27.09.2004 - 08:45 Uhr

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100 Fragen, die Zweite

Text: Herr_K

100 Fragen, ganz schnell. Denn wir haben ja nicht ewig Zeit.

24 Hang zum Spießertum? Auf jeden Fall. Ich steh dazu. Er wirkt gar nicht spießig. Grünes Football-Shirt, Anti-Form Jeans, schwarz-weiße Sneakers, eine Zigarette nach der anderen. 25 Konservative Familie? Nein, überhaupt nicht. Sehr liberal. Protestantisches Arbeitsethos gepaart mit totalem Laisser-faire. 26 CDU-Wähler? Siehe Techno. Es zieht sich. So geht das nicht. Das Interview lahmt und der Interviewer verzweifelt. Irgendwie muß man ihn doch aus der Reserve locken können. Mehr Action, mehr Gemeinheiten. Also los. 27 Manchmal traurig, nicht Journalist geworden zu sein? Nein, ich bin nicht gerne arbeitslos. Das kam hart und schnell. Zu schnell? 28 Ist die Welt undankbar? Die Welt? Nein, aber manche Menschen sind es. Siehe auch NPD-Wähler. 29 Was ist das Böse? Dummheit. Da werde sogar ich intolerant. 30 Wer ist das Böse? Dumme Menschen. 31 Wer ist böse zu Ihnen? Weiß ich nicht. Ich gehe solchen Leuten aus dem Weg. 32 Ist es leicht, Sie nicht zu mögen? Was soll ich mit dieser Frage anfangen? Ich kann nur sagen, ich tue nichts, damit man mich mag oder damit man mich nicht mag. 33 Haben Sie zu oft Recht? Überzeugter Besserwisser. Widerlich ehrlich. Immer nach vorne. Wenig Rücksicht. Wenn mir etwas nicht paßt, sage ich es entweder laut oder lasse denjenigen einfach spüren, daß ich ihn nicht mag. Lächeln und dabei das Messer in den Rücken rammen. Bin ich ganz gut drin. Manche können damit nicht umgehen. 34 Wer zum Beispiel? Keine Namen. Aber einige von ihnen lesen sicher dieses Interview. Dabei meine ich es gar nicht böse. Er zündet sich die dritte Zigarette an, bestellt noch einen Kaffee. Mich kann man nicht wirklich verletzen, ich habe ein sehr dickes Fell, nehme nichts persönlich. Leider habe ich auch die Angewohnheit, diese Eigenschaften auf andere zu übertragen. Und wundere mich dann, wenn die sich beleidigt oder angegriffen fühlen. Tut mir dann immer Leid. Bin aber auch nicht gut im Entschuldigen. Schlechte Mischung. Verbaut sicher vieles. Aber immerhin habe ich mich mittlerweile soweit unter Kontrolle, nicht ständig „Ich hab’s doch gleich gewußt“ zu brüllen. Obwohl es stimmt. Harte Arbeit für mich. 35 Wann das letzte Mal geschämt? Ständig. Fremd-Schämen. 36 Fremd-Schämen. Das ist doch auch nur ein Modebegriff. Ja, aber mein Freundeskreis hat’s erfunden. Mittlerweile sagt’s ja jeder. 37 Ist Selbst-Ironie überschätzt? Definitiv nicht! Manche sagen ja, Selbst-Ironie sei nur der präventive Schutz vor Kritik. Blödsinn. Selbst-Ironie ist ganz hohe Kunst. Der Großmeister ist Harald Schmidt. 38 Wird Harald Schmidt überschätzt? Auch definitiv Nein. Aber es ist ja Mode, anerkannte Künstler jetzt für überschätzt zu halten. Paßt bei ihm aber gar nicht. Ich halte ja Goethe für überschätzt. Er grinst, überprüft, ob der Gag ankam. 39 Wird Oliver Pocher unterschätzt? Ja. Gebt ihm noch ein paar Jahre, dann wird er richtig gut. Keiner hat die Kunst der Publikumsbeschimpfung so gut drauf wie er. Na also, langsam wird es besser. Er taut auf. 40 Ich nenne Ihnen jetzt ein paar Begriffe und Sie sagen mir, auf einer Skala von 1 bis 10 wie gut Sie sich dafür eignen. Cowboy? Null 41 Politiker? Null 42 Sexsymbol? Null 43 Lügner? Acht 44 Psychologe? Wollte ich mal werden. Hab’s dann doch gelassen. Besser so. Also: Vier. 45 Verkäufer? Bin ich ja. 10. Dafür muß man auch ein wenig Psychiater sein. Das scheint ihm zu gefallen. Schade, daß es schon vorbei ist. 46 Sind die Menschen zu unfreundlich? Oh ja. Ich bin ein großer Freund von oberflächlicher Freundlichkeit. Bis ich nach Frankfurt kam, dachte ich immer, Berlin sei die unfreundlichste Stadt der Welt. Jetzt weiß ich es besser. Wenn mich hier das erste Mal eine Verkäuferin anlächelt, mache ich einen Vermerk im Kalender. Ganz schlimm hier. Alle schlecht gelaunt und griesgrämig. Das kann ich auch nicht akzeptieren. Ist schließlich deren Job: Mir einen angenehmen Aufenthalt in Ihrem Geschäft ermöglichen. Das muß ja nicht echt sein. Nur überzeugend. Wer das nicht kann, soll sich was anderes suchen. Ohne Kundenkontakt. Bei OBI im Lager vielleicht. Es scheint ihm wirklich wichtig zu sein. Er beginnt, zu gestikulieren, verzieht das Gesicht. Genau: Unfreundliche, unmotivierte Verkäufer sind das Böse. 47 Endet da Ihre Toleranz? Ich habe nie behauptet, tolerant zu sein.


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2 Kommentare

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-wolkenkatze-
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Mag ich Mag ich nicht

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27.09.2004 - 21:12 Uhr
-wolkenkatze-

fremd schämen?
kenn ich nich. versteh ich nich.
auf zum dritten teil!

sebas
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Mag ich Mag ich nicht

0

01.10.2004 - 14:18 Uhr
sebas

Einen kurzen Moment dachte ich: Diese 100 Fragen - Einträge sind mir zu ich-bezogen, zu narzisstisch. Aber das ist Blödsinn, hier stellt sich schliesslich jeder selbst dar und "Tagebücher" sind per se ich-bezogen.

Jetzt beneide ich Dich um die gut geklaute Idee. Gelungener Eintrag!


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