Zukunft
Es wird nichts. Alle Bewerbungen laufen ins Nichts; Zeit, was Neues zu unternehmen. Mein Entschluss ist gefasst: Ich will Hassprediger werden.Beim Arbeitsamt warte ich vor der Tür hinter der der Mann sitzt, der alles zu allen Berufen mit „H“ weiß, vor mir kommen noch zwei andere dran, ein gelernter Hantelheber und ein Handtaschendieb, beide arbeitslos. „Wer will denn heutzutage noch einen 60-jährigen Handtaschendieb?“, „Wer stellt denn heutzutage noch Hantelheber ein?! Und mich mit meinem schlimmen Kreuz schon mal gar nicht…“ Nach 5 Minuten Wartezeit ist der Taschendieb wieder draußen, er solle mal zum Berater für die „D“-Berufe, vielleicht würden Drogendealer gesucht: „… und das in meinem Alter!“ Der Hantelheber solle erst einmal eine Umschulung zum Hulatänzer machen, dann sehe man weiter. „… bei meinem schlimmen Kreuz! Na wenigstens hat er mich nicht für das Handballspielerprogramm gemeldet!“ Endlich bin ich an der Reihe. Mein Berufsberater für „H“ sitzt hinter seinem Schreibtisch und fragt freundlich „Was wollen Sie denn hier!? Scheiße! Ich wollte gerade Mittagspause machen!“ „Darf ich mich setzen?“ „Wenns länger dauert…“ „Ich möchte Hassprediger werden. Ich hab mir gedacht, dass da ein Bedarf in Deutschland besteht, jetzt, wo die ausländischen alle ausgewiesen werden können, da müssten doch eine Menge Arbeitsplätze für inländische Hassprediger frei werden, oder?“ „Hm. Hassprediger wollen Sie also werden. Gar nicht mal so schlecht, Ihre Idee, aber es tut mir Leid, zur Zeit sind alle Hasspredigerausbildungsplätze belegt. Wie wärs, wenn Sie stattdessen Hundefriseur würden? Da hätte ich was für Sie.“ „Nein danke, ich bin allergisch gegen Hundehaar und Hassprediger werden, das ging auf gar keinen Fall? Gibt’s da vielleicht noch einen anderen Weg für mich? Vielleicht eine private Hasspredigerschule? Ich meine, ich hab ein bisschen Geld gespart und meine Eltern würden mir auch was beigeben für die Schulgebühren…“ „Schwierig, Herr Lamp. Wirklich schwierig, leider haben nämlich hier in Deutschland nach dem Urteil alle diese Schulen dicht gemacht… aber warten Sie! Gibt ja doch noch eine Möglichkeit für Sie, Herr Lamp. Beantragen Sie doch einfach einen Gewerbeschein und machen Sie eine Hassprediger-Ich-AG auf. Die Papiere könnte ich Ihnen gerne zuschicken lassen.“ „Das wär super. Gibts noch irgendwelche anderen Voraussetzungen außer dem Gewerbeschein, den ich bräuchte? Vielleicht einen langen Fusselbart wachsen lassen und weite Gewänder tragen? So etwas wie eine Prüfung vielleicht?“ „Fusselbart, das wär schon besser, ein Glasauge wäre auch nicht schlecht. Sie haben doch eh eine Brille auf, also schlechte Augen. Da können Sie auf eins doch eh verzichten, oder?“ „Naja. Ich weiß nicht so.“ „Und Prüfung, das würden wir hier im Arbeitsamt machen, wenn Sie den Gewerbeschein mal haben. Nix großes und nix allzu schwieriges, Herr Lamp. Nichts, dass Sie sich nicht innerhalb kürzester Zeit mit den üblichen Lehrbüchern für Hassprediger aneignen könnten. Leider alles auf Englisch, aber das hatten Sie ja an der Schule. „Learning Hating I und II“. Gibt auch ein Übungsheft und eine Hassgrammatik. Termin für die Prüfung wäre dann irgendwann um den 11. September rum.“ „Danke, Herr Huber. Sie haben mir ja doch noch sehr geholfen.“ „Gern geschehen. Jetzt machen Sie sich aber ab und wenn jemand vor der Türe sitzt: Ich bin nicht da! Sie haben hier drin nur geputzt oder so etwas. Ihnen fällt da schon was ein. Als Hassprediger muss man kreativ sein“ Auf dem Arbeitsamtparkplatz steige ich in meinen Fiat Vendetta und fahre in eine freundlichere Zukunft als selbständiger Hassprediger. Das Leben ist schön.
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Das RZK
es gibt zu wenige Satire auf der Welt








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30.05.2004 - 23:45 Uhr
octopussy