den horizont zurechtziehen
"nimm all meine worte", sagt sie und atmet aus. "nimm all jene, mit denen ich dich beschimpfen oder hassen könnte. mit denen ich ungerecht oder anmaßend wäre. und vergiss die nicht, die pläne mit uns machen."sie entkrampft die finger, die sich um den beutel klammern. er atmet ein, schaut sie von oben an, sagt nichts. sie sieht noch einmal auf seine schuhe, erinnert sich an seine nassen socken und lacht ein wenig. ihn irritiert das, die pupillen wandern eher panisch. sie blickt auf. "nimm die mit, die sich erinnern an all deine gesten und unsere stunden. und ich hab auch die eingepackt, die anderen von dir erzählen. ich will nur die behalten, die am anfang waren, als ich dich noch nicht kannte, ich behalte nur deinen namen", sagt sie und streckt ihm die hand mit dem beutel entgegen. er rührt sich nicht. "nimm sie schon." sie hält die tasche so,als seien nur zwei äpfel darin. als er den henkel fasst, fällt der beutel beinahe ungebremst zu boden zwischen die vier füße. er bückt sich, hat den henkel nicht losgelassen. sie massiert sich vorsichtig die einzelnen finger, sie weiß, was er da vor sich hat und nimmt das fahrrad, schiebt es über den bordstein auf die straße. dort steigt sie auf und dreht sich noch einmal um. langsam läuft er, wirft den kopf kurz in den nacken und den blick in den himmel, er zieht den beutel, schleift ihn angestrengt über den boden, stemmt sich dagegen. von den schweißperlen weiß sie nicht mehr und nicht von seinen blauen fingern. nicht an seinen schweren atem, nur an seinen namen erinnert sie sich und wundert sich über den jungen,der dort einen scheinbar schweren beutel über den bürgersteig zieht. sie rollt nach hause, übt freihändig fahren, während er den beutel schultert und wankt, fast kapituliert im treppenhaus. während er nun in den nächten träumt, fällt sie ahnungslos in den nächsten tag.
- Goodbye Spaniel 09.05.2012
- Altruismus 07.05.2012
- Die Prüfung 29.04.2012
- Einsamkeit _oder_ Zurück in der Zukunft 19.04.2012
- coursework, du blöde sau! 24.03.2012
eigentlich gemein, dass unsere phantasiegestalten sowas alles können und wir uns immer noch abplagen müssen
mit alten und neuen worten, mit schönen und unschönen erinnerungen und so weiter
obwohl es ein bittersüßes Gefühl hervor ruft.








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30.08.2004 - 06:04 Uhr
gartenstuhl