Mein neues Zuhause
Gar nicht lang her, da hat der McDonalds neben der Autobahn geschlossen. Und weil ich gerne mal wieder was Eigenes haben wollte, was, wo ich schön allein wohnen kann, hab ich mich sofort dort eingemietet.Schnell den Vertrag mit dem ehemaligen Lizenznehmer unterschrieben und jetzt, schon vor 4 Wochen, bin ich eingezogen. Es gibt nichts Schöneres als ein ganze McDonalds Restaurant nur für sich allein zu haben. Für die Einweihungsfeier, die ich nicht geben will, hätte ich unbegrenzt viele Sitze und Stühle. Ich würde aber ganz alleine in der McDonalds-Lokomotive thronen und dort huldvoll Gast um Gast begrüßen. Dank der Lautsprecher, die im ganzen ehemaligen Lokal angebracht sind, kann ich überall und wann ich will, meine Musik hören. Und alle anderen müssen mithören. Und ich alleine bestimme, was läuft. Sicher, das hätte ich auch alles haben können, wenn ich mich bei McDonalds zum Restaurantchef hochgearbeitet hätte, aber wozu jahrelang wie ein Blöder arbeiten, wenn man das alles auch so einfach haben kann. Eine Unterschrift und schon bin ich der Herr im Haus. Die Küche ist etwas groß für einen Single-Haushalt, aber dafür piept es laut, wenn die Pommes richtig cross sind. Ich muß keine Colakisten mehr rumschleppen, ich zapfe seit neustem aus meiner eigenen Anlage. Wenn die leer ist, bestell ich einen Coke-Tanklaster und im Nullkommanix hab ich einen neuen Vorrat für 4 Jahre. Sprite und Cola Light hab ich durch Whiskey und Absinth ersetzt und die Softeisanlage hab ich geschlossen, weil mir das mit den Keimen da drin etwas zu ungeheuer war. Das große leuchtende McDonalds-Schild, mache ich immer noch von Zeit zu Zeit an, wenn mir langweilig ist oder ich neue Leute kennenlernen will. Ich zieh dann eine alte McDonalds-Uniform an, die ich in einem Spind gefunden habe und hänge draußen an die Tür fiktive Supersonderaktionsangebot-Anzeigen. Beispielsweise kündige ich Fischwochen an und „verkaufe“ dann den McRib mit Fischgeschmack oder auch Sonderaktionen zu neuen und alten Filmen. Mein größter Erfolg war der „Eyes Wide Shut“-Burger. Ein Burger ohne alles, nur mit Senf, den es nur mit sichtundurchlässiger Taucherbrille gab. Nicht so gut lief meine „Die 120 Tage von Sodom“-Sonderaktion. Am ersten Tag kamen noch Leute, aber dann hat mir das Gesundheitsamt einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Küche geschlossen. Ich fühl mich wohl hier in meinem neuen Heim direkt an der Autobahn. Wenn ich morgens aufwache, zähle ich zuerst einmal 10 Minuten lang alle Mercedesse, die vorbeifahren und vergleiche die Ergebnisse mit meinen Zählungen der vergangenen drei Wochen. Ich weiß eben, mich sinnvoll zu beschäftigen. Heute morgen waren es nur 57, womit die Zahl der Mercedesse jetzt schon seit 3 Tagen am abnehmen ist. Wenn mir dann nach Sport ist, setz ich mich ins Klettergerüst und rutsche stundenlang die Rutsche runter oder ich fülle immer wieder neue Mitgliedsanträge für den McDonalds-Kinderclub aus. Gerne singe ich auch meine Lieblingslieder über die Gegensprechanlage des McDrive-Schalters. Nein, ich störe damit niemanden aus der Nachbarschaft. Sowohl der Mann, der im leeren Baumarkt wohnt als auch die Frau aus dem Pleite gegangenen Billigkleidermarkt von nebenan, haben sich noch nie beschwert. Die Autobahn ist eh viel zu laut und den Verstärker schließe ich nur an, wenn ich vorher eine große Anzeige in der örtlichen Presse geschaltet hatte, in der ich ein neues Konzert angekündigt habe. Dann kommen schon mal bis zu 10 Leute und tanzen Pogo. Ich bin zufrieden in meinem neuen Zuhause. Wenn hier jemand Interesse hat, mal bei mir vorbeizuschauen, dann ist er hiermit herzlich eingeladen.
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keine schlechte idee








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26.12.2003 - 01:12 Uhr
meinnameseigantenbein