Tell me why ...
Zwei Jahre nach ihrem Debüt Gefallen präsentiert die in Hamburg lebende Popband Mon)tag ihr neues Album Sender.Als die 1999 gegründete Band Mon)tag im letzten Jahr zum ersten mal auf dem Tapete Sampler Müssen alle mit Vol. 2 erschienen, waren sich viele Kritiker nicht sicher, ob sie wirklich mit mussten. Ihr Debüt Gefallen aus dem Jahr 2003 war musikalisch eine Spur zu glatt geraten und weckte daher gelegentlich berechtigte Assoziationen zur Münchener Freiheit. Obwohl Julian Friedrich (Gesang, Bass und Klavier), Jan Ostendorf (Schlagzeug) und Dominik Pobot (Gitarre) im hohen Norden leben, sind die Musiker kein Teil der sogenannten Hamburger Schule. Sie kultivieren nicht deren musikalische LoFi-Attitüde mit anspruchsvollen und oft gesellschaftskritischen Texten, sondern machen bewusst Popularmusik und setzen dabei auf ihre solide musikalische Ausbildung. Das Trio hat sich zwei Jahre Zeit gelassen, um ihr neues Werk auf den Markt zu bringen. Sie klingen entschlackter als auf ihrem Erstling, präsenter und auch etwas rockiger. Es tut dem Album gut, dass Streicher- und Pianoarrangements weggelassen wurden und stattdessen leicht verzerrte Gitarrenklänge im Vordergrund stehen. Kompositorisch bietet die Band auf der Platte eine sehr große Bandbreite, die vom fröhlichen Strandpop mit flockigem Hintergrundchor (Ich Du Er Sie Es) über funkiger angehauchten Rhythmen mit Querflötensolo (Wie der Tag bricht) bis hin zu heavy-metall-artigen Gitarrenriffs (Paula), zu denen die hohe Kopfstimme des Sängers nicht recht passen mag, reicht. In der Vielseitigkeit liegt aber auch das Dilemma dieser Produktion. Einerseits ist es ganz abwechslungsreich, wenn nicht jedes Stück gleich klingt. Andererseits kann die Platte beim Durchhören aufgrund der vielen Stilwechsel eben auch schnell anstrengend werden. In einem Interview hat die Band kürzlich anlässlich der Veröffentlichung zu Protokoll gegeben, dass sie cooler geworden seien, reifer klängen und mehr Tiefe hätten. Musikalisch kann man das sicher unterstreichen. Über die lyrischen Qualitäten der Wochenstarter lässt sich indes streiten. Während Dirk von Lowtzow 1996 noch wünschte, er würde sich für Tennis interessieren, heißt es in Wir geben nicht auf nur mäßig eindrucksvoll: "Wir geben nicht auf/Wir haben uns beide verkauft/und das für eine Vision/Es gibt keine Option/Wir ficken alle und schreien „Yeah!/Der Typ war nie im Tennisverein!“". In Daniel fragt Texter Julian Friedrich dann: "Daniel, sag uns dann, sind wir Scheiße wichtig, wie die Sternenpracht über Nacht Jubel frei?" Was bei englischsprachigen Bands vielleicht noch gerade mit einem Ohr durchgeht, erscheint in Zeiten, in denen Bands wie Kettcar oder Wir sind Helden mit anspruchsvolleren deutschsprachigen Texten größere kommerzielle Erfolge für sich verbuchen können, nur schwer vermittelbar. Als Sender bezeichnet man ein Gerät, das Informationen von einer Quelle über einen Weg an einen Empfänger schickt. Man spürt, dass die Band viel Energie darauf konzentriert hat, dieses Album einzuspielen. Musikalisch ist Mon)tag auf dem richtigen Weg und der fröhliche hidden Track Ein Anfang entschädigt zum Ausklang noch einmal für manch schwächere Nummer des Albums. Es ist eine freundlich, popige Platte mit zum Teil etwas holprigen Texten geworden, aber der Hörer entscheidet letztendlich, wie scharf er seinen Empfänger stellt. Ich persönlich gebe wohl weiterhin Wochenenden den Vorzug. Anspieltipps: Wie der Tag bricht, Ich Du Er Sie Es, Ein Anfang
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30.05.2005 - 11:09 Uhr
Niete