29 Jahre, mehrere Städte, noch mehr Impressionen
Wie sich die Städte in Deutschland unterscheiden. Bremerhaven, Hamburg, Frankfurt, Berlin. In dieser Folge: Bremerhaven1975-1996, Bremerhaven-Surheide Wenn es in einer extrem uncoolen Stadt noch einen wirklich besonders uncoolen Stadtteil gibt, dann ist es Surheide. Gegründet in den 30-ern von „Na, ihr wißt schon“ als Arbeitersiedlung ein bißchen vor den Toren der Stadt. Als in den 90-ern eine Ausstellung diese Geschichte beleuchten sollte, gab es erst Proteste und dann ein Verbot. Als ein par Jahre später ein Wohnheim für Spät-Aussiedler gebaut wurde, gab es nicht nur Proteste, sondern auch Vandalismus. Der Geist der Vergangenheit lebt. Bremerhaven an sich ist häßlich. Und wenn eine Stadt dumm sein kann, dann ist es diese. Es gibt keinen besseren Platz für Selbstmorde als die 3 Türme des Columbus-Centers mit Blick auf die Weser. Bremerhaven taucht ein paar Mal im Jahr in den Nachrichten auf. Höchste Sozialhilfe-Empfänger-Rate Deutschlands, 2-höchste Kriminalitätsrate, höchster Anteil an wegziehenden Jugendlichen, gewaltige Arbeitslosenrate, höchste Wahlergebnisse der DVU, schlechteste Zuganbindung aller Städte über 100.000 Einwohner usw. usf. Schön ist das nicht, und deshalb sollte man auch gehen. Wer bleibt sind die Alten und die Ungebildeten. Die steigern oben erwähnte Statistiken dann weiter. Über der Charme liegt die Depression von mehreren Generationen und das merkt man sofort bei der Ankunft am Bahnhof. Dort stehen ein paar Jugendgangs, die zum H&M nach Bremen fahren (gibt es in BHV nämlich nicht) und ein paar Rentnergangs, die auf Butterfahrt in die Wingst wollen. Die Kneipenszene ist übersichtlich und reiht sich an der Alten Bürger auf. Dort sind man 40-jährige kahlköpfige Sparkassen-Angestellte, wie sie 17-jährigen Miss-Sixty-Trägerinnen nachstarren und dabei immer riskieren von ihren Freunden verkloppt zu werden. Ach ja, ich vergaß: Sehr hohe Rate an Körperverletzungen – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Bremerhaven ist verantwortlich für mindestens 10 asiatische Sweat-Shops, in denen nur Ballonseiden-Anzüge gefertigt werden. Und Buffulo-Boots. Und Ondulier-Stäbe. Wenn Andre Rieu oder die Kellys mal wieder in die Stadt kommen, freut sich der Bremerhavener. Verständlicherweise feiern beide dort riesige Erfolge – die Flucht des kleinen Mannes. Gibt es auch etwas positives zu berichten? Die Stadt liegt am Wasser und das ist wirklich schön, schade nur, daß man so schlecht hinkommt, weil alles verbaut ist. Ach ja, die Autobahn nach Bremen. In 30 Minuten beginnt die Zivilisation.
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me
soviel dazu...
aber wegziehen sollte man da wirklich schnell..dann kann man sich über die wenigen Besuche auch freuen
Hahaha. Punkt dafür!
"Bremerhaven ist verantwortlich für mindestens 10 asiatische Sweat-Shops, in denen nur Ballonseiden-Anzüge gefertigt werden. Und Buffulo-Boots. Und Ondulier-Stäbe. "
sehr schön...beste Sozialstudie ever: einmal genau das REV-Publikum ansehen...
Wunderherrlich und gut getroffen! *g*
Butjadingen, auf der anderen Weserseite.. das hat was! Jawoll!
Allein die Fähre von Blexen nach Bremerhaven...
Zum Glück hat man dort nochmal 5 min. Zeit sich auf das dunkle, hässliche graue einzustellen!








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10.01.2005 - 14:47 Uhr
maar
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