19.01.2003 - 19:25 Uhr

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never ending sunday tragedy

Text: emosozialprodukt

„Ist der Himmel klar heute?“, fragt er, schiebt den Vorhang ein wenig zur Seite und sieht nach draußen, wo die Laternen schon angegangen sind.

Er hat trotz der Decke kalte Hände und ein Schauer liegt da, wo er meinen Arm berührt. Plötzlich stehen wir draußen vor seinem Haus, die Stadt ist zu hell für Sterne dort oben. Es ist kalt, aber mein Schal reicht für zwei und wir bewegen uns langsam in Richtung S-Bahnhof. Ich kann meinen Atem sehen, unsere Hände liegen kalt ineinander. Über uns setzt ein Flugzeug zum Landeanflug an. Eine Straßenbahn schleppt sich an uns vorbei und es ist leer. Sonntagabend in Berlin. Sie sitzen jetzt wohl alle vor ihren Fernsehern und lassen sich einlullen vom warmen Saft der triefenden Stimmen dummer Moderatoren oder von den simpel ausgesuchten No-End-Stories der Seifenopern. Wir kommen an einem Haus vorbei, schauen in ein Parterrfenster. In der hinteren Ecke des Raumes steht eine Lampe, die das Zimmer in ein warmes, oranges Licht taucht und in einem Ohrensessel liegt ein Mensch. Er scheint zu schlafen. Sein Kopf nach hinten gekippt, sein Mund steht ein wenig offen. Er könnte auch tot sein. Und wir gehen weiter. So ist das in einer Großstadt nun einmal. Wir suchen das Dunkel. Und eine Einfahrt zu einem Postgelände verspricht den Blick auf einen großen dunklen Hof. Und wieder blinkt uns ein Flugzeug von oben an. Vor meinem Auge liegt eine große graue Hauswand ohne Putz und ohne Fenster. Man könnte an ihr soviel schreiben, malen, Wahrheit suchen. Aber es ist so und nicht anders. Man könnte, wenn man wollte. Wenn man könnte. Durch den Maschendrahtzaun an der einen Seite guckt der S-Bahnhof, es ist nicht weit. Die Züge fahren jetzt nur noch alle 20 Minuten. Wir könnten uns auf diesem Hof lange lange im Kreis drehen ohne irgendwo anzustoßen. Und unsere Schritte hallen. Die Lautstärke jedoch lässt uns aufhören, vielleicht machen wir damit etwas kaputt. Etwas weiter hinten ist es noch dunkler, weil uns dann Häuser von zwei Seiten einschließen. Und in der großen Pfütze vor dem Hauseingang spiegeln sich ein paar kleine Lichter in Wellen, die der Wind macht. Vielleicht hätten wir rote Nasen, wenn wir das erkennen könnten. Aber es machte keinen Unterschied. Es ist kalt so oder so. Wir verlieren die Orientierung am Himmel und geben es auf. Wimpern streicheln über Wangen wie Schmetterlingsflügel, wenn man sie in zwei Händen fängt. Und ich erzähle von dem, was ich mal werden will. Ganz leise. Ganz kurz. Und dass es schön wäre, Gesichter aus Erinnerung heraus modellieren zu können in Luft. Sich an das Gefühl erinnern zu können und durch eigene Perfektion der Vorstellungskraft die Finger Luft zu Haut spüren lassen zu können. Manchmal wäre man dann nicht mehr ganz so allein. Und er lacht. Ein Mann von der Post lädt Dinge in sein gelbes Auto und wir spielen mit dem Gedanken, er könnte uns irgendwohin fahren. Aber so sind Menschen nun einmal. Sie spielen nur. Die Kette der landenden Flugzeuge reißt nicht ab und von unten sind ihre Bäuche dick und schwerfällig, obwohl sie fliegen. Wir sind klein und können das nicht. Jetzt steht wohl das Gleichgewicht neben sich. Der S-Bahnhof ist leer, die Halle grell und die paar Leute, die sich auf dem Bahnsteig verloren haben, blicken alle voneinander weg ins Nichts. Wir spiegeln uns im Häuschen des Bahnansagers und müssen lachen. Mein Schal ist dein Schal. Seine Hand an meinem Bauch, obwohl er draußen steht und ich drinnen in der Bahn. „Nach Blankenfelde, zurückbleiben bitte!“


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RAL2008
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Mag ich Mag ich nicht

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29.11.2008 - 13:05 Uhr
RAL2008

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emosozialprodukt unbekannt

emosozialprodukt

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