Heute werden wir das Geheimnis der Würstchen lüften!
Ein kleinerJunge, nennen wir ihn Paul, will Fleisch essen. Viel viel Fleisch. Und wo macht man das am besten? Genau: In der Metzgerei und noch besser ist, wenn man dort einen Freund hat, der Fleischermeister ist. Ach wär das doch schön, wenn jeder einen Freund hätte, der Fleischermeister ist. Aber wie sagten schon berühmte Philosophen: „Die Welt ist kein Wunschkonzert.“ oder aber auch „Die Welt, die Welt, die Welt… nicht immer jedem gefällt.“ Paul trifft auf Helma, die Wurstverkäuferin, oder besser Fleischereifachverkäuferin. Eine Frau, wie sie sich jeder Mann nur wünscht, denn schließlich weiß sie, wann ein Braten knusprig ist, wo zuviel Fett ist und das Gratiswürstchen Kundschaft ziehen. Dann scheint ein Schatten auf das Idyll zu fallen. Jürgen tritt auf, maskiert das arme Kind, verspricht ihm in Kinderschreckmanier, das Geheimnis der Würstchen zu lüften und entführt Paul „nach hinten in die Produktionsräume“. Dort zeigt er ihm „die verschiedenen Maschinen und Geräte.“ Was wie ein harmloses Kinderbuch beginnt, scheint nun völlig zu kippen hin zu einer pervers… Aber nein! Jürgen ist kein böser Onkel, sondern ein friedvoller Fleischer, der dem Kleinen Schneidmischer, Bolzenschussgerät und Räucherkammer auf kindgerechte Art und Weise präsentiert. „Hier in den Schneidmischer kommt die Kuh rein und da vorne die Wurst raus. Toll, nicht?!“ Nur leider wird es dem kleinen Paul zu kalt und außerdem hat er so viele kleine Pickel überall am Körper. „Das liegt an dem vielen Putzzeug hier und an der Reinlichkeit, kleiner Paul.“ Schließlich kommt ja auch noch die böse Tante „von der Lebensmittelkontrolle vorbei“, die Würstchen in Reagenzgläser stopft und damit die Temperatur kontrolliert – wie auch immer sie das macht… Der große Fleischermeister führt Paul weiter durch den Betrieb, vorbei an einer Ahnengallerie, auf der die Fleisch liefernden Bauern mit ihrem liebsten Vieh zu sehen sind. „Das ist Bauer Bode und seine Kuh Martha. Sie waren 23 Jahre lang verheiratet, dann kam die Wirtschaftskrise und Martha in die Wurst.“ Jürgen verdrückt eine Träne. Was macht man nicht alles für Geld? Sogar die Bürgermeisterin kriegt Essen von Jürgen und Helma geliefert. Tagtäglich, der Staat hats ja und die Bürgermeisterin wird immer fetter… aber den Jürgen regt das gar nicht aus, weil dem geht’s es nur um seinen Beruf. So sitzt er oft stundenlang vor Brät, Hackfleisch und Fleischwürsten, um sich ganz neue und ausgefallene Formen und Geschmacksrichtungen auszudenken. „Müssen Würste rund sein?! Was spricht gegen Dreiecke oder Wursttrapeze? Eine im Dunkeln grün leuchtende Wurst könnte nachts das Licht in der Küche ersetzen und Strom sparen!“ Jürgen hat schon viele Urkunden und Pokale gewonnen und er ist stolz darauf. So stolz wie der Jürgen will auch Paul mal sein können: „Wenn ich groß bin, dann werde ich auch Fleischermeister!“ lautet das Fazit seines Fleischereibesuchs. Seine Mutter weiß es besser, denn gestern, als sie zusammen in der Sargtischlerei waren, sah sein Berufswunsch noch ganz anders aus. „Aber vielleicht kann man das ja irgendwie kombinieren…“, überlegt die Mutter und saugt eine Tube Senf aus.
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