100 Fragen, die Dritte
100 Fragen, ganz schnell. Denn wir haben ja nicht ewig Zeit.48 Schon mal was gestohlen? So wie jeder. Als Kind eine Packung Kaugummis. Schlechtes Gewissen für Wochen. 49 Moralist? Ja. Meine Moral. Nicht bei Rot über die Straße, wenn Kinder in der Nähe sind. Nicht mit betrunkenen Frauen schlafen. Und noch einiges mehr. 50 Nicht mit betrunkenen Frauen schlafen? Kaum zu glauben. Na ja, stimmt auch nicht. Beim letzten Mal Liebeskummer habe ich die Situation natürlich ausgenutzt. Oder besser: Sie hat sie ausgenutzt. Ich habe nur mitgemacht. 51 Eigentlich eher schüchtern? Nicht nur eigentlich eher. Sehr sogar. 52 Bester Anmachspruch? Kein Spruch. Völlig unfähig. Ich weiß nicht, wie das geht. Ich brauche deutliche Hinweise. Kein Zaunpfahl, sondern ganze Zäune. 53 Die riskanteste, mutigste Entscheidung in Ihrem Leben? Ist nicht das ganze Leben eine Mutprobe? 54 Die feigste Entscheidung in Ihrem Leben? Nicht nachzufragen. Sein Blick sagt deutlich: Sollten Sie jetzt besser auch nicht. 55 Wann war das? Nächste Frage. 56 Bei wem wollten sie nicht nachfragen? Jetzt: Achtung. Wie reagiert er? Verliert er endlich die Fassung? Bei dem Busfahrer vorhin. Warum wir Verspätung hatten. Das ist natürlich gelogen. Er will nicht antworten. Was verbirgt er da? Vielleicht später mehr? 57 Sind Sie immer ehrlich? Ganz sicher nicht. 58 Weiß die Welt alles über Sie? Das glaubt sie zumindest. Ich halte es da wie Harald Schmidt. Der erzählt bei Beckmann todernst von seiner Wasserkur und veganer Lebensweise. Beckmann hat’s geglaubt und die meisten Zuschauer wohl auch. War aber dennoch Blödsinn. Erfunden von vorne bis hinten. Perfekte Kunstfigur. Wenn man der Öffentlichkeit nicht entfliehen kann, erzählt man eben gut erfundene Geschichten. 59 Leiden Sie unter der Verwechslung von Autor und Ich-Erzähler? Ich leide nicht darunter. Ich provoziere es. 60 Schlechtes Gewissen, wenn das Publikum alles glaubt und mit Ihnen leidet? Nein, selber Schuld. 61 Lieben Sie Ihr Publikum? Ich liebe meine Freundin, ich finde, das reicht. 62 Mögen Sie Ihr Publikum? Nicht immer. Ich hasse unreflektierte Lobes-Hymnen. „Oh toll, super, find ich auch, fantastisch.“ Grausam. Da hab ich doch was falsch gemacht, wenn solche Reaktionen kommen. Sein Blick: Angeekelt. Abgestoßen. Einhaken. Hier und Jetzt! 63 Was denn dann? Kritik. Von mir aus auch unkonstruktive. Nichts ist ehrlicher als Ablehnung. Da weiß ich: Ich habe etwas getroffen. Gerne auch Lob, natürlich. Aber dann bitte etwas exakter und begründeter. Was hat gefallen? Warum? 64 Sind Sie im Herzen Masochist? Er lacht: Laut. Die Menschen am Nebentisch schauen herüber. Er sieht es, läßt sich aber nichts anmerken. Klingt fast so, oder? Stimmt aber nicht. Ich finde nicht Schlechtes an Kritik. Es zeigt doch nur, daß sich wirklich jemand mit mir oder meinem Text beschäftigt hat. 65 Kann man Sie überhaupt treffen? Beleidigen? Nein. Ich verwechsele mein Geschreibsel schließlich nicht mit mir. Wenn jemand, der mich privat nicht kennt, mich oder meine Texte kritisiert, meint er doch gar nicht mich. Sondern nur das, was er von mir sieht. Und das ist zu wenig, um mich wirklich zu treffen. 66 Und wenn Freunde Sie kritisieren? Dafür sind sie da. Freunde, die immer alles gut finden, sind keine Freunde. Das sind Groupies. 67 Haben Sie Groupies? Keine Ahnung. Wie gesagt: Ich brauche ganze Zäune, um etwas zu bemerken. 68 Hätten Sie gerne Groupies? Nein. Ich möchte als Mensch geliebt werden, nicht als Objekt. Sein Grinsen: Breit. Sehr breit. Soll wohl heißen: „Off the record wäre die Antwort eine andere.“ 69 Mal einen anderen Menschen als Objekt behandelt? Wir waren doch alle mal jung.
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27.09.2004 - 11:05 Uhr
mockingbird
*lach*
kommt der interviewer nicht zum Herr_K, so interviewt er sich eben selbst.