(Emma und Jonas) Samba auf Tapete
'Und ich hab auch keine Ahnung, wie man sich selbst benutzt als Tarnung, um nicht doch noch entdeckt zu werden. Denn mehr als dich gibt es für mich nicht zu verlieren'...So still war es noch nie hier.Die Tür steht einen Spalt offen, es knarzt nicht einmal, als Emma sie aufschiebt. Besenrein, kein Schmutz, kein Staub im Flur. Da ist nichts, kein Jonas, keine Möbel, kein Leben. Einfach nur Leere und weiße Wände und ein paar Spuren am Boden. Die Bewegungen, die sich eingebrannt haben, die kann man noch sehen, aber darüber, über der Oberfläche ist nichts mehr. Wund, wund sind die Wände und der Raum plötzlich groß. Den Weinfleck sieht man noch dort, wo das Bett stand an der Wand und seine Faust. Wie er die Wand schlug mit der Hand und dann seinen Kopf mit der Wand. Die Scheibe, die am Ende zu Bruch ging, hat er nicht ausgewechselt. Ein paar Tage noch hat er gefroren, dann ist er ausgezogen. Und diese Stille erträgt sie nicht, macht Schritte und damit Geräusch, öffnet ein Fenster und lässt die Straße herein und den Lärm. Sie geht herum, wie sie noch nie herumgegangen ist. Einmal bedacht. Und ob er zurückkommt, fragt sie sich. Ob er sich noch einmal umdreht, wie er es fast immer tut bei den Dingen, die ihm so passieren und die er verlässt. Dann schaut er noch einmal zurück, um sich zu vergewissern, dass es das richtige gewesen ist zu gehen. Jonas hat sich nie davor gescheut, Entscheidungen rückgängig zu machen, wenn sie nicht hundert Prozent waren. Jonas hatte nie den großen dicken Bauch vom Stolz und die geblähten Wangen. Jonas hatte nie den Zorn, den man gegen sich selbst richtet, wenn man merkt, dass man bereut. Denn Jonas dreht um, wenn er merkt, dass es nicht gut war. Und ein bisschen so steht Emma da und weiß nicht, ob sie ihm glauben soll, dem vorläufigen Verschwinden. Sie lässt ihm was da, falls er kommt. Und wenn er nicht kommt, ist es eh egal. Sie nimmt den Stift und schreibt den wahrscheinlich längsten Liebesbrief ihres Lebens. Sie schreibt zwei Sätze an die weiße Wand und hofft, dass er ihr glaubt. Dass das noch nicht alles war. Denn so still war es hier noch nie.
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08.09.2005 - 10:41 Uhr
El_Brosiatschi
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