Fröschefang
Eines Tages beschloß der Kuhmelker Kurt Heber, als er bemerkt hatte, daß sein Name, besser, sein Zweitname Alfred war, in die Stadt zu fahren.Die Entdeckung, daß er Alfred hieß, war allerdings nicht ursächlich für seinen Entschluß, in die Stadt zu fahren, sondern fiel in etwa im selben Moment – zeitlich gesehen. Zu Fuß, mit ein paar alten Socken, Tulpenzwiebeln und einer Velourslederherrenhandtasche voll mit Marzipan, machte er sich auf zur Hltestelle des Linienbusses Nr. 475, kaufte sich ein „A“, wartete bis 3 Uhr, bestieg dann das riesig große Auto, nahm Platz, zog eine zeitung, die normalerweise groß geschrieben hätte sein müssen, aus seiner von einem mittelschweren, aber dennoch nur halb so schlimmen Brandunfall angesengten Lodenweste, entdeckte einen grüngelblich schillernden Popel in seinem Nasenloch, entfernte diesen oral, erhob sein arg juckendes Hinterteil nebst dazugehörigem Oberkörper und begann, indem er zwischen lautem Röcheln, schallendem Winseln und nasalem Jauchzen, begleitet von der Registrierkasse, atonale Tonfolgen ausstieß, von seinem bei ihm lebenden Zwergkaninchen und dessen Problemen mit im wahrsten Sinne des Wortes laufenden, bzw. auslaufenden Diarrhoeanfällen zu erzählen, woraufhin der Busfahrer und gelegentlich als Quartalsalkoholiker beschäftigte Malermeister mit dem Namen Bernd E. Zion – wie sehr hatte er seine Eltern für diesen Zweitnamen „Erik“ gehaßt! – erstaunt festgestellt hatte, daß er selbst an denselben Unannehmlichkeiten, nämlich der Diarrhoe, litt, was er unschwer schon Wochen vorher an seiner potzblitz auf einmal braungelb besprenkelten und lange schon nicht mehr porentief reinen Unterwäsche und der übelriechenden gelbbraunen Feuchtigkeit, die seine Beine bedeckte und die er zunächst für eine Art Schweiß gehalten hatte, womit er ja letztendlich gar nicht so falsch gelegen hatte, hätte merken können; überhaupt lag er mit seinen Vermutungen oft meist nahe der Realität, wenn auch nie hundertprozentig mit ihr überein, so zum Beispiel, als er seiner Tante mehrmals hintereinander befohlen hatte, sich doch endlich mal wieder zu waschen, da dieselbe schon mehrere Monate lang einen eher streng zu nennenden Duft verströmte, sie aber absolut nicht auf ihn hören wollte und er annahm, sie sei nur wieder bockig oder einfach nur eingeschnappt und als dann der Hausarzt bei seiner jährlichen Visite konstatiert hatte, daß sie bestimmt noch einmal, wenigstens ein einziges Mal, ganz bestimmt, bockig gewesen war, denn „weswegen sollte sonst ein Beil in ihrem Kopf steckten“, woraufhin später dann die Polizei zum Glück einen Fingerabdruck finden konnte, was zur Festnahme einer brutalen Bande von Busschutzgelderpressern führte. Jedenfalls sagte der Arzt in genau dem Moment, als Kurt Heber beschloß, in die Stadt zu fahren folgendes zu dem Busfahrer Bernd Erik Zion: „Ihre Tante ist tot. Seit 4, ich betone seit 4 Monaten schon.“ Sofort nachdem der Doktor aufgehört hatte, zu sprechen, war dem einfachen Mann klar gewesen, daß seine Tante gar nichts anderes mehr gekonnt hatte, als die ganze Zeit vor sich hinzustinken. „Die Arbeit ruft,“ sagte er zu dem Arzt und ging los in Richtung Busunternehmen, bestieg seinen Bus und fuhr los. Später traf er dann auf Kurt Alfred Heber, der in die Stadt wollte wegen seinem kranken Kaninchen, allerdings vergessen hatte, es mitzunehmen und deswegen schon vor der Stadt ausstieg, an einem Tümpel zum "Fröschefang", wie er sagte.
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