Mein Selbstmord
Ich will nicht mehr. Also jetzt nicht mehr so lange, aber so ein Normalselbstmord..., das ist echt nichts für mich. Ich hab mich jetzt schon zweimal mit ihm getroffen und wir haben uns heute dann endlich geeinigt. Ich und Gunther von Hagens. Er darf mich plastinieren und als Ausgleich dafür will er mir beim Selbstmord helfen. Am 2. März geht der Flug nach China. In Peking werde ich die folgende Woche in einem internationalen 5-Sterne-Hotel verbringen, Kost und Logis, alles auf Gunthers Rechnung. Spesen inklusive bis zu 2000 Euro. Gunther lässt sich mich schon eine ganze Stange Geld kosten. Aber immerhin bekommt er dafür ja auch ziemlich viel von mir. Mein Leben und meinen Körper. 183,5 cm, 78 kg, intakte Organe… ok, der Blindarm fehlt, aber das ist ihm relativ egal gewesen. Mit, hätte er mir Spesen bis 2100 bezahlt, aber auf die 100 Euro mehr kann ich gut verzichten. Unser Vertrag sieht vor, dass ich in China sterbe. Gunther wird mir vor dem Rückflug 3 Kilo Heroin ins Reisegepäck tun und den Zöllnern einen Tipp geben. Die werden mich kontrollieren, das Rauschgift finden und noch auf dem Flughafen in Peking werde ich von einem Schnellgericht zum Tode verurteilt werden. Man wird mich anschließend vorsichtig erschießen, damit auch nicht allzu viel von meinem zu plastinierenden Körper kaputt geht und dann mit Kreuzschnitt ein paar Organe entnehmen. Sachen, die Gunther nicht so braucht, weil er schon so viele davon hat. Eine Niere, die Milz, vielleicht mein Hirn, aber da ist er noch mit den zuständigen Leuten vom Erschießungskommando in Verhandlungen. Die Chinesen wollen ja auch was von unserem Deal haben. Zu Hause werden sie sich wundern, warum ich in China anstatt in den USA war, seit wann ich Heroin schmuggle und fragen, wie man so schnell in China hingerichtet werden kann. Sie werden mich beerdigen wollen, aber Gunther hat mich dann schon im Schnellverfahren plastiniert. Ich werde Teil seiner Ausstellung sein. Plastiniert in einem Recaro-Autositz mit Hosenträgergurten aus menschlichen Sehnen und Muskeln sitzen und dabei eine Zigarette im Mundwinkel stecken haben. Alles so mit Gunther abgesprochen. Meine Eltern können jederzeit umsonst die Ausstellung besuchen und wenn sich bei jetzt.de jemand wundert, warum ich nicht mehr hier schreibe, dann besucht mich doch einfach mal – ist schließlich eine Wanderausstellung, vielleicht bin ich schon morgen in Deiner Stadt. Les die Zeitung! - und lasst Euch mit mir fotografieren. Tschüss und bis dann, Euer Florian
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Du solltest vorher in China in einschlägigen
Etablissements ( you know what I mean ) ein paar
Fotos schiessen und die schickst Du dann
ganz kurz vor deiner Erschiessung an die BILD-Zeitung
mit dem ominösen Hinweis, dass Du bald wieder
neugeboren im Lande bist, dank Günther.
Dann ist er fällig, dieser Joseph Beuys Schädel-Verschnitt !!








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08.02.2004 - 21:41 Uhr
HerrIrgendwoAnders