Die Freundin der Freundin
Ich war jung und nicht verliebt, nur betrunken. Gott sei Dank.Jeder kannte Steffi, jeder wollte Steffi - blond, groß, schlank und herrlich blaue Augen, die an Sommer erinnerten. Ich glaube, so ziemlich jeder war in diese Frau verschossen. Ich kannte sie aus meinem Mathe-Kurs, in dem wir regelmäßig, also einmal in der Woche, weil ich Montags zur nullten Stunde selten erschien, sie jedoch nie, also Donnerstags in der Achten Schach spielten, die Felder mit Kuli umrissen, die Anfangsbuchstaben der Figuren mit Bleistift geschrieben, so saßen wir, kritzelten, radierten und grinsten an gegen die Langeweile von Funktionen und allem anderen Mist, den man nie wieder braucht. Außer vielleicht in der Klausur, ohne die man das Abi nicht schaffte. Wir schafften es trotzdem. Ich war nicht verliebt, hörte ihr nur gern zu, lachte gern mit ihr, vermisste sie aber nicht, wenn sie nicht da war – und eigentlich sahen wir uns auch nur in der Schule, selten mal auf einer Party. Umso lustiger, als wir uns auf der Abschlussfete in ihrem Haus trafen, in ihrer Wohnung. Ich wusste nicht einmal, dass sie dort wohnte. Es gab Bowle mit ein bisschen zu viel Alkohol und sonstigen Essenzen, die die Sinne ein wenig berauschten. Und wir waren alle betrunken und feierten ausgelassen, wie ich es selten wieder erlebt habe. „Ich frage mich,“ lächelte Steffi irgendwann über meine Schulter, beendete den Satz aber nicht, lachte nur. „Du fragst Dich was?“ Sie nickte. „Ich frage mich, wen Du heut abend hier mit nach Hause nehmen wirst.“ Sie zeigte auf ein paar Damen, betonte ihre Vorzüge und ich lachte mich halbtot, jedes Mal, wenn sie ablenkte. „Wie ist Mr. B. eigentlich so im Bett?“ Ihre Frage plötzlich, grinsend, doch ernst gemeint, so ernst, wie man es betrunken meinen kann. „Nur aus Neugier versteht sich.“ Es verstand sich. Sie redete viel an diesem Abend über Sex. Und irgendwann landeten wir bei all dem Gerede darüber in ihrem Bett. Aus reiner Neugier, versteht sich. Am nächsten Nachmittag aus dem Bett fallen, Sonne, Sommer, eine absolut versiffte Wohnung – und keine Steffi. Dafür Kaffeeduft aus der Küche und eine dunkelhaarige Schönheit mit ernstem Blick über der Zeitung bei Zigarette und Kaffee. „Du bist dann wohl das letzte Opfer? Gut – dann kannst DU mir gleich mal helfen, hier wieder klar Schiff zu machen.“ Sie lächelte, dass ich nur grinsen konnte. „Zigarette davor?“ Ich nickte, setzte mich zu ihr, verschüttete ihren Kaffee und – wir lachten. Kopfschüttelnd ließen wir das Chaos hinter uns und gingen raus – schließlich schuldete ich ihr einen Kaffee. „Übrigens – ich bin Emily.“ Ich war jung und nicht verliebt, nur betrunken... Danke!
- Looping (1) 27.03.2012
- Available 21.02.2012
- Deine Blicke geben mir das Gefühl eine Prinzessin zu sein. 21.02.2012
- "Damit du glücklich und gesund bleibst." 09.02.2012
- Donnerstag 28.01.2012
Du schreibst einfach immer wunderschön.
Wie machst du das nur?
kopf frei kriegen und träumen *hach*
Du bist mit Ihrer Mutter in der Kiste gelandet ?
Hat sich Steffi die Haare gefärbt ?
Oder hast Du sie am Abend vorher blondgesoffen ?
Oder spielt das ganze in einer WG, und Emily ist die Mitbewohnerin ? Ha, du hast Sie beide gehabt !! Gibs zu
Gleichzeitig ?
b.
Wo sind denn die anderen alle?
*








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12.11.2003 - 14:09 Uhr
braxton