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Auf Onyx-TV läuft eine Dauerwerbesendung. Eine Frau mit einem blauen Auge reibt sich eine Creme ins Gesicht, schmiert sie über ihr blaues Auge und siehe da: Das blaue Auge verschwindet, nix mehr zu erkennen.Eine andere Frau, die übelste Krampfadern hat, schmiert die Paste aufs linke Bein, läßt das rechte unbehandelt. Unglaublich! Am linken Bein sieht alles unkrumpelig aus, glatt und schön. Eine Frau mit Augenringen bis zur Unterlippe. Ein Augenring wird behandelt, der andere nicht: Unter den Augenringingen ist die Einaugenringige die Königin. Alle drei Frauen reden österreichischen Akzent. Ich mag das, aber nur, wenn der Akzent nicht von Bauchrednerinnen gesprochen wird. Die Lippenbewegungen sind nicht synchron. Wie die das immer machen? Und dabei hört sich alles ganz natürlich an. Nicht wie bei diesen Männern, die einer Puppe ihre Faust in den Hintern stecken, und daraufhin mit einer hellnervigkrähenden Stimme palavern. Das Lächeln im Gesicht festgefroren. Das Produkt wird gezeigt. Eine Stimme spricht aus dem Off: „Bei Augenringen, Blutergüssen Krampfadern, Muttermalen, Narben, Sommersprossen, blauen Flecken: Instant Cover und nichts fällt auf. Machen Sie Ihrer Frau eine Freude und vermeiden Sie es, daß sie immer wieder neue an den Haaren herbeigezogene Geschichten erfinden muß. Von Treppen, die sie runtergefallen ist, von Wänden, gegen die sie nachts auf dem Weg zufällig und dummerweise gelaufen ist oder von Blumenvasen, die vom Schrank auf den Boden geknallt sind, von wo die herumfliegenden Splitter dann ihr Gesicht zerschlitzt haben.“ Ein Mann mit Trainingshose und einem ärmellosen Unterhemd als einzigem Oberbekleidungsstück betritt mit seiner Frau die Szenerie. „Schauen Sie sie an!“ Die Kamera fährt aufs Gesicht der Frau, die sich ein schüchternes Lächeln mit geschlossenem Mund abringt. „Und?! Sehen Sie was?!“ Er blickt triumphierend in die Kamera, nimmt ein Taschentuch, betupft es mit Spucke und beginnt, im Gesicht seiner Frau herumzuwischen. Zwischendurch hält er immer wieder kurz inne und gibt Kommentare ab. „Hätten Sie das gedacht, daß ich ihr vorgestern beide Augen blau geschlagen habe?“ Weiterwischen. „Die Narbe hier, quer über die Stirn, als wir damals diesen kleinen Unfall mit der Glasplatte des Wohnzimmertisches hatten… Danke Instant Cover!“ Weiter wischt er. „Und das Schöne ist: Nicht nur im Gesicht wirkt Instant Cover. Hier!“ Er zeigt auf die Handgelenke seiner Frau. „Sieht das etwa so aus, als habe sie erst kürzlich versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden?! Auf beiden Seiten sogar!“ Die Kamera zoomt auf das auf- und niederwischende Taschentuch, das am Ende des Wischvorgangs wie ein Zaubertuch über die Handgelenke gelegt ist und weggezogen wird. „Unglaublich, oder“, strahlt der Mann, zischt seiner betrübt dreinschauenden zerschundenen Frau zu, sie solle doch auch endlich wieder lächeln. Ihr Gesicht verzieht sich, ein breites Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Ihr fehlt ein Schneidezahn. Ihr Mann bemerkt es nicht direkt, dann aber wendet er sich an die Person hinter der Kamera: „Habt Ihr da nicht auch was gegen?“
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gratulation.
ich denke es würde mir da unglaublich gefallen!
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11.08.2004 - 00:48 Uhr
Frani610