stand sie vor dem Automaten. Aus alter Gewohnheit. Kaufte sich Apfelsaftschorle, weil sie den Geschmack von Fanta nicht mehr ertrug. Und den von Cola erst recht nicht. Sie entdeckte eine Freundin, die sie besorgt beobachtete. Lächelte in ihre Richtung und signalisierte „alles okay“. Nichts war okay. Die ersten Schultage gingen vorüber. Sein deutscher Austauschpartner grüßte sie auf dem Gang. Er hatte es früher nie getan. Doch jetzt kannte er sie. Sie nickte zurück. Fragte sich, ob er schon etwas von ihm gehört hatte. Vermisste ihn. Mittags setzte sie sich vor den Computer. Fragte ihre Emails ab. Löschte die Werbung. Und entdeckte einen Absender, den sie nicht kannte. Sie öffnete die Mail. Sah ein Foto. Spürte die Tränen auf ihren Wangen. Sah eine Fantaflasche auf einem Tisch stehen. Daneben eine Colaflasche. Eine Hand an der Colaflasche. Sie erkannte die Hand. Weinte noch mehr. Diesmal aber glücklich. Las den Text. „Something is missing“ Lächelte. Spürte glückliche Wellen, die sie überfluteten. Drehte den Kopf und sah zu der leeren Colaflasche in ihrem Bücherregal. Ging hin zu ihr und küsste vorsichtig den Flaschenhals. Am nächsten Morgen kauft sie sich Fanta. Sieht die verwunderten Blicke. Lächelt wieder. Fängt wieder an zu leben. Fängt wieder an zu singen und zu summen und auf der Stelle zu tanzen. Ist wieder die Alte. Lacht, wann immer sie Grund hat zu lachen. Winkt seinem Deutschen auf dem Weg in die Pause. „Soll dich grüßen“ sagt er. Sie nickt. „Weiß ich“. Sie nimmt ihre Flasche. Trinkt Fanta. Schmeckt Cola. Schmeckt seine Lippen. Schließt die Augen. Lächelt schon wieder. Ist nicht einmal böse, als sie jemand anrempelt. Geht weiter, hüpft dabei fast. Die anderen wundern sich. Aber sie erklärt nichts. Nachmittags sitzt sie wieder in ihrem Zimmer. Schreibt. Viele Seiten. Fotografiert ihre Hand. Kopiert sie in das Bild. Schickt es zurück. Den Text hinterher. Wartet auf Antwort. Und bekommt sie. „I love you“. Von da an jeden Tag.
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17.08.2004 - 18:04 Uhr
sonnenblumenmaler
Heute mußte ich, als ich an der stelle, wo er stand, vorbeiging an deine Geschichte denken.
Sie ist wirklich schön!