16.11.2005 - 00:11 Uhr

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Halbe Wahrheit

Text: emosozialprodukt

Emma beißt in Glas. Kaut sich den Mund still an all den gesagten Worten, die da noch hängen. Drüben im anderen Raum. Die die Atempausen verschluckt und den Ton im Telefonhörer provoziert haben. Leise schluckt sie Schaum.

Der rechte große Zeh im Balanceakt zwischen Abfluss und Wannenrand, sie legt den Kopf leise an Porzellan wie an Schulter. Und Jonas legt sich in die Motorengeräusche, in das Schaukeln, in den Fluss aus Scheibe und Bild von draußen. Er versteht sie kaum. Ihr Atem aus der Nase macht Ringe dazwischen. Seifengeschmack und Hustengeräusch, weil man nicht damit rechnet, dass es einem wahrlich die Luft abschnürt, Emma übt Tauchen. Und alle sagen Ja, obwohl sie gar nicht wissen können, was sie meint. Jonas legt sich die Hand auf den Bauch und ihr ist schlecht. Das mit den Worten sagt man ihr nur nach, das kann sie nicht. Je besser man sie kennt, umso weniger nimmt man sie ernst. Weil man sich daran gewöhnt, an die kleinen Eskapaden, die ihr die Hände rissig machen wie Eiswasser. Man gewöhnt sich immer daran, ein bisschen wie Hornhaut. Mehr noch wie Rost. Leise beißt sich die Ferne in die Fußsohlen, man merkt es anfangs kaum. Am Morgen, wenn sie in die Schuhe steigt, schaut sie verdutzt, weil sie so lose an den Füßen herumbaumeln, weil die Strümpfe rutschen und der Frost zwischen den Pflastersteinen auch an ihren Zehen frisst. Irgendwo hat sie ihr Gesicht verloren, das mit dem Blick drüber hinweg. Man kommt nie auf die Idee da zu suchen, wo es hingehört. Emma sucht trotzdem und findet ständig Dinge, die sie gar nicht finden will. Die räumt sie nicht weg, die legt sie ihm hin. Und am Ende vom Tag sind sie beide ganz müde, denn sie, sie nur räumt um der Ordnung und des Gesichtes Willen (sie glaubt, es wird einfacher dann), und er, er muss die Dinge, die sie herumschiebt, dann wieder wegschieben, um sie noch zu sehen. Sie merkt das gar nicht, das mit den Barrikaden. Das mit den Mauern. Und in der Nacht legt sie dann den Kopf still an den Wannenrand, weil er sie nicht hört. Weil er glaubt, das Geräusch wäre noch das aus dem Bus. Oder es käme aus den Heizungsrohren. Vielleicht weiß er nicht, dass es ihr ernst ist. Dass sie sich Mühe gibt. Sie will ihn ja finden. Und ihr Gesicht.


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Mag ich Mag ich nicht

0

16.11.2005 - 12:26 Uhr
ZElTL0S

toll -

auch wenn es darum gar nicht geht : gewohnheit war mir auch nie wirklich nuetzlich, sage ich mal so.

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ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.

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