Liebe auf dem Abstellgleis
„Auf Gleis 3 fährt jetzt ein der verspätete NRW-Express von Hamm nach Aachen über Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Düren. Der nächste Halt dieses Zuges ist Köln-West. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt.“Wie oft habe ich diese Ansage damals gehört, und dabei hat mir das Herz bis zum Hals geschlagen. Suchenden Blickes stand ich aufgeregt an der Bahnsteigkante und wartete nur darauf, dass Du aus einer dieser Türen steigen und mich umarmen würdest. Dann ging für mich die Sonne auf, und es begann der Tag, auf den ich mich schon die ganze Woche gefreut hatte. Unsere Briefe und Telefonate haben die Vorfreude und die Sehnsucht nur noch wachsen lassen, und nun endlich stehst Du vor mir. Ich kann Dir in die Augen schauen, Dich anfassen und mit Dir durch die Straßen zum Rhein hinunter spazieren. Wir schauen den Schiffen zu, und schmieden dabei Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Alles erscheint uns so unbeschwert und leicht. Wir lachen zusammen, essen Eis, lauschen den Straßenmusikanten oder gehen ins Museum. Wir genießen unsere Zeit und wollen wie festhalten. Doch die Zeit verrinnt, und irgendwann neigt sich der Tag seinem Ende entgegen. Wir steuern wieder auf den Bahnhof zu, der inzwischen das glänzende Aussehen vom Morgen eingebüßt hat. Nun erscheint er uns düster und droht uns zu verschlucken. Wir freuen uns, wenn die Durchsage ertönt „Der NRW-Express wird wenige Minuten später hier eintreffen“ - geben uns diese Worte doch noch ein wenig Aufschub bis zum Abschied. Doch dann ist es soweit. Ein letzter Kuss, ich lasse Deine Hand los, und die Türen schließen selbsttätig. Bis die roten Rücklichter um die Kurve verschwunden sind, winke ich dem Zug nach, an der Hand den Ring, den Du selber für mich gemacht hast. Schon jetzt freue ich mich auf Deinen Anruf heute abend, in dem Du mir erzählst, was Du auf der Zugfahrt erlebt hast. Wenn ich heute die Ankündigung dieses Zuges höre, jagen mir ganz andere Gedanken durch den Kopf. Mir drängen sich Bilder auf, die diese vergangenen Sommertage überschatten. Irgendwann wurden Deine Briefe und Anrufe seltener, Dir fehlte die Zeit für ein Treffen. Unsere Pläne lösten sich langsam in Luft auf; schließlich waren sie ja nichts anderes als Luftschlösser. Lange Zeit habe ich gehofft, dass dies nur eine Phase ist, die sich wieder legt. Doch eines Tages ist mir bewusst geworden, dass mehr dahinter steckt, und ich habe begriffen. Diese Erkenntnis war zwar bitter, aber sie hat mir geholfen loszulassen. Und das hast Du dann nicht verkraftet...
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achja und der RE1 ist echt IMMER zu spaet.
auch wenn es traurig ist.. traurig-schön....
danke dir....








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18.03.2004 - 12:25 Uhr
ellis_kaut