26.07.2004 - 18:37 Uhr

0 1 Über Twitter weiterempfehlen

Cola küsst Orange - Abschied

Text: Punkratz

Die Wochen waren vorbei eines Tages. Sie stand morgens auf so wie jeden Tag zuvor. Und dann fiel es ihr ein.

Als sie vor ihm stand konnte sie nur daran denken, dass es das letzte Mal war. Sie gingen nebeneinander zum Cola-Automaten. Hand in Hand. Lächelnd. Wie jeden Morgen. Cola für ihn. Fanta für sie. Ein Kuss, gleich nach dem ersten Schluck. Lachen. Und heute brach sie in Tränen aus. Viel Zeit hatten sie nicht gehabt. Zeit genug, um zusammen Sterne zu suchen. Und jeden Tag ihr Spiel zu spielen. Alle hatten es gewusst, ziemlich schnell. „Er und sie“, hatte es geheißen. Die große Liebe, hatte man gesagt. Und den Kopf geschüttelt. Weil es so hoffnungslos war. Man hatte gelächelt, wenn man sie gesehen hatte. Ihn und seine Colaflasche in der einen Hand. An der anderen sie. Glücklich. Lachend. Sie war nicht die einzige gewesen, der er aufgefallen war. Aber sie war die einzige, die er gesehen hatte. Die einzige, deren Lippen nach Orange schmeckten. Und jetzt stand sie vor ihm. Weinte und sah ihn an. Er weinte auch. Weil sie so traurig aussah. Weil er sie nicht allein lassen wollte. Weil er sie liebte. Sie nahm seine Cola und trank. Lächelte unter Tränen, zitterte. Er nahm die Flasche und stellte sie auf den Boden. Legte die Arme um sie. Ignorierte die mitleidigen Blicke um sie herum. War ganz weit weh mit ihr. "Was to wonderful to be true“ Ließ sie los. Sah ihr noch ein letztes Mal in die Augen, hob ihre Fantaflasche vom Boden auf und nahm sie mit sich. Sie sah ihm nach. Entdeckte die Cola neben ihren Füßen. Presste die Flasche an sich. Ließ sie nass werden von ihren Tränen. Er stellte sich weit weg von ihr zu seinen Freunden. Versuchte zu lachen. Versuchte von einem Bein aufs andere zu treten. Versuchte ihnen zu sagen, dass er okay war. Und konnte es nicht. Er wusste, dass sie ihm nicht glauben würden, wenn er dabei weinen würde. Sie taumelte langsam in Richtung Klassenzimmer. Sah auf die Uhr und zählte die Minuten, die er noch in ihrer Nähe sein würde. Wenige. Zu wenige. Sie ließ sich langsam auf den Boden sinken, auf halbem Weg. Blieb sitzen. Streichelte sanft über seine Colaflasche. Er stand vor dem Bus, der ihn und seine Freunde zum Flughafen bringen sollte. Sah nach oben in Richtung Schule. Hinunter auf die Flasche in seiner Hand. Drehte sich zu dem neben ihm. Sagte ihm etwas. Erklärte nicht viel. Der andere verstand auch so. Sie sitzt immer noch im Gang und versucht die Tränen unter Kontrolle zu bringen. Sie hört Schritte. Erkennt diese Schritte, die den Flur entlang stürmen und vor ihr Halt machen. Er bleibt stehen. Setzt sich vor sie. Nimmt ihre Hände in seine. Schweigt. Sie lächelt. Flüstert „Ich vermiss dich jetzt schon“. Er versteht. Nickt. Küsst sie und schmeckt Orange. Und sie versteht auch. Versteht immer noch, als er wieder aufsteht und geht. Versteht, als er sich umdreht und sie ein letztes Mal ansieht. Versteht, als ihr wieder die Tränen kommen.


Neue Texte zum Label 'Kurzgeschichte':
Textoptionen
Mehr Texte von
Punkratz
Mehr Texte zum Label
Kurzgeschichte
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
1 Kommentar

speichern
zombiemaster
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

26.07.2004 - 20:52 Uhr
zombiemaster

echt süß

Mehr lesen:

Jetzt-Mitglied

Punkratz unbekannt

Punkratz

ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.


Ellingen