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    <title>jetzt.de - Redaktionstexte</title>
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    <description>Alle Texte der jetzt.de-Redaktion </description>
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      <title>jetzt.de - Redaktionstexte</title>
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    <item>
      <title>Goldener Windbeutel für Werbelügen</title>
      <description>Die Organisation Foodwatch pr&amp;#228;miert den dreistesten Werbebetrug.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904492.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit Preisen und Auszeichnungen ist das so eine Sache. Nicht jeder macht gl&amp;#252;cklich, manch einen m&amp;#246;chte man lieber erst gar nicht annehmen, wie etwa die &quot;Goldene Himbeere&quot;, jener gef&amp;#252;rchtete Filmpreis, der jedes Jahr f&amp;#252;r die schlechteste Schauspielleistung vergeben wird - passenderweise immer am Abend vor den Oscar-Verleihungen. Zur Kategorie der ungeliebten Preise z&amp;#228;hlt auch der &quot;Goldene Windbeutel&quot;, den die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zum vierten Mal vergibt, f&amp;#252;r die &quot;dreisteste Werbel&amp;#252;ge&quot; der Lebensmittelindustrie. Es ist ein Ereignis, das von den Unternehmen inzwischen gef&amp;#252;rchtet wird. Wer will schon mit Mogelpackungen und anderen Mauscheleien in Verbindung gebracht werden? Anders als beim Oscar ist es jedoch nicht eine Fachjury, die allein entscheidet. Der &quot;Goldene Windbeutel&quot; ist ein Publikumspreis, bei dem jeder Verbraucher seine Stimme abgeben kann. Bis 18. Juni k&amp;#246;nnen Verbraucher auf der Internetseite www.abgespeist.de &amp;#252;ber f&amp;#252;nf von Foodwatch ausgew&amp;#228;hlte Lebensmittel abstimmen. Zur Wahl stehen eine Margarine, zwei Teesorten, Bier und Hackfleisch. Ziel des Negativpreises ist es laut Foodwatch, gemeinsam mit den Verbrauchern Druck auf die Lebensmittelindustrie auszu&amp;#252;ben, damit diese ihre &quot;irref&amp;#252;hrenden Werbepraktiken&quot; aufgibt. Die bisherigen Gewinner waren Milch-Schnitte von Ferrero (2011), Monte Drink von Zott (2010) und Actimel von Danone (2009). Foodwatch wurde im Oktober 2002 als eingetragener Verein mit Sitz in Berlin vom fr&amp;#252;heren Greenpeace-Chef Thilo Bode gegr&amp;#252;ndet, der seither als Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrer fungiert.</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/547464</link>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Für wenig Geld 50 Stunden schuften</title>
      <description>Geringverdiener mit Vollzeitjob haben oft lange Arbeitszeiten, erkl&amp;#228;rt das DIW. Das Institut warnt vor zu hohen Mindestl&amp;#246;hnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie arbeiten als Kraftfahrer, Lagerarbeiter oder Kellner. Und sie m&amp;#252;ssen extrem lange schuften, um ihre Existenz zu sichern: Jeder vierte Geringverdiener mit einem Vollzeitjob ist mindestens 50 Stunden in der Woche f&amp;#252;r den Arbeitgeber im Einsatz. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Instituts f&amp;#252;r Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die auf eigenen Ausk&amp;#252;nften der Arbeitnehmer beruht. Danach kommen die Vollzeitarbeitskr&amp;#228;fte im Niedriglohnsektor im Durchschnitt auf eine Arbeitszeit von 45 Wochenstunden - das sind zwei Stunden mehr als bei allen anderen Arbeitnehmern in Vollzeit. &quot;Arbeitszeiten wie bei den Niedrigl&amp;#246;hnern gibt es ansonsten nur am oberen Ende der Einkommensskala, also bei Gutverdienern in Vollzeit&quot;, schreibt Karl Brenke, Autor der Studie. Ob ein Mindestlohn daran etwas &amp;#228;ndern w&amp;#252;rde, h&amp;#228;lt der Berliner Arbeitsmarktexperte zumindest f&amp;#252;r fraglich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904490.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Arbeitszeitgesetz steht: Die Wochenarbeitszeit darf dauerhaft nicht mehr als 48 Stunden betragen, um die Gesundheit der Besch&amp;#228;ftigten zu sch&amp;#252;tzen. F&amp;#252;r knapp 900000 Geringverdiener mit einer Wochenarbeitszeit von 50 Stunden und mehr ist das Gesetz aber offenbar nicht viel wert. In der DIW-Studie hei&amp;#223;t es: &quot;Nicht zu verkennen ist, dass viele Niedrigl&amp;#246;hner nur deshalb ein einigerma&amp;#223;en ausk&amp;#246;mmliches, gleichwohl aber sp&amp;#228;rliches Monatseinkommen erzielen, weil sie lange daf&amp;#252;r arbeiten.&quot; Aufgrund der langen Arbeitszeiten verdienten so manche 1700, 1800 oder mehr Euro im Monat. Der R&amp;#252;ckstand zu den monatlichen Durchschnittsverdiensten werde dadurch jedoch nicht wettgemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Durchschnittsverdienst der Geringverdiener in Vollzeit bel&amp;#228;uft sich der Untersuchung zufolge auf 1350 Euro brutto im Monat. Als Geringverdiener gelten in Deutschland Arbeitnehmer mit einem Bruttostundenlohn, der nicht h&amp;#246;her ist als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns. Diese Schwelle lag im vergangenen Jahr bei 9,25 Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Inzwischen sind 22 Prozent der deutschen Arbeitnehmer als Geringverdiener t&amp;#228;tig; ihr Anteil hat in den vergangenen Jahren nicht mehr zugenommen. Brenke f&amp;#252;hrt dies darauf zur&amp;#252;ck, dass &quot;einfache Arbeit immer weniger ben&amp;#246;tigt wird&quot;, und diese konzentriere sich auf den Niedriglohnsektor. Eine T&amp;#228;tigkeit dort gehe nicht &quot;automatisch mit sozialer Bed&amp;#252;rftigkeit einher&quot;, schreibt der DIW-Experte. Lediglich jeder achte Geringverdiener sei zus&amp;#228;tzlich auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Mehr als die H&amp;#228;lfte von ihnen lebt in Haushalten, in denen eine weitere Person Geld verdient, bei den Geringverdienern mit einem Minijob sind es sogar fast zwei Drittel. Staatliche Sozialleistungen sind laut der Untersuchung vor allem n&amp;#246;tig, &quot;wenn nur verk&amp;#252;rzt gearbeitet wird und in diesen F&amp;#228;llen keine weiteren Erwerbst&amp;#228;tigen im Haushalt leben oder keine anderen Einkommensquellen (wie Altersrenten oder Unterhaltszahlungen) flie&amp;#223;en&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach wie vor sind Teilzeit- und Minijobs bei den Geringverdienern &amp;#252;berrepr&amp;#228;sentiert. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt im Niedriglohnsektor deshalb nur bei 31,6 Wochenstunden. Die Mehrzahl w&amp;#252;rde aber gerne l&amp;#228;nger arbeiten, selbst dann, wenn der Stundenlohn derselbe bliebe, stellt Brenke fest. Als Geringverdiener auf zus&amp;#228;tzliche staatliche Hilfe angewiesen zu sein, sei deshalb vor allem eine Folge von &quot;verdeckter Unterbesch&amp;#228;ftigung&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Forscher sieht in fl&amp;#228;chendeckenden Mindestl&amp;#246;hnen kein Allheilmittel: Da die einfache Arbeit abnimmt, dr&amp;#252;cke dies auf die L&amp;#246;hne, gerade bei Personen, die nicht oder schlecht ausgebildet sind. Ein zu hoher Mindestlohn k&amp;#246;nnte daher Arbeitspl&amp;#228;tze gef&amp;#228;hrden, argumentiert er. Auch erhielten Geringverdiener nicht selten keinen Stundenlohn, sondern einen St&amp;#252;cklohn, bei dem eine Leistung vorgegeben wird, was lange Arbeitszeiten zur Folge habe. Es w&amp;#228;re deshalb zu pr&amp;#252;fen, wie sich Mindestl&amp;#246;hne bei solchen Arbeitnehmern festsetzen lassen. Und was unbezahlte &amp;#220;berstunden angeht, warnt Brenke: &quot;Sie k&amp;#246;nnten dazu genutzt werden, um Mindestlohnregelungen zu unterlaufen.&quot;</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Die Lust am Fleisch</title>
      <description>&quot;Wir streicheln und wir essen sie&quot;: Hal Herzog &amp;#252;ber das Mensch-Tier-Paradox&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904482.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Menschen sind widerspr&amp;#252;chliche Wesen; und gerade in den Widerspr&amp;#252;chen steckt meistens ihre gr&amp;#246;&amp;#223;te Lebendigkeit. Was aber ihr Verh&amp;#228;ltnis zu den Tieren betrifft, erreichen sie den Grad des Schizophrenen. Es mag einer der gr&amp;#246;&amp;#223;te Tierfreund sein und all sein Geld und seine Energie in einen &quot;Gnadenhof&quot; f&amp;#252;r abgehalfterte Pferde, Hunde, Affen gesteckt, haben - und doch der Ansicht sein, ein Insekt, das ihn bel&amp;#228;stigt, habe den Tod verdient.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &quot;,Ich habe folgende Regel&quot;, sagt er. &quot;Wenn ich drau&amp;#223;en bin und von einer Bremse gestochen werde, darf ich sie totschlagen, wie man es auch mit Moskitos macht. Aber wenn die Bremse zu mir ins Haus fliegt, muss ich sie retten und nach drau&amp;#223;en bringen.&quot; Und dann erg&amp;#228;nzt er l&amp;#228;chelnd: &quot;Wo sie mich nat&amp;#252;rlich sticht, wenn ich das n&amp;#228;chste Mal rauskomme.&quot; &quot;Nanu? Das ist doch v&amp;#246;llig verkehrt&quot;, sage ich. Eigentlich w&amp;#228;re es in Ordnung, eine Bremse zu t&amp;#246;ten, die ins Haus geflogen ist, weil sie ins eigene Revier eingedrungen ist. Drau&amp;#223;en allerdings sollte man die Bremse nicht t&amp;#246;ten, denn das ist ihr Revier. Gibt es eine rationale Begr&amp;#252;ndung f&amp;#252;r die Regel?&quot; Er lacht. &quot;Nat&amp;#252;rlich. Es gibt immer eine Begr&amp;#252;ndung. Aber eine Begr&amp;#252;ndung muss nicht zwangsl&amp;#228;ufig rational sein. (...) Man kann nicht alle Tiere dieser Welt retten, aber f&amp;#252;r diejenigen, die in unsere Obhut kommen, sind wir verantwortlich. Wenn die Bremse also in mein Haus fliegt, bin ich f&amp;#252;r sie verantwortlich und muss sie gut behandeln.&quot;&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die menschliche Logik stellt ein staunenswertes Ph&amp;#228;nomen dar. Es ist nur eine von vielen Anekdoten, die Hal Herzog, seines Zeichens &quot;Anthrozoologe&quot;, in seinem Buch &quot;Wir streicheln und wir essen sie&quot; erz&amp;#228;hlt. Sie laufen alle auf dasselbe hinaus: dass sich kein Mensch, wo er es mit Tieren zu tun hat, auf seinen Verstand verlassen sollte, auf sein Herz aber erst recht nicht. Da gibt es den Liebhaber von H&amp;#252;ttens&amp;#228;ngern, der, als stattdessen ein Spatzenp&amp;#228;rchen den Nistkasten im Garten belegt, bek&amp;#252;mmert dessen Gelege zerst&amp;#246;rt. Da gibt es ein Labor, wo f&amp;#252;r den Umgang mit Experimental-M&amp;#228;usen strenge ethische und hygienische Regeln gelten; sobald aber eine wilde oder, wie es hier hei&amp;#223;t, eine &quot;b&amp;#246;se&quot; Maus auftaucht, darf man sie mit den gemeinsten Klebfallen bek&amp;#228;mpfen; eine entwischte gute Maus vollzieht, wenn ihre Pf&amp;#246;tchen den Fu&amp;#223;boden ber&amp;#252;hren, augenblicklich die Transsubstantiation zur b&amp;#246;sen. Ein Vater h&amp;#228;lt seinen kleinen Sohn &amp;#252;ber die Absperrung des Krokodilgeheges, der Sohn f&amp;#228;llt herunter, und das Krokodil schnappt sich die Beute. Alle sind sich einig, dass der Vater sich komplett verantwortungslos benommen hat und das Krokodil blo&amp;#223; v&amp;#246;llig krokodilgem&amp;#228;&amp;#223;; und doch wird am Ende das Krokodil erschossen und der Vater nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer meint, das Vegetariertum in den USA und sonstwo befinde sich derzeit im unaufhaltsamen Aufwind, der sollte, schl&amp;#228;gt Herzog vor, alle diese Vegetarier mal fragen, was sie in den letzten 24 Stunden so zu sich genommen haben. Da erweist sich denn, dass bei ann&amp;#228;hernd zwei Dritteln doch diverse Leichenteile auf dem Speiseplan standen. Bohrt man nach, erh&amp;#228;lt man Antworten wie: Ich esse nichts, was ein Gesicht hat! - Und was war mit dem Fisch gestern? - Was, das nennen Sie ein Gesicht!?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Verbindliche Ma&amp;#223;st&amp;#228;be lassen sich kaum gewinnen. H&amp;#228;lt man sich an den Utilitarismus (hier in seiner Umkehrform des kleinstm&amp;#246;glichen Ungl&amp;#252;cks der kleinstm&amp;#246;glichen Zahl), m&amp;#252;sste man sich f&amp;#252;r eine Di&amp;#228;t aus Walfleisch entscheiden: Denn ein Blauwal liefert so viel Fleisch wie 70000 H&amp;#252;hner, hat bis zum Abschuss ein artgem&amp;#228;&amp;#223;es Leben gef&amp;#252;hrt und erfordert nur einen einzigen T&amp;#246;tungsakt. Freilich sprechen gegen die Jagd auf den Blauwal wieder &amp;#246;kologische Gr&amp;#252;nde, und schlecht schmecken soll er auch. Warum sind in den USA Hahnenk&amp;#228;mpfe verboten, H&amp;#252;hnerfarmen aber nicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein Kampfhahn wird gepflegt und gep&amp;#228;ppelt bis zu dem Moment, wo es in die Arena geht, der Kampf dauert im Schnitt zehn Minuten, und seine &amp;#220;berlebenschance liegt bei 50 Prozent, verglichen mit null beim Brath&amp;#228;hnchen. Herzog gesteht, dass er lieber als ein solches doch ein Kampfhahn w&amp;#228;re. Aber H&amp;#228;hnchen wollen alle essen, namentlich die Mittelklasse. Der Hahnenkampf jedoch stellt eine Belustigung der Unterschichten dar: Da verbietet es sich deutlich leichter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Herzog selbst hat als Biologiestudent verschiedene Tiere durch kochendes Wasser t&amp;#246;ten m&amp;#252;ssen, nacheinander eine Grille, einen Skorpion, eine Schlange und eine Maus. Bei der Maus weigert er sich; das muss schlie&amp;#223;lich ein anderer Doktorand an seiner Stelle erledigen. Nachtr&amp;#228;glich w&amp;#252;nscht er sich, er h&amp;#228;tte bereits beim Skorpion aufgeh&amp;#246;rt. Und die Grille ging demnach in Ordnung?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein klarer Fall von &quot;Speciesism&quot;, der danach urteilt, wie fern oder nah, &amp;#228;hnlich oder un&amp;#228;hnlich ein Tier uns selber ist. Der Autor zitiert aus dem Werk der Philosophin Nel Noddings, &quot;A Feminine Approach to Ethics and Moral Education&quot;: &quot;Ich habe noch nie eine Beziehung zu einer Ratte aufgebaut und werde das auch wohl nie tun. (...) Ich bin nicht bereit, f&amp;#252;r eine Ratte zu sorgen. Ich versp&amp;#252;re keine Bindung zu Ratten (...), wenn n&amp;#246;tig, w&amp;#252;rde ich eine Ratte erschie&amp;#223;en.&quot; Da kann man nur hoffen, dass sie schon mal eine Beziehung zu einem Mann aufgebaut hat. Aber wer solche Willk&amp;#252;r verdammt und darauf beharrt, dass jedes animalische Leben gleich viel z&amp;#228;hlt, sieht sich bald mit den praktischen Folgen der Tatsache konfrontiert, dass eine gesunde M&amp;#252;cke deutlich lebendiger ist als ein Mensch im Koma.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den Kern unseres Verh&amp;#228;ltnisses zu den Tieren bildet immer noch der Appetit. Herzog erkl&amp;#228;rt den Versuch, den Verzehr von Fleisch zu &quot;moralisieren&quot;, wie das beispielsweise beim Rauchen gelungen ist, f&amp;#252;r gescheitert. Dem m&amp;#246;chte man so nicht zustimmen; das schlechte Gewissen ist inzwischen doch deutlich angewachsen. Aber die Aussichten, dass ihm ein schl&amp;#252;ssiges Handeln auf dem Fu&amp;#223;e folgt, stehen nicht besser als bei der anderen Fleischeslust, der sexuellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Viele Religionen haben die Keuschheit als Ideal gesetzt; doch die ihm gefolgt sind, taten es entweder nicht freiwillig, insofern es ihnen an Gelegenheit mangelte, oder sie geh&amp;#246;rten einer m&amp;#246;nchischen Minderheit an, die um diese Enthaltung herum ihr ganzes Leben strukturiert. Einvernehmlicher Sex schadet immerhin niemandem. In diesem Sinn wird es niemals einvernehmlichen Fleischverzehr geben. Wahrscheinlich hat Herzog recht, wenn er vermutet, der S&amp;#252;ndenfall im Paradies und die Erbs&amp;#252;nde, die seither die Menschen von Geburt an befleckt, das sei nicht die fleischliche Liebe gewesen, sondern jene noch weit intimere Art des Umgangs, die wir mit toten Tieren pflegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Herzog beruft sich auf Claude L&amp;#233;vi-Strauss: Tiere seien gut zum Denken. Sie sind auch, wie jeder Lokalreporter wei&amp;#223;, gut f&amp;#252;r Geschichten. An beidem, an Geschichten wie Gedanken, fehlt es Herzogs Buch nicht. Wenn man ihm dennoch eines einwenden sollte, dann den Umstand, dass er sich in seinem Zwiespalt allzu wohnlich einrichtet. Ein Bekannter z&amp;#252;chtet Schweine, h&amp;#228;lt sie fast wie Scho&amp;#223;tiere, schlachtet sie aber schlie&amp;#223;lich doch und schickt dem Autor eine Mail: &quot;Ich glaube, das erfordert ganz sch&amp;#246;n Mut, was meinst du?&quot; Aber statt zu antworten, dass dies keinen Mut, sondern blo&amp;#223; Inkonsequenz erfordert, schreibt Herzog launig zur&amp;#252;ck: &quot;Gott sch&amp;#252;tze dich, Mary Jean (die Ehefrau) und eure Schweine!&quot; Bei den Schweinen meint er das gewiss ganz anders als bei Mary Jean.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nicht Schmerz bestimmt den Ton dieses Buchs und noch nicht einmal Melancholie, sondern eine schwer nachvollziehbare Heiterkeit; in seinem Untertitel begn&amp;#252;gt es sich damit, das Dilemma ein &quot;Paradox&quot; zu nennen. Als Res&amp;#252;mee schl&amp;#228;gt Herzog vor: &quot;Mittlerweile bin ich zu der Ansicht gelangt, dass diese Widerspr&amp;#252;che nicht anomal sind und auch nichts mit Scheinheiligkeit oder Heuchelei zu tun haben. Sie sind unvermeidlich. Und sie zeigen, dass wir Menschen sind.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das hat der Wiener Kom&amp;#246;diendichter Johann Nestroy im vorletzten Jahrhundert schon mal griffiger ausgedr&amp;#252;ckt. Wenn einer wie ein Vieh behandelt worden ist (so Nestroy), dann ruft er: Man ist doch auch ein Mensch! Wenn einer sich jedoch wie ein Vieh benommen hat, zuckt er mit den Achseln und sagt: Man ist doch auch nur ein Mensch. So ist es.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; HAL HERZOG: Wir streicheln und wir essen sie. Unser paradoxes Verh&amp;#228;ltnis zu Tieren. Aus dem Englischen von Heike Schlatterer und Helmut Dierlamm. Carl Hanser Verlag, M&amp;#252;nchen 2012. 315 Seiten, gebunden 19,90 Euro, E-Book 15,99.</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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    <item>
      <title>"Seit Aristoteles wird geklagt, die Jugend sei nicht leistungsfähig"</title>
      <description>In ganz Europa finden Jugendliche immer h&amp;#228;ufiger keinen Job. Doch die Quote k&amp;#246;nnte trotz Wirtschaftskrise niedriger sein. Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte am Deutschen Institut f&amp;#252;r Wirtschaftsforschung, findet: Die Unternehmen stellen zu hohe Anspr&amp;#252;che an die Berufseinsteiger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;In Spanien nennt man sie &quot;ni-nis&quot;, was niedlich klingt, aber nicht niedlich ist: &lt;/span&gt;&lt;span&gt;Sie sind die &quot;Weder nochs&quot;, jene jungen Menschen, die weder in Ausbildung sind noch arbeiten. Eine am Montag ver&amp;#246;ffentlichte &lt;a href=&quot;/texte/anzeigen/547432/Lasst-endlich-Taten-sehen&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Studie der Internationalen Arbeitsorganisation&lt;/a&gt; (ILO) hat gezeigt, dass nicht nur im krisengesch&amp;#252;ttelten Spanien, sondern im Euro-Raum insgesamt die Jugendarbeitslosigkeit deutlich gestiegen ist: 14 Prozent der 15- bis 24-J&amp;#228;hrigen z&amp;#228;hlen zu den &quot;ni-nis&quot;. Das sind etwa 3,3  Millionen junge Menschen.&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt; In Deutschland ist die Situation allerdings trotz Wirtschaftskrise vergleichsweise gut. Woran das liegt, was gegen die Jugendarbeitslosigkeit getan werden kann und warum er findet, dass die Unternehmen zu hohe Anspr&amp;#252;che haben: Ein Interview mit Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut f&amp;#252;r Wirtschaftsforschung.&amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;jetzt.de: Die Jugendarbeitslosigkeit ist durch die Finanz- und Wirtschaftskrise in ganz Europa deutlich gestiegen. Die ILO spricht deswegen von den 15- bis 24-J&amp;#228;hrigen als einer &amp;#8222;verlorenen Generation&amp;#8220;.&lt;/b&gt;&lt;b&gt; Sehen Sie das auch so, Herr Brenke?&lt;/b&gt; &amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Karl Brenke:&lt;/strong&gt; In der Tat ist es so, dass wir in den europ&amp;#228;ischen Staaten eine relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit haben. Die Zahlen schwanken aber sehr stark. Einerseits gibt es Staaten wie Spanien und Griechenland, wo &amp;#252;ber 40 Prozent ohne Arbeit sind, andererseits liegt die Quote f&amp;#252;r Jugendarbeitslosigkeit in den Niederlanden, in &amp;#214;sterreich und bei uns in Deutschland unter zehn Prozent. Ich denke, man kann daher nicht generell von einer &amp;#8222;verloren Generation&amp;#8220; sprechen. Aber: Jugendarbeitslosigkeit ist in den Industriestaaten ein weit verbreitetes Problem &amp;#8211; und in allen Industriestaaten ist die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen mindestens doppelt so hoch wie unter Erwachsenen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ju/juliane-frisse/text/regular/904462.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Warum sind Jugendliche so viel h&amp;#228;ufiger arbeitslos?&lt;/b&gt; &amp;#160; &lt;br /&gt; Das h&amp;#228;ngt zum einen damit zusammen, dass Berufseinsteigern h&amp;#228;ufig eine Berufsausbildung fehlt. Zum anderen spielt zum Beispiel in Spanien auch ein starker K&amp;#252;ndigungsschutz eine Rolle, der es den Jugendlichen schwer macht, ins Erwerbsleben einzusteigen. Allgemein gilt, dass die Unternehmen oftmals schlicht nicht bereit sind, Jugendliche auszubilden und einzustellen, weil das mit zus&amp;#228;tzlichen Kosten verbunden ist. Stattdessen setzt man lieber auf erfahrene Mitarbeiter.  &amp;#160; &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wollen denn nicht immer alle gerne junge Arbeitskr&amp;#228;fte?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;Das gilt aber nicht f&amp;#252;r Personen unter 25 Jahren, sondern eher f&amp;#252;r diejenigen zwischen 25 und 35. Die ganz Jungen sind nicht so gefragt.   &lt;b&gt;&amp;#160;&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Liegt es vielleicht auch an den Qualifikationen der Jugendlichen? Hierzulande klagen die Unternehmen oft, die Jugendlichen seien trotz Schulabschluss nicht ausbildungsreif.&lt;/b&gt; &amp;#160; &lt;br /&gt; Ich w&amp;#228;re da vorsichtig. Erstens wird seit Aristoteles wird dar&amp;#252;ber geklagt, die Jugend sei nicht leistungsf&amp;#228;hig. Die Klage zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Das Zweite ist, dass die Unternehmen gerade hierzulande recht verw&amp;#246;hnt waren. Sie konnten sich aus einer gro&amp;#223;en Zahl von Bewerbern ihre Auszubildenden aussuchen. Mitunter war es ja so, dass in manchen Branchen Lehrlinge &amp;#252;berhaupt nur eingestellt wurden, wenn die Jugendlichen Abitur gemacht hatten, etwa bei den Banken oder Finanzdienstleistern. Von diesen hohen Erwartungen m&amp;#252;ssen sich die Unternehmen verabschieden.  &amp;#160;  &amp;#160;  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ju/juliane-frisse/text/regular/904464.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160;&amp;#160; &lt;span&gt;&lt;em&gt;Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte am DIW in Berlin.&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit in ganz Europa gestiegen ist, sind die Unterschiede zwischen Deutschland einerseits und Spanien und Griechenland andererseits sehr deutlich. Liegt das nur daran, dass diese L&amp;#228;nder unter der Krise besonders leiden oder gibt es noch andere Gr&amp;#252;nde, warum in Deutschland junge Leute h&amp;#228;ufiger einen Job finden?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;Erstmal h&amp;#228;ngt das mit der generellen Arbeitsmarktsituation zusammen, die sich in Deutschland deutlich besser darstellt als zum Beispiel in Spanien und in Griechenland. Aber wenn man das au&amp;#223;en vor l&amp;#228;sst, dann ist die Situation hierzulande nicht viel besser: Die Arbeitslosenquote bei den Erwachsenen liegt bei etwa f&amp;#252;nf Prozent, bei den Jugendlichen bei etwa neun Prozent. In Deutschland haben wir au&amp;#223;erdem noch die Besonderheit, dass die Lehrlinge als Erwerbst&amp;#228;tige gez&amp;#228;hlt werden. Mathematisch gesprochen: Bei der Berechnung der Quote kommen die Auszubildenden mit in den Nenner hinein. Dadurch erscheint die Jugendarbeitslosigkeit vergleichweise niedrig. Eine echte deutsche St&amp;#228;rke ist aber sicherlich das duale System der parallelen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Dadurch werden die Jugendlichen schrittweise in die Arbeitswelt hineingebracht. Nicht ohne Grund soll das Modell jetzt kopiert werden, Spanien will ebenfalls eine betriebliche Berufsausbildung einf&amp;#252;hren.  &amp;#160;  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sind das denn eigentlich alles gute Jobs, die Jugendliche hierzulande bekommen? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;In vielen F&amp;#228;llen nicht. Es sind oftmals befristete und niedrig entlohnte Anstellungsverh&amp;#228;ltnisse, wie auch Untersuchungen des DIW gezeigt haben. Allerdings ist das kein spezifisch deutsches Problem, sondern die Situation ist in anderen L&amp;#228;ndern &amp;#228;hnlich.  &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Welche Jugendlichen werden vor allem arbeitslos?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;Gef&amp;#228;hrlich wird es vor allem f&amp;#252;r diejenigen, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Ich will jetzt nicht in das Klagelied der Arbeitgeber einstimmen, dass die Jugendlichen nicht ausbildungsf&amp;#228;hig seien. Aber dass etwa zehn Prozent der Jugendlichen nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben,   wenn sie die Schule verlassen, das ist schon ein Problem. Da m&amp;#252;ssen wir auch arbeitsmarktpolitisch eingreifen, um diese Jugendlichen in das Berufsleben zu integrieren.  &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Was k&amp;#246;nnte denn von staatlicher Seite unternommen werden, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bek&amp;#228;mpfen?&lt;/b&gt; &amp;#160;  &lt;br /&gt;Es wird ja schon sehr viel getan. Es gibt das berufsvorbereitende Jahr, es gibt staatlich finanzierte Ausbildungspl&amp;#228;tze. Es ist aber nicht nur der Staat in der Pflicht, auch die Unternehmen m&amp;#252;ssen umdenken und mehr Jugendlichen eine Chance geben. Also auch mal einem Jugendlichen, der nur einen Hauptschulabschluss hat, oder nicht mal das. Jemandem, der theoretisch vielleicht nicht so stark ist, aber in der praktischen Arbeit durchaus bestehen und ein guter Facharbeiter werden k&amp;#246;nnte. Auch angesichts der demographischen Entwicklung w&amp;#228;re das dringend angebracht.&amp;#160; &lt;b&gt;&amp;#160;&lt;/b&gt; &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was sollten die Jugendlichen selbst tun?&lt;/b&gt;&amp;#160; &lt;br /&gt;Sich besser &amp;#252;ber berufliche M&amp;#246;glichkeiten informieren! Man kann sehen, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen typische Modeberufe anstrebt: Die M&amp;#228;dchen wollen Floristin oder Friseurin werden, die Jungen zum Beispiel Kraftfahrzeugmechaniker. Viele Jugendliche k&amp;#246;nnen sich n&amp;#228;mlich zwar vorstellen, ein Auto zu reparieren, aber eben nicht, was etwa ein Werkzeugmechaniker macht. In den gefragten Modeberufen gibt es auch oft viele Ausbildungsstellen, allerdings wird dann &amp;#252;ber Bedarf ausgebildet. Das kommt dann zwar den Interessen der Jugendlichen entgegen, aber verringert ihre Chancen auf einen Job nach der Ausbildung. Deshalb ist es wichtig, dass man sich &amp;#252;ber Alternativen informiert. Dabei sollten die Jugendlichen aber nat&amp;#252;rlich unterst&amp;#252;tzt werden &amp;#8211; bei der Berufsberatung und auch schon in den Schulen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Macht es einen Unterschied, wenn man gleich zu Beginn des eigenen Arbeitslebens arbeitslos wird?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Es deprimiert nat&amp;#252;rlich in jedem Alter, wenn man seinen Job verliert  oder erst gar keine Arbeit findet. Aber man kann gerade als jugendlicher  Arbeitsloser relativ schnell abrutschen, weil sich das Selbstwertgef&amp;#252;hl  gar nicht erst richtig entwickelt, wenn man man nicht in das  Arbeitsleben hineinfindet. Die Entt&amp;#228;uschung kann die Arbeitsmotivation  nachhaltig untergraben.&lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>John Hamm! Schweinische Leggins! Facebook-Ehen!</title>
      <description>In der Topsexliste erf&amp;#228;hrst du, ob man vor seinem Schwarm furzen darf, ob man selbigen lieber verlassen sollte, warum man als liierter Mensch mit Facebook-Account gef&amp;#228;hrlich lebt und ob deine Eltern zum richtigen Zeitpunkt Sex hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erwischt! Wann deine Eltern Sex hatten &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ch/christina-waechter/text/regular/904456.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; Das mit der Menschwerdung ist schon eine irre Angelegen, wenn man sich das mal so genau &amp;#252;berlegt. Da muss man auch gar nicht bekifft sein, um sich dar&amp;#252;ber ein bisschen zu wundern. Und wenn man sich dann auch noch &amp;#252;berlegt, dass die eigenen Eltern Sex hatten, und man aus eben jenem Sex entstanden ist, dann wird so einem gemeinen Mittelst&amp;#252;fler doch recht flau im Magen.  &lt;br /&gt;Und mit dieser etwas umst&amp;#228;ndlichen &amp;#220;berleitung kommen wir zu &lt;a href=&quot;http://thedailyviz.com/2012/05/12/how-common-is-your-birthday/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;dieser sch&amp;#246;nen Grafik&lt;/a&gt;, die zwar nur indirekt etwas mit Sex zu tun hat, aber trotzdem interessant ist: Sie zeigt dir n&amp;#228;mlich, ob du deinen Geburtstag mit vielen anderen Menschen teilst. Und besonders sch&amp;#246;n zu sehen ist, dass wohl die meisten Eltern &amp;#8222;es&amp;#8220; im tiefen langen Winter taten, was dazu f&amp;#252;hrt, dass Sp&amp;#228;tsommer- und Fr&amp;#252;hherbst-Geburtstage sehr h&amp;#228;ufig vorkommen. Aber ob man das jetzt gut oder schlecht finden soll, gar nicht so einzigartig dazustehen mit seinem Geburtstag, das muss dann doch jeder Mensch f&amp;#252;r sich selbst entscheiden. Der aller-aller-h&amp;#228;ufigste Geburstag ist &amp;#252;brigens der 16. September. Und der seltenste, aus offensichtlichen Gr&amp;#252;nden, der 29. Februar.&amp;#160;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Facebook war schuld! &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ruiniert Facebook deine Beziehung? Eine &lt;a href=&quot;http://blogs.smartmoney.com/advice/2012/05/21/does-facebook-wreck-marriages/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;britische Studie&lt;/a&gt; sagt leider: ja, und wie! Angeblich sollen ein Drittel aller Scheidungs-Antr&amp;#228;ge das Wort &amp;#8222;Facebook&amp;#8220; enthalten. Und auch Anw&amp;#228;lte best&amp;#228;tigen, dass immer mehr Ehen scheitern, weil einer der Beteiligten &amp;#252;ber Facebook au&amp;#223;erehelichen Anschluss gefunden hat. Fr&amp;#252;her h&amp;#228;tten sich Aff&amp;#228;ren &amp;#252;ber Monate am Arbeitsplatz oder auf einer Dienstreise angebahnt. Heute k&amp;#246;nne man dagegen via Facebook mit wenigen Klicks alte Flammen wieder aufkochen oder fl&amp;#252;chtige Bekannte sehr schnell sehr gut kennen lernen. Facebook ist aber nicht nur eine Plattform f&amp;#252;r Aff&amp;#228;ren-Sucher, sondern auch der Ort, an dem Partner zuerst zu suchen beginnen, wenn sie vermuten, dass ihr Partner sie betr&amp;#252;gt. Und weil viele Menschen immer noch nicht gelernt haben, dass im Internet fast nichts privat ist, werden sie dort dann auch recht bald f&amp;#252;ndig &amp;#8211; und verwenden Status-Updates gerne vor Gericht als Beweis f&amp;#252;r die Untreue ihres Partners.   &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;#160;A propos Facebook und Ehe &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ch/christina-waechter/text/regular/904452.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Das offizielle Hochzeitsfoto von Mark Zuckerberg und seiner nun angetrauten Priscilla Chan ist, mal ehrlich, wirklich sehr nett und kann umgehend in die &quot;&lt;a href=&quot;http://awkwardfamilyphotos.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Awkward Family Photos&lt;/a&gt;&quot;- Galerie aufgenommen werden.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das ein Pimmel auf deiner Jeans? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Oder freust du dich nur, mich zu sehen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ch/christina-waechter/text/regular/904458.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;Wer d&lt;a href=&quot;http://baskosters.com/webshop/product/cock-or-your-legs&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;iese Leggings&lt;/a&gt; anzieht und sich damit auf die Stra&amp;#223;e traut, der ist entweder eine arme Braut beim Junggesellinnen-Abschied und verdient unser Mitleid, oder ein Mensch, der sich auf seinen irre ungew&amp;#246;hnlichen Humor etwas einbildet, was ebenfalls unser Mitleid verdient.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kinder, benutzt Kondome &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Und sei es auch nur, um damit sch&amp;#246;ne Musik zu machen. Zusammen mit einem anderen Menschen. In der Horizontalen oder Vertikalen.   &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=aUi4LQpY_eI&quot;&gt;http://www.youtube.com/watch?v=aUi4LQpY_eI&lt;/a&gt; &amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Soll ich diesen Riesen-Trottel verlassen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Endlich! Ein Blog, einzig und alleine dazu da, die ewig dr&amp;#228;uende Frage zu beantworten &lt;a href=&quot;http://yoshouldidumpthisahole.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Yo Should I Dump This Asshole?&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frag einen Erwachsenen &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Der gro&amp;#223;artige John Hamm, der offensichtlich mit seiner Arbeit bei &amp;#8222;Mad Men&amp;#8220; nicht ganz ausgelastet ist, hat sich in &amp;#160;aufger&amp;#228;umter Stimmung und leicht verkatertem Look hingesetzt und f&amp;#252;r das tolle&lt;a href=&quot;http://rookiemag.com&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; Rookie-Magazin&lt;/a&gt; einige Leserinnen-Liebes-Fragen beantwortet. Zum Beispiel, wie schlimm es ist, wenn man vor seinem Schwarm gefurzt hat. John Hamm findet: nicht so schlimm. Und er muss es wissen, er ist schlie&amp;#223;lich John Hamm!  &amp;#160;  &lt;a href=&quot;http://vimeo.com/41465466&quot;&gt;http://vimeo.com/41465466&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Diaspora statt Datenklau</title>
      <description>Nach einer l&amp;#228;ngeren Pause h&amp;#246;rt man jetzt wieder vermehrt von &quot;Diaspora&quot;, dem dezentralen Netzwerk, das den Nutzern Datensicherheit verspricht. Aus diesem Anlass und zum besseren Verst&amp;#228;ndnis haben wir zehn Fakten zu der idealistischen Social Network-Alternative zusammengestellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1. Die Idee von der dezentrale Struktur&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als &amp;#8222;Diaspora&quot; vor gut zwei Jahren gegr&amp;#252;ndet wurde, schlug es in eine Kerbe, die viele begeisterte: Ein soziales Netzwerk, das verspricht nicht wie Facebook und andere Anbieter die Daten der Nutzer zu sammeln und mit diesen Profit zu machen, sondern jedem einzelnen die Hoheit &amp;#252;ber seine Daten zusichert. Das funktioniert durch eine dezentrale Organisation. W&amp;#228;hrend man mit einer Anmeldung bei Facebook alle seine Daten aus der Hand gibt, kann man f&amp;#252;r sein Diaspora-Profil einen eigenen Server aufsetzen, oder, wem die Expertise daf&amp;#252;r fehlt, einen ausw&amp;#228;hlen, dem man seine Daten anvertraut. So setzt sich Diaspora aus vielen verschiedenen Servern, sogenannten &amp;#8222;Pods&quot; (prominentestes deutsches Beispiel ist &lt;a href=&quot;https://pod.geraspora.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Geraspora&lt;/a&gt;) zusammen, die miteinander kommunizieren und es gibt keine zentrale Stelle, die die Nutzerdaten einsehen und kontrollieren kann. Eine zentrale Plattform gibt es allerdings: &lt;a href=&quot;https://joindiaspora.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;joindiaspora.com&lt;/a&gt;. Sie soll den weniger technikaffinen Interessenten helfen, das System, das auf einer frei verf&amp;#252;gbaren Software basiert, nutzen zu k&amp;#246;nnen. Zur Zeit ist Diaspora aber noch immer in der Testphase: Man muss sich mit seiner Mailadresse einschreiben, um eine Einladung zu bekommen.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Funktionen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Bei Diaspora soll es nat&amp;#252;rlich um die Vernetzung der Mitglieder gehen. Darum gibt es die f&amp;#252;r soziale Netzwerke &amp;#252;blichen Angebote: Instant-Messaging und Nachrichtenfunktion, Statusmeldungen absetzten, Fotos teilen, &amp;#8222;Gef&amp;#228;llt mir&quot; klicken. Zudem gibt es die sogenannten &amp;#8222;Aspects&quot;, die, so die Diaspora-Entwickler, Google+ mit seinen &amp;#8222;Circles&quot; nachgebaut hat: Jeder Nutzer kann seine Kontakte bestimmten Interessengruppen zuordnen (zum Beispiel &amp;#8222;Familie&quot; oder &amp;#8222;Arbeit&quot;) und dann bestimmen, welche Inhalte er mit welcher Gruppe teilen m&amp;#246;chte. Um sich &amp;#252;ber Interessen zu vernetzen kann man auch Hashtags nutzen, also zum Beispiel nach &amp;#8222;#jetzt.de&quot; suchen und Diskussionen dazu verfolgen. Wer Diaspora nutzt, muss allerdings nicht auf Facebook oder Twitter verzichten, sondern kann seine erstellten Inhalte auch in anderen Netzwerken teilen, wenn er das denn m&amp;#246;chte.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Die Gr&amp;#252;nder&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Gegr&amp;#252;ndet wurde Diaspora von den vier New Yorker Mathematikstudenten Dan Grippi, Maxwell Salzberg, Raphael Sofaer und Ilya Zhitomirskiy. Ihre Inspiration war die Rede eines Professors der Columbia Law School &amp;#252;ber zentral organisierte Netzwerke und deren Umgang mit Nutzerdaten. In einem &lt;a href=&quot;http://www.businessweek.com/printer/articles/24762-on-diasporas-social-network-you-own-your-data&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Unternehmensportr&amp;#228;t der Businessweek&lt;/a&gt; vergleicht die Autorin Karen Weise die Jungs mit den Beatles: &amp;#8222;If Diaspora were formed in 1960s Liverpool, Salzberg would be Paul McCartney (...), &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;an eager spokesman, chatty and full of ideas&lt;span&gt;&lt;span&gt;. Grippi (...) would be the group's John Lennon, the artistic cool guy who loved design. Sofaer (...) would be Ringo Starr, the kid brother who was easygoing but cautious. That leaves George Harrison as Zhitomirskiy, a junior with an idealistic, if at times impractical, spirit.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;http://vimeo.com/11099292&lt;span&gt;&amp;#160;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Erstfinanzierung &amp;#252;ber Kickstarter&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;Als die motivierten Mathematiker ihre Idee 2010 dort platzierten, wurde Diaspora innerhalb k&amp;#252;rzester Zeit zum bis dahin erfolgreichsten &lt;a href=&quot;http://www.kickstarter.com/projects/196017994/diaspora-the-personally-controlled-do-it-all-distr&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kickstarter-Projekt&lt;/a&gt;: Das Spendenziel von 10.000 Dollar wurde innerhalb von zehn Tagen erreicht, insgesamt nahmen sie weit &amp;#252;ber 200.000 Dollar ein.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Die Diaspora-Foundation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Die Stiftung ist seit September 2011 Projekttr&amp;#228;ger und organisiert auch die Spendenaktionen zur Finanzierung des Netzwerks. Im ersten Anlauf ging innerhalb weniger Tage eine so gro&amp;#223;e Summe ein, dass der Transferdienst PayPal das Spendenkonto kurzzeitig einfror, nach Protesten der Spender allerdings wieder freigab.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Praktikabilit&amp;#228;t und Kritik&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;Die gr&amp;#246;&amp;#223;te Kritik an Diaspora betrifft die technische Komplexit&amp;#228;t. Die &amp;#8222;Installation f&amp;#252;r den eigenen PC oder f&amp;#252;r den eigenen Webhoster&quot; sei &amp;#8222;f&amp;#252;r die meisten Anwender zu umfangreich und zu kompliziert&quot; zitiert &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Diaspora_%28Software%29&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;die Wikipedia&lt;/a&gt; das Computertechnik-Magazin &amp;#8222;c't&quot;. &amp;#8222;Deshalb&quot;, so das weitere Zitat, &amp;#8222;seien die meisten Benutzer von Diaspora weiterhin darauf angewiesen, dass der Pod, der ihren Account f&amp;#252;hrt, mit ihren Daten vertrauensvoll umgeht.&quot; Auch im Portr&amp;#228;t der Businessweek werden Blogger und Technikseiten angef&amp;#252;hrt, die das System als fehlerhaft und noch von diversen Sicherheitsl&amp;#252;cken durchsiebt beschreiben.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Mitglieder&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;Laut &lt;a href=&quot;http://www.tagesspiegel.de/medien/in-den-startloechern-das-anti-facebook/5831970.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Tagesspiegel&lt;/a&gt; sind die meisten Diaspora-Nutzer Amerikaner und Deutsche, darunter vor allem solche mit technischem Interesse sowie viele Unterst&amp;#252;tzer und Mitglieder der Piratenpartei. Doch insgesamt ist der Nutzerkreis noch recht klein. Kritiker weisen darauf hin, das Netzwerk m&amp;#252;sse dem einzelnen mehr bieten als Datensicherheit. Dies ist zwar der gr&amp;#246;&amp;#223;te, aber bisher anscheinend auch der einzige Vorteil. Vielen scheint die Definition als &quot;Anti-Facebook&quot; nicht genug zu sein, um den alteingesessenen Netzwerken den R&amp;#252;cken zu kehren.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Die Entwicklungspause&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich sollte Diaspora schon Ende 2011 die Testphase verlassen und f&amp;#252;r jeden zug&amp;#228;nglich sein. Doch im November 2011 nahm sich ein Mitglied des Entwicklerteams, Ilya Zhitomirskiy, das Leben. Sein Partner Maxwell Salzberg dementierte, dass Zhitomirskiy dem Stress ihrer Start Ups nicht gewachsen gewesen sei, er habe generell unter psychischen Probleme gelitten. Nach dem Todesfall lie&amp;#223; der Rest des Teams das Projekt erst einmal ruhen.&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;9. Der Neustart&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;Im Januar 2012 machten sich Salzberg und Grippi aus dem Kern-Gr&amp;#252;nderteam wieder an die Arbeit und holten sich einen &amp;#8222;Head of Engineering&quot; sowie eine Designerin mit ins Boot. Jetzt sollen die letzten Schritte hin zu einer &amp;#214;ffnung des Netzwerks f&amp;#252;r alle gemacht werden. Im Sommer werden Mentoren von &amp;#8222;Y Combinator&quot;, einem Unternehmen, das Startups mit Geld und Fachkompetenz unterst&amp;#252;tzt, das Diaspora-Team drei Monate lang bei der Entwicklungsarbeit begleiten. Gut m&amp;#246;glich, dass sich die Unterst&amp;#252;tzer des Netzwerks &amp;#252;ber die Einbeziehung dieses Investors emp&amp;#246;ren. Immerhin war einer der Diaspora-Grundgedanken Unabh&amp;#228;ngigkeit und Anti-Kommerz. &lt;a href=&quot;http://netzwertig.com/2012/05/14/eine-neue-aera-beginnt-diaspora-plant-mit-y-combinator-den-grossen-neustart/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Netzwertig-Autor Martin Weigert &lt;/a&gt;allerdings sieht in diesem Schritt eine Chance: &amp;#8222;Ein kommerzialisiertes diaspora mit echtem Potenzial, Facebook zu bedr&amp;#228;ngen, k&amp;#246;nnte f&amp;#252;r die Zukunft des offenen Internets die bessere Wahl sein als ein vollkommen unabh&amp;#228;ngiges, daf&amp;#252;r aber v&amp;#246;llig harmloses Geek-Projekt.&quot;&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;10. Der Entwickler-Blog&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;Wer auf dem Laufenden bleiben m&amp;#246;chte und vor allem am technischen Aspekt interessiert ist, kann sich auf dem &lt;a href=&quot;http://devblog.joindiaspora.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Diaspora-Entwickler-Blog&lt;/a&gt; &amp;#252;ber den Stand der Dinge informieren. Dort berichtet das Team regelm&amp;#228;&amp;#223;ig &amp;#252;ber neue Ideen und Arbeitsschritte.&lt;span&gt;&amp;#160;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Lasst endlich Taten sehen!</title>
      <description>In Spanien und Griechenland hat nur jeder Zweite bis zu 24 Jahren einen Job, deshalb versuchen diese L&amp;#228;nder jetzt von Deutschland und dessen Ausbildungssystem zu lernen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904410.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;junge Demonstranten am Puerta del Sol in Madrid&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Spanien nennen sie sich &quot;ni-nis&quot;, &quot;Weder-Nochs&quot;, die weder arbeiten noch studieren. In Portugal ist die Rede von der &quot;Gera&amp;#231;&amp;#227;o &amp;#224; Rasca&quot;, frei &amp;#252;bersetzt der &quot;Generation in der Tinte&quot;. Im Fachjargon hei&amp;#223;en sie schlicht &quot;Neets&quot; (not in education, employment or training), also ohne Job, Berufsperspektive und ohne Chance, sich zu qualifizieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Zahlen, die die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) an diesem Montag vorgelegt hat, sind alarmierend. Sie z&amp;#228;hlt 14 Prozent der 15- bis 24-J&amp;#228;hrigen zu den &quot;Neets&quot;. Innerhalb der europ&amp;#228;ischen W&amp;#228;hrungsunion sind das etwa 3,3 Millionen junge Menschen. In Griechenland und Spanien trifft es jeden Zweiten in dieser Altersgruppe, in Portugal mehr als jeden Dritten. Die ILO warnt deshalb bereits vor einer &quot;verlorenen Generation&quot;. Mindestens bis 2016, so die Uno-Organisation, werde die Jugendarbeitslosigkeit in Europa auf &quot;dramatisch hohen Niveaus&quot; bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ganz anders sieht es in Deutschland aus. Seit 2005 geht die Anzahl der jungen Menschen ohne Job zur&amp;#252;ck, nur in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 verzeichnete die Bundesagentur f&amp;#252;r Arbeit eine Zunahme. Die Arbeitslosenquote sank bei den bis zu 24-J&amp;#228;hrigen von 12,5 auf derzeit 5,7 Prozent - in der Euro-Zone ist sie mehr als doppelt so hoch und hat einen Negativrekord erreicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nun ist Deutschland kein Wunderland. Mehr als 65 000 Jugendliche verlassen Jahr f&amp;#252;r Jahr die Schule ohne Abschluss. Gut 1,5 Millionen junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren verf&amp;#252;gen &amp;#252;ber keine abgeschlossene Berufsausbildung. Vor allem das Potenzial der Migranten sei &quot;l&amp;#228;ngst nicht ausgesch&amp;#246;pft&quot;, sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Es gibt mehr Arbeit, aber oft nur mies bezahlt und zu schlechten Bedingungen. Trotzdem hat sich die Bundesrepublik zu einem Musterland in Sachen Arbeitsmarktpolitik entwickelt. Seit Monaten wird deshalb in Europa diskutiert, wie sich Anreize f&amp;#252;r mehr Arbeit schaffen lassen-und was Deutschland daf&amp;#252;r tun kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die ILO selbst spricht sich mehr f&amp;#252;r Hollande und weniger f&amp;#252;r Merkel aus: Die Sparpolitik trage nicht dazu bei, dass sich die Perspektiven f&amp;#252;r Jugendliche verbesserten, hei&amp;#223;t es in der Studie. N&amp;#246;tig sei vielmehr eine aktive Arbeitsmarktpolitik, wie sie Frankreichs Pr&amp;#228;sident bevorzugt. Dazu z&amp;#228;hlt die ILO mehr Lohn- und Ausbildungszusch&amp;#252;sse oder Steuervorteile als Anreiz f&amp;#252;r Unternehmen, junge Leute einzustellen. Der Chef des Forschungsinstituts, Raymond Torres, warnt: &quot;Die einseitige Betonung von Sparma&amp;#223;nahmen zumal in den Euro-L&amp;#228;ndern vertieft die Besch&amp;#228;ftigungskrise und k&amp;#246;nnte Europa erneut in die Rezession bringen.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Selbst wenn sich Hollande durchsetzt und insgesamt mehr Geld ausgegeben wird - das allein wird nicht reichen. Das wissen auch die Regierungen in Italien, Spanien oder Portugal. Ob bei flexibleren Regeln f&amp;#252;r den Arbeitsmarkt oder beim dualen Ausbildungssystem - sie lassen sich bei ihren Reformen von den deutschen Erfolgen inspirieren. Auch die Kurzarbeit, die in Deutschland viele Arbeitspl&amp;#228;tze gerettet hat, k&amp;#246;nnte ein Vorbild f&amp;#252;r europ&amp;#228;ische Wackelkandidaten sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kurzfristig haben zumindest einige der Millionen Arbeitslosen in den Krisenl&amp;#228;ndern S&amp;#252;deuropas wenigstens eine Chance, aus der hoffnungslosen Situation herauszukommen - mit einer Flucht in die L&amp;#228;nder, in denen es noch Jobs gibt, also vor allem nach Deutschland. Dort suchen die Unternehmen nicht nur Ingenieure, sondern auch Krankenschwestern, Altenpfleger und Auszubildende. Schon jetzt str&amp;#246;men deshalb immer mehr Griechen oder Spanier ins Land. In S&amp;#252;deuropa ist die Nachfrage nach Deutsch-Kursen sp&amp;#252;rbar gestiegen. Deutsche Krankenh&amp;#228;user zahlen inzwischen sogar Sprachkurse im portugiesischen Porto, um neues Personal zu gewinnen. Viele, die auf eigene Faust ins Jobwunder-Land eingereist sind, wurden jedoch bitter entt&amp;#228;uscht. Wer ohne Deutsch-Kenntnisse kommt, geht bei der Stellensuche meist leer aus.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 10:45:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Wie geht Verlieren?  Der Loser-Ticker</title>
      <description>In den letzten Tagen wurde viel verloren: Champions League-Finale, Jobs als Umweltminister, gute Laune. Aber verlieren muss man auch k&amp;#246;nnen, sagen kluge Menschen. Nur: wie geht das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ch/christina-waechter/text/regular/904226.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Als Bastian Schweinsteiger den letzten Elfmeter versemmelte und sich daraufhin das Trikot &amp;#252;ber den Kopf zog wie ein Kleinkind, da konnte man mal wieder sehen, wie wahnsinnig schwer Verlieren ist. Und dass man in diesem Moment nur sehr selten an W&amp;#252;rde und Gr&amp;#246;&amp;#223;e denkt, sondern einfach nur heulen kann (und oft auch: muss). Als Schweinsteiger bei der Siegerehrung immer noch so trauerte, dass er nicht mal die ausgestreckte Hand des Bundespr&amp;#228;sidenten Joachim Gauck dr&amp;#252;cken wollte, da musste man sich schon fragen, ob das noch der Tunnelblick nach der Niederlage war oder einfach nur Trotz. Gut sah das alles nicht aus.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nicht nur Bastian Schweinsteiger und den restlichen Bayern-Spielern fiel es in dieser Nacht schwer, Haltung zu bewahren &amp;#8211; ganz M&amp;#252;nchen war im Schockzustand, denn, wie Lisa Sonnabend in ihrem &lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-nach-dem-champions-league-finale-wenn-die-stadt-des-dusels-ploetzlich-verliert-1.1361595&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;lesenswerten Essay&lt;/a&gt; &amp;#252;ber die Stadt und das Finale schrieb, &amp;#8222;Die Stadt wei&amp;#223; mit Niederlagen nicht umzugehen, sie ist sie nicht gewohnt.&amp;#8220;  &amp;#160;  &amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu verlieren, das hat auch der ehemalige Umweltminister und NRW-Wahlverlierer Norbert R&amp;#246;ttgen erleben m&amp;#252;ssen, ist hart. Wie er mit der &amp;#246;ffentlichen Dem&amp;#252;tigung seiner Entlassung umgeht, ist aber ebenfalls nicht so wahnsinnig elegant. &amp;#220;ber die &amp;#8222;Bild am Sonntag&amp;#8220; lie&amp;#223; er verlauten, er werde seinen Job als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU weiter behalten und auch n&amp;#228;chstes Jahr wieder f&amp;#252;r den Bundestag kandidieren. Und bald schon werde er sich zu den Umst&amp;#228;nden seiner unehrenhaften Entlassung &amp;#228;u&amp;#223;ern und dabei einige Dinge klarstellen.&amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verlieren ist ein gro&amp;#223;es Thema. Aber wie man mit einer so gro&amp;#223;en Niederlage umgeht, das wird uns in der Schule leider nicht beigebracht. Wir m&amp;#252;ssen es selbst lernen &amp;#8211; meist dann, wenn wir in der Situation sind.  Glaubst du, du kannst verlieren? Sei es in der Liebe, bei einem Spiel oder im Job. Welche Regeln w&amp;#252;rdest du aufstellen f&amp;#252;r gutes Verlieren? Musstest du selbst schon harte Niederlagen hinnehmen, von denen du dich lange nicht erholt hast?   &amp;#160;&amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 22 May 2012 08:00:01 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hertha scheitert</title>
      <description>Sportgericht weist Einspruch gegen D&amp;#252;sseldorf-Spiel zur&amp;#252;ck&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; M&amp;#252;nchen - Hertha BSC, der Antragsteller, hat die Sache ein wenig spannender gemacht, als sie am Ende wirklich war. Mit einem halben Dutzend Zeugen waren die Berliner am vergangenen Freitag nach Frankfurt gereist, um dort vor dem DFB-Sportgericht eine Wiederholung des Relegationsspiels gegen Fortuna D&amp;#252;sseldorf (2:2) durchzufechten. Dem Vorwurf, nicht alle Zeugen geh&amp;#246;rt zu haben, wollten sich die Juristen des Deutschen Fu&amp;#223;ball-Bundes nat&amp;#252;rlich nicht aussetzen, und so uferte die Verhandlung in eine siebenst&amp;#252;ndige Marathon-Sitzung aus, ohne Urteilsverk&amp;#252;ndung. Die folgte am Montag, das Sportgericht wies den Einspruch der Berliner gegen die Wertung des Bundesliga-Relegationsr&amp;#252;ckspiels als unbegr&amp;#252;ndet zur&amp;#252;ck. 'Damit bleibt das 2:2-Endresultat zwischen Fortuna D&amp;#252;sseldorf und Hertha BSC Berlin vom 15. Mai 2012 bestehen', hei&amp;#223;t es in einer offiziellen DFB-Mitteilung. Mit anderen Worten: Fortuna D&amp;#252;sseldorf ist erstklassig dank des 2:1-Hinspielsieges in Berlin, die Hertha steigt in Liga zwei ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904318.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;span style=&quot;color:#888888;&quot;&gt;&lt;em&gt;Der Herthaner Torwart Thomas Kraft kurz vor  Schluss des Relegationsr&amp;#252;ckspiels Fortuna D&amp;#252;sseldorf gegen Hertha BSC. &lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zwar k&amp;#252;ndigten die Berliner am Montag unges&amp;#228;umt Einspruch gegen diese Entscheidung an, das DFB-Bundesgericht d&amp;#252;rfte die Causa aufgrund der Eilbed&amp;#252;rftigkeit sogar noch bis zum Ende der Woche behandeln. Dann werden auch formal die Akten zu diesem Fall geschlossen. Nicht aber zu dieser Partie, die eine Reihe weiterer Brandherde aufgezeigt hat. Das Urteil von Montag steht nur am Beginn eines Prozess-Reigens, der unter anderem auch die Vorf&amp;#228;lle nach dem Zweitliga-Relegationsspiel in Karlsruhe am Montag vergangener Woche umfasst. Dort waren Dutzende Zuschauer und Polizisten bei Fan-Ausschreitungen verletzt worden, nachdem der KSC an Jahn Regensburg gescheitert war und in die dritte Liga abstieg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als Erl&amp;#246;sung wurde das DFB-Urteil beim Erstliga-Aufsteiger in D&amp;#252;sseldorf aufgenommen. 'Ich bin erleichtert und froh, dass die Spielwertung bestehen bleibt', sagte Fortunas Vorstandschef Peter Frymuth der dpa. 'F&amp;#252;r mich war f&amp;#252;r das Urteil die Klarheit der Schiedsrichter-Aussagen entscheidend. Aus unserer Sicht ist dieses Urteil gerecht.' Die D&amp;#252;sseldorfer Spieler hatten urspr&amp;#252;nglich am Sonntag zur Saisonabschlussfahrt nach Mallorca fliegen wollen, wegen des schwelenden Rechtsstreits stand nun am Montag noch ein kurzes Training in D&amp;#252;sseldorf auf dem Programm. Anschlie&amp;#223;end warteten die Profis gemeinsam auf dem Stadiongel&amp;#228;nde den Entscheid des DFB-Sportgerichts ab. Weil aber theoretisch auch noch im Berufungsverfahren eine Spielwiederholung verf&amp;#252;gt werden k&amp;#246;nnte, steht auch am Mittwoch erneut Training statt Strand auf der Agenda.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; D&amp;#252;sseldorfer Fans hatten in der Relegationspartie eineinhalb Minuten vor dem Abpfiff den Rasen gest&amp;#252;rmt, es war zu einer 21-min&amp;#252;tigen Unterbrechung gekommen. Als der Rasen ger&amp;#228;umt war, pfiff Referee Wolfgang Stark die Partie noch einmal f&amp;#252;r 93 weitgehend ereignis- lose Sekunden an. Tags darauf legte Hertha BSC Einspruch gegen die Spielwertung ein, die Bedingungen f&amp;#252;r die Fortsetzung der Schlussphase seien irregul&amp;#228;r und die eigenen Profis wegen der Fan-Turbulenzen ver&amp;#228;ngstigt gewesen. Hans E. Lorenz, der Vorsitzende Richter des Sportgerichts, befand zur Entscheidung am Montag: 'Der Einspruch hatte keinen Erfolg, weil kein Einspruchsgrund nachzuweisen war. Der Schiedsrichter hat jederzeit regelkonform gehandelt, und die von Hertha BSC behauptete einseitige Schw&amp;#228;chung durch die Unterbrechung konnte nicht belegt werden.' F&amp;#252;r Rainer Koch, Vizepr&amp;#228;sident Recht des DFB, ist das Urteil 'ohne Alternative, wenn man sich die Regeln anschaut'.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Teuer d&amp;#252;rfte die Partie aber noch werden f&amp;#252;r die Fortuna. Auch Richter Lorenz r&amp;#252;gte explizit den ungen&amp;#252;genden Ordnungsdienst der Hausherren beim Relegationsspiel. Eine m&amp;#246;gliche Geldstrafe will der Zweitliga-Dritte nach einem Bericht des Express bei jenen Fans eintreiben, die beim Spiel vorzeitig den Platz gest&amp;#252;rmt hatten. T.K.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hol dir den Herpes deines Lieblingsstars</title>
      <description>In Cannes beschw&amp;#246;rt der 89-j&amp;#228;hrige Alain Resnais seine Jugendliebe Eurydike, der 32-j&amp;#228;hrige Brandon Cronenberg zeigt, wes Vaters Kind er ist&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelegentlich packt den Menschen der pl&amp;#246;tzliche Drang, ein ganz Anderer zu werden - bei K&amp;#252;nstlern passiert das gern auf dem H&amp;#246;hepunkt ihres Ruhms. Die untergr&amp;#252;ndige Frage ist dann, wie lange das alles noch gut gehen kann - und die Antwort ist oft eine Flucht nach vorn. Auch Cannes selbst steckt offenbar in so einer Identit&amp;#228;tskrise: Mit pausenlosem Platzregen und geradezu eisigen Winden tut die Stadt momentan so, als sei sie Gastgeberin der Berlinale.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904314.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;span style=&quot;color:#888888;&quot;&gt;&lt;em&gt;Platzregen und eisige Winde: Cannes macht auf Berlinale&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Iraner Abbas Kiarostami, l&amp;#228;ngst unwiederbringlich in der Filmgeschichte einsortiert, und zwar bei den Meistern der tiefen und einfachen Wahrheiten, ist so einer, der sich mit seinem Schicksal noch nicht abgefunden hat. Sein letzter Film spielte in der Toskana, da gab er vor, seit jeher zur europ&amp;#228;ischen Bildungsbourgeoisie zu geh&amp;#246;ren, und zwar als am&amp;#252;sierter Beobachter. In 'Like Someone in Love' geht er nun einen Schritt weiter: Der Film ist in Tokio gedreht, mit japanischen Darstellern, in japanischer Sprache. Warum? 'Damit man mir nicht vorwerfen kann, ich w&amp;#252;rde einen Film f&amp;#252;r den Westen machen. Ob die Untertitel nun in Persisch oder Japanisch sind, macht f&amp;#252;r mich keinen Unterschied.'&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Erstens: Eine doch recht merkw&amp;#252;rdige Motivation. Und zweitens ein durchaus gewagtes Statement - vor allem wenn man sieht, dass ihm zu Tokio und Japan doch nur Dinge einfallen, die schon allerorts in den K&amp;#246;pfen herumspuken: Die Tragik der entfremdeten Metropolenkinder, die keine Zeit mehr f&amp;#252;r ihre Eltern oder Gro&amp;#223;eltern haben, scheint er direkt aus Ozus 'Tokio Story' und damit ungef&amp;#228;hr aus den f&amp;#252;nfziger Jahren importiert zu haben. Und die Idee bildh&amp;#252;bscher Studentinnen, die ihre K&amp;#246;rper an m&amp;#228;chtige alte M&amp;#228;nner verkaufen, nun ja - das ist dem Filmemacher dann selbst zu bl&amp;#246;d, das ernsthaft durchzuziehen. In dem Moment aber, wo er vor dieser Konsequenz ins Drollige fl&amp;#252;chtet, entweicht noch der letzte Sinn aus seinem Konstrukt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Trotz allem sind Wandel und Neusch&amp;#246;pfung nat&amp;#252;rlich besser als Stagnation, da folgt die Kunst den Impulsen der Natur, oder konkreter noch denen des Kapitalismus. Das wei&amp;#223; auch Isabelle Huppert, und vielleicht deshalb hat sie ein seltsames Angebot von Hong Sang-Soo angenommen: Ohne fertiges Drehbuch an einen verlassenen K&amp;#252;stenort in Korea zu fahren, in einem G&amp;#228;stehaus abzusteigen und mit minimaler Crew den Improvisationen des Regisseurs zu folgen. 'In Another Country' hei&amp;#223;t der Film, und darin treffen nun Hongs typische M&amp;#228;nnerfiguren - romantisch, albern, aufbrausend, sp&amp;#228;tpubert&amp;#228;r - immer wieder auf Huppert in verschiedenen Inkarnationen, also mit anderen Worten auf die erwachsenste Frau des Weltkinos. Der Plan war wohl, dass da die Funken spr&amp;#252;hen w&amp;#252;rden - aber das Ergebnis gleicht eher einer dieser radebrechenden Cannes-Pressekonferenzen, wo alle angeblich die Weltsprache Kino sprechen und doch hemmungslos aneinander vorbeireden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Viel n&amp;#228;her bei sich selbst ist da doch der 89-j&amp;#228;hrige Alain Resnais, der in 'Vous n&quot;avez encore rien vu /Ihr habt noch gar nichts gesehen' einmal mehr zu seiner Leidenschaft f&amp;#252;rs Theater - und zu seinen theatralischen Versuchsanordnungen im Kino - zur&amp;#252;ckkehrt. Der Film beruht auf einem Erlebnis aus dem Jahr 1942, als Resnais das St&amp;#252;ck 'Eurydice' von Jean Anouilh sah und davon so &amp;#252;berw&amp;#228;ltigt war, dass er gleich zweimal mit dem Fahrrad um Paris herumfahren musste. Orpheus und Eurydike, vom Sturm und Drang eines fr&amp;#252;hen Existenzialismus durchgesch&amp;#252;ttelt - l&amp;#228;sst sich die Wucht des damals Gef&amp;#252;hlten in einer Kinoadaption noch einmal beschw&amp;#246;ren? Nat&amp;#252;rlich nicht. Man kann aber doch in Erinnerungen daran schwelgen, wie es Resnais mit seiner Stammtruppe um Sabine Az&amp;#233;ma, Pierre Arditi, Lambert Wilson und Michel Piccoli tut. Zugleich ist er aber weise genug, von der j&amp;#252;ngsten Generation des franz&amp;#246;sischen Theaters eine ganz eigene Fassung des Stoffes einzufordern, diese parallel zu schneiden und dabei mit keinem Wort dazwischenzureden. Sich treu zu bleiben und dabei doch der Jugend, dem Neuen, dem Wandel nicht im Wege zu stehen - das ist hier einmal auf wundersame Weise gelungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den interessantesten Fall einer Identit&amp;#228;tssuche gab es allerdings nicht bei den alten Hasen im Wettbewerb, sondern bei einem Erstlingsfilm der Nebenreihe 'Un certain regard'. Brandon Cronenberg, 32 Jahre alt, ist der Sohn des kanadischen Regiemeisters David Cronenberg. Beide haben Filme in Cannes, aber der Vater ist erst am Freitag dran. So konnte der Sohn mit seinem Science-Fiction-Thriller 'Antiviral' als eine Art radikalverj&amp;#252;ngte Version des Cronenberg-Genius pr&amp;#228;sentieren: Es ist, als habe sich da ein Filmemacher selbst geklont, um nahtlos und kraftvoll an sein Fr&amp;#252;hwerk anzukn&amp;#252;pfen. Cronenberg 2.0 macht mit jenen wunderbar bizarren K&amp;#246;rperphantasien weiter, die sein Vater vor Jahren hinter sich lie&amp;#223;, um sich mehr den R&amp;#228;tseln der Wirklichkeit zu widmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zwei Biotech-Konzerne der Zukunft vermarkten Celebrity-Viren - jeder Fan, der das n&amp;#246;tige Kleingeld hat, kann sich mit dem Herpes oder der Grippe seines Lieblingsstars infizieren lassen. Das Gesch&amp;#228;ft boomt, es gibt einen m&amp;#246;rderischen Konkurrenzkampf und auch l&amp;#228;ngst einen Schwarzmarkt f&amp;#252;r Raubkopien und Gentech-Mutationen. Der Labortechniker Syd March (Caleb Landry Jones, eine unvergessliche Fieberversion des androgynen Dandys) infiziert sich dabei selbst, um die kostbare Ware in seinem Blut durch die Kontrollschleusen zu schmuggeln. Das Problem ist dabei nur, dass Prominente manchmal auch an r&amp;#228;tselhaften Todesursachen sterben, die alle Welt dann vertuschen will ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; All die Injektionsnadeln, die sich da in fahles Fleisch bohren, das Blut, das gezapft, analysiert oder ausgehustet wird, Bluter- und Schwindsucht-Assoziationen aus der Vergangenheit, Hightech-Stars aus den Labors der Zukunft, dazu diese Mischung aus Horror, Faszination, Verschw&amp;#246;rungstheorien und kristallklaren Bildern - keine Frage, das ist Cronenberg so durch und durch, dass man es beim Sehen kaum fassen kann. Hat der Vater da nicht vielleicht doch seine H&amp;#228;nde im Spiel gehabt? Oder hatte er etwa Lust, sich einfach in ein 32-j&amp;#228;hriges und ein 69-j&amp;#228;hriges Alter Ego zu spalten?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Pressemitteilung des Festivals weist Brandon Cronenberg als alleinigen Autor und Regisseur von 'Antiviral' aus - das ist im gro&amp;#223;en Wechselspiel der Identit&amp;#228;ten ja doch mal eine klare Ansage. Jetzt bleibt hinter den tausend Regenschirmen, die hier momentan den Blick auf Stars und Filmemacher verstellen, allerdings noch eine Frage zu kl&amp;#228;ren: Ob es ihn wirklich gibt. &lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 19:00:00 +0200</pubDate>
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      <title>Auf Jagd im Datendschungel</title>
      <description>Ob Tierfreunde oder BMW-Fahrer: In den USA umwerben die Parteien per 'Microtargeting' kleinste W&amp;#228;hlergruppen. Obamas neuester Wahlhelfer ist der Portugiesische Wasserhund &quot;Bo&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Washington - Bo ist ein drolliges, schwarz-wei&amp;#223;es Fellkn&amp;#228;uel mit Knopfaugen und h&amp;#228;ngender Zunge. Ein Portugiesischer Wasserhund und Barack Obamas neuester Wahlhelfer. 'Bark for Barack - Bellen f&amp;#252;r Barack' steht auf blaugrundigen Magneten, die man sich aufs Auto kleben kann und die f&amp;#252;r die Wiederwahl des Pr&amp;#228;sidenten werben. Es gibt blau- wei&amp;#223;-rot gehaltene 'Obama-Pullover' f&amp;#252;r Hunde, blaue Halsb&amp;#228;nder f&amp;#252;r Katzen mit dem Aufdruck: 'Ich miaue f&amp;#252;r Michelle' (die First Lady). Und wenn man im Internet zum Beispiel nach Hundefutter sucht, kann es einem glatt passieren, dass auf dem Bildschirm eine Anzeige mit dem Slogan aufpoppt: 'Tierfreunde f&amp;#252;r Obama'.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904310.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;color:#888888;&quot;&gt;&lt;em&gt;D&amp;#252;rfen wir vorstellen: Bo, Barack Obamas neuester Wahlhelfer&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Obamas Wahlstrategen sind auf den Hund gekommen, auf den Hund des Pr&amp;#228;sidenten, um die 'pet lovers', die Tierfreunde unter Amerikas W&amp;#228;hlern, f&amp;#252;r ihren Mann zu gewinnen. Die sind indes bei weitem nicht die einzige W&amp;#228;hlergruppe, die Obamas Helfer umschmeicheln. Es gibt Internetanzeigen (und Buttons und T-Shirts) etwa f&amp;#252;r Soldatenfamilien, f&amp;#252;r Krankenschwestern und sogar f&amp;#252;r junge M&amp;#252;tter (mit einem 'Babys f&amp;#252;r Obama'-Strampler).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Microtargeting hei&amp;#223;t das im amerikanischen Politslang, der Versuch, gezielt W&amp;#228;hlergruppen zu umwerben. Das gibt es schon lange. Doch je raffinierter die Marketing-Methoden in Internet und Sozialen Medien werden, desto genauer lassen sich die W&amp;#228;hler ansprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor vier Jahren war die Obama-Wahlkampagne damit bereits hocherfolgreich. Diesmal umwirbt sie noch methodischer selbst kleinste Bev&amp;#246;lkerungsgruppen, um das W&amp;#228;hlerpotential des Pr&amp;#228;sidenten auszusch&amp;#246;pfen. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die Pr&amp;#228;sidentenwahl im November sehr knapp ausgeht. Wer da seine m&amp;#246;glichen W&amp;#228;hler besser mobilisiert, k&amp;#246;nnte am Ende gewinnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Polit-Marketing wissen sie dank der gewaltigen elektronischen Datenspur, die jeder Amerikaner hinterl&amp;#228;sst, ziemlich genau, wen sie ansprechen sollten. So tendieren zum Beispiel Subaru-, Volkswagen- und selbst Mercedes-Fahrer dazu, demokratisch zu w&amp;#228;hlen. BMW-, Porsche- und Landrover-Besitzer sind vielfach Republikaner. Wer CNN guckt, d&amp;#252;rfte eher f&amp;#252;r Obama stimmen als die Fox-News-Zuschauer, die republikanisch gesinnt sind. Cognac-Liebhaber sind &amp;#252;berwiegend Demokraten, Becks-Bier-Trinker mehrheitlich Republikaner. Aus der Kombination einer F&amp;#252;lle solcher Daten (die zum Beispiel von Kreditkarten-Firmen kommerziell vertrieben werden) k&amp;#246;nnen die Wahlstrategen beider Lager inzwischen punktgenau ihre Zielgruppen definieren: Ein Mercedes-Fahrer, der Cognac trinkt und die New York Times abonniert und gerade im Internet nach Hundefutter sucht, ist der ideale Kandidat f&amp;#252;r den 'Tierfreunde f&amp;#252;r Obama'-Pop-up auf dem Bildschirm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Allein im M&amp;#228;rz gab Obamas Wahlkampagne fast die H&amp;#228;lfte ihres Werbeetats von 6,7 Millionen Dollar f&amp;#252;r Internetwerbung aus; das meiste davon ging in Microtargeting-Anzeigen. Thomas Edsall, Professor an der Journalistenschule der Columbia University in New York, nennt die immer gezieltere W&amp;#228;hlerwerbung im Internet inzwischen 'Nano-Targeting' und prophezeit, dass sie bis zur Wahl im November noch weiter auf die Spitze getrieben werden wird: 'Je enger der Abstand zwischen Barack Obama und Mitt Romney wird, desto mehr Geld wird da hineinflie&amp;#223;en.'&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch die Republikaner machen nat&amp;#252;rlich Mircrotargeting. Und sie umwerben auch die Tierfreunde. Doch hat ihr Kandidat da ein kleines Problem. Bei einem Wahlkampfauftritt hatte Mitt Romney nebenbei erz&amp;#228;hlt, dass er den Familienhund Seamus auf einer Fahrt in den Familienurlaub nach Kanada einmal zw&amp;#246;lf Stunden im offenen K&amp;#228;fig auf dem Autodach transportiert hatte. Hundefreunde waren emp&amp;#246;rt ob der tierischen Gewalttour, weshalb die Demokraten die Geschichte immer wieder gerne aufw&amp;#228;rmen. Die Republikaner haben sich allerdings ger&amp;#228;cht. Sie weisen ihrerseits s&amp;#252;ffisant auf eine Passage in der Autobiographie des Pr&amp;#228;sidenten hin: Darin erz&amp;#228;hlt Obama, dass er als Kind Hundefleisch zu essen bekam - in Indonesien, wo er mit seiner Mutter lebte. Ein Gl&amp;#252;ck, dass Bo im Wei&amp;#223;en Haus wohnt.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 19:00:00 +0200</pubDate>
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    <item>
      <title>Gegen den Euro, gegen Europa</title>
      <description>Das neue Buch von Thilo Sarrazin ist voller Detailhuberei, Widerspr&amp;#252;che und wohlfeiler Provokation. P&amp;#252;nktlich zur Ver&amp;#246;ffentlichung diskutierte er am Sonntagabend bei G&amp;#252;nther Jauch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mann mit dem Schnauzer meldet sich zur&amp;#252;ck in der Welt der deutschen Themenh&amp;#228;ckselmaschinerie. Ein Auftritt in der ARD-Talkshow &quot;G&amp;#252;nther Jauch&quot;, ein Vorabdruck in der Zeitschrift Focus - Thilo Sarrazin, promovierter Volkswirt und langj&amp;#228;hriger Sozialdemokrat, versucht die Wiederholung seines Bestsellers &quot;Deutschland schafft sich ab&quot; mit allen Mitteln des Auflagen-Marketings. Wieder geht es um ein Dauerthema der deutschen Debatte, dem der auf Provokation gestylte Autor vorgeblich Neues abringen will: um Europa.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904320.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;color:#999999;&quot;&gt;&lt;i&gt;Immer f&amp;#252;r eine Provokation gut: Thilo Sarrazin.&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; Hier f&amp;#252;hrt sich Sarrazin, der Marketender in eigener Sache, mit zwei Grundthesen ein, die in dem Konvolut immer wieder vorkommen. Die eine These ist schon vom einstigen Industrieverbands-Pr&amp;#228;sidenten Hans-Olaf Henkel durchgewalkt worden, der den Medien beizeiten als &quot;Euro-Sarrazin&quot; erschien. Sie liefert dem Echt-Sarrazin nun den Buchtitel: &quot;Europa braucht den Euro nicht&quot;. Danach ist die Krise nicht auch Folge finanzpolitischer Gro&amp;#223;wirren, sondern allein das Ergebnis politischer Illusionen; Deutschland habe sich &quot;zahlreiche neue un&amp;#252;berschaubare Risiken und Zukunftslasten aufgehalst&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die andere These handelt vom Soup&amp;#231;on, Deutschland arbeite sich an seiner Kriegsschuld ab und lasse sich deshalb auf europ&amp;#228;ische Einheit und Euro-Bonds ein. Deren Bef&amp;#252;rworter seien angeblich &quot;getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Bu&amp;#223;e f&amp;#252;r Holocaust und Weltkrieg erst endg&amp;#252;ltig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europ&amp;#228;ische H&amp;#228;nde gelegt haben&quot;. Und Sarrazin r&amp;#228;t, Deutsche m&amp;#252;ssten sich in Bezug auf Europa vor einem &quot;etwas perversen Sendungsbewusstsein&quot; h&amp;#252;ten, das sich &quot;in seiner Verkrampfung nur aus der deutschen Geschichte erkl&amp;#228;ren l&amp;#228;sst&quot;. Hier krampft nur einer, und das ist der Autor. Sarrazins Talkshow-Gespr&amp;#228;chspartner Peer Steinbr&amp;#252;ck sieht manches davon schlicht als &quot;Bullshit&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Provo-S&amp;#228;tzchen sollen wohl jenes Skandalon schaffen, das dem Ganzen erst geldwerte Aufmerksamkeit beschert; nur so wird der Sarrazinismus sendef&amp;#228;hig. Sie kontrastieren jedoch mit der vorgelegten volkswirtschaftlichen Detailhuberei, die viele Redundanzen aufweist und oft so spannend ist wie der Monatsbericht der Bundesbank. Der Mann, der sich in seinem vorherigen Buch in Rassen-Theorien verirrte, sucht diesmal akademische Anerkennung, und das 15 Jahre, nachdem er schon einmal zum Thema schrieb (&quot;Der Euro: Chance oder Abenteuer&quot;). &amp;#220;ber viele Seiten hinweg m&amp;#252;ht sich Sarrazin um das Graubrot der Statistik und den Nachweis, dass die Euro-Zone den Deutschen nichts nutze, da der Anteil der Exporte in die Euro-L&amp;#228;nder leicht gefallen sei, von 45 Prozent in 1998 auf nun 39 Prozent. Das Wachstum der n&amp;#246;rdlichen Euro-L&amp;#228;nder sei nicht st&amp;#228;rker als das von Gro&amp;#223;britannien und Schweden, w&amp;#228;hrend die gemeinsame W&amp;#228;hrung dem S&amp;#252;den geschadet habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was aber sagt das aus? Im Grunde nur, dass woanders das Wachstum noch st&amp;#228;rker war, in China etwa, dem gelobten Land deutscher Exporteure. Und keiner kann sagen, wie es mit dem Europa-Gesch&amp;#228;ft auss&amp;#228;he, wenn es den Euro nicht g&amp;#228;be - weil dann wohl eine starke und immer st&amp;#228;rker werdende D-Mark die deutschen Waren erheblich verteuern w&amp;#252;rde. Solche Einw&amp;#228;nde, wie etwa eine Studie der Beratungsfirma McKinsey, wonach ein Drittel des deutschen Wachstums dem Euro zu verdanken sei, wischt Sarrazin mit leichter Hand weg. Seine Beweistechnik ist, ausgiebig Zeitungsartikel zu zitieren, die in seine Gedankenwelt passen, und die anderen auszusparen. So schlie&amp;#223;t sich ein Kreis, der keiner ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sarrazin folgert aus seiner Arbeit nicht, so wie es Henkel tat, der &quot;Euro-Sarrazin&quot;, dass ein weicher S&amp;#252;d-Euro und ein harter Nord-Euro einzuf&amp;#252;hren sei - sondern der streitbare Autor findet, die W&amp;#228;hrungsunion m&amp;#252;sse ihre Grundprinzipien wieder h&amp;#228;rten, wozu f&amp;#252;r ihn vor allem der Verzicht darauf geh&amp;#246;rt, anderen Staaten aus der Patsche zu helfen (&quot;No-bail-out-Prinzip&quot;). Griechenland und &amp;#228;hnliche Problemstaaten (&quot;welches andere S&amp;#252;dland auch immer&quot;) sollten sich daran erfreuen, &amp;#252;ber Euro zu verf&amp;#252;gen - aber es sollte sich &quot;um selbst verdiente Euro und nicht um Geschenke oder Darlehen der Nordl&amp;#228;nder handeln&quot;. Einerseits kritisiert Sarrazin, was alle kritisieren, n&amp;#228;mlich die W&amp;#228;hrungsunion ohne politische Union begonnen zu haben. Andererseits lehnt er genau diese politische Union ab und spricht von &quot;europ&amp;#228;ischer Eschatologie&quot;, von einem politisch gewollten End-Schicksal. Er findet es ideologisch, wenn Politiker wie einst Helmut Kohl die Vereinigten Staaten von Europa via Euro f&amp;#246;rdern wollen, ist aber in Wahrheit genauso ideologisch mit der Ablehnung einer europ&amp;#228;ischen Identit&amp;#228;t. Das ist die Pr&amp;#228;misse seiner Arbeit. Er ignoriert den Wert politischer Gestaltungsarbeit, wie sie bei Robert Schuman, Konrad Adenauer oder Jacques Delors &amp;#252;blich war. Stattdessen h&amp;#228;mt er, die politische Klasse sei mit ihrer &quot;Wette&quot; gescheitert, dass mit dem Euro quasi naturgesetzlich die politische Union komme.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am interessantesten wird es, wenn der langj&amp;#228;hrige Spitzenbeamte aus der Reihe &quot;Sarrazin und wie er die Welt sah&quot; erz&amp;#228;hlt. So erf&amp;#228;hrt die Nachwelt, wie er 1973 am Langzeitprogramm der SPD arbeitete und dabei begriffen habe: &quot;Wer schreibt, der bleibt&quot; - und dass er es war, der unter Arbeitsminister Herbert Ehrenberg (SPD) 1978 auf die Idee des Mutterschutzes f&amp;#252;r Arbeitnehmerinnen kam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Thilo Sarrazin: Fernsehgast und Wohlt&amp;#228;ter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; THILO SARRAZIN: Europa braucht den Euro nicht. Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise gef&amp;#252;hrt hat. DVA, M&amp;#252;nchen, 462 Seiten, 22,99 Euro.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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    <item>
      <title>Gegen die Malaria</title>
      <description>Die Firma Buchler aus Braunschweig ist das letzte Unternehmen in Europa, das den Wirkstoff Chinin aus der Chinarinde gewinnt. Dieser ist unter anderem wichtiger Bestandteil von Tonic Water.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin - Wahrscheinlich hat es jeder in irgendeiner Form schon einmal konsumiert. Ob im Gin Tonic oder in vielen Medikamenten - Chinin. Der europaweit letzte Chinin-Hersteller sitzt in Braunschweig: die familiengef&amp;#252;hrte Buchler GmbH. Gab es im Jahre 1958 rund um den Globus immerhin 19 Unternehmen, die Chinin aus Chinarinde gewannen, so sind es heute neben Buchler noch sechs Chininfabriken in Indien, Indonesien und Kongo. Dabei hat Buchler im Laufe der Jahre einige der seinerzeit 14 europ&amp;#228;ischen Hersteller aufgekauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Chinin ist als Inhaltsstoff kaum bekannt, daf&amp;#252;r aber f&amp;#252;r die Chemie- und Pharmabranche sowie f&amp;#252;r die Nahrungsmittelindustrie umso wichtiger. Chinin ist zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil des Tonic Water. Gin Tonic tranken schon die Kolonialherren, um sich vor der Malaria zu sch&amp;#252;tzen. Mit dem chininhaltigen Tonic alleine h&amp;#228;tte man die gleiche Wirkung erzielt, doch sollte Gin den bitteren Tonicgeschmack aufheben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Unternehmensgr&amp;#252;nder Hermann Buchler hatte in London mit dem Handel von Drogen und Gew&amp;#252;rzen begonnen. Nachdem ihn die Liebe nach Braunschweig verschlagen hatte, er&amp;#246;ffnete er dort 1858 &quot;Hermann Buchler&quot;s Chininfabrik&quot;. Ohne seine Ehefrau st&amp;#252;nde die Chininfabrik also woanders. Der heutige Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrer Thomas W. Buchler h&amp;#228;lt beispielsweise London oder eine andere Hafenstadt als Standort f&amp;#252;r viel geeigneter als Braunschweig. Ein Umzug komme aber aus Kostengr&amp;#252;nden nicht infrage, wie der 68-J&amp;#228;hrige betont.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hermann Buchler wollte Zucker herstellen und sattelte sehr fr&amp;#252;h auf Chinin um. Wenn man Zucker aus Zuckerrohr extrahieren kann, so seine &amp;#220;berlegung, dann l&amp;#228;sst sich auch Chinin aus Chinarinde extrahieren. Denn dass Chinarinde gegen Malaria wirkt, wusste man bereits seit 1630. Obgleich man die Formel f&amp;#252;r Chinin kennt, konnte sich die synthetische Produktion nie durchsetzen. Doch auch der Extraktionsvorgang ist aufwendig. Der Chinarindenbaum - urspr&amp;#252;nglich aus S&amp;#252;damerika - w&amp;#228;chst heute vor allem in Zentralafrika und Indonesien. Kongo, Ruanda, Burundi, aber auch Guatemala sind die Hauptquellen f&amp;#252;r Buchler. Bis 1991 hatten die Braunschweiger noch eigene Plantagen in den afrikanischen L&amp;#228;ndern, bis 1998 Beteiligungen. Mittlerweile arbeitet Buchler mit Partnern vor Ort zusammen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Rinde kommt in S&amp;#228;cken auf dem Seeweg nach Deutschland. In Braunschweig mahlt dann eine M&amp;#252;hle den Rohstoff, bevor die Rinde in Natronlauge, Kalk und Wasser aufquellt. Anschlie&amp;#223;end wird das Chinin extrahiert, gereinigt und getrocknet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die fertige Ware wird homogenisiert und geht dann an die Kunden - zu 70 bis 75 Prozent in die Pharmaindustrie f&amp;#252;r Medikamente gegen Malaria und Wadenkr&amp;#228;mpfe. Etwa 20 Prozent der Kunden sind Hersteller von Tonicwasser, etwa f&amp;#252;nf bis zehn Prozent gehen in die chemische Industrie. Die 85 Mitarbeiter des Unternehmens exportieren 95 Prozent der Chininprodukte - insbesondere in europ&amp;#228;ische L&amp;#228;nder und in die USA.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Herstellungsverfahren haben sich seit 1858 kaum ge&amp;#228;ndert. Im Laufe der Jahre hat Buchler allerdings den Umgang mit L&amp;#246;sungsmitteln und den Energieverbrauch optimiert. Au&amp;#223;erdem arbeite man gerade an einem Konzept, um die extrahierte Rinde als Brennstoff zu nutzen, um Energie zu gewinnen, erz&amp;#228;hlt Buchler. Heutzutage ist im Buchler-Werk alles zertifiziert. Dass ein Unternehmen Sicherheitsstandards und Gesetze einh&amp;#228;lt, empfindet der Firmenchef als gewissen Wettbewerbsvorteil. Die zunehmende Kontrolle kehre die Konkurrenzsituation allerdings auch um. Etwa 20 Prozent der Arbeitskraft des Unternehmens w&amp;#252;rden f&amp;#252;r Qualit&amp;#228;tssicherung und -kontrolle aufgewendet, rechnet der Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrer vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Deshalb k&amp;#246;nne Buchler das Chinin nur erheblich teurer anbieten als die Wettbewerber aus dem Ausland. Nicht zuletzt auch wegen der EU-Chemikalien-Verordnung: &quot;Die neuen Anforderungen bez&amp;#252;glich Toxizit&amp;#228;t, Pr&amp;#252;fungen, Dokumentation und Verpackung werden f&amp;#252;r Buchler Kosten von etwa 200000 Euro pro Produkt zur Folge haben.&quot; Mit insgesamt 26 Produkten w&amp;#228;ren dies 5,2 Millionen Euro, die gestemmt werden m&amp;#252;ssten. Bei einem Jahresumsatz von 15 bis 20 Millionen Euro sei dies &quot;einfach nicht umsetzbar, auch weil nur f&amp;#252;nf Prozent des Absatzes von Buchler in Chemikalien geht&quot;, kritisiert der Firmenchef.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Familie h&amp;#228;lt mittlerweile etwas mehr als 60 Prozent der Unternehmensanteile, die unter dem Dach einer Holdinggesellschaft namens Fagus GmbH verwaltet werden. Fagus ist auch an anderen Firmen der Familie beteiligt und hat insgesamt 32 Gesellschafter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Thomas W. Buchler ist jedoch der letzte Buchler, der die Gesch&amp;#228;fte f&amp;#252;hrt. Auch wenn die Familie weiterhin die Mehrheit der Gesellschafter stellt, wird mit seinem Ausscheiden aus der Gesch&amp;#228;ftsf&amp;#252;hrung eine Epoche zu Ende gehen. Dies wird allerdings wohl fr&amp;#252;hestens im Jahre 2015 der Fall sein.</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Sensibler Kopf</title>
      <description>Der britische S&amp;#228;nger Robin Gibb wurde als Mitglied der Bee Gees bekannt, deren Songs gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils aus seiner Feder stammten. Nun ist er einem Krebsleiden erlegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angeblich, so hie&amp;#223; es, verlaufe seine Genesung &quot;spektakul&amp;#228;r&quot; und sei selbst f&amp;#252;r die &amp;#196;rzte &amp;#252;berraschend. Robin Gibb, Zeit seines Lebens S&amp;#228;nger der Popgruppe The Bee Gees, konnte dem Tod dann doch kein Schnippchen schlagen. Seit 2010 litt er an Darmkrebs, an dem sein Zwillingsbruder Maurice schon 2003 gestorben war. Im Februar trat er noch einmal im Londoner Palladium auf. Im April fiel er ins Koma. Daraus erwachte er bald wieder, verk&amp;#252;ndete sogar, er wolle bald wieder Musik machen. Nun ist Robin Gibb gestorben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er hat gemeinsam mit seinen Br&amp;#252;dern Maurice und Barry Generationen von Menschen gl&amp;#252;cklich gemacht. Unpr&amp;#228;tenti&amp;#246;s und auch ein wenig verspielt harmlos vielleicht, doch das k&amp;#246;nnen nur wenige Popstars von sich behaupten. Sicher, im Alter waren seine besten Lieder sicherlich inzwischen zu jung f&amp;#252;r ihn. Soviel gute Laune und &quot;Saturday Night Fever&quot; wollten einfach nicht mehr zum Alter passen. Das tut seinem Ruhm jedoch keinen Abbruch. Denn dass man ihn, den Ehrendoktor der Universit&amp;#228;t Manchester, mit den Bee Gees identifiziert, die als erfolgreichste Familienband der Welt gilt, liegt ganz eindeutig nicht an den Br&amp;#252;dern Barry und Robins Zwillingsbruder Maurice, sondern an Robins Leistung als Komponist. Er hat jenen &quot;Spirit of Sound&quot; erfunden, f&amp;#252;r den die Bee Gees stehen, standen und immer noch stehen werden, wenn man sich nicht einmal mehr daran erinnern kann, dass M&amp;#228;nner einmal Falsett gesungen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Robin ist der Kopf der Bee Gees gewesen - und das, obwohl Barry als der bestaussehendste Gibb gilt und auch sehr viel erfolgreicher als Produzent Diven wie Barbara Streisand, Diana Ross, C&amp;#233;line Dion und Dolly Parton zu ihren gr&amp;#246;&amp;#223;ten Erfolgen verhalf. Barry, das dazu, hatte auch jene Falsett-Stimme, die das Klangbild der Bee Gees seit den siebziger Jahren pr&amp;#228;gte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Robin Gibb hingegen galt jedoch als das Hirn der Band. Ein Melancholiker mit Hang zum Psychedelischen. Bis zuletzt perfektionierte er sein Handwerk als Komponist. Zusammen mit seinem Sohn Robin-John, 29 komponierte er noch ein Requiem zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic. Die Urauff&amp;#252;hrung mit dem Royal Philharmonic Orchestra am 10. April dieses Jahres konnte Robin Gibb indes schon nicht mehr besuchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904312.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;span style=&quot;color:#999999;&quot;&gt;Robin Gibb starb am gestrigen Sonntag an Krebs.&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Bee Gees begannen ihre Karriere in Australien. Dorthin war die nach Aussage Robins &quot;bettelarme Familie&quot;- &quot;Wir mussten uns zu dritt ein kleines Bett teilen. Der Putz kam von den W&amp;#228;nden und es regnete durch die Decken&quot; - von der Isle of Man &amp;#252;ber Manchester ausgewandert. Die Br&amp;#252;der sangen zun&amp;#228;chst vor Kino-Publikum Tr&amp;#228;llersongs nach, die sie aus dem Radio kannten. Robin erz&amp;#228;hlte dazu: &quot;Wir haben harmonische Songs im Radio geh&amp;#246;rt, von Bands, die wir gar nicht kannten, und das haben wir einfach nachgemacht. Wir ben&amp;#246;tigten keine Ermutigung.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Irgendwie hatte man damit Down Under Erfolg. Doch erst, als die Familie 1967 mit dem frischen Plattenvertrag der Gebr&amp;#252;der in der Tasche zur&amp;#252;ck nach Gro&amp;#223;britannien zog, wurde aus dem lokalen Erfolg eine internationale Karriere. Die Bee Gees galten rasch als die Hauptkonkurrenten der Rolling Stones, aber auch der Beatles. Sie hatten zwar weder die radikale Ausstrahlung der Stones, noch die musikalische Kraft der Beatles. Doch die Bee Gees verstanden sich darauf, die neuen Str&amp;#246;mungen, den Rock, den Folk und die Psychedelik in harmlosen Pop zu verwandeln, der ans Herz ging und doch modern klang. Bee Gees-Songs orientierten sich h&amp;#246;rbar an den Beatles und an den Everly Brothers. Doch mit ihren gef&amp;#228;lligen Orchesterarrangements und ihren ausgefeilten Gesangsharmonien schalteten sie die damals so zeitgem&amp;#228;&amp;#223;e &amp;#220;berraschung und Verst&amp;#246;rung aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis Anfang der siebziger Jahre gelang es den Bee Gees die weltweiten Charts mit so gennanten Smash-Hits zuerobern. 1968 erschien &quot;Horizontal&quot;, eines ihrer besten Alben aus der ersten Periode, das mit &quot;Massachusetts&quot; einen melancholischen Welthit enthielt. Robin war in dieser Phase der Bee Gees nicht nur der musikalische Kopf. Mit seinem altmodischen Vibrato in der zartf&amp;#252;hlenden Stimme pr&amp;#228;gte er auch das Klangbild.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die gro&amp;#223;en Erfolge dieser ersten Jahre setzte die Br&amp;#252;der unter schweren Erfolgsdruck. Es rumorte im Familienverbund, und nach einem heftigen Streit beschloss Robin 1969, die Gruppe zu verlassen, um seine Solokarriere zu starten. Die &amp;#252;brig gebliebenen Barry und Maurice taten dasselbe als Duo - allein, niemand aus dem Hause Gibb wurde damit gl&amp;#252;cklich. Am Ende des Jahres 1970 war die Trotzphase der Gebr&amp;#252;der vorbei und sie arbeitete erfolgreicher denn je wieder zusammen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zwar waren Kritiker genervt von der klagend-eing&amp;#228;ngigen Eint&amp;#246;nigkeit der neuen Bee Gees und ihrem mangelnden Ideen-Reichtum, doch kommerziell ging es steil nach oben mit ihnen. 1975 erschien das von dem neuen Produzenten Arif Mardin betreute Album &quot;Main Course&quot;, das drei gro&amp;#223;e Hits beinhaltet: &quot;Jive Talkin&quot;&quot;, &quot;Nights On Broadway&quot; und &quot;Fanny (Be Tender With My Love)&quot;. Mardin setzte die Br&amp;#252;der auch auf die Disco-Schiene, die sie bald dominieren sollten. Und er &amp;#228;nderte ihr Klangbild. Statt dem gef&amp;#252;hligen Robin mischte er Barry in den Vordergrund, dem er auch noch das Falsettsingen beigebracht hatte. Der Neue Sound z&amp;#252;ndete, denn da war sie wieder, die unschlagbare F&amp;#228;higkeit der Bee Gees, untergr&amp;#252;ndige Zeitstr&amp;#246;mungen in verdaulichen Pop zu verwandeln. Aus der unverbl&amp;#252;mten Sexualit&amp;#228;t des Disco-Undergrounds wurde bei den Gibbs ein unverf&amp;#228;ngliches Spiel mit der Androgynit&amp;#228;t. F&amp;#252;r Rockfans waren die Bee Gees schon bald der Inbegriff des verweichlichten Disco Sounds.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der endg&amp;#252;ltige Durchbruch in den Pantheon der Superstars gelang ihnen aber nicht in den Charts, sondern &amp;#252;ber den Umweg des Kinos. Ihr Manager Robert Stigwood produzierte den Kinofilm &quot;Saturday Night Fever&quot;, jenen Film mit John Travolta, der im wei&amp;#223;en Anzug den Tony Manero spielte, der in der Vorstadt von Brooklyn die Tanzfl&amp;#228;che beherrscht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den vier Songs aus dem Soundtrack, in aller Eile aufgenommen kann man bis heute nicht entkommen: &quot;How Deep Is Your Love&quot;, &quot;Stayin&quot; Alive&quot;, &quot;Night Fever&quot; und &quot;Too Much Heaven&quot;. Das Doppelalbum &quot;Saturday Night Fever&quot; hielt sich 1977 fast ein halbes Jahr auf Platz 1 der US-Charts und wurde bis heute weltweit &amp;#252;ber 40 Millionen Mal verkauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bald danach ging den Gebr&amp;#252;dern Gibb die k&amp;#252;nstlerische Luft aus. Der Geschmack &amp;#228;nderte sich, die Anti-Disco-Bewegung grassierte und Punk zog in den Pop-Kanon ein. Die Gebr&amp;#252;der pausierten eine Weile, produzierten nun aber erfolgreich f&amp;#252;r andere.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Erst 1987 kamen sie wieder aus dem Studio und hatten den Comeback-Hit &quot;You Win Again&quot; in der Tasche. Aber die Gebr&amp;#252;der hatten endg&amp;#252;ltig ihren Disco-Stempel aufgedr&amp;#252;ckt bekommen, zu diesem Zeitpunkt l&amp;#228;ngst ein Kainsmal f&amp;#252;r kitschige Retro-Musik. Das &amp;#228;nderte sich auch nicht, als in den Neunzigern die frisch aufgekommen Boygroups die nachwachsenden Generationen mit den Bee Gees-Oldies noch einmal erw&amp;#228;rmten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Drei Songs von ihnen waren 1996 wieder in den Charts: &quot;How Deep Is Your Love&quot;, die letzte Single von Take That, &quot;Stayin&quot; Alive&quot; von N-Trance und &quot;Words&quot; von Boyzone. Den direkten Vergleich der Bee Gees mit den Boygroups lehnte Robin Gibb jedoch ab: &quot;Dazu kann ich nur sagen, dass ich noch nie eine Boygroup gesehen habe, die ihre Songs selbst geschrieben hat und selbst Instrumente spielt. Ich denke, dass wir eher im Bereich der Beatles anzusiedeln sind als im Bereich der Boygroups. Wir haben auch nie irgendwelche Schritte f&amp;#252;r die B&amp;#252;hne einge&amp;#252;bt. Wir haben nie getanzt. Wenn du ein Musiker, S&amp;#228;nger und Songwriter bist, sollte es meiner Meinung nach gen&amp;#252;gen, wenn du deine Songs auf der B&amp;#252;hne darbietest. Diese einstudierten Auff&amp;#252;hrungen sind etwas f&amp;#252;r Ballettt&amp;#228;nzer und Pantomimen.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So war Robin. Kein T&amp;#228;nzer, kein ewiger Schwiegersohn, er war sein eigener Kopf. Auch ein zeitenresistent st&amp;#246;rrischer: &quot;Wenn wir einen Song schreiben, sei es nun f&amp;#252;r uns oder einen anderen Interpreten, verlassen wir uns nur auf unsere Stimmen und die Gitarre. Und so sollte es auch auf dem Album klingen, denn das ist einfach das, was wir am besten k&amp;#246;nnen&quot;, so hat er es dem konsternierten Reporter um die Ohren gepfeffert. Freundlich und h&amp;#246;flich, auch das nat&amp;#252;rlich - eben britisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am vergangenen Sonntag ist Robin Gibb in einem Londoner Krankenhaus seiner Krankheit und den anschlie&amp;#223;enden Komplikationen erlegen. Er wurde 62 Jahre alt.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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    <item>
      <title>Aufforderung zum Liegenbleiben</title>
      <description>Schlafmangel geh&amp;#246;rt f&amp;#252;r viele Menschen zum Alltag, egal aus welcher Altersgruppe. Fr&amp;#252;hes Aufstehen und durchgearbeitete N&amp;#228;chte gelten als notwendiges &amp;#220;bel, dem man im Ernstfall mit einer Tasse Kaffee entgegentritt. Schlafforscher jedoch warnen vor den gesundheitlichen Risiken, die ein Social Jetlag mit sich bringt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der menschliche Organismus wei&amp;#223; vieles von Natur aus, lange bevor wir unser erstes Wort &amp;#252;ber die Lippen bringen. Zum Beispiel, wann es am besten ist, zu schlafen. In unseren Augen befinden sich Rezeptoren, die &lt;a href=&quot;http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1148155/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;der inneren Uhr&lt;/a&gt; des K&amp;#246;rpers signalisieren, ob es Tag oder Nacht ist, weshalb wir naturgem&amp;#228;&amp;#223; mit Einbruch der Dunkelheit m&amp;#252;de werden. Seit der Erfindung der Gl&amp;#252;hbirne aber fingert der Mensch immer mehr selbst an den Zeigern dieser Uhr herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist freilich nicht ungew&amp;#246;hnlich, bis nach Mitternacht wach zu sein, egal ob man Student, Sch&amp;#252;ler oder Angestellter ist. Denn mit seinen Seminararbeiten wird man, trotz aller guten Vors&amp;#228;tze, meist erst in den fr&amp;#252;hen Morgenstunden fertig. Dass man f&amp;#252;r Mathe- und Chemieklausuren die Nacht durchlernt, ist v&amp;#246;llig normal. Und wer sowieso nie vor 22 Uhr aus dem B&amp;#252;ro kommt, hat nicht einmal die Chance, fr&amp;#252;h ins Bett zu kommen. Aber solange einen der Wecker rechtzeitig wieder wach l&amp;#228;utet, ist das Schlafpensum f&amp;#252;r viele eine dehnbare Variable. Schleift sich ein solcher Rhythmus jedoch &amp;#252;ber einen l&amp;#228;ngeren Zeitraum ein, machen sich schnell Symptome wie M&amp;#252;digkeit, Niedergeschlagenheit und Unwohlsein bemerkbar. Eigentlich sind dies Anzeichen eines klassischen Jetlags, der bei Reisen durch unterschiedliche Zeitzonen eintritt. &amp;#160;Mit dem Unterschied, dass sich der K&amp;#246;rper binnen weniger Tage an die neue Zeitzone gew&amp;#246;hnt, die Symptome also verschwinden. Nicht so beim Social Jetlag: Tickt die soziale Uhr dauerhaft gegen die biologische, so ist die Gefahr gro&amp;#223;, dass M&amp;#252;digkeit und Niedergeschlagenheit zu chronischen Begleitern im Alltag werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Berechnet wird der Social Jetlag, indem man die Zahl der Schlafstunden an Arbeitstagen von der Zahl der Schlafstunden an freien Tagen subtrahiert. Wer also am Wochenende zehn Stunden schl&amp;#228;ft, unter der Woche aber schon nach sechs Stunden aufsteht, handelt sich einen Social Jetlag von vier Stunden ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/jo/josef-wirnshofer/text/regular/904300.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;color:#999999;&quot;&gt;&lt;i&gt;M&amp;#252;digkeit und Ersch&amp;#246;pfung z&amp;#228;hlen zu den Symptomen des Social Jetlags.&lt;br /&gt;&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Till Roenneberg ist Professor am Zentrum f&amp;#252;r Chronobiologie in M&amp;#252;nchen und besch&amp;#228;ftigt sich seit vielen Jahren mit dem Schlafverhalten von Menschen. Er warnt vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die chronischer Schlafmangel auf den K&amp;#246;rper hat. So werde, laut einer &lt;a href=&quot;http://www.uni-muenchen.de/einrichtungen/zuv/uebersicht/komm_presse/verteiler/presseinformationen/2006/nf-08-06.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Studie aus dem Jahre 2006&lt;/a&gt;, nicht nur die t&amp;#228;gliche Leistungsf&amp;#228;higkeit eingeschr&amp;#228;nkt; auch Langzeitsch&amp;#228;den wie Herzkreislaufbeschwerden, Diabetes und &lt;a href=&quot;http://www.sciencedaily.com/releases/2012/05/120510122802.htm&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&amp;#220;bergewicht&lt;/a&gt; k&amp;#246;nnen die Folge sein. Denn Schlafmangel bef&amp;#246;rdert neben Niedergeschlagenheit und Leistungsabfall auch den Hei&amp;#223;hunger auf Zwischenmahlzeiten. Dass viele Betroffene zudem versuchen, ihrem K&amp;#246;rper mit Kaffee und Zigaretten auf die Spr&amp;#252;nge zu helfen, macht die Sache nicht ges&amp;#252;nder. &amp;#8222;Je st&amp;#228;rker der soziale Jetlag, desto mehr greifen Individuen nach Stimulanzien,&amp;#8220; so Roenneberg. Betroffen sind dabei Menschen aller Altersgruppen, sowohl berufst&amp;#228;tige Erwachsene als auch pubertierende Jugendliche. Schlie&amp;#223;lich kann ein sechzehnst&amp;#252;ndiger Arbeitstag genauso Grund sein, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen, wie eine bevorstehende Klausur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird einem aber auch nicht leicht gemacht. &amp;#220;berall lauern Smartphones, das Internet ist sowieso st&amp;#228;ndig verf&amp;#252;gbar, und wem geht es nicht manchmal so, dass er vorm Einschlafen noch etwas wahnsinnig Wichtiges wikipedieren muss? Das Fernsehen scheint zumindest noch insofern schlafkompatibel, als dass die meisten Programme sp&amp;#228;testens um 23 Uhr fad werden. YouTube, Facebook und andere Internetplattformen hingegen locken rund um die Uhr mit Hochinteressantem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch davon mal abgesehen, scheint es generell schwierig, dem Social Jetlag g&amp;#228;nzlich zu entgehen, denn dazu w&amp;#228;ren grundlegende soziale Ver&amp;#228;nderungen notwendig. So m&amp;#252;ssten f&amp;#252;r Kinder und Jugendliche beispielsweise die Schulzeiten angepasst werden, w&amp;#228;hrend im Berufsalltag eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten notwendig w&amp;#228;re. Man kann seinem K&amp;#246;rper aber dennoch entgegenkommen. Etwa, indem man ihm so viel Tageslicht wie m&amp;#246;glich zukommen l&amp;#228;sst und dar&amp;#252;ber hinaus darauf achtet, zu sp&amp;#228;ter Stunde keine allzu gro&amp;#223;en Mahlzeiten mehr einzunehmen.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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    <item>
      <title>Gema in gerecht</title>
      <description>Die Gema ist in der aktuellen Urheberrechtsdebatte in die Kritik geraten, Netzaktivisten fordern die Abschaffung der altmodisch und b&amp;#252;rokratisch auftretenden Gesellschaft. Mit der Creative Commons Collective Society, kurz C3S, wurde nun eine Alternative entwickelt, die sowohl dem Urheber als auch dem netzaffinen Musikliebhaber nutzen soll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die derzeit von gro&amp;#223;en Teilen der sogenannten &amp;#8222;Netzgemeinde&amp;#8220; eingeforderte Revolution des Urheberrechts wird von der Gegenseite gerne kleingeredet. Die Forderungen seien entweder planlos oder f&amp;#252;hrten geradewegs in eine Gratiskultur, in der die Urheber letztendlich auf der Strecke blieben. Auch die Gema, eines der Hassobjekte der Verfechter des freien Internets, erf&amp;#252;lle trotz ihrer augenscheinlichen Makel eine weiterhin wichtige Rolle. &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, so ihre Verteidiger, sie mag ein b&amp;#252;rokratisches Monstrum sein, und ja, erfolgreiche Chart-K&amp;#252;nstler werden unverh&amp;#228;ltnism&amp;#228;&amp;#223;ig bevorzugt. Aber wovon soll der entrechtete Urheber in einer Welt des unkontrollierten, kostenlosen Zugangs zu seinen Werken leben? Steht er ohne eine Instanz wie die Gema nicht v&amp;#246;llig alleine da?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/qu/quentin-lichtblau/text/regular/904254.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meik Michalke, Diplom-Psychologe an der Uni D&amp;#252;sseldorf und Creative-Commons-Aktivist der ersten Stunde, hat nun einen neuen L&amp;#246;sungsansatz in den Ring geworfen, in dem &lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/digital/copyright-debatte-fuenf-fragen-zum-urheberrecht-die-unsere-gesellschaft-beantworten-muss-1.1360590&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;derzeit hitzig &amp;#252;ber das Urheberrecht gestritten wird&lt;/a&gt;. Eine Art gerechtere Gema ist seine Vision, genannt &lt;a href=&quot;http://www.c-3-s.eu/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;C3S&lt;/a&gt; (Cultural Commons Collective Society). Seit zwei Jahren haben er und seine Mitstreiter an der Idee dieser neuen Verwertungsgesellschaft gearbeitet, von der sowohl K&amp;#252;nstler als auch Nutzer profitieren sollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Grunds&amp;#228;tzlich hat Michalke nichts gegen Verwertungsgesellschaften wie die Gema. Sie seien sinnvoll und sollten nicht abgeschafft werden, mit dem neuen Konzept m&amp;#246;chte er aber die bisher bestehenden &amp;#8222;strukturellen Problempunkte&amp;#8220; l&amp;#246;sen. So sieht er das Hauptproblem der &amp;#8222;alten Musikkultur&amp;#8220; in der undemokratischen Entscheidungsfindung innerhalb der Gema.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Gema gibt sich zwar nach au&amp;#223;en gerne basisdemokratisch, faktisch gesehen sind aber nur Urheber mit Gema-Einnahmen von mindestens 30.000 Euro in f&amp;#252;nf Jahren stimmberechtigt. Solche Einnahmen werden gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils von erfolgreichen Mainstream-K&amp;#252;nstlern und Verlagen verbucht, der Gro&amp;#223;teil der Gema-K&amp;#252;nstler hat also kein Entscheidungsrecht. Aus dieser einseitigen Interessenvertretung ergeben sich die weiteren Probleme, die die Gema in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik gebracht haben, wie zum Beispiel der undurchschaubare Verwertungsschl&amp;#252;ssel, nach dem die Einnahmen verteilt werden. &amp;#8222;Diejenigen, die etwas zu sagen haben, haben kein gro&amp;#223;es Interesse an Ver&amp;#228;nderungen im Gema-System,&amp;#160; solange es f&amp;#252;r ihre Interessen gut funktioniert&amp;#8220;, meint Michalke, der mit seinem C3S-Konzept ein Entscheidungsverfahren vorsieht, das alle Mitglieder gleichstellt.  &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Au&amp;#223;erdem soll es registrierten K&amp;#252;nstlern der C3S gestattet sein, ihre Werke auch unter freien Creative-Commons-Lizenzen zur Verf&amp;#252;gung zu stellen. Gema-K&amp;#252;nstler sind bisher verpflichtet, ihr Werk ausschlie&amp;#223;lich unter konventionellen Lizenzen zu ver&amp;#246;ffentlichen. Damit ist eine freie Weitergabe oder -verwendung der Musik, selbst wenn sie vom K&amp;#252;nstler erw&amp;#252;nscht ist, von vornherein verboten. Ein C3S-Mitglied soll selbst entscheiden, unter welcher Lizenz er sein Werk stellen m&amp;#246;chte. So k&amp;#246;nnte er zum Beispiel einen Song unter absolutem Copyright-Schutz ver&amp;#246;ffentlichen, w&amp;#228;hrend er einen anderen zur freien Verf&amp;#252;gung, zum Beispiel f&amp;#252;r Remixe anderer K&amp;#252;nstler, unter Creative-Commons-Lizenz ins Netz stellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das C3S-Konzept w&amp;#228;re rein theoretisch sofort realisierbar - ein gro&amp;#223;er Pluspunkt gegen&amp;#252;ber anderen Alternativmodellen. F&amp;#252;r die Einf&amp;#252;hrung der &lt;a href=&quot;/texte/anzeigen/523729&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kulturwertmark, die der Chaos-Computer-Club vergangenes Jahr vorstellte&lt;/a&gt;, w&amp;#228;ren nationale und internationale Gesetzes&amp;#228;nderungen vonn&amp;#246;ten. Das C3S-Konzept k&amp;#246;nnte schon Ende des Jahres vom Deutschen Patent- und Markenamt abgesegnet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Langfristig k&amp;#246;nnte C3S laut Michalke schlie&amp;#223;lich in einer freien Musikkultur inklusive Kulturwertmark als einzelnes Segment zur Verteilung der Einnahmen fungieren. Bisher fehle es aber noch an Kapital,&amp;#160; allein 30.000 Euro Gr&amp;#252;ndungseinlage, von den Kosten f&amp;#252;r die technische Infrastruktur gar nicht zu sprechen. &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Namhafte K&amp;#252;nstler hat Michalkes aber schon f&amp;#252;r seine Idee gewonnen. In den n&amp;#228;chsten Wochen sollen erste Namen fallen.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:29:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Sorry, ich hab' einen Freund...</title>
      <description>Dieser Satz klingt so einfach - aber er sagt sich wahnsinnig schwer, wenn man gerade angebaggert wird. Unsere Autorin verpasst regelm&amp;#228;&amp;#223;ig die Ausfahrten, die man in so einer Situation nehmen kann. Am Ende kommt sie um einen Korb aber trotzdem nicht herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin nicht gut im Anbaggern. Das ist nicht so schlimm, weil ich schon seit ziemlich genau sieben Jahren mit meinem Freund zusammen bin. Ich bin aber auch nicht gut im Angebaggertwerden. Jedes Mal bin ich v&amp;#246;llig &amp;#252;berrumpelt und nicht mehr f&amp;#228;hig, die Botschaft &amp;#8222;Vielen Dank f&amp;#252;r dein Interesse, aber ich bin schon vergeben&amp;#8220; r&amp;#252;berzubringen. Wie vergangene Woche in der Stadt: Ich gehe gerade zur U-Bahn, da bleibt vor der Rolltreppe ein Typ stehen. Er l&amp;#228;chelt in meine Richtung. Nur leider nicht fl&amp;#252;chtig unverbindlich, wie das freundliche Menschen im Vorbeigehen so machen. Nein, er meint mich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ka/kathrin-hollmer/text/regular/904296.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Da ist er, der Moment, die erste Ausfahrt, wenn man so will. Ich k&amp;#246;nnte sie noch erwischen, nur ist mir das in dem Moment nicht bewusst, sondern immer erst hinterher. Die erste Ausfahrt, wenn man nicht angebaggert werden will, ist Ignorieren. Ich k&amp;#246;nnte wegsehen, &amp;#252;ber sein L&amp;#228;cheln hinweg unauff&amp;#228;llig, aber bestimmt in die andere Richtung schauen. Und los: Ich fixiere die Plakate, die entlang der Rolltreppe kleben. Es klappt nicht. Weder das mit dem Unauff&amp;#228;lligsein noch das mit dem Ignorieren. Es sieht eher so aus als w&amp;#252;rde ich mir den Hals verrenken. &amp;#8222;Alles ok mit dir?&amp;#8220; fragt er, steigt die Stufen neben der Rolltreppe hinunter und bringt sich wieder in mein Blickfeld. Ich nicke &amp;#8211; und sehe das erste Ausfahrtsschild an mir vorbeiziehen. &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;#8222;Ich bin Daniel&amp;#8220;, sagt er. Normalerweise wollen immer alle wissen, wie man mit jemandem ins Gespr&amp;#228;ch kommt. Ich w&amp;#252;sste jetzt gern, wie man das vermeidet und warte auf die n&amp;#228;chste Ausfahrt: Ich k&amp;#246;nnte einen Anruf vort&amp;#228;uschen oder einfach angestrengt auf mein Handy starren. Oder sagen, dass ich besch&amp;#228;ftigt bin. Nur womit? Mit Rolltreppe fahren? W&amp;#228;hrend ich noch &amp;#252;berlege, fragt er, was ich in der Stadt mache. &amp;#8222;Ich habe ein Geschenk gesucht&amp;#8220;, sage ich ehrlich &amp;#8211; und verkneife mir, &amp;#8222;Und du?&amp;#8220; zu fragen. Das st&amp;#246;rt ihn aber nicht. Er erz&amp;#228;hlt mir trotzdem, dass er zwei T-Shirts gekauft hat und noch auf der Suche nach Schuhen ist. Auch die zweite Ausfahrt habe ich verpasst. Wir sind mitten im Gespr&amp;#228;ch und je l&amp;#228;nger ich dabei bleibe, umso schlechter wird mein Gewissen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt sagt er auch noch: &amp;#8222;Du bist echt s&amp;#252;&amp;#223;.&amp;#8220; Wir stehen inzwischen am U-Bahn-Gleis. Hoffentlich h&amp;#246;rt uns keiner zu. Ich sehe mich um und l&amp;#228;chle. Wie kommt man aus so einer Situation raus: Einen Termin vorgeben und abhauen? W&amp;#228;re nicht richtig. Einfach sagen, dass man kein Interesse hat? W&amp;#228;re doch ziemlich hart. &amp;#8222;Wir k&amp;#246;nnten uns ja mal treffen oder so?&amp;#8220; legt er nach. Ich l&amp;#228;chle wieder und wei&amp;#223; genau: Ich muss ihn irgendwie bremsen. Ich setze gerade mit der Erkl&amp;#228;rung an, dass ich einen Freund habe, als mir einf&amp;#228;llt: Was ist, wenn er sagt, dass er nur Freunde in der Stadt finden will? Wieder eine Ausfahrt verpasst. Die n&amp;#228;chste: Flucht.   &amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die U-Bahn, die gerade einf&amp;#228;hrt, ist nicht von der richtigen Linie, aber ich steige trotzdem ein. Halbherzig murmele ich &amp;#8222;Ciao&amp;#8220; und hoffe, dass er sich auch verabschiedet. Aber nein: &amp;#8222;Ich fahre ein St&amp;#252;ck mit&amp;#8220;, sagt er. Eigentlich nett. Ich muss jetzt etwas tun, sonst verfolgt er mich bis nach Hause. Er muss doch merken, dass ich ganz abwesend bin, aber er startet noch einen Versuch: &amp;#8222;Wenn du mir deine Handynummer gibst, k&amp;#246;nnen wir uns mal treffen.&amp;#8220; Schon h&amp;#228;lt er mir Zettel und Stift entgegen. Ich sehe das Ausfahrtsschild vor mir. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was soll man da antworten? Eine falsche Handynummer erfinden, damit man schnell seine Ruhe hat? Mir fallen keine Zahlen mehr ein. Und es w&amp;#228;re auch ziemlich gemein. Man merkt ihm an, dass er wirklich bem&amp;#252;ht ist. Das hat er nicht verdient. Ich muss in die Offensive gehen, es bleibt nur noch ein Ausweg: &amp;#8222;Du... mh... lieber nicht. Tut mir leid&amp;#8220;, sage ich. Ich bin noch ganz stolz, dass ich das &amp;#252;berhaupt herausgebracht habe, da schl&amp;#228;gt er vor: &amp;#8222;Soll ich dir meine geben?&amp;#8220;. Hartn&amp;#228;ckig. Mir seine Nummer geben zu lassen, w&amp;#228;re weniger problematisch, aber w&amp;#228;re es fair? Bevor ich wieder ins Gr&amp;#252;beln verfalle, sch&amp;#252;ttle ich meinen Kopf, halb zu mir selbst, halb zu ihm. Und endlich: Als wir in den n&amp;#228;chsten U-Bahnhof einfahren, steht er auf und geht zur T&amp;#252;r. Er sieht auf den Boden und sagt gar nichts mehr.   &amp;#160;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt f&amp;#252;hlt es sich nicht so an, als h&amp;#228;tte ich eine Ausfahrt genommen, sondern mehr, als h&amp;#228;tte ich ihn von der Stra&amp;#223;e abgedr&amp;#228;ngt. Vielleicht t&amp;#228;usche ich beim n&amp;#228;chsten Mal einen Anruf vor. Das ist zwar nicht ehrlich, aber netter als die Wahrheit.</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:29:00 +0200</pubDate>
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      <title>Der Kosmoskoch: Gebratene Ananas und Alibi-Zitronenmelisse</title>
      <description>Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. In der Kolumne Kosmoskoch widmen wir uns diesem Thema. jetzt-User und jetzt-Redakteure dokumentieren jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt und warum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Diese Woche hat jetzt-Userin &lt;a href=&quot;http://www.jetzt.de/jetztpage/anneliese&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;anneliese&lt;/a&gt;&amp;#160;sich die M&amp;#252;tze des Kosmoskochs aufgesetzt.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Montag:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903918.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wei&amp;#223; jemand, warum breite Bandnudeln doppelt so viel kosten wie die schmalen? Egal, heute hab ich sie selbst gemacht. Mit gr&amp;#252;nem Spargel, Tomaten, Pinienkernen und Parmesan, dazu gr&amp;#252;ner Salat und ein Glas Martini.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dienstag:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903920.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Es war noch Nudelteig &amp;#252;brig, und Bolognese koche ich ab und zu einen gro&amp;#223;en Topf und mache sie ein. Heute wurden daraus Ravioli in Salbeibutter. Dazu wieder gr&amp;#252;ner Salat und ein k&amp;#252;hles Bier.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mittwoch:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903922.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Restbolognese. Dazu Spaghetti und: wieder Kopfsalat. (Der mir jetzt langsam auf die Nerven geht. Aber er war halt ziemlich gro&amp;#223;.) Dazu: Leitungswasser. Sp&amp;#228;ter noch ein S&amp;#252;&amp;#223;verlangen: gebratene Ananas mit Zucker und Zimt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Donnerstag:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903924.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Den Kopfsalat hab ich zu Mittag endlich kleingekriegt. Zum Abendessen bleibt zu sagen: Verzeihung! Kein Foto &amp;#8211; es sah so gut aus! Spargel mit gekochtem Schinken, Kartoffeln und Butter-Ei-Petersilien-Sauce. Bis auf eine Scheibe Schinken ist nichts &amp;#252;brig geblieben. Dazu gab es Wei&amp;#223;wein und sp&amp;#228;ter auch noch Espresso und Wodka. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Freitag:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903926.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Leichte Katerstimmung, keine Lust zu kochen. Da hilft nur eins: ein z&amp;#252;nftiges Abendbrot (Fenchelsalami, Mortadella, Apfel-Zwiebel-Schmalz, Appenzeller, Avocado etc.) und ein Konterbier. Au&amp;#223;erdem: frische Erdbeeren mit Alibi-Zitronenmelisse.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Samstag:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903928.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Markttag! Karotten-Sellerie-Broccoli-Gem&amp;#252;se mit asiatisch mariniertem Lachs, dazu Reis und viel Schnittlauch und den Sojasaucen-Honig-Chili-Sud. Dazu: Huch? Schon wieder ein Bier.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sonntag:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/903930.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ich kr&amp;#228;nkle ein wenig und m&amp;#246;chte gar nicht aus dem Haus. Deshalb gibt es ein nahrhaftes Schnellgericht: Gem&amp;#252;sebr&amp;#252;he (Streber: selbst gekocht aus allerlei Resten) mit viel Ingwer, Broccoli, Karotten, Fr&amp;#252;hlingslauch, Buchstabennudeln, Bratwurstkl&amp;#246;&amp;#223;chen und geraspeltem K&amp;#228;se drin. Dazu Leitungswasser.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auf der n&amp;#228;chsten Seite liest du den ausgef&amp;#252;llten Fragebogen von anneliese.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welchen Stellenwert hat Essen in deinem Leben? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sehr hoch. Ich koche fast t&amp;#228;glich. Mal schnell, mal ausgiebig. Auch viel meines Soziallebens ist ums Essen herum gebaut. Kochen ist f&amp;#252;r mich meist Entspannung &amp;#8211; allein oder in Gesellschaft. Mit Kochwein oder ohne. Mit Selbst-Kochen oder nur Mithelfen. Auch mal ausw&amp;#228;rts oder Liefern-lassen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist dir beim Essen oder Essen-einkaufen besonders wichtig?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bitte mit Liebe. Dann auch gern Spaghetti und Tomatensauce. Es muss nicht kompliziert sein. Beim Einkaufen bin ich ziemlicher Impulsk&amp;#228;ufer. Das f&amp;#252;hrt manchmal leider dazu, dass der K&amp;#252;hlschrank viel zu voll ist. Aber das arbeite ich dann nach und nach wieder ab. Zu Fleisch/Fisch bleibt zu sagen: nicht zu billig. Lieber seltener und daf&amp;#252;r gut. (Ja, ja, teuer ist nicht immer gut. Aber wenn ein ganzes Huhn 2,99 kostet, dann frag ich mich halt schon, was das Huhn so gegessen hat.) Qualit&amp;#228;t lohnt sich meist &amp;#8211; beim Geschmack und beim Gewissen. F&amp;#252;r mich zumindest.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal f&amp;#252;r dich selbst gekocht hast und wer dir das Kochen beigebracht hat?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Das fing schon fr&amp;#252;h an. Vor allem musste ich selbst kochen, weil ich bestimmen wollte, was es zu Hause zu essen gibt. Ich war aber schon so alt, dass ich keinen Hocker mehr gebraucht habe, wenn ich mich recht erinnere. Mama und Papa haben beide gern und gut gekocht &amp;#8211; und wir Kinder waren beteiligt: beim Angeln oder Pilze und Beeren sammeln. Da war das Interesse schnell geweckt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was war dein Lieblingsessen als Kind?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die &amp;#252;blichen Verd&amp;#228;chtigen: Spaghetti mit Hackfleischsauce, Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Pizza, chinesisches Brath&amp;#228;hnchen. Und selbstgemachte Burger. Schon damals eher herzhaft statt s&amp;#252;&amp;#223;.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist dein aktuelles Lieblingsessen? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Schwer zu sagen. Aber oft kommt eine Menge Cognac in die Sauce.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was magst du gar nicht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus Erfahrung: Kamelmilch, Rinderhirn, Kutteln, Austern, Kaviar. Pfui Deibel, allesamt.  Auf Verdacht: Schafskopf, isl&amp;#228;ndischer Hai, H&amp;#252;hnerf&amp;#252;&amp;#223;e. Au&amp;#223;erdem gruselt es mich vor salzarmer Kost. Wenn es dann noch eine breiige Suppe ist, bin ich raus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mittags warm und abends kalt, oder andersherum? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Genau.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wo isst du am liebsten - am Tisch oder auf dem Sofa? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tisch! (Zu seltenen Gelegenheiten auch gerne mal kalte Pizza im Bett mit Fr&amp;#252;hst&amp;#252;cksfilm. Mein Freund zum Gl&amp;#252;ck auch.)  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was trinkst du zum Essen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Im Winter: rot. Im Sommer: wei&amp;#223;. Und auch mal andersrum.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie oft gehst du ausw&amp;#228;rts essen und: hast du ein Lieblingsrestaurant? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;F&amp;#252;r unterschiedliche Speisen unterschiedliche Restaurants. Gerne suche ich auch ein neues aus. Aktuell das liebste: ein Mini-Japaner mit ca. 14 Pl&amp;#228;tzen in Berlin-Neuk&amp;#246;lln &amp;#8211; ans&amp;#228;ssig seit 20 Jahren. Man sitzt inmitten von buntem japanischen Nippes und bekommt den besten Fisch/Tempura der Welt. Mit etwas Gl&amp;#252;ck sieht man die fliegenden H&amp;#228;nde des Kochs. Kann ich mir leider nicht so oft leisten.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was isst du, wenn es schnell gehen muss? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Eine schnelle Pasta geht immer. Oder ne Stulle.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was war das aufwendigste Gericht deines Lebens? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich hausgemachte Ravioli f&amp;#252;r 14 Personen &amp;#8211; davor gab es selbstgebeizten Lachs und danach Panna Cotta mit Himbeersauce und Rosmarinkeks.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hast du ein Standard-Vorf&amp;#252;hrgericht, wenn Freunde oder deine Eltern zu Besuch kommen? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein, das variiert.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welchen jetzt-User oder jetzt-Redakteur m&amp;#246;chtest du als Kosmoskoch sehen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bitte jemanden mit Kindern. Christina? Wird dann alles sehr anders?&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 18:29:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Welche Panikmeldungen haben bei dir Wirkung hinterlassen?</title>
      <description>Wissenschaftler haben nun herausgefunden dass... - Jeden Tag werden wir in den Medien mit angsteinfl&amp;#246;&amp;#223;enden Meldungen bombardiert. Aber haben manche tats&amp;#228;chlich Einfluss auf  dein Verhalten gehabt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/qu/quentin-lichtblau/text/regular/903634.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sei es Cola (hochgradig krebserregend!), alles Knusprige (Acrylamid!), Kinderspielzeug (giftig!) oder sogar Joghurtdeckel (blo&amp;#223; nicht ablecken, Alzheimer!), den Meldungen zufolge hat man es in der heutigen Nahrungs- und Warenwelt nicht leicht, wenn man gesund bleiben will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laut dem Statistik-Professor &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/statistik-professor-walter-kraemer-warum-urin-bomben-unsinn-sind-a-830953.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Walter Cr&amp;#228;mer&lt;/a&gt; eine einzige Panikmache, die meisten Horrormeldungen &amp;#252;ber das n&amp;#228;chste t&amp;#246;dliche Lebensmittel seien zu 99% ungerechtfertigt. So w&amp;#228;re bisher niemand in der Bundesrepublik an BSE erkrankt und um sein Krebsrisiko durch den in Cola enthaltenen Farbstoff tats&amp;#228;chlich zu erh&amp;#246;hen m&amp;#252;sse man schon mehr als 70 Dosen am Tag leeren.   &amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Trotzdem hinterlassen die Meldungen auch beim skeptischen Leser erstmal ein mulmiges Gef&amp;#252;hl und die kurze &amp;#220;berlegung, das vermeintlich ungesunde Verhalten einzustellen schie&amp;#223;t einem durch den Kopf.   &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kann ich nicht einfach auf Cola verzichten? Soll ich mir ein Headset kaufen? Meine Mitmenschen vor den b&amp;#246;sen Joghurtdeckeln warnen?  &amp;#160; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Meistens flaut das Gef&amp;#252;hl nach ein paar Tagen, sp&amp;#228;testens Wochen wieder ab. Manchmal ertappt man sich aber auch dabei dass die ein oder andere Horrormeldung wohl doch einen bleibenden Einfluss aufs eigene Verhalten hinterlassen haben. Die Sitzheizung bleibt aus R&amp;#252;cksicht auf die Manneskraft ausgeschaltet, das Handy legt man lieber nicht mehr direkt neben's Bett und der Joghurtdeckel landet ungeleckt im M&amp;#252;ll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie sieht das bei dir aus? Greifst du bedenklos zu britischem Rindfleisch oder deutschen Sojasprossen? Oder hast du deine Flip Flops aus Angst vor Weichmachern entsorgt? Rostet dein Rad im Keller vor sich hin, seit von der drohenden Impotenz der Rennradfahrer die Rede ist? Oder willst du vielleicht sogar den Jetzt-Kosmos vor neuen, heimt&amp;#252;ckischen Gefahren warnen?&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/547176</link>
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      <pubDate>Mon, 21 May 2012 08:00:02 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>„Ein bisschen geil“</title>
      <description>The Hives sind zur&amp;#252;ck. Die schwedische Rockband um den quirligen Frontmann Pelle Almqvist ver&amp;#246;ffentlicht mit Lex Hives ihr f&amp;#252;nftes Studioalbum. Damit hat sie zw&amp;#246;lf neue Songs f&amp;#252;r ihre weltber&amp;#252;hmten Live-Auftritte. Im jetzt.de-Interview spricht Pelle &amp;#252;ber seine Gef&amp;#252;hle auf der B&amp;#252;hne und die F&amp;#228;higkeit, sich vor der Masse l&amp;#228;cherlich zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;/b&gt;&lt;b&gt;Pelle, auf dem neuen Hives-Album schreist du einmal: &amp;#8222;I want more!&amp;#8220; Was bedeutet dieses &amp;#8222;mehr&amp;#8220; f&amp;#252;r dich aktuell als S&amp;#228;nger einer Rockband?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt; Noch mehr Fans, noch gr&amp;#246;&amp;#223;ere Shows, noch mehr verkaufte Platten. All meine Tr&amp;#228;ume sind l&amp;#228;ngst wahr geworden, und trotzdem: ich will mehr! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Beschreibt dieses &amp;#8220;mehr&amp;#8221; so eine Art Sucht? Etwa die Sucht nach der Masse, die vor dir steht und kreischt?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Absolut! Ich bin eigentlich s&amp;#252;chtig nach allem, was ich gerade mache. Ich bin s&amp;#252;chtig nach unserer Rockband, und ich bin nat&amp;#252;rlich auch s&amp;#252;chtig nach unserem Publikum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Kannst du beschreiben, was du f&amp;#252;r die Masse vor dir f&amp;#252;hlst?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt; Es ist ein Gef&amp;#252;hlsmix. W&amp;#228;hrend einer Show bin ich fast alles: gl&amp;#252;cklich, aufgeregt, w&amp;#252;tend, und immer auch ein bisschen geil. Wenn ich vor diesen vielen Menschen stehe, f&amp;#252;hle ich mich am lebendigsten.   &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon mal Angst vor diesen vielen Menschen gehabt?&lt;br /&gt;&lt;/b&gt;Ja, immer dann, wenn die Masse mit uns gr&amp;#246;&amp;#223;er wurde. Ich war so nerv&amp;#246;s, als wir pl&amp;#246;tzlich nicht mehr in 500er-, sondern in 2000er-Clubs spielten. Mir wurde richtig schlecht vor den Auftritten. Noch schlimmer war es, als wir dann von den 2000er- in die 5000er-Hallen kamen. Auch heute bin ich noch nerv&amp;#246;s vor unseren Shows. Aber heute f&amp;#252;hlt sich die Nervosit&amp;#228;t besser an. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Die Masse, die heute vor euch steht, sieht ja auch irgendwie immer gleich aus &amp;#8211; oder?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Ich bin da wie ein Fischer, der jeden Tag etwas Neues im Meer sieht. F&amp;#252;r manche m&amp;#246;gen die Menschen vor der B&amp;#252;hne irgendwann gleich aussehen. F&amp;#252;r mich sind sie immer und alle verschieden.   &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und du selbst? Hast du dich ver&amp;#228;ndert, seitdem immer mehr Menschen dich sehen wollen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Nicht wirklich. Ich f&amp;#252;hle mich immer noch wie damals, als wir angefangen haben, und ich glaube, den anderen in der Band geht es genauso. Es ist an sich alles wie immer, nur das Drumherum hat sich eben vergr&amp;#246;&amp;#223;ert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;http://vimeo.com/41854945&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Du hast mal &amp;#252;ber euer Publikum gesagt, dass ihr es mit eurer Show in eine Art &amp;#8222;Schockzustand&amp;#8220; versetzen k&amp;#246;nnt. Ger&amp;#228;tst du w&amp;#228;hrend der Shows auch manchmal in einen solchen Zustand, oder beh&amp;#228;ltst du auf der B&amp;#252;hne die Kontrolle &amp;#252;ber dich?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Sobald ich auf der B&amp;#252;hne bin, habe ich nur noch sehr wenig Kontrolle &amp;#252;ber mich. Es ist dann, als w&amp;#252;rde jemand den Schalter bei mir umlegen, mich einnehmen und steuern. Als h&amp;#228;tte pl&amp;#246;tzlich jemand die Macht &amp;#252;ber mich.  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wenn du sp&amp;#228;ter eine Hives-Show im Fernsehen siehst? Bist du dann manchmal r&amp;#252;ckwirkend von dir und deinem B&amp;#252;hnenverhalten geschockt?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Ich mag es nicht so gerne, mich selbst im Fernsehen zu sehen. Ich versuche immer, das irgendwie zu vermeiden.   &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht auch, weil du eure Shows selbst als &amp;#8222;ein bisschen l&amp;#228;cherlich&amp;#8220; bezeichnest. Die wilden Spr&amp;#252;nge, die clownhaften Gesten: Hattest du eigentlich von Anfang an den Mut, dich da oben &amp;#8222;l&amp;#228;cherlich&amp;#8220; zu machen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Ja, den hatte ich eigentlich schon immer, nur war ich am Anfang noch kein wirklich guter Entertainer. Der wurde ich erst, als wir die passenden Songs hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Es scheint, als w&amp;#228;re die F&amp;#228;higkeit, sich gehen zu lassen, sich eben &amp;#8222;l&amp;#228;cherlich&amp;#8220; zu machen, auch so was wie der Schl&amp;#252;ssel f&amp;#252;r euren und Erfolg im Rock&amp;#8217;n&amp;#8217;Roll ganz allgemein.&lt;/b&gt; &lt;br /&gt; Der beste Rock&amp;#8217;n&amp;#8217;Roll ist immer noch der, der so einfach ist, dass er schon wieder l&amp;#228;cherlich ist. Wenn man zum Beispiel die Texte mancher gro&amp;#223;er Rocksongs nur auf dem Papier vor sich hat und liest, kann man nur dar&amp;#252;ber lachen. Wenn man dann aber den Song im Ganzen h&amp;#246;rt, f&amp;#252;hlt man etwas. Der Rock&amp;#8217;n&amp;#8217;Roll passiert dann einfach in einem drin. Und wir versuchen als The Hives jeden Tag, dass er passiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Und der Rock&amp;#8217;n&amp;#8217;Roll auf dem neuen Hives-Album? Wie ist der geworden, wie er ist? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Unser Ziel war es, dass man auf diesem Album so viel Hives h&amp;#246;rt, wie m&amp;#246;glich. Deshalb haben wir uns selbst aufgenommen und produziert und ver&amp;#246;ffentlichen die Platte jetzt nat&amp;#252;rlich auch auf unserem eigenen Label. Alles sollte so sehr DIY sein, wie m&amp;#246;glich. Viele unserer Lieblingsalben sind auf diese Art und Weise entstanden, und wir fanden, dass es an der Zeit war, selbst so zu arbeiten. Das war auch gar nicht schwer, wir brauchten nur einen kleinen Raum, ein paar Mikrofone und nur wenige Leute um uns herum. Das war&amp;#8217;s.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Zum Schluss: Entweder, oder.&lt;br /&gt; Pub oder Club?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Ich gehe in den Club! Da ist einfach mehr los, da habe ich mehr Spa&amp;#223;. Immer, wenn ich in einen Pub gehe, muss ich danach noch irgendwo weitermachen. Ich mag es generell nicht, wenn sich eine Partynacht nur auf einen Ort beschr&amp;#228;nkt. Ich muss immer neue Leute treffen und will, dass immer mehr passiert.  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trinken oder tanzen?&lt;/b&gt;&amp;#160; &lt;br /&gt; Trinken.   &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schnell oder langsam?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Schnell.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;&lt;b&gt;Schwarz oder wei&amp;#223;?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Schwarz. Aber nur, weil das hier ein &amp;#8222;Entweder, oder&amp;#8220; ist.  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jugend oder Erwachsen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Erwachsensein. Als ich j&amp;#252;nger war, war ich mit meinem Leben nicht wirklich zufrieden. Jetzt bin ich gl&amp;#252;cklicher.  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute oder morgen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Heute. Man sollte immer versuchen, im Hier und Jetzt zu leben. Ist einfach besser.  &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reich oder arm?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Reich. Viel unkomplizierter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Ber&amp;#252;hmt sein oder anonym sein?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Kommt immer darauf an. Ber&amp;#252;hmt sein ist f&amp;#252;r mich nat&amp;#252;rlich gut, weil ich dadurch meinen Job weitermachen kann. Allgemein tendiere ich aber eher zur Anonymit&amp;#228;t. Jeder braucht ein bisschen Anonymit&amp;#228;t.   &lt;b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entspannung oder Tatendrang?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Tatendrang. Man kann sein Leben nicht einfach nur rumh&amp;#228;ngen. Irgendwann ist es vorbei, und dann hat man nichts davon gehabt.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/903622.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;Lex Hives&amp;#8220; erscheint am 1. Juni.&lt;/em&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 20 May 2012 18:30:02 +0200</pubDate>
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      <title>Auf die harte Tour</title>
      <description>Bastian Schweinsteiger hat seinen K&amp;#246;rper und das Spiel bezwungen, bis zum Elfmeterschie&amp;#223;en. Dann hat das Spiel ihn bezwungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bastian Schweinsteiger hat nicht mehr viel Zeit. Er muss jetzt endlich mal einen gro&amp;#223;en Titel gewinnen, sagen die, die schon mal einen gro&amp;#223;en Titel gewonnen haben. Das ist einerseits eine dieser &amp;#252;blichen Bayern-M&amp;#252;nchen-Debatten, sie speist sich aus Historie und Hysterie, aber andererseits: So viel Zeit hat Bastian Schweinsteiger vielleicht wirklich nicht mehr. Wer diesem Spieler kurz vor Beginn der Verl&amp;#228;ngerung in die Augen blickte, erschrak. Und wer noch mal hinschaute, erschrak noch mal. Man h&amp;#228;tte Schweinsteiger f&amp;#252;r j&amp;#252;nger gehalten, f&amp;#252;r 27, 28, maximal f&amp;#252;r 29. Aber dieser Mann mit der gebeugten Haltung, mit den schleppenden Bewegungen, mit diesem kantigen, vorzeitig gealterten Bergf&amp;#252;hrer-Gesicht, mit diesen Augen, die apathisch aus tief liegenden H&amp;#246;hlen starrten - wie alt war dieser Mann?&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904118.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach 90 Minuten sah es aus, als r&amp;#252;ste sich hier einer mit knirschenden Gelenken f&amp;#252;r die letzte Schlacht. Schweinsteiger sah aus wie einer, der sch&amp;#228;tzungsweise seit 1990 Nationalspieler ist, vielleicht auch seit 1974, m&amp;#246;glicherweise war er schon 1954 dabei. Aber dann pfiff Schiedsrichter Proenca wieder an, die Verl&amp;#228;ngerung begann, und der alte Ritter warf sich lustvoll ins Get&amp;#252;mmel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bastian Schweinsteiger, der siebenundzwanzigdreiviertel Jahre alt ist, hat ein bemerkenswertes Spiel abgeliefert an diesem mit Geschichten, Dramen und bitteren Pointen &amp;#252;berladenen Champions-League-Abend. Seine Leistung ist etwas untergegangen, sp&amp;#228;ter, als die Bilder noch st&amp;#228;rker waren als sein Spiel zuvor. Schweinsteiger, wie er den letzten Elfmeter vergibt, Schweinsteiger sitzend, Schweinsteiger liegend, Schweinsteiger weinend. Schweinsteiger, getr&amp;#246;stet von Lahm. Schweinsteiger, umarmt von Drogba. Und dann schon die n&amp;#228;chste Gro&amp;#223;aufnahme, grausam herangezoomt: Schweinsteiger regungslos, pl&amp;#246;tzlich wieder mit seinem Altm&amp;#228;nnergesicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bastian Schweinsteiger hatte keine Chance gegen das gro&amp;#223;e Stillleben, dessen Mittelpunkt er selber war. Wer den letzten Elfmeter verschie&amp;#223;t, hat das Spiel verloren, so geht der gnadenlose Reflex, den sich die Branche f&amp;#252;r solche F&amp;#228;lle antrainiert hat. Und meist folgen als Unter- und Nebenreflexe noch ein paar b&amp;#246;se Fragen, etwa jene: Wie konnte man diesen ersch&amp;#246;pften Spieler nur schie&amp;#223;en lassen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das ist die Debatte, die Schweinsteiger jetzt aushalten muss, abgesehen von allem anderen, was er auch aushalten muss. Ein M&amp;#252;nchner, der in M&amp;#252;nchen f&amp;#252;r M&amp;#252;nchen versagt, das ist die Dimension dieser Geschichte, die durch die spezielle Folklore dieses Klubs nur noch gr&amp;#246;&amp;#223;er wird. Der F&amp;#252;hrungsspieler ist der f&amp;#252;hrende Stadtheilige in M&amp;#252;nchen, er kommt noch vor dem Monaco Franze, und das Drama des Monaco Basti ist nun, dass es in M&amp;#252;nchen nicht reicht, wie ein F&amp;#252;hrungsspieler zu spielen, um als solcher anerkannt zu werden - man muss dazu auch Titel gewinnen, und zwar nicht die langweilige deutsche Meisterschaft oder diesen putzigen deutschen Pokal. Sowas kann jeder, sogar Borussia Dortmund.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es ist im Moment das Schicksal von Bastian Schweinsteiger und auch das von Philipp Lahm, dass sie als Spieler gelten, die bei Siegerehrungen meistens auf dem Platz stehen, dort aber immer nur die Plakette abkriegen, nie den Pokal; den schnappen sich am Ende immer die richtig coolen Jungs, die Drogbas (Chelsea, Champions League 2012), Militos (Inter Mailand, Champions League 2010), Puyols (Spanien, EM/WM 2008/2010).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer das Champions-League-Finale 2012 von der ersten bis zur letzten Sekunde verfolgt hat, mag das f&amp;#252;r eine ungerechte Debatte halten. Schweinsteiger und Lahm haben genau das Spiel gespielt, das sich Oliver Kahn &amp;amp; Stefan Effenberg, die Prediger der F&amp;#252;hrungsspieler-Religion, eigentlich w&amp;#252;nschen m&amp;#252;ssten. Lahm ist ohne eine einzige Erm&amp;#252;dungserscheinung seinen Fl&amp;#252;gel hinauf- und hinuntergesaust, und Schweinsteiger hat sogar die Gesetze der Natur bezwungen. Er hat es dank einer monstr&amp;#246;sen Willensleistung geschafft, im Laufe des Spiels besorgniserregend &amp;#228;lter, dann aber pl&amp;#246;tzlich wieder j&amp;#252;nger zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auf eine derart harte Tour wie Schweinsteiger haben wohl nur wenige Profis in der Fu&amp;#223;ballgeschichte je Spielpraxis gesammelt. Im Herbst fehlte er erst wegen eines Schl&amp;#252;sselbeinbruchs, anschlie&amp;#223;end, nach kurzer, wom&amp;#246;glich verfr&amp;#252;hter R&amp;#252;ckkehr, litt er am Sprunggelenk. Schweinsteigers K&amp;#246;rper kann noch nicht da sein, wo Schweinsteiger ihn braucht, und das Schicksal hat ihm nun ein sehr spezielles Rehabilitationsprogramm abverlangt: 120 Minuten Champions League in Madrid, 120 Minuten Champions League gegen Chelsea.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zu Beginn des M&amp;#252;nchner Finales war unverkennbar, dass Schweinsteiger noch an den &amp;#252;blichen R&amp;#252;ckkehrer-Problemen laboriert, gelegentlich fehlte ihm das Timing im Zweikampf, das Gef&amp;#252;hl f&amp;#252;r Raum und Zeit. Aber er hat einfach beschlossen, dass das nicht sein kann. Er hat beschlossen, dass das hier ein Finale ist, dass das Team ihn jetzt braucht. Er hat sich in dieses Spiels hineingew&amp;#252;hlt, gek&amp;#228;mpft, geschmissen, er hat B&amp;#228;lle behauptet und verteilt, und er hat sich nicht davon beeindrucken lassen, dass er noch nicht so spielen kann wie der normale Schweinsteiger. Er hat die Kr&amp;#228;mpfe verachtet, die ihn vor der Verl&amp;#228;ngerung plagten. Er hat durchgehalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bastian Schweinsteiger hat seinen K&amp;#246;rper und das Spiel bezwungen, bis zum Elfmeterschie&amp;#223;en. Dann hat das Spiel ihn bezwungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 'A bit of a man' sei dieser Schweinsteiger, sagte Chelseas Stratege Frank Lampard sp&amp;#228;ter, und mitten im Siegestaumel sprach f&amp;#252;r einen Moment der heilige Ernst aus ihm. In England haben sie hohen Respekt vor Schweinsteiger, er sei ein Spieler 'mit gro&amp;#223;er Aura', sagte Lampard beeindruckt (Anmerkung f&amp;#252;r Kahn, Effenberg und sonstige Ur-Bayern: 'Abit of a man' k&amp;#246;nnte frei &amp;#252;bersetzt so viel wie 'F&amp;#252;hrungsspieler' hei&amp;#223;en.).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bastian Schweinsteiger sah nicht so aus, als k&amp;#246;nnte ihn irgendetwas tr&amp;#246;sten an diesem Abend, aber wenn er demn&amp;#228;chst zur Nationalelf reist, wird er sich vielleicht an die Hymne erinnern, die ihm sein ehemaliges Vorbild gewidmet hat. Den jungen Lampard hat er bewundert, als er selbst noch der ganz junge Schweinsteiger war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Autor: Christof Kneer</description>
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      <pubDate>Sun, 20 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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      <title>Schlechter Film</title>
      <description>M&amp;#252;llers Kopfball zum 1:0 h&amp;#228;tte die kr&amp;#246;nende Pointe f&amp;#252;r den FC Bayern sein k&amp;#246;nnen - war aber erst der wahre Start eines dramatischen Finales&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 35:9 Torsch&amp;#252;sse, 20:1 Eckb&amp;#228;lle, viel mehr Ballbesitz - selten hat eine Fu&amp;#223;ballmannschaft in einem gro&amp;#223;en Finale derart dominiert wie der FC Bayern gegen den FC Chelsea. Doch was mit Tenorgesang, einem geigenden David Garrett und gro&amp;#223;en Choreographien der Fans vor dem Anpfiff begann, m&amp;#252;ndete in einen Spielfilm mit &amp;#220;berl&amp;#228;nge, den die Bayern im Nachhinein als schlechten Witz empfinden m&amp;#252;ssen. Als Beleg daf&amp;#252;r, wie leistungsungerecht Ergebnisse in dieser Sportart der gro&amp;#223;en Emotionen und Dramaturgien sein k&amp;#246;nnen.&lt;br /&gt;d 										        &lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904114.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;strong&gt; Dieser Spielfilm, er ging so:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 1. - 82. Minute&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Chelsea? Spielte lange Zeit nur in einer Zone wirklich mit: im eigenen Strafraum. Da waren die G&amp;#228;ste als blaue Menschentraube &amp;#228;hnlich pr&amp;#228;sent wie bei ihren Abwehrschlachten im Halbfinale gegen Barcelona. Die Bayern? Machten sehr vieles richtig in ihrem druckvollen Offensivspiel - nur das 1:0, es wollte qu&amp;#228;lend lange nicht fallen. Weil irgendeiner aus dem blauen Abwehrblock mit irgendeinem K&amp;#246;rperteil immer wieder die M&amp;#252;nchner Torschussversuche abblockte- besonders hartn&amp;#228;ckigen Widerstand leisteten die Verteidiger Cole, Cahill und Luiz. So musste Chelseas Torwart Petr Cech - trotz des M&amp;#252;nchner Einbahnstra&amp;#223;enfu&amp;#223;balls - bis zur 83.Minute nur eine echte Parade zeigen: bei einem Schuss von Arjen Robben, den er im Stile eines Eishockey-Goalies mit dem Fu&amp;#223; ans Lattenkreuz lenkte (21. Minute).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ansonsten: Gomez, M&amp;#252;ller, Robben, Rib&amp;#233;ry, Kroos, Schweinsteiger, jeder versuchte es mal vor dem Tor, keiner traf. Chancen f&amp;#252;r Chelsea? Ein zartes Sch&amp;#252;sschen von Kalou (37., Torwart Manuel Neuer wach im Eck), sonst null Gefahr - nur in der 75.Minute, aus heiterem Himmel, pl&amp;#246;tzlich eine Szene, die alle Bayern-Fans erschreckte: Als Drogba den guten Aushilfsverteidiger Timoschtschuk ausnahmsweise schlecht aussehen lie&amp;#223;, seine Hereingabe von links jedoch der zweite M&amp;#252;nchner Aushilfsverteidiger, Contento, entsch&amp;#228;rfte. Mehr kam nicht von den meist nur reagierenden Briten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und dann explodierte dieses spannungsgeladene Finale. Doch diese Explosion, das erl&amp;#246;sende 1:0 f&amp;#252;r die M&amp;#252;nchner, es war nicht der kr&amp;#246;nende Schlusspunkt dieses Abends, wie alle Bayern in der Arena hofften. Mit diesem 1:0 ging der Spielfilm erst richtig los.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;83. - 120.Minute&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;83. Minute:&lt;/strong&gt; Tooooooooor! Tor f&amp;#252;r Bayern! Thomas M&amp;#252;ller! Ekstase in weiten Teilen des Stadions! Von links fliegt eine sanfte Flanke von Toni Kroos in den Strafraum. Mittelst&amp;#252;rmer Mario Gomez steigt hoch und verpasst, besch&amp;#228;ftigt aber durch seine blo&amp;#223;e Anwesenheit die Verteidiger Cole und Luiz - und die haben kein Auge f&amp;#252;r Thomas M&amp;#252;ller, der dahinter lauert und frei zum Kopfball kommt. Unorthodox bringt M&amp;#252;ller per Aufsetzer die Kugel im Tor unter, &amp;#252;ber die langen Finger von Cech hinweg. Der Ball patscht an die Unterkante der Latte und von dort hinter die Linie. Thomas M&amp;#252;ller? Kann sein Gl&amp;#252;ck kaum fassen - und verschwindet sogleich in einer Traube jubelnder Bayern-Spieler, die sich voller Freude auf ihn st&amp;#252;rzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;85. Minute: &lt;/strong&gt;Im Stadion klingt es, als sei soeben ein Flugzeug gestartet. Robben setzt einen Flachschuss an, den Cech m&amp;#252;helos pariert. Chelsea hat die Quittung f&amp;#252;r seine Passivit&amp;#228;t bekommen. Der schnelle spanische Mittelst&amp;#252;rmer Torres wird eingewechselt - Trainer Di Matteos letzter Joker f&amp;#252;r die Offensive.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;86.Minute: &lt;/strong&gt;Auch der FCB wechselt: Daniel van Buyten kommt f&amp;#252;r M&amp;#252;ller, den vermeintlichen Helden des Abends. Der kopfballstarke Koloss aus Belgien war in den Gedankenspielen von Trainer Heynckes f&amp;#252;r den Notfall eines R&amp;#252;ckstands kurz vor Schluss - wie schon &amp;#246;fter in der Vergangenheit - als Brechstangen-St&amp;#252;rmer eingeplant gewesen. Jetzt kommt van Buyten, der gelernte Verteidiger, als Abwehr-Prellbock ins Spiel. Um mitzuhelfen, das 1:0 &amp;#252;ber die Zeit zu bringen. Timoschtschuk r&amp;#252;ckt daf&amp;#252;r aus der Abwehrmitte ins Mittelfeld vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 88. Minute: &lt;/strong&gt;Das gibt es nicht. DAS! GIBT! ES! NICHT! Drogba trifft. 1:1.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der einzige Eckball der Londoner in diesem Spiel ist effizienter als alle 20Ecken der Bayern zusammen. Er f&amp;#252;hrt zu einem wuchtigen Kopfball des ivorischen Alleinunterhalters im Chelsea-Angriff. Lahm springt am Ball vorbei, Boateng verliert im entscheidenden Moment den Anschluss an Drogba. Torwart Manuel Neuer ist noch dran, kann das Unheil aber nicht verhindern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 90. Minute:&lt;/strong&gt; Die Schiedsrichter lassen drei Minuten nachspielen. Bayern st&amp;#252;rmt weiter. Robben holt einen Eckball heraus, der aber auch nicht mehr einbringt als die anderen 19. Chelsea schnauft durch, Drogba hat pl&amp;#246;tzlich ein zufriedenes L&amp;#228;cheln auf den Lippen. Die mentale Konstellation, sie ist komplett gekippt - zu Ungunsten der M&amp;#252;nchner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;90+4. Minute:&lt;/strong&gt; Noch mal Chelsea: Rib&amp;#233;ry rempelt ungest&amp;#252;m gegen Mata und verursacht einen Freisto&amp;#223; in torgef&amp;#228;hrlicher Distanz. Drogba drischt den Ball aber weit &amp;#252;ber das Tor. Dann ist Pause. Minute des Schmerzes f&amp;#252;r die Bayern, weil sie jetzt Zeit zum Nachdenken haben. Drei Minuten waren sie vom Titel entfernt. Drei! Und &amp;#252;berlegen! Jeder wei&amp;#223;: Das ist keine gute psychologische Ausgangslage f&amp;#252;r die Verl&amp;#228;ngerung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wiederanpfiff&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 92. Minute&lt;/strong&gt;: Schau an: Chelsea auf einmal mit Initiative. Die Bayern dagegen hinten mal in N&amp;#246;ten. Boateng kl&amp;#228;rt an der Strafraumgrenze gegen Torres, der einen Elfmeter schinden will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;94. Minute:&lt;/strong&gt; In der Tat. ELFMETER! Aber vis-&amp;#224;-vis: f&amp;#252;r Bayern. Drogba tritt Rib&amp;#233;ry im Stile eines t&amp;#246;richt verteidigenden St&amp;#252;rmers in die Hacken. Der Franzose f&amp;#228;llt - und bleibt verletzt liegen. Drogba, eben noch gefeierter Torsch&amp;#252;tze, sieht Gelb. Auch im Halbfinale in Barcelona hatte er einen Strafsto&amp;#223; verursacht - Messi verschoss ihn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 96. Minute:&lt;/strong&gt; Es dauert bis zur Ausf&amp;#252;hrung. Robben legt sich den Ball zurecht und atmet durch. Auch er hat eine Elfmeter-Vorgeschichte: Verschossen im Ligaspiel in Dortmund, getroffen im Euro-Halbfinale in Madrid, getroffen im Pokalendspiel. Robben schie&amp;#223;t - Cech h&amp;#228;lt. Der Elfmeter ist hart getreten, aber unplatziert. Cech springt in die richtige Ecke, von ihm aus gesehen links unten, und greift sich die Kugel im Nachfassen sicher. Schweinsteiger mag bei der Ausf&amp;#252;hrung gar nicht hinschauen. Erst als Torwart Neuer ihn anrempelt, dreht sich Schweinsteiger um - und ist entsetzt. Auch Heynckes schl&amp;#228;gt entnervt mit beiden H&amp;#228;nden auf sein Trainerh&amp;#228;uschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 97.Minute: &lt;/strong&gt;Er bringt Ivica Olic f&amp;#252;r Rib&amp;#233;ry, der nach dem Foul von Drogba nicht weiterspielen kann. Pl&amp;#246;tzlich l&amp;#228;uft alles gegen den FC Bayern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 98. Minute: &lt;/strong&gt;Bayern bekommt kurz vor Abpfiff den Ausgleich, wechselt M&amp;#252;ller aus, verliert Rib&amp;#233;ry, verschie&amp;#223;t einen Elfmeter. Wie viel Ungl&amp;#252;ck passt in ein einziges Fu&amp;#223;ballspiel?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;105. Minute: &lt;/strong&gt;Chelsea jetzt mit zwei Vollblutst&amp;#252;rmern - Drogba und Torres - und dadurch st&amp;#228;rker in der Offensive. Torres ist zwar von einstigen Glanzzeiten weit entfernt, aber er tanzt auf der rechten Seite Contento aus. Die Bayern probieren es weiter &amp;#252;ber ihre starke linke Offensivseite, aber da fehlt jetzt Rib&amp;#233;ry.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 108. Minute: &lt;/strong&gt;Und weiter geht Bayerns Chancenwucher: Der agile Kapit&amp;#228;n Lahm flankt diagonal in den Strafraum, Olic kommt herangeflogen und h&amp;#228;lt seinen blauen Schuh gegen den Ball. Er k&amp;#246;nnte selbst aufs Tor schie&amp;#223;en, versucht aber ein Querzuspiel auf van Buyten - der Ball trudelt am Tor vorbei&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; 112. Minute:&lt;/strong&gt; Lahm, geschickt von Robben, schon wieder beherzt in der Vorw&amp;#228;rtsbewegung, rein in den Sechzehner, Flanke auf Gomez, doch Cahill wirft sich sch&amp;#252;tzend davor, Luiz kl&amp;#228;rt zur Ecke.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;120. Minute:&lt;/strong&gt; Die Nervenanspannung ist kaum noch auszuhalten. Abpfiff: von Schiedsrichter Proenca. Es gibt...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elfmeterschie&amp;#223;en.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Manuel Neuer muss es also wieder richten, wie neulich in der rauschenden Halbfinal-Nacht im Bernabeu-Stadion. Diese Zuspitzung h&amp;#228;tte nicht sein m&amp;#252;ssen. Die F&amp;#252;hrung durch M&amp;#252;ller, der Elfmeter von Robben, die vielen guten Szenen... Jetzt muss Lahm, der Spielf&amp;#252;hrer, seinen Kameraden im Mittelkreis mit geballten F&amp;#228;usten Mut zusprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Chelsea? Unterlag 2008 im Champions-League-Finale Manchester United - nach Elfmeterschie&amp;#223;en. Damals scheiterten Terry und Anelka. Aber jedes Omen ist jetzt doch nur Lesen im Kaffeesatz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heynckes versammelt seine Spieler um sich. Wer schie&amp;#223;t? Tritt Robben nochmal an? Die Chelsea-Fans wedeln blau-wei&amp;#223;-karierte Fahnen - gegen die chronische englische Angst vor Elfmetern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt gilt&quot;s. Jetzt ist der Moment, wenn in der Oper die dicke Frau singt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lahm nimmt den ersten Schuss und trifft: halbhoch, aus seiner Sicht rechts. 1:0 f&amp;#252;r Bayern. Doch in Lahms Jubel steckt viel Erleichterung. Cech war mit den Fingerkuppen am Ball.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mata ist der Erste f&amp;#252;r Chelsea - und verschie&amp;#223;t. Weiter 1:0 f&amp;#252;r Bayern. Neuer, der Riese, h&amp;#228;lt. In der Loge rei&amp;#223;t es Pr&amp;#228;sident Hoene&amp;#223; vom Sitz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt Gomez. Auch er trifft. 2:0 f&amp;#252;r Bayern - wird jetzt doch alles gut?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dann kommt David Luiz. Er verwandelt mit Gewalt f&amp;#252;r Chelsea: 1.2.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dritter Sch&amp;#252;tze f&amp;#252;r die Bayern? Ja, wer denn nun? Keiner kommt aus dem Mittelkreis nach vorn gelaufen - weil Manuel Neuer schie&amp;#223;t. Ja, Neuer! Herzstillstand bei den Bayern-Fans. Neuer setzt den Ball links unten rein. Sieht von der Schusshaltung her nicht unbedingt spitze aus, aber was soll&quot;s? 3:1.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;#252;r Chelsea: Frank Lampard. Auch er trifft humorlos. 2:3 aus Londoner Sicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und nun Bayerns n&amp;#228;chster Ungl&amp;#252;cksvogel: Ivica Olic. Er scheitert an Cechs Pranken. Weiter 3:2 f&amp;#252;r Bayern. Aber gef&amp;#252;hlt ist wieder alles offen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;#252;r Chelsea trifft Ashley Cole. 3:3.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Gro&amp;#223;er Druck liegt jetzt auf Bayerns letztem Sch&amp;#252;tzen: Bastian Schweinsteiger. Neulich in Madrid hatte er zugegeben, dass er mulmig zum letzten Elfer antrat ('Ich hatte meine Eier verloren, aber ich habe sie rechtzeitig wiedergefunden.'). In Madrid wurde er zum Helden. Und jetzt, in einer der wichtigsten Sekunden in der Geschichten des Vereins - Pfosten! Pfosten!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt kann nur noch Neuer die Sache retten. Drogba, der 34-J&amp;#228;hrige, tritt an - welch&quot; Drehbuch. Sein vielleicht letzter gro&amp;#223;er Schuss f&amp;#252;r Chelsea ist der wichtigste &amp;#252;berhaupt: Er trifft - 4:3.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Chelsea jubelt. Bayern trauert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jonas Beckenkamp und Michael K&amp;#246;nig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904114.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 20 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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      <title>'Denkbar ist: Das System bricht zusammen'</title>
      <description>Er will kein Anf&amp;#252;hrer sein, gilt aber als solcher: David Graeber &amp;#252;ber Schulden, die USA und die Gr&amp;#252;nde f&amp;#252;r den Erfolg der Occupy-Bewegung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er hat schon in Quebec demonstriert, in Athen, London und 2011 in New York. Seither gilt David Graeber als ein Mastermind der Occupy-Bewegung. Am Montagabend diskutiert er mit Frank Schirrmacher im M&amp;#252;nchner Literaturhaus. Weil die Universit&amp;#228;t Yale den Vertrag des Ethnologen nicht verl&amp;#228;ngern mochte, lehrt er jetzt am Goldsmiths College in London. Die SZ hat ihn dort besucht.&lt;em&gt;&amp;#160;&amp;#160; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/je/jetzt-redaktion/text/regular/904116.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ: Heute werden an Ihrem College Examen geschrieben. Wie f&amp;#252;hlen Sie sich bei der Art von Gewalt, die Sie als Lehrer auf Ihre Sch&amp;#252;ler aus&amp;#252;ben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; David Graeber:&lt;/strong&gt; Nicht besonders gut. Und zu wissen, dass viele Studenten sich verschulden, um die Studiengeb&amp;#252;hren aufzubringen, macht das nicht besser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Das ist eines der Motive hinter der Occupy-Bewegung: Viele Studenten machen da mit, die bis &amp;#252;ber beide Ohren verschuldet sind und arbeitslos. Sie zeigen das in Ihrem Buch 'inside Occupy'.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;Das war nur ein erster Entwurf. Den haben die gleich publiziert, was mir sehr peinlich ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Keine Sorge. Das Buch ist gut. Als 'aufgeschlossener Anarchist', wie Sie sich nennen, sagen Sie: Der Umgang der Menschen miteinander sollte ohne Anwendung von Gewalt auskommen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;Ohne systematische Gewalt. B&amp;#252;rokratie ist eine Art von Gewalt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und was haben Sie gegen Schulden? Dass es sie gibt, oder dass sie beglichen werden m&amp;#252;ssen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Das h&amp;#228;ngt davon ab, wie Sie Schulden definieren. Zun&amp;#228;chst steckt dahinter nur ein Versprechen. Daran ist nichts auszusetzen. Was Schulden aber so gef&amp;#228;hrlich macht: Sie sind ein Versprechen, das sozusagen korrumpiert wurde durch eine Mischung aus Mathematik und Gewalt. Wenn Schulden das Versprechen sind, einen bestimmten Geldbetrag zur&amp;#252;ckzuzahlen, dann kann man Schulden an Dritte weiterverkaufen, was f&amp;#252;r die meisten anderen Versprechen nicht gilt, und dann wird daraus ein m&amp;#228;chtiges ideologisches Instrument. Heutzutage denken wir, dass man Schulden zur&amp;#252;ckzahlen muss, was historisch aber gar nicht immer der Fall war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihrem Buch 'Schulden' erwecken Sie den Eindruck, es zu bedauern, dass die Geldwirtschaft eingef&amp;#252;hrt wurde, die es mit sich bringt, dass einer, der sein Geld verleiht, es irgendwann zur&amp;#252;ckhaben m&amp;#246;chte.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dadurch werden soziale Systeme m&amp;#246;glich, die gewaltt&amp;#228;tig sind und die Gesellschaft spalten. Wir w&amp;#252;rden in einer viel ges&amp;#252;nderen Gesellschaft leben, wenn es wenigstens ein bisschen konsistent zuginge: Wenn man ein System will, das nur auf Geld basiert, das da ist, das man sozusagen anfassen kann, dann geht das mit einer bestimmten Moral einher. Wenn man ein System will, wie wir es heute haben, in dem Geld eine virtuelle Gr&amp;#246;&amp;#223;e ist, dann ist Geld nur ein Versprechen. Unter Freunden und Verwandten sind Versprechen, die man macht, immer verhandelbar. Dasselbe gilt f&amp;#252;r Gro&amp;#223;banken, die big players, die zu gro&amp;#223; sind, als dass sie bankrott machen d&amp;#252;rfen. Deren Schulden sind auch verhandelbar. Und gleichzeitig hei&amp;#223;t es, dass die kleinen Leute ihre Schulden stets zur&amp;#252;ckzahlen m&amp;#252;ssen. Das ist die pure Heuchelei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist der Vorzug archaischer Gesellschaften gegen&amp;#252;ber den heutigen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In der Vergangenheit waren Gesellschaften auf fast unvorstellbar viele unterschiedliche Weisen organisiert. Heute hingegen glauben wir, dass der technologische Fortschritt unsere gesellschaftlichen M&amp;#246;glichkeiten enorm reduziert habe. Mir leuchtet nicht ein: Warum soll eine Gesellschaft, die von Ochsenkarren bestimmt wird, freier in der Wahl ihrer Selbstorganisation sein als eine Gesellschaft, die &amp;#252;ber Computer verf&amp;#252;gt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Na, eine Gesellschaft, in der Information mittels Ochsenkarren bef&amp;#246;rdert wird, ist notwendigerweise sehr begrenzt, so begrenzt, dass sie auf gute Nachbarschaft zu den n&amp;#228;chsten D&amp;#246;rfern, die der Ochsenkarren eben noch erreichen kann, angewiesen ist - sofern sie nicht Krieg f&amp;#252;hren will. Das erlaubt Geben und Nehmen in ritualisierter Form, zum Zweck des Ausgleichs. In der globalisierten Welt hat man es mit Fremden zu tun, auf die man keine R&amp;#252;cksicht nehmen muss.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Ganz genau. Kleine Gesellschaften m&amp;#246;gen einander feindlich gesonnen sein oder freundlich, auf jeden Fall geht es direkter, menschlicher zu, wohingegen wir es heutzutage weitgehend mit unpers&amp;#246;nlichen Beziehungen zu tun haben. Was ich kritisiere, ist die merkw&amp;#252;rdige Form, die die unpers&amp;#246;nlichen Beziehungen angenommen haben: Die Idee von den M&amp;#228;rkten, auf denen die Menschen angeblich als 'rationale Akteure' agieren - und gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass diese stets rationalen Akteure von dem Wahn besessen sind, m&amp;#246;glichst viel Verm&amp;#246;gen anzuh&amp;#228;ufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;#252;r diese Annahme spricht doch einiges.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unpers&amp;#246;nliche Mechanismen sind bis zu einem gewissen Ausma&amp;#223; notwendig. Aber die Vorstellung davon, wie sie funktionieren, ist heutzutage auf ein unzureichendes Minimum reduziert. Die Wirtschaftswissenschaft hat deklariert: Gier sei die herrschende Motivation. Davon m&amp;#252;sse man ausgehen. Und die &amp;#252;brigen Tods&amp;#252;nden m&amp;#252;ssten gar nicht beachtet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ich verstehe nicht, worauf Sie hinauswollen. Vertrauensw&amp;#252;rdigkeit zum Beispiel gilt auch heute als wichtig.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; (lacht): Deshalb sage ich ja: Kapitalismus ist eine schlechte Form, Kommunismus zu praktizieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Verst&amp;#228;ndnis von Kommunismus ist allerdings eigen. F&amp;#252;r Sie hei&amp;#223;t Kommunismus: Jeder nach seinen Bed&amp;#252;rfnissen, jeder nach seinen F&amp;#228;higkeiten. Mehr nicht.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Davon abgesehen: Was mich an der Wirtschaftswissenschaft st&amp;#246;rt: Sie tut, als w&amp;#228;re sie eine Wissenschaft, dabei laufen ihre Lehrs&amp;#228;tze sehr oft auf ideologisch motivierte Vorschriften hinaus. Alle menschlichen Motive, von der Gier abgesehen, blendet sie aus.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Man hat den Eindruck, dass Sie die Wirtschaftswissenschaft auch deshalb geringsch&amp;#228;tzen, weil Sie den Kapitalismus nicht besonders m&amp;#246;gen und die Geldwirtschaft auch nicht - was die meisten &amp;#214;konomen als gegeben betrachten.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; So einfach ist es nicht. Wenn man unter Geld eine standardisierte Einheit versteht, die es erm&amp;#246;glicht, den Wert von Dingen miteinander zu vergleichen, dann kommt man ohne Geldwirtschaft in einer komplexen Gesellschaft nicht aus. Auf einer anderen Ebene kann man argumentieren: Geld ist ein rationierter Gutschein, man kann ihn einsetzen, um damit Blumen zu erwerben oder was Sie wollen. Eine Gesellschaft, in der in dieser Weise nichts rationiert ist, ist nicht denkbar. Aber logischerweise kann man sich eine Gesellschaft vorstellen, in der so wenig rationiert ist, wie m&amp;#246;glich. So eine Gesellschaft w&amp;#252;rde ich mir w&amp;#252;nschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das haben Sie erlebt, als Sie und viele andere 'Occupy'-Anh&amp;#228;nger in New York den Zuccotti-Park besetzt haben.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Wir versuchen, eine Gesellschaft einzurichten, die auf gegenseitiger Hilfe basiert. Wir haben mittlerweile sogar Bauern. Da gibt es acht H&amp;#246;fe, die uns mit Lebensmitteln versorgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;#160; Sie haben aber auch echtes Geld zugeschickt bekommen ...&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Das war ein Riesenproblem. Viele kleine Geldbetr&amp;#228;ge wurden uns geschickt. Irgendwann hatten wir einen Plastiksack, gef&amp;#252;llt mit 70 000 Dollar. Wir haben dann ein Bankkonto eingerichtet. Sp&amp;#228;ter hatten wir rund 700 000 Dollar. Es war schrecklich, ein Desaster.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist passiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bis dahin war es einfach gewesen, den Mangel an Erfahrung echter Demokratie wettzumachen. Aber kaum, dass Geld im Spiel war, kehrten die Leute zu alten Gewohnheiten zur&amp;#252;ck: Was machen wir damit, wer bekommt wieviel? Die Leute begannen zu streiten. Das Geld drohte, alles kaputt zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was haben Sie getan?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Wir sind das Geld losgeworden. Viele Menschen sind ja aus Ihren H&amp;#228;usern vertrieben worden, weil sie ihren Kredit nicht mehr bedienen konnten. Kirchen haben sie aufgenommen. Aber die Kirchen wollten daf&amp;#252;r bezahlt werden. Also: Den gr&amp;#246;&amp;#223;ten Teil des Geldes haben die Kirchen bekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Viele Anh&amp;#228;nger der Occupy-Bewegung sind unter teils unm&amp;#228;&amp;#223;ig gewaltsamen Umst&amp;#228;nden verhaftet worden. Die Gewerkschaft des &amp;#246;ffentlichen Nahverkehrs hat eine Klage eingereicht, weil ihre Busse von der Polizei beschlagnahmt wurden, um die Verhafteten abzutransportieren. Was ist daraus geworden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Prozesse in Amerika dauern endlos lange. Da ist noch nichts entschieden. Die gro&amp;#223;en Gewerkschaften New Yorks sind &amp;#252;brigens alle auf unserer Seite. Bei der Demonstration zum 1. Mai neulich waren 50 000 Menschen auf der Stra&amp;#223;e. Selbstredend haben die Medien das kaum erw&amp;#228;hnt. Aber die Gewerkschaften haben eine Deklaration ver&amp;#246;ffentlicht, in der sie nicht weniger fordern als eine soziale Revolution.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Naja, ich habe das formuliert. Die Gewerkschaften sind zunehmend links orientiert. Aber die liberalen Gruppen fallen weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Alles Feiglinge?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Feiglinge, ja. Vor allem sind sie mit Obamas Demokratischer Partei verbandelt. Wir haben darauf geachtet, gewaltlos zu demonstrieren. Uns ging es um das Recht auf Meinungsfreiheit. Aber die Polizei hat den Demonstranten &amp;#252;ble Verletzungen zugef&amp;#252;gt. Genau in dem Moment hat die liberale Presse angefangen, ausf&amp;#252;hrlich &amp;#252;ber einen Kerl zu berichten, der in Oakland ein paar Fensterscheiben zertr&amp;#252;mmert hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Pr&amp;#228;sident Obama hat auch Sie entt&amp;#228;uscht. Sie schreiben, er habe nichts an der 'Rolle des Geldes in der Politik' ge&amp;#228;ndert. Was hei&amp;#223;t das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Obama hatte versprochen, er wolle die Macht der Lobbys einschr&amp;#228;nken. Das hat er nicht getan. Nach wie vor sind amerikanische Politiker darauf angewiesen, sich von finanzstarken Interessen unterst&amp;#252;tzen zu lassen, deren Anliegen sie dann, wenn sie gew&amp;#228;hlt sind, nat&amp;#252;rlich auch umsetzen. Die amerikanische Politik ist k&amp;#228;uflich geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sagen, Obama sei in Wahrheit ein 'gem&amp;#228;&amp;#223;igter Konservativer'. Ist er nicht vielleicht einfach machtlos?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Als er Pr&amp;#228;sident wurde, hatte er alle Tr&amp;#252;mpfe auf seiner Seite: Die W&amp;#228;hler hatten genug von der Finanzoligarchie. Und sie wollten die Bush-Regierung loswerden. Obama hatte eine Mehrheit im Senat und im Repr&amp;#228;sentantenhaus. Wenn Obama wirklich etwas h&amp;#228;tte &amp;#228;ndern wollen, dann ist der Umstand, dass er es nicht getan hat, ein Zeichen daf&amp;#252;r, dass die Institutionen das gar nicht zulassen. Das w&amp;#228;re ja noch viel schlimmer!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Wie soll es weitergehen mit der Occupy-Bewegung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;Wir haben da eine ganz neue Form der politischen Gemeinsamkeit, die es zuvor nicht gegeben hat. Wir opponieren gegen die Annahme, dass ein Mensch nur dann etwas wert ist, wenn er zur Kapitalvermehrung beitr&amp;#228;gt. Vieles muss ver&amp;#228;ndert werden. Wie kann man Menschen dazu bringen, gemeinsam f&amp;#252;r eine wichtige Sache zu arbeiten? Viele Menschen heutzutage sind wirklich gleichsam Sklaven. Wie kann das Internet nutzbar gemacht werden? &amp;#220;ber all das muss man sich Gedanken machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie und die Occupy-Bewegung haben immerhin zwei Entscheidungen getroffen: Sie appellieren nicht an die herrschenden Institutionen, und Sie haben keine konkreten Forderungen. Sie wollen das System umw&amp;#228;lzen. Soviel ist klar. Das k&amp;#246;nnte aber nur auf zwei Weisen geschehen: Entweder die herrschenden Institutionen reformieren sich selbst, oder es g&amp;#228;be eine Revolution.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;Es gibt noch einen dritten Weg: Das System bricht zusammen. Viele von uns denken dar&amp;#252;ber nach, was zu tun ist, wenn das System kollabiert - und wie man dann die Dinge am Laufen h&amp;#228;lt, ohne eine neue Hierarchie einzurichten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Daf&amp;#252;r gibt es schon Beispiele: Nehmen Sie das caritative Engagement von Hamas und Hisbollah im Nahen Osten.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Diesen Weg wollen wir gewiss nicht einschlagen. Hamas und Hisbollah sind milit&amp;#228;risch aufgebaute und also hierarchische Organisationen. Wenn man mit Erfolg eine milit&amp;#228;rische Organisation aufbaut, wird man &amp;#252;ber kurz oder lang in ein Staatswesen inkorporiert, in eine Regierung eingebunden. Genau das wollen wir nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was wollen Sie also?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Wir werden oft gefragt, ob wir Kandidaten f&amp;#252;r Wahlen aufstellen w&amp;#252;rden. Und dann sage ich: Wir werden erst dann Kandidaten aufstellen, wenn es soweit gekommen ist, dass ein gewaltloser Aufstand in Amerika als legitim betrachtet wird und wir dann die Macht bek&amp;#228;men, alle an die Luft zu setzen, die uns betrogen haben. (Er lacht.) Man kann es auch anders machen, so n&amp;#228;mlich, wie wir derzeit vorgehen: Man bringt die Herrschenden dazu, ziemlich radikale Gegenma&amp;#223;nahmen zu ergreifen. Dasselbe hat &amp;#252;brigens Argentinien gemacht, als es vor einigen Jahren seine internationalen Schulden einfach nicht mehr bezahlte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Danke f&amp;#252;r das Stichwort. Im Bezug auf Argentinien haben Sie geschrieben: Die darauf 'folgenden amerikanischen Milit&amp;#228;rabenteuer dienten offenkundig dazu, potentielle Nachahmer abzuschrecken'. Afghanistan, Irak: Nachahmer Argentiniens?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Das war nicht der einzige Grund f&amp;#252;r diese Kriege.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; In der Tat. Es gab andere Gr&amp;#252;nde.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Es ist egal, wen man angreift, Hauptsache, man greift irgendwen an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;#160;Das ist ein anderes Argument!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Na, nein, ich meine, wenn es darum geht, Macht zu demonstrieren und Menschen einzusch&amp;#252;chtern, dann ist es fast egal, wem man einen Fausthieb ins Gesicht gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;#160;Sie schreiben &amp;#252;brigens auch, der US-Regierung sei es wichtiger gewesen, die Amerikaner f&amp;#252;r die Kriege einzunehmen und Tote zu vermeiden, als diese Kriege tats&amp;#228;chlich zu gewinnen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Ja. Dazu eine Geschichte aus eigener Erfahrung: 1999 war ein Treffen des Internationalen W&amp;#228;hrungsfonds in Seattle anberaumt. H&amp;#246;chstens 500 Anarchisten kamen, um zu protestieren: Wir waren wirklich nicht viele. Die Polizei war &amp;#252;berm&amp;#228;chtig. Wir waren ganz deprimiert. Bis wir erfuhren: Unseretwegen wurde das Treffen beendet. Es war der Obrigkeit wichtiger, dass f&amp;#252;nfhundert Anarchisten frustriert nach Hause gehen, als dass die Veranstaltungen des IWF stattfanden. Ich dachte: Meine G&amp;#252;te, sind wir wichtig. K&amp;#246;nnte es sein, dass das ganze System nur darauf angelegt ist, B&amp;#252;rgerbewegungen zu verhindern, dass es vor allem darauf ankommt, dir das Gef&amp;#252;hl zu geben, dass du als Einzelner eh nichts machen kannst? Sie haben die Kriege nicht gewonnen, beide nicht. Aber es ist ihnen gelungen, eine Antikriegsbewegung zu vermeiden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Stattdessen gibt es Occupy.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Tatsache ist doch: Die Leute arbeiten hart, aber es gibt keine Sicherheit des Arbeitsplatzes und folglich keine Loyalit&amp;#228;t gegen&amp;#252;ber dem Arbeitgeber. Das ist &amp;#246;konomisch ineffizient. Gleichzeitig f&amp;#252;hrt dieser Zustand dazu, dass die Leute sich nur um ihr Auskommen sorgen und sich f&amp;#252;r Politik nicht interessieren. Also: Politisch funktioniert das System, insofern es den Herrschenden ihre Macht erh&amp;#228;lt. Aber &amp;#246;konomisch ist es widersinnig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; Sie schreiben, die Occupy-Bewegung habe klargemacht, dass das politische System in den USA auf Bestechung beruht, womit Sie das Lobby-System meinen. Mir scheint eher: Die Occupy-Bewegung hat klargemacht, dass viele junge Leute nicht hinnehmen wollen, keine Aussichten auf eine gute Zukunft zu haben - was ja auch schon ein Erfolg ist.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160;Nein, es war mehr. Die Medien haben uns wahrgenommen. Wir haben den gesamten Diskurs ver&amp;#228;ndert. Ich habe mich mit jemandem von der Federal Reserve Bank in New unterhalten. Der hat mir gesagt: 'Ihr Leute sagt, ihr habt keine spezifischen Forderungen. Das war fabelhaft. Zwei Monate lang haben wir von der Bank uns beim Mittagessen gefragt: Was wollen die eigentlich?' Tja, und heute tritt die amerikanische Bundesbank daf&amp;#252;r ein, dass die Schulden f&amp;#252;r Hauskredite nicht in jedem Fall eingetrieben werden sollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; Interview: Franziska Augstein&lt;/em&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 20 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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      <title>Musikdampfwalzen, Käsewürfel und Pfingsten</title>
      <description>Manchmal ist es besser die Dinge vorher zu wissen. Deshalb schreiben wir hier einmal die Woche auf, was wichtig wird. Heute die Woche ab dem 21. Mai 2012.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Feiertage: &lt;/strong&gt;Das kommende Wochenende ist Pfingsten. In Bayern und Baden-W&amp;#252;rttemberg gibt es somit auch gro&amp;#223;artige Pfingstferien, erster Schultag ist dort erst wieder der 11. Juni.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und: &lt;/strong&gt;Am Samstag ist Finale vom &lt;a href=&quot;http://www.eurovision.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Eurovision Song Contest&lt;/a&gt; in Baku, Aserbaidschan. Dieses Jahr tritt Roman Lob f&amp;#252;r Deutschland an, die Lena Meyer-Landrut-&amp;#196;ra ist damit vorl&amp;#228;ufig beendet. Auf der Hamburger Reeperbahn steigt zeitgleich das traditionelle Fanfest f&amp;#252;r die Daheimgebliebenen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Politisches Thema: &lt;/strong&gt;Noch n&amp;#228;chste Woche will Angela Merkel einen Koalitions-Krisengipfel einberufen. Thema wird ihr umstrittener Rauswurf von ex-Umweltminister Norbert R&amp;#246;ttgen sein. Ihr Au&amp;#223;enminister Guido Westerwelle (FDP) wird sich zu diesem Zeitpunkt aller Voraussicht nach noch in Chicago befinden, dort tagt bis Dienstag die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/NATO&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;NATO&lt;/a&gt;. Themen sind unter anderem der Abzug aus Afghanistan und die Zukunft von Raketenabwehrsystemen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Alben erscheinen?&lt;br /&gt;1. &lt;/strong&gt;War eigentlich mal br&amp;#252;nett und gegen die Hollywoodisierung von Frauen. Ist nun blond und sehr Hollywood, wie sie selbst auch im&lt;a href=&quot;/texte/anzeigen/546994&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; jetzt-Interview&lt;/a&gt; zugibt: &lt;a href=&quot;http://www.marinaandthediamonds.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Marina &amp;amp; The Diamonds - Electra Heart&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;2. &lt;/strong&gt;Nennen sich selbst bescheiden den &quot;bestgeh&amp;#252;teten Hype der Nation&quot;: &lt;a href=&quot;http://www.wiseguys.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Wise Guys - Zwei Welten&lt;/a&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;3. &lt;/strong&gt;&quot;Unsere Musik soll die Leute &amp;#252;berrollen wie eine Dampfwalze&quot;. Kosequent, dass die isl&amp;#228;ndische Band Sigur R&amp;#243;s ihr neues Album dann auch genauso nannte: &lt;a href=&quot;http://www.sigur-ros.co.uk/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Sigur R&amp;#243;s - Valtari&lt;/a&gt; (Dampfwalze)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was l&amp;#228;uft im Kino? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ch/charlotte-haunhorst/text/regular/904064.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Lesbisch im Iran? Nicht unbedingt eine gute Idee. Die beiden Sch&amp;#252;lerinnen Atafeh und Shirin wollten sich trotzdem nicht gegen ihre Gef&amp;#252;hle wehren und beginnen eine Beziehung inmitten der islamischen Republik. In Teheran entdecken sie die Untergrundszene, wo auch Frauen in Discos nehmen, Drogen nehmen und sich sexuell ausprobieren. Doch dann verliebt sich Atafehs fundamentalistischer Bruder Mehran in Shirin und die Beziehung fliegt auf... &quot;&lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Circumstance_%282011_film%29&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Sharayet - Eine Liebe in Teheran&lt;/a&gt;&quot; ist der Deb&amp;#252;tfilm der amerikanisch-iranischen Filmemacherin Maryam Keshavarz und gewann 2011 den Publikumspreis auf dem Sundance-Filmfestival.&lt;br /&gt;http://www.youtube.com/watch?v=IUOP_V-KuPw&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Entdeckung im Supermarkt: &lt;/strong&gt;Fertige K&amp;#228;sew&amp;#252;rfel. Perfektes Essen zum maximal faul-sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gr&amp;#246;&amp;#223;te Elternsorge:&lt;/strong&gt; &amp;#8222;Bist Du auch ordentlich eingecremt?&amp;#8220; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Endlich vorbei: &lt;/strong&gt;Spekulationen &amp;#252;ber den Facebook-B&amp;#246;rsengang. Die Dinger sind mittlerweile definitiv auf dem Markt und so aufregend wie angek&amp;#252;ndigt war's dann nat&amp;#252;rlich bei weitem nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 20 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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    <item>
      <title>Abschied vom Wachtturm: Drei Frauen und ihre Leben nach den Zeugen Jehovas</title>
      <description>Maria, Patrizia und Barbara schafften den Ausstieg aus der strengen Glaubensgemeinschaft, mussten daf&amp;#252;r aber meistens auf ihre Freunde und die engsten Angeh&amp;#246;rigen verzichten. Drei Protokolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Maria Vinko*, 26, lebt in M&amp;#252;nchen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; &lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/904048.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf. Zwar wurde ich in die Zeugen Jehovas hineingeboren, allerdings habe ich mich fr&amp;#252;h dagegen gewehrt, nichts mit weltlichen Kindern machen zu d&amp;#252;rfen. Ich bin auf Klassenfahrten gefahren und habe auch Geburtstagspartys besucht, egal was meine Eltern sagten. Auch die langen R&amp;#246;cke, also die typisch biedere Kleidung der Zeugen Jehovas, habe ich in der Schule nie angezogen. Ich hatte es als eine der Wenigen in der Schule geschafft zu den Coolen zu geh&amp;#246;ren. Mir war es dann nat&amp;#252;rlich saupeinlich, wenn meine Klassenkameraden mich auf dem Weg zur Versammlung oder beim Missionieren sahen. Mit zw&amp;#246;lf bin ich dann total hochgedreht. Ich wollte endlich irgendwo richtig dazugeh&amp;#246;ren. Zuerst habe ich mich von den Zeugen Jehovas taufen lassen. Vier Monate sp&amp;#228;ter habe ich das Ganze dann schon bereut und bin ausgestiegen. Daf&amp;#252;r habe ich dem &amp;#196;ltestenrat einen Brief geschrieben, in dem stand, dass ich nicht mehr an Jehova glaube, und keine Versammlung mehr besucht. Immer, wenn der Rat danach zu uns nach Hause kam um mit mir dar&amp;#252;ber zu sprechen, bin ich einfach abgehauen. Ich war ja erst zw&amp;#246;lf und wusste, dass die mich locker im Gespr&amp;#228;ch fertig machen. Das wollte ich mir nicht antun. &lt;br /&gt;&amp;#160; Die Situation zu Hause wurde danach nat&amp;#252;rlich sehr schwierig. Offiziell h&amp;#228;tten meine Eltern und Geschwister nach meinem Austritt ja gar nicht mehr mit mir sprechen d&amp;#252;rfen. Das ist aber ziemlich unm&amp;#246;glich, wenn man noch unter einem Dach lebt. Wir haben uns dann sehr oft gestritten. Ich war eine &amp;#8222;Schande f&amp;#252;r die ganze Familie&amp;#8220;, mein Vater wurde meinetwegen sogar aus dem &amp;#196;ltestenrat geschmissen. Den Frust dar&amp;#252;ber hat er dann an mir ausgelassen. Entweder war ich zu lange weg, hatte mich nicht abgemeldet oder war unsittlich angezogen. Ich habe dann allerdings auch doppelt so krass pubertiert, wie andere in meinem Alter. Doppelt hart gefeiert, alles mitgenommen. Aber ich bereue nichts davon. Als ich dann einen Freund hatte, der kein Zeuge war, hat mein Vater den nat&amp;#252;rlich direkt rausgeschmissen. Das ging einfach &amp;#252;berhaupt nicht. Ich habe dann eine Zeit lang bei meinem Freund gewohnt, aber das war nat&amp;#252;rlich keine Dauerl&amp;#246;sung. Einmal wurde ich auch erwischt, wie ich bei uns zu Hause heimlich meinen Geburtstag feierte, was bei den Zeugen Jehovas nicht erlaubt ist. Das gab nat&amp;#252;rlich Riesenkrach. Mir war es allerdings wichtig, ich feiere bis heute sehr gerne Geburtstag.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/904056.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Im Streit sagte mein Vater oft &amp;#8222;Ruf doch das Jugendamt an&amp;#8220;. Mit 17 habe ich das schlie&amp;#223;lich auch getan. Die haben dann sehr schnell erkannt, dass man in unserer Familie nichts mehr retten kann. Ich hab dann alleine eine Wohnung bekommen und mein Fachabi gemacht. Sp&amp;#228;ter habe ich auch mein Abi nachgeholt. Heute lebe ich in M&amp;#252;nchen und habe mich auch am Studium versucht, allerdings war das bisher alles nichts. Ich singe sehr gerne und spiele Klavier. Eigentlich w&amp;#252;rde ich gerne Musik studieren, aber f&amp;#252;r die meisten Musikhochschulen bin ich leider schon zu alt. Das ist auch das, was ich den Zeugen Jehovas am meisten vorwerfe: Dass sie mir die Zeit geklaut haben. Die sind einfach eine Sekte, die total in ihrer eigenen Welt lebt. Im t&amp;#228;glichen Bibelstudium haben sie total versucht, mir eine Gehirnw&amp;#228;sche zu verpassen. Dort muss man dann immer wieder einzelne Passagen wiederholen und Fragen beantworten, bis man den Schei&amp;#223; wirklich glaubt. &lt;br /&gt;&amp;#160; Zwischenzeitig hatte ich noch Kontakt zu meinen Eltern. Auch ehemalige Freunde haben versucht, mich &amp;#252;ber Facebook zum Zur&amp;#252;ckkehren zu &amp;#252;berreden. Seit ich allerdings erfahren habe, dass mein Bruder heiratet und ich &amp;#8222;zum Wohle aller&amp;#8220; nicht eingeladen bin, habe ich den Kontakt abgebrochen. Manchmal ist es dann hart, so ganz auf sich gestellt zu sein. Andererseits habe ich mittlerweile einen eigenen Freundeskreis, der sich gut um mich k&amp;#252;mmert. Vielleicht ist die fehlende Familie so langfristig ersetzbar, ich wei&amp;#223; es nicht. Zumindest komme ich so gut klar.&lt;br /&gt;&amp;#160; Vom Glauben ist allerdings nichts mehr &amp;#252;brig geblieben. Ich glaube gar nichts mehr. Kein Esoterik-Kack, nichts. Mit 22 hatte ich noch mal die Angst &amp;#8222;Was, wenn das doch alles wahr war? Wenn ich nun wirklich bald beim Weltuntergang grausam sterbe?&amp;#8220; Dank eines auf Sekten spezialisierten Psychologen konnte ich das allerdings &amp;#252;berwinden. Nun tun mir meine ehemaligen Glaubensbr&amp;#252;der manchmal fast Leid. Meine Eltern beispielsweise denken ja immer noch, dass ich des Teufels bin und im Harmagedon umkomme, w&amp;#228;hrend sie ins Paradies gelangen. Das ist f&amp;#252;r die schon schlimm. In anderen Sachen habe ich hingegen &amp;#252;berhaupt kein Verst&amp;#228;ndnis mehr f&amp;#252;r die Sekte. Durch ihre Ablehnung von Bluttransfusionen lassen die teilweise ihre eigenen Leute sterben. Schon Kinder m&amp;#252;ssen in der Schule Brustbeutel tragen, auf denen gut lesbar &amp;#8222;Kein Blut&amp;#8220; steht, damit sie bei Unf&amp;#228;llen keine Blutkonserven bekommen. Das ist doch furchtbar. Ich geh&amp;#246;re mittlerweile zu denen, die deshalb extra h&amp;#228;ufig Blut spenden gehen. Um irgendwie das Gef&amp;#252;hl zu haben, das ein bisschen auszugleichen. Neulich haben meine Eltern mich dann sogar noch einmal angerufen. Da hatten sie erfahren, dass ehemalige Freundinnen von mir von ihrem Gro&amp;#223;vater sexuell missbraucht wurden. Und das alles innerhalb der Sekte. Da waren sie so geschockt dr&amp;#252;ber, dass sie es mir dann doch erz&amp;#228;hlen wollten. Mich best&amp;#228;rkt das nur darin, mit diesem Sauhaufen nichts mehr zu tun haben zu wollen. Manchmal w&amp;#252;rde ich mir fast w&amp;#252;nschen, dass die Zeugen Jehovas eines Tages mal hier klingeln und mich missionieren wollen. Ich w&amp;#252;rde mir dann ruhig anh&amp;#246;ren, was sie zu sagen haben. Sie innerlich vielleicht bemitleiden. Und dann w&amp;#252;rde ich einfach die T&amp;#252;r zumachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;* Name von der Redaktion ge&amp;#228;ndert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;#160; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; &lt;strong&gt;Patrizia Petarra, 23, lebt mit ihrer f&amp;#252;nfj&amp;#228;hrigen Tochter in Augsburg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;#160; &lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/904046.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Letztendlich bin ich der Liebe wegen bei den Zeugen Jehovas ausgestiegen. Ich war 16 und hatte mein Leben bis dahin in der Sekte verbracht. Ich kannte es nicht anders. In der Schule war ich ein richtiges Mauerbl&amp;#252;mchen, Kontakt zu weltlichen Kindern hatte ich kaum. &amp;#8222;Das sind ja gar keine wahren Freunde&amp;#8220;, hatte ich gelernt. Als meine Schwester dann mit 14 austrat, bin ich richtig ausgetickt. Sie war f&amp;#252;r mich einfach das Allerletzte. Ich habe mich dann aus Protest sehr fr&amp;#252;h, mit 13 Jahren, taufen lassen. Davon gibt es noch heute Fotos. Da stehe ich im Badeanzug in einem Schwimmbecken, ein Mann in einem wei&amp;#223;en T-Shirt wird mich gleich untertauchen. Ich war damals so stolz. Wollte einfach richtig zur Gemeinde dazugeh&amp;#246;ren. Wenn ich heute die Bilder ansehe, f&amp;#252;hlt es sich komisch an. Das ist genauso wie mit dem Missionieren: Damals war ich total stolz darauf, dass die Leute mir soviel Aufmerksamkeit widmeten. Heute denke ich, dass ich mich einfach nur zum Deppen gemacht habe.&lt;br /&gt;&amp;#160; Ein paar Jahre nach der Taufe kippte meine Stimmung dann allerdings. Ich war oft deprimiert. Mochte das Haus nicht mehr verlassen und bin abends schon um sieben ins Bett gegangen. Mit 15 habe ich dann das erste Mal Antidepressiva genommen. Meine Mutter meinte, ich h&amp;#228;tte eine Pubert&amp;#228;tsdepression. Die Frage, ob das vielleicht auch mit unserem Glauben zusammenhinge, lie&amp;#223; sie nicht zu. Ich habe dann trotzdem nicht mehr die Versammlungen besucht. In mir wuchs der Gedanke, dass ich vielleicht einfach raus muss. Frei sein will. Irgendwann habe ich dann Bekannte aus der Schule von ganz fr&amp;#252;her wiedergetroffen. Wir sind etwas trinken gegangen, dann kam schnell dieses &amp;#8222;Schei&amp;#223; doch drauf!&amp;#8220;-Gef&amp;#252;hl. Es war wie ein gro&amp;#223;er Rausch: Wir haben getrunken, geraucht. Alles was ich vorher nicht durfte. Auf einmal wollte ich nichts mehr verpassen, alles mitnehmen. Dabei habe ich dann auch &amp;#252;bertrieben, mich bis ins Koma gesoffen. Es machte mir nichts. Meine Mutter hat mich dann irgendwann von zu Hause rausgeschmissen. Sie hatte von meinen Eskapaden geh&amp;#246;rt, in dem kleinen Dorf, in dem ich wohnte, ging alles schnell rum. Aber vielleicht wollte ich das auch. Ich wollte, dass die Zeugen mich ausschlie&amp;#223;en. Ich zog dann zu meinem Vater und schmiss erstmal meine Ausbildung. Mit sechzehn bin ich dann mit meinem jetzigen Freund zusammen gekommen. Wir haben uns im Internet kennengelernt und einfach getroffen. So war ich damals eben drauf. R&amp;#252;ckblickend hatte ich nat&amp;#252;rlich Gl&amp;#252;ck, dass er nett war. Als ich mit 17 schwanger wurde, war meine Familie komplett au&amp;#223;er sich. Mein Vater meinte &amp;#8222;das war ja klar, dass Dir das passiert&amp;#8220;. Meine Mutter hat es hingegen abgelehnt, mir dabei zu helfen. Ich war ja eine Auss&amp;#228;tzige. Mir ging es damals nat&amp;#252;rlich total schlecht. Ich war 17, schwanger und ohne Ausbildung. &lt;br /&gt;&amp;#160; Heute ist meine Tochter f&amp;#252;nf, mit ihrem Vater bin ich immer noch zusammen. Allerdings ist es manchmal sehr schwer. Er arbeitet viel, ich hole meine Ausbildung nach. Was Kindererziehung angeht, k&amp;#246;nnte ich oft einen Rat gebrauchen. Meine Mutter sagt dann nur: &amp;#8222;Wenn Du zur&amp;#252;ckkommst, dann helfen wir Dir auch.&amp;#8220; Eine Zeit lang habe ich sogar dar&amp;#252;ber nachgedacht. Ich bin wieder zu Versammlungen gegangen. Meine Mutter meinte irgendwann &amp;#8222;Du bist immer noch stolz auf dein Leben. Das darfst du nicht sein, wenn du wieder zu uns geh&amp;#246;ren willst.&amp;#8220; Da wurde mir klar, dass ich nie mehr zu den Zeugen Jehovas zur&amp;#252;ckgehe. Ich habe es alleine geschafft, meine kleine Tochter ist ein wunderbares M&amp;#228;dchen. Da gibt es jede Menge, worauf ich stolz bin. Wenn sie sp&amp;#228;ter gro&amp;#223; ist, soll sie sich selbst aussuchen d&amp;#252;rfen, zu welcher Religion sie geh&amp;#246;ren will. Meine Mutter tut mir einfach nur leid. Sie denkt ja wirklich, dass meine Tochter und ich bald grausam vernichtet werden. Meine Schwester, wegen deren Austritt ich damals so sauer war, hat es &amp;#252;brigens nicht gepackt. Sie war mit dem &amp;#8222;realen Leben&amp;#8220; &amp;#252;berfordert, ist irgendwann zur&amp;#252;ckgegangen. Sie meidet mich auch. Trotzdem habe ich das Gef&amp;#252;hl, besser zurechtzukommen. Ich habe jetzt eine neue, eigene Familie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; &lt;strong&gt;Barbara Kohout, 74, lebt mit ihrem Mann in Augsburg.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; &lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/904050.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; 60 Jahre habe ich f&amp;#252;r die Zeugen Jehovas gelebt. Nahezu mein ganzes Leben. Das Internet hat mir letztendlich zum Ausstieg verholfen. Da war ich bereits 72 Jahre alt. Die damalige Frau meines Sohnes hatte damals bei mir gepetzt, dass mein Sohn im Internet kritisch &amp;#252;ber die Zeugen schreiben w&amp;#252;rde. Ich konnte das zun&amp;#228;chst gar nicht glauben. Er war immer mein Vorzeige-Kind gewesen, hatte sogar als Pionier in der deutschen Zentrale der Zeugen Jehovas gearbeitet. Ich habe mir dann einen Internetanschluss zugelegt, um das zu &amp;#252;berpr&amp;#252;fen. Tats&amp;#228;chlich habe ich ihn unter dem Nicknamen &amp;#8222;Plus&amp;#8220; in einem Forum wiedererkannt. Ich habe mich selbst als &amp;#8222;Alphabetus&amp;#8220; angemeldet, um ihn von seinen Theorien abzubringen. Ich hatte wirklich Angst, er w&amp;#252;rde sich im Internet vers&amp;#252;ndigen und am Ende nicht mit uns ins Paradies kommen. Er hat das Schauspiel nat&amp;#252;rlich schnell durchschaut. Wir haben uns dann getroffen und er konnte mir seine Vorw&amp;#252;rfe beweisen. Zum Beispiel hat er mir gezeigt, wie oft die Zeugen Jehovas schon ihre Lehrmeinungen ge&amp;#228;ndert haben. Dass sie in L&amp;#228;ndern wie Malawi von ihren Anh&amp;#228;ngern M&amp;#228;rtyrertum f&amp;#252;r den Glauben fordern. Wenn es Ihnen finanziell etwas bringt, lassen sie sich dann aber auch mal schnell in einen &amp;#8222;kulturellen Verein&amp;#8220; statt einer Religionsgemeinschaft umschreiben. Solche Sachen. Meine bereits ausgestiegene Tochter hat mir dann ein Buch &amp;#252;ber Psychologie geschenkt. &amp;#8222;Ich bin okay, Du bist okay&amp;#8220; war dort das Motto. Das hat mir als Leitspruch sehr geholfen. Sp&amp;#228;ter habe ich dann auch unter schlechtem Gewissen richtige Aussteiger-Literatur gelesen. Der Ausstieg selbst war dann nat&amp;#252;rlich sehr schwer. Erst einmal musste ich meinen Mann davon &amp;#252;berzeugen, mit mir zu gehen. Er war lange im &amp;#196;ltestenrat gewesen, kam bereits mit 19 in die Sekte. Ich habe ihn dann &amp;#252;berredet, ebenfalls die Aussteiger-B&amp;#252;cher zu lesen. Nie werde ich vergessen, wie er dann eines Tages bei uns in Augsburg auf den Balkon ging, auf den K&amp;#246;nigreichssaal zeigte und sagte: &amp;#8222;Dort will ich nie mehr hin.&amp;#8220; Wir haben uns daran gehalten. Der Rest der Gemeinde, unsere fr&amp;#252;heren Freunde, gr&amp;#252;&amp;#223;en uns nun nicht mehr. Sogar meine eigene Mutter hat seitdem nicht mehr mit mir gesprochen. Freunde von au&amp;#223;erhalb hatten wir so gut wie gar nicht. Die waren in unseren Augen ja vom falschen Glauben.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/904054.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;#160; Meine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits alle raus aus der Sekte. Zwei von ihnen hatten mit 16 und 20 Jahren andere Zeugen aus der Gemeinde geheiratet. Das ging nat&amp;#252;rlich schief. Sie hatten vorher ja gar keine Zeit gehabt ihren Partner richtig kennenzulernen, durften sich &amp;#252;berhaupt nicht n&amp;#228;her kommen. Und mit Sex alleine h&amp;#228;lt dann sp&amp;#228;ter nun mal keine Ehe. Nach ihren Scheidungen wurden sie von der Gemeinde isoliert, waren psychisch angeschlagen. Heute mache ich mir Vorw&amp;#252;rfe, dass ich das damals alles zugelassen habe. Nat&amp;#252;rlich, wir wussten es nicht besser und wir glaubten an die Lehren der Wachtturm-Gesellschaft. Aber es gab so viel, was ich meinen Kindern verbieten musste. Ich habe ihnen erz&amp;#228;hlt, dass es D&amp;#228;monen gebe, die sich heimlich daran erfreuen, wenn sie gegen Jehovas Gesetzte versto&amp;#223;en. Selbstbefriedigung war so ein Versto&amp;#223;. Und dass der Teufel in Gestalt eines br&amp;#252;llenden L&amp;#246;wen auf die Erde kommt um die Ungl&amp;#228;ubigen zu t&amp;#246;ten. Nur wer dann rechten Glaubens, also bei den Zeugen Jehovas ist, w&amp;#252;rde gerettet werden. Nat&amp;#252;rlich hatten meine Kinder da Angst. Ich hatte als Kind ja auch schon immer Alptr&amp;#228;ume von den Harmagedon-Geschichten. Aber die Zeugen haben uns immer gesagt, wie wichtig es doch sei, regelm&amp;#228;&amp;#223;ig Bibelstunden mit den Kindern zu halten, ihnen diese Geschichten immer und immer wieder zu erz&amp;#228;hlen.&lt;br /&gt;&amp;#160;Bei anderen Sachen war ich dann wiederum auch nachgiebiger. Geburtstage feiern war zum Beispiel verboten. Ich mochte das immer gerne, bevor ich in die Sekte kam. Ich habe dann stattdessen mit meinen Kindern einen &amp;#8222;Geschenketag&amp;#8220; eingerichtet. Der war dann &amp;#228;hnlich wie ein Geburtstag, nur nicht verboten. Au&amp;#223;erdem habe ich mir einmal die Zeitschrift &amp;#8222;Eltern&amp;#8220; gekauft, als ich schwanger wurde. Daf&amp;#252;r habe ich oft um Vergebung gebeten. Eigentlich h&amp;#228;tte ich die Kinder nur nach den Regeln der Wachtturm-Gesellschaft erziehen d&amp;#252;rfen. Auch als meine Kinder ausgestiegen sind, habe ich nat&amp;#252;rlich weiter den Kontakt mit ihnen gehalten, auch wenn ich das offiziell nicht gedurft h&amp;#228;tte. In meinen knapp 60 Jahren bei der Sekte habe ich nat&amp;#252;rlich viel mit den Zeugen Jehovas erlebt. Ich habe andauernd versucht Menschen zu missionieren. Einen K&amp;#246;nigreichssaal mit aufgebaut. Oft den Wohnort gewechselt. Wir waren immer dort im Einsatz, wo wir gebraucht wurden. Ich hatte immer das Gef&amp;#252;hl, noch nicht genug f&amp;#252;r Gott zu leisten. Parallel habe ich dann auch noch drei Kinder gro&amp;#223;gezogen. Irgendwann war ich psychisch am Ende. Dass das alles mit dem Glauben zusammenh&amp;#228;ngt, wollte ich damals nicht einsehen. Das Gef&amp;#252;hl, wirklich gl&amp;#252;cklich zu sein, kenne ich bis heute nicht. Ich habe in meinem Leben so vieles aufgegeben, weil ich ja dachte, dass die Welt eh bald untergeht. Und wenn sie das nicht tat, hatten die Zeugen wieder einen Grund parat, warum der Weltuntergang verschoben wurde. Ich habe sogar meine Lebensversicherung gek&amp;#252;ndigt, als mal wieder Harmagedon anstand. Solche Sachen kann ich heute nicht mehr r&amp;#252;ckg&amp;#228;ngig machen. Allerdings arbeite ich mittlerweile f&amp;#252;r den Sektenausstieg in Bayern. Ich leite hier eine Selbsthilfegruppe. Das gibt mir zumindest ein bisschen das Gef&amp;#252;hl, all die verfehlten Missionierungen wieder gut zu machen. Und ich erz&amp;#228;hle weiter meine Geschichte. Ich bin aktiv auf Facebook, Youtube und Twitter. Hoffentlich kriegen dann viele Leute mit, dass es nie zu sp&amp;#228;t f&amp;#252;r einen Ausstieg ist.&lt;strong&gt;Was sind&amp;#160;die Zeugen Jehovas?&amp;#160; &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/904052.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Nach eigenen Angaben leben momentan in Deutschland 165 000 Zeugen Jehovas. Laut der evangelischen Zentrale f&amp;#252;r Weltanschauungsfragen ist diese Zahl seit Jahren stagnierend. Die Religionsgemeinschaft existiert erst seit Ende des 19. Jahrhunderts und wurde in vielen deutschen Bundesl&amp;#228;ndern in einer umstrittenen Entscheidung als &amp;#8222;K&amp;#246;rperschaft des &amp;#246;ffentlichen Rechts&amp;#8220; anerkannt. Die Zeugen Jehovas interpretieren diese Entscheidung als Anerkennung ihrer Religion, umgangssprachlich werden sie jedoch weiterhin abwertend als &amp;#8222;Sekte&amp;#8220; bezeichnet. Bekannt sind die Zeugen Jehovas f&amp;#252;r ihre Haust&amp;#252;r-Missionierungen, bei denen sie Hefte namens &amp;#8222;Wachtturm&amp;#8220; oder &amp;#8222;Erwachtet&amp;#8220; verteilen. In diesen Heften sowie in ihrer eigenen Bibel, der &amp;#8222;Neue Welt &amp;#220;bersetzung&amp;#8220;, predigen sie einen herannahenden Weltuntergang (&amp;#8222;Harmagedon&amp;#8220;), bei dem nur die Menschen &amp;#8222;in der Wahrheit&amp;#8220;, also bei den Zeugen Jehovas, &amp;#252;berleben werden. &lt;br /&gt;Die Gesellschaft hinter den Zeugen Jehovas nennt sich die &amp;#8222;Wachtturm-Gesellschaft&amp;#8220; mit Sitz in Brooklyn, USA. Hier werden Bibelinterpretationen und Glaubenss&amp;#228;tze geschaffen. So verk&amp;#252;ndete die Wachtturm-Gesellschaft beispielsweise zun&amp;#228;chst einen Weltuntergang f&amp;#252;r 1914. Nachdem dieser nicht eintrat, wurde auf 1925 verschoben usw. Mittlerweile gilt f&amp;#252;r die Zeugen Jehovas, dass jeder der jemanden kannte, der 1914 bereits lebte, den Weltuntergang erleben wird. Aussteiger von den Zeugen Jehovas werden von der Gemeinschaft isoliert. Sektenexperten raten deshalb dazu, sich bereits vor dem Ausstieg ein soziales Umfeld aufzubauen, das aus mehr als einer Person besteht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;#160; Eine &amp;#220;bersicht &amp;#252;ber Sektenausstiegs-Hilfen gibt es im Netz unter: &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;a href=&quot;https://www.weltanschauungsfragen.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;weltanschauungsfragen.de&lt;/a&gt; oder &lt;a href=&quot;http://www.sektenausstieg.net/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;sektenausstieg.net&lt;/a&gt;. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprechpartner der katholischen Kirche ist Axel Seegers (089 / 54 58 13 0), Ansprechpartner der evangelischen Kirche ist Wolfgang Behnk (089 / 5595 610).&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 20 May 2012 18:30:00 +0200</pubDate>
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