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    <title>xifan-yang.jetzt.de</title>
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    <description>Alle Texte von xifan-yang auf jetzt.de</description>
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      <title>xifan-yang.jetzt.de</title>
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    <item>
      <title>Probier mal Chicago!</title>
      <description>Was ist eigentlich, wenn das Internet nicht immer selbstversta&amp;#776;ndlich da ist? Ein Bericht aus China, von der anderen Seite der Great Firewall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immer wenn die Partei irgendwas zu feiern hat, spinnt das Internet in China. Vor einigen Wochen war der 90. Geburtstag der Kommunistischen Partei, ein sogenannter heikler Termin. Ich brauchte vier Stunden, um ein Album auf iTunes herunterzuladen, Google war nicht mehr erreichbar, und Youtube-Videos lie&amp;szlig;en sich nicht mal mit den u&amp;#776;blichen Tricks abspielen. Wa&amp;#776;hrend ich genervt versuchte, eine Mail zu verschicken, zuckte meine Cousine nur mit den Schultern und sagte lapidar: &amp;bdquo;Das Netz wird gerade wieder harmonisiert.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chinesen nehmen die Internetzensur mit Sarkasmus. Es gab in letzter Zeit viele dieser heiklen Termine, zu denen das Ministerium fu&amp;#776;r Staatssicherheit in Peking die Harmonie des Landes in Gefahr sah: Dazu za&amp;#776;hlten die Olympischen Spiele, die Expo in Shanghai, der Nobelpreis fu&amp;#776;r Liu Xiaobo, die Jasmin-Revolution im Fru&amp;#776;hling, Ai Weiweis Festnahme und Ai Weiweis Freilassung. Na&amp;#776;chstes Jahr wa&amp;#776;re da noch der Machtwechsel an der Parteispitze; und der Jahrestag des Tiananmen-Massakers am 4. Juni ist auch immer wieder solch ein Datum. Zu nahezu allen diesen Anla&amp;#776;ssen wird die Geschwindigkeit der ohnehin schwerfa&amp;#776;lligen Netzverbindung in China heruntergefahren (Provider bieten nur bis zu 2 Megabyte pro Sekunde an), und man glaubt sich im Internet-Steinzeitalter wiederzufinden, als &amp;bdquo;Ich bin drin&quot; schon die Maximalerwartung an das digitale Leben beschrieb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die &amp;bdquo;Great Firewall&quot;, wie die Internetsperre auch genannt wird, zensiert systematisch regierungskritische Inhalte. Warum genau welche Begriffe und Domains gesperrt werden, wei&amp;szlig; allerdings keiner. Anfang Juli behauptete der Vizebu&amp;#776;rgermeister einer kleineren chinesischen Millionenstadt, das chinesische Internet sei freier als das deutsche. Als sich Tausende Mikroblogger daraufhin u&amp;#776;ber ihn lustig machten, wurde der Name des Bu&amp;#776;rgermeisters, der doch nur plumpe Propaganda fu&amp;#776;r sein Land machen wollte, selbst von der Zensur gesperrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/mercedes-lauenstein/text/regular/854717.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An die Tatsache, dass Facebook, Youtube und viele Blogging-Portale gesperrt sind, habe ich mich relativ schnell gewo&amp;#776;hnt. Allzu schwer ist es nicht, sie trotzdem aufzurufen. Fu&amp;#776;nf bis zehn Dollar im Monat kostet ein Abo fu&amp;#776;r einen VPN-Service. Das VPN, ein &amp;bdquo;Virtual Private Network&quot;, buddelt einen Tunnel unter die Gro&amp;szlig;e Mauer: Es verschlu&amp;#776;sselt die eigene IP-Adresse und u&amp;#776;berlistet das Zensursystem, indem es ihm vorgaukelt, dass man aus einem anderen Land surft. Man kann VPNs auch auf dem Handy oder auf dem iPad nutzen, au&amp;szlig;erdem kann man sich meistens aussuchen, u&amp;#776;ber welche Drittserver in welchen La&amp;#776;ndern man surft. Die Leistungen diverser VPN-Services bieten in China viel Gespra&amp;#776;chsstoff auf Partys, und eine typische Unterhaltung in Studentencafe&amp;#769;s geht so: &amp;bdquo;Probier mal Chicago.&quot; &amp;ndash; &amp;bdquo;Nein, Su&amp;#776;dkorea ist viel schneller.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Technischer Fortschritt spielt aber nicht nur Internetaktivisten, sondern auch den Machthabern in die Ha&amp;#776;nde. Ein endloses Katz-und-Maus-Spiel: Blogger ziehen von Domain zu Domain, wird ein VPN- Tunnel dichtgemacht, entstehen am na&amp;#776;chsten Tag zwei neue. Dass das Internet in China irgendwann ganz abgeschirmt sein wird, ist unwahrscheinlich, schon allein wegen der vielen ausla&amp;#776;ndischen Firmen, die deswegen das Land verlassen wu&amp;#776;rden. Au&amp;szlig;erdem sollen nicht wenige hohe Parteikader selbst die Zensur umgehen, um sich daru&amp;#776;ber zu informieren, was drau&amp;szlig;en in der Welt los ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gescha&amp;#776;tzte 30000 Internetpolizisten arbeiten daran, die chinesische Firewall instand zu halten. Ich stelle sie mir vor wie Tausende finster dreinblickender Ulrich-Mu&amp;#776;he-Doubles aus &lt;em&gt;Das Leben der Anderen&lt;/em&gt; in grauen Betonbunkern, aber die Wahrheit ist womo&amp;#776;glich viel profaner: Es hei&amp;szlig;t, dass die Regierung Studenten als schlecht bezahlte Internet Reinigungskra&amp;#776;fte anheuert. Sie durchforsten Foren und Blogs nach verda&amp;#776;chtigen Eintra&amp;#776;gen und erstellen fu&amp;#776;r umgerechnet ein paar Cent Jubelkommentare auf die Regierung. Auch sollen sich hinter manch seltsamem Twitter-Account Angestellte der Stasi verbergen. Vor einigen Tagen folgten mir innerhalb weniger Stunden sieben neue User auf Twitter. Sie waren sich allesamt sehr a&amp;#776;hnlich: Zufa&amp;#776;llig generierte Namen, austauschbare Fotos, sie tweeten nicht, folgen dafu&amp;#776;r einer Reihe von Journalisten und chinesischen Intellektuellen. Sind das Fake-Profile von Spitzeln, oder ist es nur meine Paranoia? Eine Freundin lachte, als ich ihr davon erza&amp;#776;hlte. &amp;bdquo;Wenn sie dir etwas wollen, finden sie immer etwas&quot;, sagte sie. &amp;bdquo;Mach dir nicht so viele Gedanken.&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;All diese Fragen interessieren aber nur wenige Chinesen. Das chinesische Internet ist wie ein Parallelkosmos, in dem es fu&amp;#776;r alles ein chinesisches Gegenstu&amp;#776;ck gibt: Baidu ersetzt Google, Tudou ersetzt Youtube, Renren ist eine 1:1-Kopie von Facebook, und Weibo ist im&lt;br /&gt;Grunde sogar das bessere Twitter. Viele Chinesen, die ich kenne, sagen: &amp;bdquo;Wozu brauchen wir Facebook? Wir haben doch Renren.&quot; Sie machen sich nicht die Mu&amp;#776;he, die Zensur zu umgehen. Und ha&amp;#776;tten sie freien Zugang zum Internet, wa&amp;#776;re die erste Seite, die sie aufrufen, sicher nicht dalailama.com. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fu&amp;#776;r die Mehrheit der Chinesen ist das Internet einfach ein Medium, das den Alltag einfacher gestaltet und der Zerstreuung dient &amp;ndash; wie, um fair zu bleiben, fu&amp;#776;r die meisten Menschen im Westen auch. Den wenigen, die sich im Internet politisch engagieren wollen, wird das Leben aber zunehmend schwerer gemacht. Deshalb muss die Mauer weg. Leider gibt es zur Zeit keine Anzeichen, dass das bald passieren wird.    &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/528696</link>
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      <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 18:30:05 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Schluss</title>
      <description>Nach sechs Semestern hat unsere Autorin ihr Studium abgebrochen  hin und wieder fragt sie sich, ob das damals eine gute Idee war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;/b&gt;Dass ich studieren w&amp;uuml;rde, stand bei mir in der Familie nie zur Debatte. Meine Mutter hat promoviert, mein Vater hat promoviert. Ohne Studium kann man gleich putzen gehen, dachte ich. Nach dem Abitur schrieb ich mich f&amp;uuml;rs Wintersemester ein. Ich gr&amp;uuml;belte gern dar&amp;uuml;ber nach, warum Menschen bestimmte Dinge tun, mein Notenschnitt reichte, also wurde es Psychologie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;Studium, das war zur Schulzeit ein gro&amp;szlig;es Versprechen f&amp;uuml;r mich. Freiheit. Endlich richtig schlau sein. Nur noch das lernen, was einen wirklich interessiert. Betrunken &amp;uuml;ber Foucault reden, mit Rotweinflecken auf den Lippen, die man am n&amp;auml;chsten Morgen nur noch mit der Zahnb&amp;uuml;rste abkriegt. Kommilitonen als Kollektiv von Geistesverwandten. Professoren, die mit Leidenschaft Wissen als Schatz an ihre intellektuellen Z&amp;ouml;glinge weitergeben.&amp;nbsp;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/di/dirk-vongehlen/text/regular/843873.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Es wurden sechs qu&amp;auml;lende Semester. Fensterlose H&amp;ouml;rs&amp;auml;le. Stunden&amp;shy;langes Zuh&amp;ouml;ren. Multiple-Choice-Klausuren. Notenkontoausz&amp;uuml;ge. Das Einswerden mit der Immatrikulationsnummer. Ich mochte das Studentenleben (viel schlafen, viel trinken, keine Pflichten) &amp;ndash; ich mochte nur das Studium nicht. Erst dachte ich, das werde sich mit der Zeit bessern. Dann dachte ich, es liege am Fach. Nach drei Jahren &amp;ndash; da hatte ich zwei Drittel meines Studiums hinter mir und die Zielgerade schon im Blick &amp;ndash; f&amp;uuml;hlte ich mich immer noch wie ein Erstsemester.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem war nur, dass die echten Erstsemester den Eindruck machten, viel ernsthafter zu studieren und immer zu wissen, in welchem &amp;bdquo;Bib&amp;ldquo;-Ordner die wichtigen Seminarunterlagen hinterlegt waren, w&amp;auml;hrend ich es immer noch nicht auf die Reihe bekam, mir eine Karte f&amp;uuml;r den Kopierer zu besorgen, weswegen ich einfach nichts kopierte. Ich fremdelte mit der b&amp;uuml;rokratischen Anonymit&amp;auml;t. Und, was es viel schlimmer machte: Ich wusste nicht, wozu das alles gut sein sollte. Einigen meiner Freunde ging es &amp;auml;hnlich. Sie beschlossen dennoch, es durchzuziehen (sp&amp;auml;ter machte ihnen die Uni tats&amp;auml;chlich etwas Spa&amp;szlig;, und sie wurden mit einem Diplom belohnt). Ich nicht, ich lie&amp;szlig; mich exmatrikulieren.  Bereut habe ich die Entscheidung nicht. In der Zeit, als ich mich vor Vorlesungen und Hausarbeiten dr&amp;uuml;ckte, fing ich an zu schreiben, sogar f&amp;uuml;r Geld, was ich bis dahin f&amp;uuml;r ein Ding der Unm&amp;ouml;glichkeit hielt. Fragen mich Leute inzwischen, was ich studiert habe, antworte ich wahrheitsgem&amp;auml;&amp;szlig;, jaja, Psychologie an der Uni. Davon, dass man studiert hat, davon wird in meinem milieublinden Umfeld ausgegangen und auch davon, dass man dieses Studium selbstverst&amp;auml;ndlich beendet hat. Ich lasse die Leute meist in dem Glauben und wechsle das Thema.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommen doch Anschlussfragen, sage ich, wie es ist. Die Antwort ist dann ein betretenes &amp;bdquo;Ah&amp;ldquo;, worauf ich mich ein bisschen sch&amp;auml;me und in einer Art vorauseilender Emp&amp;ouml;rung mein Gegen&amp;uuml;ber innerlich des Spie&amp;szlig;ertums bezichtige, weil ich denke, er k&amp;ouml;nnte mich f&amp;uuml;r einen Dr&amp;uuml;ckeberger oder Versager halten. Aber, hey: Sind sechs Semester nicht auch was wert? Au&amp;szlig;erdem ist es nicht so, dass ich erschlichene Titel mit mir f&amp;uuml;hre.   Bildungspolitiker verbuchen die j&amp;auml;hrlich 55.000 Studienabbrecher unter der Rubrik &amp;bdquo;akademischer Misserfolg&amp;ldquo;. Grunds&amp;auml;tzlich stelle ich den Sinn von Abschl&amp;uuml;ssen ja nicht infrage. Menschen ohne Staatsexamen d&amp;uuml;rfen mit gutem Grund nicht &amp;uuml;ber Schuld oder Unschuld urteilen, und keiner w&amp;uuml;rde sich freiwillig von einem Quereinsteiger operieren lassen. Mir aber fehlt nur ein St&amp;uuml;ck Papier, das meinen Lebenslauf makellos macht. Alles, was heute wichtig ist f&amp;uuml;r meine Arbeit, habe ich au&amp;szlig;erhalb der Uni gelernt. Auch meine fertig studierten Freunde mit geisteswissen&amp;shy;schaftlich-kreativen Berufen sagen, dass es keinen Vorgesetzten wirklich interessiert, ob man f&amp;uuml;r vergleichende Literaturwissenschaften, Geschichte oder &amp;bdquo;KW&amp;ldquo; eingeschrieben war, und dass auch keiner wirklich danach fragt. Das Uniwissen braucht man im Job dann nie wieder, was den Normalabsolventen nicht st&amp;ouml;rt, weil er sich sp&amp;auml;ter ohnehin nicht mehr an den Stoff erinnern kann.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bin ich naiv, weil ich glaube, meine Ziele auch ohne Urkunden erreichen zu k&amp;ouml;nnen? Ist es unversch&amp;auml;mt von mir zu denken, ich k&amp;ouml;nne es anders machen als alle anderen?   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich graut es mir vor dem Moment, in dem mir ein Master of Irgend&amp;shy;was den Job wegschnappt. Wenn ich zu Ende studieren w&amp;uuml;rde, dann, um nicht st&amp;auml;ndig aufs Neue beweisen zu m&amp;uuml;ssen, dass meine universit&amp;auml;re Abschlussschw&amp;auml;che mich nicht zu einem geistigen Invaliden macht. Um mich nicht mehr daf&amp;uuml;r rechtfertigen zu m&amp;uuml;ssen, dass es mit mir und der Uni nicht geklappt hat. Aber reicht das als alleiniges Studienziel? Ich glaube nicht.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/524311</link>
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      <pubDate>Wed, 11 May 2011 18:30:04 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Mein Leben mit der Tigermutter</title>
      <description>Amerika streitet derzeit dar&amp;#252;ber, ob asiatische Erziehungsmethoden unmenschlich oder &amp;#252;berlegen sind. Unsere Autorin ist selbst mit einer &quot;Tigermutter&quot; aufgewachsen  und hat sich in Deutschland manchmal &amp;#252;ber mangelndes Bildungsbewusstsein gewundert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;#252;r eine Einwanderermutter kann es glaube ich nichts Schlimmeres geben, als vom eigenen Kind diskriminiert zu werden. Meine Mutter und ich stritten uns fr&amp;#252;her oft, laut und ausgiebig, in einer seltsamen Mischung aus Chinesisch und Deutsch.  Wenn mir nichts mehr Besseres einfiel, schrie ich irgendwann: &amp;#8222;Ich will deutsche Eltern!&quot; Auf diesen Satz bin ich nicht sonderlich stolz. Meine Mutter antwortete darauf immer genauso unfair: &amp;#8222;Pech gehabt.&quot; Heute k&amp;#246;nnen wir beide dar&amp;#252;ber lachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter war anders als die M&amp;#252;tter meiner meisten Freundinnen. Die chinesisch-amerikanische Juraprofessorin Amy Chua&lt;a href=&quot;/texte/anzeigen/518289/Laut-gebruellt-Tigermutter&quot;&gt; hat gerade den Begriff &amp;#8222;Tigermutter&quot; erfunden&lt;/a&gt;: asiatisch, leistungsorientiert, unerbittlich. In dem Buch &amp;#8222;Battle Hymns of a Tiger Mother&quot; beschreibt sie, wie sie ihre Kinder mit Kontrollwahn und Druck zu Leistung gedrillt hat und behauptet mit Verweis auf die neuen PISA-Ergebnisse sogar, das sei die bessere Erziehungsmethode. Meine Mutter hatte zwar nicht ganz so scharfe Krallen wie Chua. Ich musste w&amp;#228;hrend den Klavierstunden nicht hungern und durfte zwischendurch aufs Klo gehen. Aber auch sie war eine Tigerin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich fing in der ersten Klasse an, Klavierunterricht zu nehmen. Meine Mutter, damals Doktorandin an der Uni, hatte kein Geld, um mir ein eigenes Klavier zu kaufen und schleppte mich jeden Nachmittag in den verrauchten &amp;#220;bungskeller eines Studentenwohnheims. Samstag besuchte ich mit anderen chinesischen Kindern eine von den Eltern selbst organisierte Mandarin-Lerngruppe, den Fernseher durfte ich meistens nur zur Tagesschau oder Tiersendungen anschalten. Zu der Zeit schimpfte meine Mutter oft auf das deutsche Schulsystem: Die Lehrpl&amp;#228;ne waren ihrer Meinung nach viel zu anspruchslos. Wenn meine Freunde mit einer Eins nach Hause kamen, gab es zehn Mark von den Eltern und noch mal zehn von der Omi. Von meiner Mutter gab es, wenn &amp;#252;berhaupt, ein anerkennendes Nicken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/827422.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich beneidete meine deutschen Freunde um ihre Eltern. Um die teuren Weihnachtsgeschenke, um viele Freiheiten, erst recht als ich in die Pubert&amp;#228;t kam. Meine Freundinnen mit den Hippie-Eltern gingen schon mit 15 erst nachts um zw&amp;#246;lf auf Parties. Da h&amp;#228;tte ich schon l&amp;#228;ngst mit der letzten Stra&amp;#223;enbahn heimfahren sollen. Ich schaffte es trotzdem, mir wichtige Absturzerfahrungen zu sichern und in der gro&amp;#223;en Pause Bong zu rauchen. Aber haupts&amp;#228;chlich, weil ich immer besser darin wurde, abenteuerliche L&amp;#252;genkonstrukte zurechtzubasteln. Meine Mutter glaubt bis heute, dass die Schuldirektorin mir zur Strafe f&amp;#252;r zu sp&amp;#228;t zur&amp;#252;ckgegebene Unterrichtsb&amp;#252;cher kein Zeugnis f&amp;#252;r die 11. Klasse ausgestellt hat. In Wahrheit befanden sich meine Noten im Sinkflug, das Zeugnis versteckte ich im Keller. Das war wohl das Beste f&amp;#252;r uns beide.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist alles l&amp;#228;cherlich im Vergleich dazu, wie meine Cousinen in China aufwuchsen. Nur einmal in der Woche hatten sie frei, am Sonntagnachmittag. Der Rest ihres Lebens bestand allein aus Unterricht, Vorbereiten und Nachbereiten desselben. Dass ich diesem Drill entkommen bin, verdanke ich ausgerechnet meiner Tigermutter. Nach ihrer Studienzeit in Europa h&amp;#228;tte sie auf der Stelle einen Topjob in Shanghai oder Hongkong bekommen. Weil sie mir aber eine Kindheit in China ersparen wollte, blieb meine Mutter mit mir in Deutschland.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Asiaten sind Bildungsfanatiker, manche schreiben das dem Konfuzianismus zu, andere dem rauen Wettbewerbsklima in der Gesellschaft. Eltern arbeiten sich zu Tode und opfern all ihre Energie und Ersparnisse, um den Kindern eine gute Zukunft zu erm&amp;#246;glichen. Als Kind wird man verh&amp;#228;tschelt und ist das Zentralgestirn der Familie. Gleichzeitig steht man den Eltern in einer Art lebenslangen Bringschuld gegen&amp;#252;ber. Die meisten Asiaten, die ich kenne, egal ob Chinesen, Koreaner oder Vietnamesen, empfinden es &amp;#228;hnlich: Man ist den Eltern dankbar f&amp;#252;r die vielen Opfer, doch die hohen Erwartungen sind eine schwere B&amp;#252;rde.&lt;br /&gt;Vor dem Abitur sa&amp;#223; meine Mutter oft bis sp&amp;#228;t in der Nacht mit mir in der K&amp;#252;che und versuchte mir verzweifelt Kurvenanalyse beizubringen. Ich bin nicht &amp;#196;rztin oder Anw&amp;#228;ltin geworden, wie es sie es sich f&amp;#252;r mich gew&amp;#252;nscht hat. Mein Studium habe ich abgebrochen und mich stattdessen f&amp;#252;r einen Beruf mit katastrophalen Zukunftsaussichten entschieden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe die Art, wie meine Mutter versucht hat, mir Leistungswillen anzutrainieren, oft als anstrengend und &amp;#252;bertrieben empfunden. Sie lie&amp;#223; mich allerdings auch nie daran zweifeln, dass sie mir viel zutraut. Die Philosophie dahinter, dass Bildung die wichtigste Voraussetzung ist, um sich M&amp;#246;glichkeiten im Leben offen zu halten, finde ich grundrichtig. In Deutschland ist dieser Gedanke meiner Meinung nach nicht bei jedem angekommen. Ich finde nicht, dass es Kinder &amp;#252;berfordert, wenn sie schon im Kindergarten spielerisch an Zahlen und Buchstaben herangef&amp;#252;hrt werden. Ich finde das Gejammer &amp;#252;ber die G8-Reform befremdlich, je fr&amp;#252;her die Schule wieder zu Ende ist, desto fr&amp;#252;her f&amp;#228;ngt doch das Leben in Freiheit an. Seltsam finde ich auch, wenn gute Sch&amp;#252;ler auf dem Pausenhof als Streber gebrandmarkt werden. Einige meiner fr&amp;#252;heren Schulfreunde, hochintelligent, schrieben absichtlich schlechte Noten, weil es der sozialen Norm entsprach, eine F&amp;#252;nf in Mathe und Physik zu haben. Als sie in der Oberstufe versuchten, in diesen F&amp;#228;chern noch die Kurve zu kratzen, gab es nicht mehr viel zu retten. Zum Gl&amp;#252;ck gibt es in Deutschland Wartesemester und f&amp;#252;r alles einen zweiten (Bildungs-)Weg. Aber was ist prinzipiell schlecht daran, rechnen zu k&amp;#246;nnen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gute an meiner Tigermutter war au&amp;#223;erdem, dass ich gegen etwas rebellieren konnte. Sie zu mehr deutscher Gelassenheit zu erziehen, war ein schwieriger Prozess, aber ich gab nicht auf. Das erwartete sie doch schlie&amp;#223;lich immer von mir. Mit der Zeit muss ich sie ziemlich m&amp;#252;rbe geredet haben, denn nach meinem vergeigten Studium sagte sie nur: &amp;#8222;Mach was du willst, Hauptsache du bist gl&amp;#252;cklich. Und verdienst selbst Geld. &quot; Daf&amp;#252;r bereue ich es inzwischen, mit 14 meinem Klavierlehrer gek&amp;#252;ndigt zu haben. In diesem Punkt w&amp;#252;nsche ich mir, sie h&amp;#228;tte nicht so schnell locker gelassen.&lt;span&gt;&amp;#160;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/518465</link>
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      <pubDate>Mon, 24 Jan 2011 18:30:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>„Plattenkaufen ist wie Vokabellernen für’s Wochenende“</title>
      <description>Die gebürtige Münchnerin Monika Kruse ist eine der wenigen Frauen in der Techno-DJ-Szene&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monika Kruse, eine der international erfolgreichsten Techno-DJs Deutschlands, wuchs in München auf und hat dort ihre Karriere gestartet, bevor sie nach Berlin umzog. Mit jetzt.de spricht die 38-Jährige über Münchner Clubkultur in den Neunzigern, illegale Partys an der A8 und über das Älterwerden als DJ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;jetzt.de: Du bist in München aufgewachsen. Wie hast du mit dem Auflegen angefangen?&lt;br /&gt;
  Monika Kruse:&lt;/b&gt; Ich war 19, als ich im damaligen Babalu zum ersten Mal „üben“ durfte, die Leute zum Tanzen zu bringen. Zuerst habe ich vor allem Hip-Hop und Funk gespielt, später, als ich im Parkcafé und im Ultraschall aufgelegte, habe ich die Liebe zum Techno entdeckt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Vor allem das Ultraschall (1994-2003) hat immer noch einen legendären Ruf. Das Harry Klein ist daraus entstanden. Was war das besondere am Ultraschall? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Zum einen die Location. Das Ultraschall war in einer alten Waschkantine am Flughafen Riem, bevor es später in den Kunstpark Ost umgezogen ist. Jedes Wochenende war es anders dekoriert, es wurden nicht nur DJ-Stars gebucht, sondern viele Newcomer gefördert. Und es gab Happenings wie „What is ambient?“, da wurde ein Wochenende lang nur Ambient gespielt, die Leute lagen mitten im Raum auf einem riesengroßen Bett, haben Tee getrunken und Musik gehört. Zu der Zeit gab es in München ein große Aufbruchsstimmung in der Szene.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Du hast damals auch viele illegale Partys in München veranstaltet. Das ist, nun ja, in dieser Stadt nicht so einfach.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
  Früher war es einfacher als heute. Es war alles viel naiver. Wir haben am See gefeiert, in leerstehenden Häusern und in Heizkraftwerken. Einmal haben wir für eine Party in einem alten Heizkraftwerk an der Autobahnausfahrt Richtung Stuttgart eine Woche lang das Wasser auspumpt, das da drei Meter hoch stand, nur um eine Nacht dort auflegen zu können. Das war eine tolle Zeit. Die Polizei war immer sehr freundlich zu uns.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
 &lt;b&gt;Kann man sich kaum vorstellen. . . &lt;br /&gt;
&lt;/b&gt; Doch, das war so. Anfang der Neunziger wusste noch keiner, was Techno eigentlich ist, das haben die Behörden noch nicht automatisch mit Drogen in Verbindung gebracht, wie heute. Einmal, als wir in so einem Abbruchhaus gefeiert haben, hat die Polizei uns gefunden. Aber die haben nur gesagt: Stellt den Bass bitte leiser, sonst könnte das Haus noch einstürzen. Das war ganz süß.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/770697.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Frau Kruse&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Damals hast du auch Techno-Partys in Trambahnen veranstaltet.&lt;br /&gt;
&lt;/b&gt; Das war toll, wir sind nachts sechs Stunden lang durch die ganze Stadt gefahren, von Laim bis nach Grünwald und wieder zurück. Die Wege konnten wir selbst bestimmen. Teilweise haben wir auf der Straße getanzt, wenn keine Autos mehr fuhren. Wir hatte einen eigenen Benzinaggregator für die Anlage, weil die Spannung in der Trambahn zu schwach war. Mit einem Schlauch haben wir die Abgase herausgeleitet, total abenteuerlich. Wir hatten außerdem eine Nebelmaschine in der Trambahn. Die Polizei hat uns deshalb paar Male angehalten, weil sie dachten, die Tram brennt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Seit 1995 wohnst du in Berlin. Fühlst du dich als Berlinerin oder als Münchnerin?&lt;br /&gt;
&lt;/b&gt; Mein Lebensmittelpunkt hat sich natürlich nach Berlin verschoben; ich schaffe es nur noch selten, nach München zu kommen. Aber hier hat meine DJ-Laufbahn angefangen und ich freue mich jedes Mal, in München aufzulegen und meine Eltern und alte Freunde zu besuchen. Leider bin ich meistens nur eine Nacht hier und muss am nächsten Tag wieder weiter.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Der größte Unterschied zwischen Berliner und Münchner Clubkultur?&lt;br /&gt;
  &lt;/b&gt;In Berlin haben wir mehr Touristen.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Wer sind heute deine Lieblings-DJs aus München?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
   Zombie Nation, Richard Bartz und die Leute, die auf dem Label Stock 5 veröffentlichen.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Männliche DJs haben oft Groupies, die sich vor das DJ-Pult scharren. Erlebst du ähnliches als Frau auch?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
 Nee. Wenn, dann werde ich eher von Lesben angemacht. Männer sind da anders. Die haben Angst vor selbstbewussten Frauen auf der Bühne und trauen sich nicht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Du bist sehr viel unterwegs. Wie sehr dominiert das Auflegen deinen Alltagsrhythmus?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
  Eigentlich zu jeder Zeit. Ich hätte heute vor dem Gig in der Freiheiz-Halle gerne meine Eltern gesehen, aber ich musste noch ein paar Stunden schlafen, damit ich nachts um zwei fit bin. Da muss man leider Prioritäten setzen. Am Wochenende kann ich selten etwas mit meinen Freunden unternehmen. Mein bester Freund hatte vor Kurzem 40. Geburtstag, da konnte ich auch nicht mitfeiern. Mein Sozialleben leidet sehr darunter. Ein geregeltes Leben kann man das wohl nicht nennen, aber habe ich mir nie ein anderes Leben ausgesucht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Wie sieht dein Leben unter der Woche aus?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
  Eine der eher unangenehmen Aspekte des DJ-Lebens ist, dass ich auch unter der Woche schlecht vor vier Uhr nachts einschlafen kann. Dementsprechend stehe ich auch spät auf. Wenn ich nicht auflege, mache ich oft nachts Labelarbeit. Mittwochs und donnerstags gehe ich immer Schallplatten kaufen, das ist wie Vokabellernen für’s Wochenende.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Du bist jetzt 38 Jahre alt und legst seit mehr als 17 Jahren auf. Kann man mit Techno alt werden?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
  Man kann das. Aber man muss es sehr wollen. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Das heißt, Liebe zur Musik hat viel mit Disziplin zu tun? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Natürlich muss ich sehr diszipliniert sein. Ich muss mich konzentrieren, während die anderen sich gehen lassen. Die Leute kommen her, um ihren Alltag zu vergessen, für mich ist Auflegen mein Alltag. Arbeit hört sich immer schlimm an – aber natürlich ist Auflegen auch einfach ein Job. Aber ein sehr schöner.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 07 Jun 2010 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>„Wurmbefall ist ein faszinierendes Thema“</title>
      <description>Auf der Münchner Nerd Nite halten Experten Vorträge über Dinge, die nur wenige interessieren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was passiert, wenn ein Haufen Streber sich zur Nerd Nite trifft? Sie halten Powerpointvorträge zu Themen, für die sich kaum einer interessiert - all das aber nicht im Seminarraum oder auf einer LAN-Party, sondern zu alkoholischen Getränken in einer Szenekneipe. Webentwickler Patrick Gruban hat das Partykonzept aus den USA nach München gebracht und erklärt, warum er stolz darauf ist, ein Nerd zu sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;jetzt.muenchen: Patrick, was passiert auf der Nerd Nite?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; „It's like Discovery Channel with Beer“ ist das Motto unserer Veranstaltung. Wir treffen uns abends in einer Bar und hören uns Vorträge an. Es gibt meisten zwei, drei Referenten, die eine Powerpoint-Präsentation zu einem möglichst ausgefallenen Thema vorbereitet haben. Jeder hat eine genau vorgeschriebene Zeit von 15 Minuten für seinen Vortrag, danach kann das Publikum Fragen stellen und diskutieren. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Wer ist auf die Nerd Nite-Idee gekommen?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Die Nerd Nite gab es zum ersten Mal 2003 in Boston, als ein Biologiedoktorant seinen Freunden erklären wollte, was er eigentlich immer macht, wenn er drei Monate weg ist. Er hat sich eine Bar gesucht, den Beamer angeschmissen und dann einen Vortrag über parasitäre Vögel gehalten. Das kam bei den Leuten so gut an, dass sich die Idee inzwischen überall in den USA herumgesprochen hat. Es gibt Ableger in Washington D.C., San Francisco, Los Angeles und New York, außerhalb der USA bislang nur in München, aber vielleicht kommen bald Berlin und Wien hinzu. Es gibt in New York inzwischen auch Abende wie Nerd Speed Dating und Nerd Gay Speed Dating. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/767609.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Wo hast du die Nerd Nite entdeckt?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Ich kenne sie aus New York, wo ich 2006 in einer Bar im East Village war. Zwanzig Leute waren da, einer hat angefangen über Wurmbefall zu referieren, der nächste über die unterschiedlichen Abwassersysteme in New York. Dass Leute sich im Setting einer klassischen Bar über ungewöhnliche Themen austauschen, fand ich sehr skurril und faszinierend. Seit letzten Sommer veranstalte ich die Nerd Nite München, ungefähr einmal im Monat, und momentan in „Puerto Giesing“. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Darf jeder auf die Bühne kommen?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Man muss sich davor auf einer Liste eintragen, ansonsten gibt es keine Regeln. Wichtig ist allein, dass das Thema abseitig und spannend ist. Es darf kein kommerzielles Thema sein, sondern sollte möglichst ein spezielles Interessensgebiet abdecken, zu dem der Vortragende tiefes Wissen angeeignet hat. Nur Wikipedia-Wissen reicht nicht. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Was sind die abseitigsten Themen, über die jemals referiert wurde?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Juckreiz zum Beispiel – wie entsteht das, was kann man dagegen machen und wie ist der Stand der Forschung. Dieser Vortrag war sehr faszinierend. Ein anderer hat einmal etwas über Monovokalismus erzählt, der hat einen ganzen Roman nur mit einem Vokal, mit „e“, geschrieben, wofür er zehn Jahre gebraucht hat. Einer hat es geschafft, in einer Viertelstunde die Quantenphysik so zu erklären, dass ich sie verstanden habe. Es kam auch schon vor, dass die Diskussion nach einem Vortrag sich in diversen Kneipen bis in den nächsten Morgen gezogen hat, besonders bei Fragen wie der, ob es Paralleluniversen gibt oder nicht. Ein typisches Nerd-Thema. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Auf welchem Gebiet bist du ein Nerd? &lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Seit ich die Nerd Nite mache, beschäftige ich mich mit dem Phänomen Nerd aus wissenschaftlicher Sicht, mit der Begriffsklärung aber auch zum Beispiel, was Nerds mit Autismus und dem Asperger-Syndrom zu tun haben. Insofern kann man sagen, dass ich zum Nerd-Nerd geworden bin. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Bezeichnest du dich denn gerne selbst als einer?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Ich bin Internetunternehmer und Programmierer – und freue mich, wenn man mich als „Nerd“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Auf der Schule war Streber ja eigentlich ein Schimpfwort.&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; Kommt immer auf die Umgebung an. Auf dem Gymnasium war ich auf dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. Wir waren fast nur Jungs und haben in unserer Freizeit Computerprogramme geschrieben und gegenseitig ausgetauscht. In anderen Schulen wären wir damit bestimmt aufgefallen, aber bei uns war das ganz normal. Der Begriff Nerd hat sich sowieso in den letzten Jahren ziemlich gewandelt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
  &lt;b&gt;Was bedeutet Nerdsein heute?&lt;br /&gt;
  Patrick Gruban:&lt;/b&gt; In den 80ern war es in den USA ein reines Schimpfwort für Leute, die nicht kommunizieren können, die motorisch ungelenk sind und sich streberhaft verhalten. Das hat sich geändert, zum Positiven. Heute denkt man bei dem Wort an Leute, die Experten auf bestimmten Wissensgebieten sind und damit Erfolg haben. Nicht nur klassische Wissenschaftler und Sillicon Valley-Typen, sondern auch Hobbyexperten, die sich nicht nur oberflächlich für Dinge interessieren. So jemand will ich sein. Natürlich ist die Bezeichnung Nerd auch immer selbstironisch gemeint. Man sagt damit: »Ich trage vielleicht eine komische Brille, und beherrsche Smalltalk nicht, aber dafür kenne ich mich aus.«&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die nächste „Nerd Nite“ findet am morgigen Mittwoch im „Puerto Giesing“ (siehe oben) statt.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 17 May 2010 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Das Ende der Coolness</title>
      <description>Die Modefirma „American Apparel“ galt lange Zeit als hipper und korrekter Arbeitgeber. Diese Zeiten sind vorbei&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Castingshows tarnen sich in der schnöden Arbeitswelt für gewöhnlich als sogenannte Assessment Center. Nicht so bei &lt;i&gt;American Apparel&lt;/i&gt;, dem Hipster-Ausstatter der Nullerjahre. Wer bunte Hemdchen verkaufen und hier anheuern will, muss seit geraumer Zeit unverblümt ein „Job Casting“ durchlaufen. Das funktioniert so: Der Bewerber stellt sich in eine Schlange mit anderen Anwärtern. Ist er an der Reihe, folgt eine Ganzkörpermusterung. Wer Tattoos und Piercings trägt, hat kaum Chancen auf den Recall. Gleiches gilt für jene, die Schminke und Nagellack tragen. Mädchen mit Kurzhaarfrisuren haben ganz schlechte Karten; und wer als Mod, Hiphopper oder gar Goth kommt, kann gleich wieder nach Hause gehen. Bevor er das tut, werden aber noch von Kopf bis Fuß Fotos von dem Kandidaten gemacht. Sie sind der ausschlaggebende Teil der Bewerbung. Ob jemand einen Job bei American Apparel bekommt, wird erst anhand der Bilder in der Chefetage der Kleiderverkäufer in Los Angeles entschieden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Ein Job im Einzelhandel, vor allem in der Modebranche, ist meist kein Spaß: Man arbeitet für einen geringen Lohn in überfüllten Fußgängerzonen, wo man es mit ignoranten Kunden zu tun hat, die alles von den Ständern fegen und anschließend liegen lassen. Eine Ausnahme schien bislang American Apparel zu sein. Deren Filialen betreten Kunden eher wie einen Szeneclub; und obwohl deren Gründer und Vorstandsvorsitzende der Kette, Dov Charney, hauptsächlich als Sexbesessener in Erscheinung tritt, galt das Label unter Schülern und Studenten als beliebter Arbeitgeber, da überhip und irgendwie ethisch korrekt, weil die Kleidung nicht in asiatischen Sweatshops hergestellt wird, sondern in den USA. Mit einer Anstellung bekam man die Eintrittskarte zu einen Coolheitskosmos. Sie bedeutete den vergünstigten Zugang zu attraktivitätssteigernder Kleidung und Annehmlichkeiten wie Gästelistenplätzen bei Konzerten (sofern die Partymacher im Gegenzug beim nächsten Einkauf Rabatt bekamen). All dies gehörte zur Firmenphilosophie, denn nach Meinung von Dov Charney waren nur glückliche Mitarbeiter gute Mitarbeiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Die Firma wuchs und wuchs. Inzwischen beschäftigt sie über 10.000 Angestellte in 20 Ländern, aber mit dem lässigen Arbeitsklima von einst scheint es vorbei zu sein. Ob heute jemand seinen Job bei American Apparel gut macht, entscheidet offenbar in erster Linie sein Aussehen. Richtlinien, wie der &lt;i&gt;perfect employee&lt;/i&gt; (Firmenjargon) auszusehen hat, gibt es reichlich: Mädchen sollen ihre Augenbrauen wachsen lassen wie Brooke Shields in den 1980ern, steht in einem der „Dov’s Newsletter“ genannten Rundmails, die der Chef an seine Mitarbeiter auf der ganzen Welt schickt. Brillentragen ist demnach während der Arbeit verboten, es sei denn, es handelt sich um ein American Apparel-Modell. Und obwohl die Türen in den Läden ganzjährig offen stehen müssen, so die Order, dürfen Mitarbeiter auch im Winter keine Stiefel und keine Schals tragen. Wer friert, friert eben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/767118.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  An die Stelle von sympathischem Chaos und flachen Hierarchien sei ein Diktat der Oberfläche getreten, berichten ehemalige Mitarbeiter. Seit die Umsätze in vielen Städten zurückgegangen sind, zitiert das US-Blog Gawker einen anonymen Manager, ekele American Apparel systematisch „hässliche“ Mitarbeiter hinaus. Die Filialen erhielten die Anweisung, regelmäßig „class pictures“, also Gruppenfotos des Personals in die Konzernzentrale einzuschicken. Dov Charney persönlich begutachte in Los Angeles die Bilder. Wer seiner Meinung nach zu unattraktiv sei, dem werde gekündigt. Natürlich dementierte Charney den Bericht. Viele Angestellte aber bestätigen, was der Manager erzählt. „Das einzige, was sie interessiert, ist die Frage: Wie siehst du aus?“, sagt eine 25-jährige Mitarbeiterin, die drei Jahre neben ihrem Studium in einer deutschen American Apparel-Filiale gearbeitet hat. Sie hat vor Kurzem aus eigenen Stücken gekündigt, „aus Frust“, und möchte ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Die Firma versuche verzweifelt, den Verkauf anzukurbeln, seitdem der Hype der letzten Jahre verflogen ist. Immer penibler werde die Belegschaft daraufhin geprüft, ob sie optisch ins Konzept passe. Abmahnungen gebe es inzwischen schon wegen Kleinigkeiten, der psychologische Druck auf die Angestellten wachse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Dabei ist ein großer Teil des Erfolges von American Apparel dem Versprechen geschuldet, alle Mitarbeiter besser zu behandeln als es die meisten Konkurrenten in der Textilbranche tun. Die Ansagen lauteten: Keine Sweatshops, 13 Dollar Stundenlohn für die Näher, dazu Krankenversicherung, subventionierte Mittagessen und Gratismassagen. „American Apparel is an industrial revolution“, schrieb sich das Label auf die Fahne. Die Bösen waren die anderen. Journalisten wurden nicht müde, die Parole „hippe Klamotten mit sozialer Mission“ nachzubeten. Bis heute hält sich in manchen Artikeln die Mär, American Apparel sei ein Ökolabel, obwohl das Unternehmen bis auf eine kleine „Organic Cotton“-Linie keinerlei Angaben zur Herkunft seiner Baumwolle macht. Wo und unter welchen Bedingungen die Stoffe gewebt werden, verschweigt die Firma. Ob man inzwischen Aktien im Wert von 25 Millionen Dollar an die Mitarbeiter verteilt hat, wie 2008 angekündigt? Auch dazu gibt es keinen Kommentar. Die Sprecherin von American Apparel Deutschland sagt, sie dürfe ohne Absprache mit der amerikanischen Zentrale zu keinem Thema Auskunft geben, verspricht aber, die Fragen weiterzuleiten. Ohne weiteres Ergebnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Mit der Großzügigkeit ist es außerhalb von Los Angeles anscheinend ohnehin nie weit her gewesen. In den USA verdienen Verkäufer neun Dollar die Stunde, wenig mehr als der gesetzliche Mindestlohn in vielen Bundesstaaten. 8,50 Euro zahlt American Apparel in Deutschland, ähnlich viel wie die Konkurrenten von H&amp;M und ZARA, aber doch ziemlich wenig für eine Firma, die so stolz ist auf ihre sozialen Standards. Der Unmut über die Beschäftigungspraxis formiert sich in Internetforen und auf Blogs, wo Erfahrungsberichte und Kündigungsschreiben ehemaliger Angestellter kursieren. Die Mitarbeiter im Verkauf seien unterbezahlt und überarbeitet, lautet die gängige Erfahrung. „American Apparel hat die Ausbeutung von den Fabrikarbeitern zu den Filialangestellten verlagert“, schreibt ein Ex-Mitarbeiter. Die Firma sei mittlerweile skrupellos wie jede andere: „It’s just another corporate machine now.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Schatten auf die so gelobten Arbeitsbedingungen wirft außerdem die Dokumentation No Sweat, gerade auf DVD erschienen. Die Filmemacherin Amie Williams begleitete die Fabrikarbeiter jahrelang. Dov Charney zeichnet sie als unverfrorenen und cholerischen Gewerkschaftsgegner, der damit droht, die Fabrik zu schließen, sollten sich die Arbeitnehmer tatsächlich organisieren. Laut der Gewerkschaft Unitehere wies 2003 Charney seine Manager an, Angestellte über ihr Engagement in Arbeiterverbänden auszufragen und arrangierte „spontane“ Anti-Gewerkschafts-Demos auf dem Firmengelände. Kritik wurde auch an der Kampagne „Legalize LA“ lait, mit der American Apparel gegen die scharfen Einwanderungsgesetze in den USA protestieren wollte. Offenbar nahmen die Behörden die Kampagne zum Anlass für eine Razzia. Dov Charney musste schließlich 1800 Arbeiter auf die Straße setzen – die meisten von ihnen Mexikaner ohne Papiere. Das hätte nicht passieren müssen, sagen viele, hätte Charney sie geschützt und ihnen zu einem legalen Status verholfen, anstatt lediglich lauten Aktionismus zu betreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Dass er es mit seiner eigenen Firmenphilosophie nicht so genau nimmt, daraus macht Charney eigentlich gar keinen Hehl. Das Thema „Sweatshop free“ beginne ihn zu langweilen, sagte er in einem Interview. Das Unternehmen verzichtet inzwischen darauf, mit dem Claim zu werben. Auch von der Marketingstrategie, ausschließlich „echte“ Menschen in Werbekampagnen zu zeigen, ist nun keine Rede mehr: In neuen Anzeigen mussten die naturbelassenen Amateurmodels, meist Angestellte oder Kundinnen, perfekt gebauten Profischönheiten weichen. Ist American Apparel zu groß geworden, um sich noch an den eigenen Standards zu messen? Wie die Antwort auch lautet – gerade die eigenen Mitarbeiter laufen dem Laden jetzt davon; jene Early Adopters, von denen sein Image bislang zehrte. Damit könnte dem Label, das behauptete, anders als alle anderen zu sein, ein Schicksal ereilen, das im Tagesgeschäft der Mode nur allzu üblich ist: Nämlich schon bald so was von gestern zu sein.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 16 May 2010 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Bonbon aus Fleisch</title>
      <description>Warum wir so gerne über Wurst-Humor lachen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit geraumer Zeit scheint der junge Großstädter, obwohl ihm Schützenvereine fremd sind, den Witz uriger Jägeridylle entdeckt zu haben. Hübsche Milchbubis lassen sich – ganz ironisch, versteht sich – imposante Schnauzbärte als Gesichtsaccessoire wachsen, Mädchen hängen sich Eulenanhänger um den Hals oder Fuchsschwänze an die Tasche, und abends treffen sich alle in einer schummrigen Bar, über deren Theke Hirschgeweihe vom Flohmarkt angebracht sind. In derselben Liga spielt die Wurst, eigentlich das kulinarische Aushängeschild Deutschlands, aber irgendwie auch das Zeug, das in Galileo-Sendungen von Menschen in Plastikoveralls durch monströse Maschinenanlagen gejagt wird. Das sieht manchmal gruslig, manchmal einfach nur lustig aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/754293.gif&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Allein das Aussprechen des drolligen Wortes (wichtig: immer das „r“ rollen) scheint zuverlässig für allgemeine Heiterkeit zu sorgen. Nur eine Silbe hat es, die einem zähen Teig gleicht, den man aus dem Mund quetscht wie Zahnpasta aus der Tube. Bisweilen nimmt die Faszination für die Wurst auch seltsame Gestalt an. Tausende von Menschen beantworten auf Facebook die absurde Frage „Welche Art von Gesichtswurst bist du?“. wurstblog.de befasst sich monothematisch mit Wurst-Humor und für ein paar hundert Euro kann man sich bei einem Kölner Designbüro maßgeknüpfte Wollteppiche in Form von Salami, Bierschinken und Mortadella bestellen. Die Form entbehrt ja nicht einer gewissen Komik. Helge Schneider, der Urvater des Wurst-Humors, wusste die Damen mit seinem „Bonbon aus Wurst“ zu beglücken. Selbst spaßbefreite Vegetarier scheinen auf phallische Lebensmittel mit zwei Zipfeln am Ende nicht verzichten zu wollen, da die Existenzberechtigung von Wienersubstituten aus Soja sonst eher schwer vermittelbar ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Vielleicht kann das Gelache über ein traditionsreiches Metzgerprodukt als weiterer Ausdruck davon gesehen werden, wie gern wir gedanklich in unserem Kindheitsfundus kramen. Auf Geburtstagen eierte man mit einem Küchentuch um den Kopf blind unter einer Schnur herum. Wer mit dem Mund von der „Mini-Wini-Würstchenkette“ die meisten Trophäen schnappte, war Held des Nachmittags. Wer später für ein Semester ins Ausland geht, dem wird sie vielleicht sogar von Oma per DHL nachgeschickt. Ansonsten sind die echten Wurstmomente selten geworden. Wir haben insgeheim eine leichte Aversion gegen das Lebensmittel entwickelt, dessen Name als Synonym für geschwollene Finger oder schlimm verschnupfte Zeitgenossen steht („Arme Wurst!“). Viel lieber haben wir Namen wie Salsicce oder Chorizo. Das klingt weniger nach Bahnhofsimbiss und mehr nach Designermöbelwohnung. In so einer Umgebung ist die Wurst dann leider gezwungen, als Ostfriesenwitz für Erwin Wurm-Fans weiter zu existieren. Und wenn wir beim Sommergrillen dann doch wieder fünf Käsekrainer essen, ist sie plötzlich Anlass für eine ausgewachsene Debatte. Denn dann ruft die Wurst den Spielverderber auf den Plan, der fragt: „Wisst ihr überhaupt, was da alles drin ist?“ Sie hat’s nicht leicht mit uns, die Wurst.</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/498286</link>
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      <pubDate>Sun, 21 Feb 2010 18:30:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der letzte Grantler</title>
      <description>Zwischen neuen Studentencaf&amp;#233;s und Donut-L&amp;#228;den verkauft der Toni seit &amp;#252;ber 20 Jahren Bier. Das Portr&amp;#228;t eines echten M&amp;#252;nchners&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Toni stellt die Flasche kopf&amp;uuml;ber im Glas ab, alles bl&amp;auml;ht sich, wird zu Schaum und l&amp;auml;uft &amp;uuml;ber die R&amp;auml;nder. &amp;bdquo;Soviel Schaum wie m&amp;ouml;glich,&amp;ldquo; sagt er, und es klingt wie eine trotzige Antwort, &amp;bdquo;ist doch ein gutes Wei&amp;szlig;bier.&amp;ldquo; Unter seinen Augen h&amp;auml;ngen Tr&amp;auml;nens&amp;auml;cke, der Gang ist m&amp;uuml;de. Schneewei&amp;szlig;e Haare bedecken den birnenf&amp;ouml;rmigen Kopf. Toni setzt sich wieder hin. Unz&amp;auml;hlige Male hat der 70-J&amp;auml;hrige in seinem Leben eingeschenkt, aber heute, heute mag er einfach nicht mehr. &lt;br /&gt; Kaum ein Lichtstrahl findet den Weg in diese 20 Quadratmeter, daf&amp;uuml;r hat Toni gesorgt. Erst lie&amp;szlig; er Kletterpflanzen in der Auslage wuchern, damit die Leute nicht reinglotzen, dann riss er die Ranken ab und baute sich eine neue Mauer aus leeren J&amp;auml;germeister-Flaschen, H-Milcht&amp;uuml;ten und Erbsensuppendosen. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/752295.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &amp;bdquo;Bei Toni&amp;ldquo;, halb Stra&amp;szlig;enkiosk, halb Eckkneipe, liegt wie ein trauriger Fleck in der Barer Stra&amp;szlig;e 75, Maxvorstadt. Schr&amp;auml;g gegen&amp;uuml;ber hat vor kurzem ein &amp;Ouml;kocaf&amp;eacute; aufgemacht, im Umkreis weniger Meter gibt es eine Donutb&amp;auml;ckerei und eine Gesundheitsdrogerie. Die Leute, die aus der Tram 27 aussteigen, k&amp;ouml;nnten Tonis T&amp;uuml;r aufsto&amp;szlig;en, unter dem dunkelbraunen Vorhang durchgehen und in der Mittagspause eine Halbe bestellen, und nach Feierabend noch eins. &amp;bdquo;Fr&amp;uuml;her haben die Leute zehn Bier an einem normalen Arbeitstag getrunken&amp;ldquo;, erz&amp;auml;hlt Toni in breitem Bayerisch, und weil das heute keiner mehr macht, stehen die Leute nur drau&amp;szlig;en, klopfen gegen Tonis Schiebefenster, zersprungen, 50 mal 50 Zentimeter gro&amp;szlig;, und sagen &amp;bdquo;Gauloises, die roten&amp;ldquo; oder &amp;bdquo;OCB, die langen&amp;ldquo;.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;b&gt;Sie fluchen, aber sie kommen wieder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Er wechselt die Barhocker; mal sitzt der Toni neben der Toilettent&amp;uuml;r, mal mit dem R&amp;uuml;cken zum Spielautomaten, mal die Ellenbogen an die Zapfanlage gelehnt. Gelegentlich schl&amp;auml;ft er mit dem Kopf auf dem Tresen. Seit 1991 sitzt Anton Huttenlochner so da, zw&amp;ouml;lf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, an Feiertagen, an Heiligabend und Silvester. Wenn im August schon in der Fr&amp;uuml;h die Luft in der Stube 38 Grad hei&amp;szlig; ist, setzt er sich auf die Bank vor dem Laden. Jetzt, da drau&amp;szlig;en fast der Atem gefriert, w&amp;auml;hlt er den Hocker im hinteren Eck, da, wo es nicht zieht. &lt;br /&gt; Bayern schl&amp;auml;gt sich wacker im Kampf gegen moderne Laden&amp;ouml;ffnungszeiten. Toni schlie&amp;szlig;t um 22 Uhr, zwei Stunden sp&amp;auml;ter als Tengelmann und REWE, das sind in dieser Stadt zwei Stunden Gl&amp;uuml;ck f&amp;uuml;r ihn. Besonders beliebt ist sein Lockangebot &amp;bdquo;Jedes sechste gleichpreisige Getr&amp;auml;nk gratis&amp;ldquo;. Sechs Augustiner zum Preis von f&amp;uuml;nf, das finden sie fair, die Studenten aus dem Viertel. W&amp;auml;re der Toni nur nicht so ein Griesgram. Auf &amp;bdquo;Servus&amp;ldquo; erwidert er ein grimmiges &amp;bdquo;Vierneunzig&amp;ldquo;. Wer ein Helles mit F&amp;uuml;nf-Cent-St&amp;uuml;cken bezahlen will, dem schleudert er die M&amp;uuml;nzen entgegen und sagt &amp;bdquo;Verpiss dich&amp;ldquo;. Die Leute fluchen, aber sie kommen wieder. Bis zur n&amp;auml;chsten Tankstelle m&amp;uuml;ssen sie zwei Kilometer laufen.&lt;br /&gt; Heute geht die T&amp;uuml;r auf, es kommen drei M&amp;auml;nner in Barbourjacken, deutlich angetrunken, Typ Wirtschaftspr&amp;uuml;fer Ende 40. Einen Absacker nach einem Firmenumtrunk verlangen sie. Der Brillentr&amp;auml;ger br&amp;uuml;llt &amp;bdquo;Servus Toni!&amp;ldquo; Sein Kumpel befingert die Jukebox und wirft unter freudigem Aufjuchzen einen Euro ein. Die &amp;bdquo;Zillertaler Teufelsgeige&amp;ldquo; ert&amp;ouml;nt. &amp;bdquo;Sowas wie das hier gibt's doch gar nicht mehr&amp;ldquo;, sagt der eine und liest aus den eingerahmten Spr&amp;uuml;chen vor. &amp;bdquo;Mia reden boarisch&amp;ldquo; steht da und &amp;bdquo;Ich dir pumpen du nix wiederkommen&amp;ldquo;. Es riecht nach altem Waschmittel. Wahrscheinlich wei&amp;szlig; er nicht, dass die G&amp;auml;ste ihn nur als den Grantler-Toni wahrnehmen, dass sie ihn mit demselben postmodernen ironischen Gestus besuchen, mit dem Innenstadtm&amp;uuml;nchner Anfang 20 auf der Wiesn Bundhosenstr&amp;uuml;mpfe tragen oder sich zu &amp;bdquo;Monaco Franze&amp;ldquo;-Parties treffen. Toni schweigt und w&amp;ouml;lbt seinen Bauch unter dem verfilzten Zopfpullover.&lt;br /&gt; &amp;bdquo;Nur Arbeit, kein Spa&amp;szlig;&amp;ldquo;, sagt er. Im Alter von sechs Jahren zieht Huttenlochner, Kind von Arbeitern, alleine durch die Kriegstr&amp;uuml;mmer in Pasing und sammelt Buntmetall und Radioteile. Er ist t&amp;uuml;chtig, verkauft Kupferdr&amp;auml;hte zu 5,80 Mark das Kilo, f&amp;auml;ngt Fische im Starnberger See, der damals noch W&amp;uuml;rmsee hei&amp;szlig;t. Als Tennisbub heuert er bei stationierten GIs an, von seinem verdienten Geld kauft er sich sein eigenes Rad. Eine Sensation in der Schule, &amp;bdquo;mit einem richtigen Schlauch, die anderen hatten nur umgebaute Autoreifen&amp;ldquo;. Im Wirtschaftswunderjahrzehnt packt er Ziegelsteine und r&amp;uuml;hrt Beton an. Dann, frisch verheiratet, hat Toni keine Lust mehr, auf sein Gehalt zu warten und beschlie&amp;szlig;t einen Beruf zu ergreifen, in dem man das Geld gleich bar auf die Hand kriegt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/752293.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; In den n&amp;auml;chsten 20 Jahren f&amp;uuml;hrt er insgesamt sechs Wirtschaften nacheinander. Toni sperrt morgens um acht auf und gegen ein Uhr nachts zu, seine Frau deckt auf und macht Kn&amp;ouml;del. &amp;bdquo;Der Gr&amp;uuml;ne Baum&amp;ldquo;, sein erstes Lokal im Vorort Gr&amp;ouml;benzell, l&amp;auml;uft zun&amp;auml;chst gut. Kriegsveteranen aus beiden Weltkriegen treffen sich bei Toni, Vogelz&amp;uuml;chter und Fu&amp;szlig;ballvereine. Wenn Sommerfeste anstehen, bestellt er 2 000 Wei&amp;szlig;w&amp;uuml;rste und ruft die Hendlbraterei an. Schnell kann man Million&amp;auml;r werden, denkt er. Es ist 1971, M&amp;uuml;nchen deliriert im Olympiarausch. Die M&amp;auml;dchen aus dem Dorf zieht es in die gro&amp;szlig;e Stadt. Sie wollen in den Hotels und Diskotheken im Zentrum arbeiten, aber sicher nicht im &amp;bdquo;Gr&amp;uuml;nen Baum&amp;ldquo;. Deutschland, deine Vollbesch&amp;auml;ftigung: Toni findet keine Kellnerinnen mehr und schlie&amp;szlig;t.&lt;br /&gt; Huttenlochner wandert als Wirt von Stadtteil zu Stadtteil, alle drei Jahre geht wieder ein Laden zugrunde. Mal legt er sich mit dem Verp&amp;auml;chter an, mal schreibt er nur rote Zahlen. 1982 ist Toni nach Pasing zur&amp;uuml;ckgekehrt, wo er den &amp;bdquo;Schwarzen Adler&amp;ldquo; leitet. Kohl ist gerade Kanzler geworden und fordert die Bev&amp;ouml;lkerung dazu auf, &amp;bdquo;den G&amp;uuml;rtel enger zu schnallen.&amp;ldquo; Bis zum Winter droht die Zahl der Arbeitslosen auf 2,5 Millionen zu steigen; die Eisenbahner und Fabrikarbeiter aus der Gegend haben Angst. Im Fr&amp;uuml;hling muss Toni Strafe an L&amp;ouml;wenbr&amp;auml;u zahlen, weil er nur noch 298 Hektoliter im Jahr ausschenkt, statt wie vereinbart 400.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;b&gt;&amp;bdquo;Zu 80 Prozent Fleisch&amp;ldquo;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt; Ende der Achtziger folgt der Biergarten &amp;bdquo;S&amp;uuml;dwest 54&amp;ldquo; am Flaucher. Seine Frau h&amp;auml;lt den Sommerbetrieb an der Isar nicht lange durch, sie will lieber weniger arbeiten und einen Ruhetag. Er ist einverstanden. Im &amp;bdquo;Heckerkeller&amp;ldquo; in Grafing, Gartenwirtschaft mit Kinderspielplatz, nehmen sie sich montags frei.&amp;bdquo;Und wenn mich die G&amp;auml;ste angehustet, angeraucht, angekotzt haben, hab ich mich in die K&amp;uuml;che verzogen&amp;ldquo;, erz&amp;auml;hlt Toni. Gerade, als sie endlich zur Ruhe kommen, stirbt seine Frau. &amp;bdquo;Danach war mir alles wurscht.&amp;ldquo; &lt;br /&gt; Von einem Bekannten h&amp;ouml;rt er, dass das &amp;bdquo;Barer Getr&amp;auml;nke&amp;ldquo; in der Maxvorstadt frei ist. Er unterschreibt den Vertrag und sperrt sich ein.&lt;br /&gt; Der Zettel h&amp;auml;ngt immer noch da. &amp;bdquo;Imbiss: Maultaschen und Debreziner&amp;ldquo; steht in vergilbter Handschrift geschrieben. Eigentlich m&amp;uuml;sste er mal weg. Seit Jahren hat schon keiner mehr etwas zu essen bestellt und Maultaschen hat er gar keine mehr. Toni macht den K&amp;uuml;hlschrank auf und zeigt sein letztes Laster. Ein Klotz Schweinehals mit wei&amp;szlig;en fettigen Furchen. Von einem Kilo kann er sich drei Mahlzeiten machen, rechnet er vor. &amp;bdquo;Als Steak, geschnetzelt, gekocht, paniert. . . Die M&amp;ouml;glichkeiten sind unendlich!&amp;ldquo; &lt;br /&gt; Er zeigt auf die verschiedenen Tablettendosen auf dem Regal. Zur Blutverd&amp;uuml;nnung muss er sie nehmen, seine Herzgef&amp;auml;&amp;szlig;e sind verstopft. Darf er eigentlich nicht, sagt er, aber &amp;bdquo;ich esse zu 80 Prozent Fleisch.&amp;ldquo; Ein kurzes Zwinkern flackert in seinen Augen auf. Endlich l&amp;auml;chelt er. &lt;br /&gt; Vor dem zersprungenen Fenster laufen dick eingemummte Menschen vorbei. Sie schieben Kinderwagen und tragen ihre Eink&amp;auml;ufe nach Hause. Das Glas haben Jugendliche vor Monaten eingeschlagen, sagt er, irgendwann im Sommer wird er es reparieren. Toni schaut nicht hinaus. Eine Alternative? Er schnaubt durch die Nase. &amp;bdquo;Die Kollegen hocken daheim und verkalken vorm Fernseher.&amp;ldquo; &lt;br /&gt; Dann vergeht der Abend und niemand klopft mehr an die Scheibe. Toni sitzt es aus.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/497406</link>
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      <pubDate>Mon, 08 Feb 2010 18:30:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>„Reiche Söhnchen“ gegen „linke Zecken“</title>
      <description>Bei der Audimax-Besetzung werden alte Klischees aufgewärmt, aber auch konstruktive Diskussionen geführt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Botschaft ist unmissverständlich. „Lieber Herr Präsident der LMU,“ heißt es in einem der letzten Einträge auf der Internetplattform Facebook, „machen Sie von Ihrem Hausrecht Gebrauch und lassen Sie die Polizei das Audimax räumen!“ Die Gruppe, die derzeit solche Drohkulissen im Netz aufbaut, trägt bezeichnenderweise den Arbeitstitel „Bitte werft die Hippies aus dem Audimax der LMU!“. In den letzten Tagen hat sie fast 1 000 Mitglieder rekrutieren können, die meisten davon BWL-, VWL- und Jurastudenten. „Dem Spuk ein Ende setzen“, fordert einer, eine massive „Gegenfront“ bilden, ein anderer. Die Unterstützer des Bildungsstreiks reagieren zum Teil ähnlich gereizt: „Kann ja nicht jeder reiche Eltern haben!“ Die Bedrohung wird ernst genommen. Die „WIWIs“ (Wirtschaftswissenschaftler) könnten „zu einem sehr gefährlichen Faktor für uns werden“ schreibt der Autor „shadowman“ auf dem Blog zum LMU-Protest. Und weiter: „Bald kann alles vorbei sein.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;„Wir bezahlen die Zeche“&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
  Der Konflikt hatte sich schon in den ersten Tagen angebahnt. Am 11. November versuchte eine Handvoll Studenten erstmals, eine Vorlesung im Audimax zu stürmen. Was sie nicht wussten: Dort saßen BWL-Erstsemester. Es wurde gebuht, mit Papierkugeln nach den Demonstranten geschmissen. Die „linken Zecken“, wie sie beschimpft wurden, mussten kleinlaut wieder abziehen. Zwei Wochen später, der Audimax ist besetzt, Zehntausende gehen in Deutschland auf die Straße, Merkel und Landespolitiker signalisieren Einlenken. Der interne Streit unter den Studenten hat aber weiter an Fahrt gewonnen. Inzwischen machen die ersten Unterschriftenlisten für ein Ende der Audimax-Besetzung die Runde. Für Unmut sorgt besonders die Tatsache, dass die Veranstaltungen im größten Vorlesesaal der Uni weiter ersatzlos ausfallen. „Elf von 18 Vorlesungen, die hier stattfinden, werden von uns besucht“, sagt Rafael von der Fachschaft der Wirtschaftswissenschaftler (WASTI): „Wir bezahlen die volle Zeche für den Streik.“ Die Stimmung unter den Kommilitonen sei am Boden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/737325.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Das Problem: Ersatzräume sind schwer zu organisieren. Im Audimax tragen Dozenten vor mehreren hundert Studenten ihren Stoff vor. Räume in vergleichbarer Größe gibt es nicht. Die Forderungen der Besetzer sind ein weiterer Streitpunkt: Zu „unrealistisch“ sei das aktuelle Positionspapier, sagen die Gegner, zu „weltverbesserisch“ der Anspruch. Statt ein Lernendengehalt für alle und die Abschaffung des NCs zu fordern, solle man sich auf machbare Kernforderungen konzentrieren, zum Beispiel eine Überarbeitung des Bachelors oder mehr Transparenz bei der Verwendung der Studiengebühren. In einer offiziellen Stellungnahme des WASTI beklagt man sich darüber, dass im Audimax immer noch kein offizieller Forderungskatalog zustande gekommen ist. „Erstaunlich ineffizient“ liefen die Plenumssitzungen ab, es werde „zu wenig über Inhalte und zuviel über Formalien diskutiert“. Dass man sich in einigen Studiengängen nicht mit dem Protest identifiziert, hat außerdem mit dem ideologischen Graben zu tun, der sich zwischen den Gruppen aufgetan hat. Die VWL-Studentin Anna ist genervt von den, wie sie sagt, „Trittbrettfahrern der Antifa“. Die Ziele des Streikes könne sie unterschreiben, aber: „Mit manchen Leuten im Audimax will ich nichts zu tun haben.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/737326.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Das ist inzwischen bei den Leuten im Audimax angekommen. „Im Plenum ist jeder erwünscht“, sagt Dominik, Theaterwissenschaftsstudent. Er ist seit Beginn der Proteste aktiv, moderiert gelegentlich die Sitzungen im Plenum. Linke Gruppen hätten einen großen Anteil daran gehabt, den Streik überhaupt auf die Beine zu bringen, erklärt er. Eine „Entideologisierung“ der Forderungen sei jetzt aber bestimmt sinnvoll, um einen Konsens unter den Studenten zu schaffen und jene, die sich bislang nicht beteiligen wollten, zu mobilisieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;„Unser Ziel ist größer“&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Worte wie „Neoliberalismus“ habe man mittlerweile aus dem Positionspapier gestrichen. Zur Fortführung der Besetzung sieht er allerdings keine Alternative: „Unser Ziel ist größer, als dass manche ihre Vorlesungen nicht besuchen können. Wenn wir da Ausnahmen machen, können wir gleich einpacken.“ Man versuche einen Kompromiss zu finden, etwa Professoren dazu zu bewegen, ihre Vorlesungen als Skript oder Stream im Internet anzubieten. Andere Stimmen fordern ebenfalls, die „WIWIs“ besser in den Protest zu integrieren. „Die fachspezifischen Fertigkeiten der WIWIs wie Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsfähigkeit sind genau das, was der Besetzung bisher fehlt“, kommentiert jemand auf &lt;a href=&quot;http://www.unsereunibrennt.de&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;www.unsereunibrennt.de&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
  Auch die Fachschaft der BWLer versucht jetzt, sich so gut wie möglich von der Hippies jagenden Facebook-Gruppe zu distanzieren. „Dass ausgerechnet wir BWLer die Leidtragenden der Besetzung sind, hat sicher nicht dazu beigetragen, sich gegenseitig ernst zu nehmen“, sagt Rafael vom WASTI. Auf der nächsten großen Münchner Demo am Mittwoch wird er aber trotzdem mitlaufen.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/491547</link>
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      <pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:30:07 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>"Man muss den Menschen eine Alternative bieten"</title>
      <description>Der WWF kämpft in Afrika gegen die Zerstörung des Regenwaldes. Der Journalismus-Student Oliver Braune wird in den nächsten Wochen ein Hilfsprojekt begleiten und als &quot;Regenwaldbotschafter&quot; auf jetzt.de über seine Erlebnisse berichten. Schon heute stellt er das Projekt für uns vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;jetzt.de: Du fliegst nächste Woche im Rahmen eines WWF-Hilfsprojektes für zweieinhalb Wochen für eine Expedition nach Afrika. Was ist das für eine Expedition?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Oliver:&lt;/b&gt; Wir werden nächsten Freitag in einem Dreier-Team als „Regenwaldbotschafter“ in den Dschungel von Dzanga-Sangha in der Zentralafrikanischen Republik fahren. Dort treffen wir Wissenschaftler und Einheimische, die bei einem großen WWF-Projekt für Arten- und Tropenschutz mitarbeiten. Die Abholzung des Regenwaldes ist dort ein riesiges Problem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/732647.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was passiert dort genau?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Auf der Welt gibt es heute noch drei große Regenwaldgebiete - in Südamerika, in Südostasien und eben in Afrika. Der Regenwald von Dzanga-Sangha ist sehr alt. Das ganze Gebiet erstreckt sich über die Zentralafrikanische Republik, Kamerun und den Kongo. Man kann sagen, es ist eine Art Refugium, in das sich die Natur verkriecht, mit einem einzigartigen Ökosystem. Viele Tierarten sind inzwischen vom Aussterben bedroht, zum Beispiel Flachlandgorillas und Waldelefanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was ist die Ursache?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Da gibt es mehrere. Zum einen sterben Arten durch Wilderei aus. In vielen Ländern Afrikas wird immer noch Bushmeat gegessen - der Bedarf ist riesig. Zum anderen eben durch die Abholzung und Rodung ganzer Landstriche. Dazu muss man sagen: Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen dort müssen ihre Familien ernähren und brauchen Energie. Das ist pure Not und man kann es ihnen nicht verübeln. Allerdings ist das alles andere als nachhaltig. Es werden etwa nur zehn Prozent des gerodeten Holzes zu Möbeln verarbeitet, der Rest wird zur Energiegewinnung verbrannt. Ein Problem ist, dass die Abholzung ungeregelt verläuft. Das heißt: Jeder holt sich im Wald, was er will. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ihr werdet auf eurer Expedition ein WWF-Projekt begleiten. Wie versucht man, vor Ort konkret etwas zu verändern?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
Das Projekt will den Menschen dort eine Alternative für ihren Lebensunterhalt bieten. Man kann den Leuten die Abholzung nicht ganz verbieten, aber man kann dafür sorgen, dass sie geregelt abläuft. Der WWF setzt sich auch für den „sanften Tourismus“ ein. Dafür versucht man zum Beispiel Gorillas über einen längeren Zeitraum an Menschen zu gewöhnen. Einheimischen wird so eine neue Einkommensquelle ermöglicht: Gorillas weißen Safaritouristen vorzuführen bringt viel mehr Geld ein, als sie totzuschießen. Und das WWF beschäftigt dort Einheimische als Wildhüter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was wird deine Aufgabe während der Expedition sein?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir werden zusammen mit einem Kamerateam mit Rucksack und Zelt durch den Regenwald ziehen und die Arbeit der Wissenschaftler und Einheimischen für den Erhalt von Dzanga-Sangha kennenlernen. Meine Aufgabe ist Medienarbeit. Wenn wir von der Expedition nach Deutschland zurückkehren, wollen wir hier in Zeitungen, im Radio und im Fernsehen auf das Thema Umweltzerstörung aufmerksam machen und Leute über das Regenwaldproblem informieren.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie kann man euer Projekt unterstützen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Man kann sich auf unserer WWF-Jugendseite täglich anschauen, was wir in Dzanga-Sangha erleben. Wir werden dort über Satellitentelefon und in einem Videoblog von unserer Arbeit berichten. Spenden sind natürlich immer sehr willkommen. Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit, sich zu engagieren. Man kann sich in unserer Community anmelden und mit anderen über Umwelt- und Artenschutz diskutieren. Auch eine einfache Mitgliedschaft beim WWF bewirkt schon etwas: Je mehr Mitglieder wir haben, desto mehr Gewicht hat unsere politische Stimme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/732664.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Mehr unter &lt;a href=&quot;http://www.wwf-jugend.de&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;wwf-jugend.de&lt;/a&gt;&lt;/b&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/489418</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/489418</guid>
      <pubDate>Fri, 30 Oct 2009 18:30:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>In den Schuhen von: Kari Ferrell, Knastinsassin und Webstar</title>
      <description>So kann man auch zum &quot;It&quot;-Geschöpf werden: Eine 22-jähriges New Yorker Szene-Mädchen landet wegen Betrugs im Knast – und wird im Internet als „The Hipster Grifter“ zum Phänomen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Was sind das für Schuhe?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Bis auf weiteres schlichte, praktische Gefängnispantoffeln. Ihre Besitzerin, Kari Ferrell, 22, wird in der JVA Salt Lake City als Insassin Nr. 295558 vermerkt und ist ein Internetphänomen, genannt „The Hipster Grifter“ &lt;i&gt;(Grifter: engl. Betrüger)&lt;/i&gt;. Zum „Talk of the town“ wurde die koreanischstämmige Kari mit dem Pixie-Haarschnitt und einem riesigen Phoenix-Tattoo über der Brust, als sie auf der Flucht vor fünf Haftbefehlen des Bundesstaates Utah halb Hipster-New York um Drinks, Handies und Kleingeld erleichterte. Mitte Oktober wurde sie zu neun Monaten Haft verurteilt – und inszeniert nun ihren Knastaufenthalt im Internet als Happening. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wo kommen diese Schuhe her?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Diese Frage stellte sich Anfang des Jahres ein Mitarbeiter des &lt;i&gt;Vice Magazines&lt;/i&gt; in New York, wo Kari Ferrell sich eine Woche zuvor erfolgreich um einen Job als Redaktionsassistentin beworben hatte. Kari Farrell war das Prototyp des perfekten Vice-Mädchens: hübsch, verlottert und charmant, außerdem baggerte sie gerne in der Mittagspause Typen aus der Redaktion mit Sprüchen wie „I want you to throw a hotdog down my hallway“ und „I wanna give you a handjob with my mouth“ an. Als einer ihrer männlichen Arbeitskollegen, auf ein Feierabend-Date mit ihr spekulierend, nach ihrem Namen googelte, landete er auf der „Most Wanted“-Seite des Police Departments von Salt Lake City. Dort wurde sein Flirt als Schwerkriminelle gesucht: wegen Scheckbetrug, Ladendiebstahl und Urkundenfälschung im Gesamtschaden von 60.000 Dollar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/732329.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Kari daraufhin spurlos verschwindet, macht die Geschichte in den Bars und Clubs von Williamsburg und Brookyln schnell die Runde. Wenig später melden sich in Internetforen Ex-Freunde und Bandkollegen von Kari. Einer erzählt, wie er Kari auf einem &lt;i&gt;Girl Talk&lt;/i&gt;-Konzert kennenlernt, mit ihr nach Hause geht und am nächsten Tag feststellt, dass sein iPhone und seine Kreditkart weg ist. Andere, die mit ihr „Freundschaft“ geschlossen haben, berichten, wie Kari über längeren Zeitraum eine Schwangerschaft vorgetäuscht hat, um Geld für eine angebliche Abtreibung von ihnen zu, äh, borgen. Eine weitere Masche von ihr sei gewesen, Leuten zu erzählen, sie habe Krebs und nur noch wenige Monate zu leben. Keiner weiß, wer Kari wirklich ist und woher sie eigentlich kommt. Nur ist jeder, der sie kennenlernt, danach um ein paar bis zu mehreren Tausend Dollar ärmer. (Wie sich später herausstellt, ist Kari Ende 2008 während den Ermittlungen in Utah nach New York abgehauen.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitte April ist „The Filth“ (die Bullen), wie Karis Spitzname inzwischen lautet, das bekannteste und meistgesuchte Mädchen in der Hipsterszene New Yorks. Der &lt;i&gt;New York Observer&lt;/i&gt; schreibt eine dreiseitige Reportage über sie und hängt eine Suchanzeige der Polizei an. Das Medienblog &lt;i&gt;Gawker&lt;/i&gt; lässt tagelang ununterbrochen Opfer der „attraktiven Betrugskünstlerin“ zu Wort kommen und kommt zum Schluss: „That girl is obviously mad psycho“. Zwei Wochen später wird Kari in Philadelphia verhaftet, wo sie sich im Haus eines Bandkollegen versteckt gehalten hat. Ihrer Medienpopularität schadet das keineswegs. Im Gegenteil: Im Internet werden „The Hipster Grifter“-&lt;a href=&quot;http://www.zazzle.de/kari_ferrell_die_hipster_grifter_tshirt-235352967728702426&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;T-Shirts&lt;/a&gt; verkauft. Auf &lt;a href=&quot;http://www.freekari.com&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;freekari.com&lt;/a&gt; sammeln Leute Spenden, um die Kaution zu bezahlen. Im Sommer erscheint eine Folge der Fernsehserie „Law &amp; Order“, deren Plot auf Karis Nepp-Biografie basiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wo gehen diese Schuhe hin?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Derzeit nirgendwohin, höchstens mal auf den Gefängnisrasen zum Austreten. Da Kari aber den Großteil ihrer Strafe schon während der Untersuchungshaft abgesessen hat und sie sich nach Ansicht ihrer Wärter hinter schwedischen Gardinen zu benehmen weiß, kommt sie wohl noch vor Weihnachten wieder auf freien Fuß. Unterdessen wird &quot;The Hipster Grifter&quot;, das Blogphänomen weiterhin fleißig kultivert. Kari empfängt zur Besuchszeit Fernseh-Teams und beantwortet Fankorrespondenz. In Briefen, die Kari aus der Zelle an das Szene-Blog &lt;a href=&quot;http://animalnewyork.com/2009/10/love-forever-the-hipster-grifter-2/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;ANIMALNewYork&lt;/a&gt;, hält sie den Leser über Lesbensex im Gefängniskorridor auf dem Laufenden und erzählt, wie sie gegen Fruchtgummis Zellengenossinnen ihre sekundären Geschlechtsorgane vorführt. Kaum auszumalen, was nach Karis Freilassung passieren wird. Buchvertrag? Eigene Fernsehshow? Hollywoodfilm? Sicher ist: Wer bislang dachte, Internet-„It“-Geschöpfe wie Tila Tequila oder Cory Kennedy hätten schon alle denkbaren Spielarten ausgelotet, wie man sich ohne nennenswerte Talente und sonstigen Vorzüge zur Webprominenz adeln kann, hat sich geirrt.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/489299</link>
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      <pubDate>Thu, 29 Oct 2009 18:30:04 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Ein Ticker zum Wunschdenken: Wo würdest du am liebsten arbeiten?</title>
      <description>Laut einer Umfrage sind Google und Microsoft die weltweit beliebtesten Arbeitgeber. Würdest du auch gerne da arbeiten? Bei welchem Unternehmen wärst du gerne angestellt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gerne schimpft man anscheinend doch nicht auf „Windoof“. Laut einer neuen &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,657620,00.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Umfrage&lt;/a&gt; ist Microsoft mit der beliebteste Arbeitgeber weltweit. Begehrenswerter ist nur noch ein Job bei Google, wie die Studie unter Ingenieurswissenschafts- und BWL-Studenten aus elf Industrieländern herausgefunden hat. Auf den weiteren Plätzen folgen IBM, BMW, Goldman Sachs und Procter&amp;Gamble. Zu den beliebtesten deutschen Arbeitgeber zählen Siemens, Bosch und Daimler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/732184.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun studiert ja nicht jeder Wirtschaft oder Maschinenbau – aber machst du dir Gedanken darüber, bei welcher Firma du gerne oder am liebsten arbeiten würdest? Wolltest du als Kind Pilot bei der Lufthansa werden? Träumst du vielleicht immer noch davon, Produktdesigner bei Apple zu werden? Fändest du es spannend, bei einem globalen Multikonzern zu arbeiten? Oder würdest du dich in kleineren Firmen wohler fühlen? Was muss ein Unternehmen dir bieten, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein?&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Wed, 28 Oct 2009 08:00:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Das Klamottenpaar der Woche: Mao Long und Zhang Yang</title>
      <description>Ein Mädchen und ein Junge verraten uns jede Woche, was sie anhaben und was das gekostet hat. Sie sind unser Klamottenpaar der Woche, aber in echt nicht notwendigerweise zusammen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Mao Long, 24, Cafébetreiberin&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726151.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726152.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Top:&lt;/i&gt; gekauft in einem Online-Shop, 2,50 Euro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726153.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Rock:&lt;/i&gt; unbekannte Marke, 30 Euro&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ballerinas:&lt;/i&gt; Marc by Marc Jacobs, Replikat, 20 Euro&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Tasche:&lt;/i&gt; 2% (Marke aus Hong Kong), 20 Euro&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726154.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Woran orientierst du deinen Kleidungsstil?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich schau mir fast jeden Tag Celebrity-Seiten im Internet an. Eva Longoria zum Beispiel ist so groß wie ich, 1,58 Meter, sie weiß, wie man sich der Körpergröße entsprechend am besten anzieht. Lindsay Lohan und Samantha Ronson finde ich auch super. Und ich gucke sehr gerne &lt;i&gt;Gossip Girl&lt;/i&gt;. Ich versteh bloß beim besten Willen nicht, wieso die Mädchen im Fernsehen alle so spindeldürr sind. Amerikaner sind doch fett, dachte ich...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wo gehst du shoppen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Normalerweise auf Internetmärkten wie Taobao.com, dort gibt es tolle kleine Online-Shops. Außerdem sind die Sachen im Netz günstiger als im Laden. Ansonsten fahre ich etwa einmal in ein, zwei Jahren mit meiner Mutter nach Hong Kong. Dort findet man jedes Label der Welt. Die Hong Konger sind viel stylisher als wir Festlandchinesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie viel Geld gibst du im Monat für Klamotten aus?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Kommt darauf an. Im Durchschnitt vielleicht 50 Euro im Monat. Wenn ich in Hong Kong bin, können es auch ein paar hundert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Welches Kleidungsstück würdest du dir gerne als nächstes kaufen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich hätte eigentlich gerne ein Paar schöne Gladiatorsandalen. Leider machen die meisten Stummelbeine. Nicht sehr vorteilhaft für mich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zhang Yang, 24, Friseur&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726155.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726156.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;T-Shirt:&lt;/i&gt; Arbeitskleidung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726158.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Jeans:&lt;/i&gt; Tough, 100 Euro; &lt;i&gt;Schuhe:&lt;/i&gt; Nike Air, 60 Euro &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/726157.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Armbanduhr:&lt;/i&gt; Emporio Armani, 380 Euro; &lt;i&gt;Gürtel:&lt;/i&gt; Replay, ein Geschenk von einem Freund&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ist dir Mode sehr wichtig?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Auf jeden Fall. Ich gebe fast mein gesamtes Gehalt für Klamotten aus. Mehr als meine Freundin, glaube ich. Ich hatte früher selbst ein kleines Modegeschäft in Chongqing.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Worauf achtest du bei Kleidung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich mag saubere, schlichte Kleidung und lege sehr viel Wert auf Qualität. Ich kaufe mir lieber ein teureres als fünf Billigteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was kannst du gar nicht leiden?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Zuviele Farben, zuviel Schnickschnack, zuviel Bombast. 15-jährige, die den Gothic Lolita-Style aus Japan kopieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Findest du, dass Chinesen sehr modebewusst sind?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
50/50, würde ich sagen. Ich denke, dass die Mehrheit sich für Mode interessiert, aber nicht in jedem Fall kann man sie auch tragen. Ein paar Freunde von mir arbeiten in großen Firmen oder bei Behörden. Da kann man nicht so rumlaufen wie ich. In anderen Gegenden haben die Leute weniger Geld und denken noch sehr traditionell, da gibt es das Angebot nicht, und die Nachfrage auch nicht.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/486599</link>
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      <pubDate>Sun, 27 Sep 2009 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>„HipHop ist wie Donald Trump“</title>
      <description>Er ist das Wunderkind des britischen HipHop: Dizzee Rascal veröffentlicht in diesen Tagen sein viertes Album „Tongue In Cheek“. Im Gespräch mit jetzt.de spricht der 23-jährige Ausnahmerapper über Ruhm und Selbstironie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Es ist sechs Jahre her, seitdem du mit deinem Debüt „Boy In Da Corner“ zum Wunderkind der britischen HipHop-Szene geworden bist. Was hat sich seitdem in deinem Leben verändert?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich bin sehr viel herumgekommen, hab mir alle Teile der Welt angeschaut, verschiedenen Kulturen kennengelernt. Abgesehen davon, nichts Besonderes, ich bezahle meine Rechnungen wie immer, &lt;i&gt;shit like that&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wenn du heute einen neuen Song schreibst, beschäftigst du dich mit anderen Dingen als  früher?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Natürlich. Ich beziehe mich nach wie vor auf meine Wurzeln in East London. Aber ich denke darüber nach, was jetzt in meinem Leben aktuell ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/720333.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Und was ist in deinem Leben gerade aktuell?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Spaß im Leben zu haben. Darum geht es auf meinem neuen Album „Tongue In cheek“. Das ist es, was ich gerade tue. Spaß haben, egal wo auf der Welt ich bin. Ich arbeite, mache zur Zeit sehr viel Promo, bin auf Tour, trete auf Festivals auf. Hauptsächlich das. Und wenn ich Zeit habe, gehe ich raven. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Hört sich nach Routine an. &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Routine? Verglichen zu 2002, als ich angefangen habe, spiele ich einfach auf einem höheren Level. Ich hab oft kein Bock und finde dieses Leben manchmal ermüdend. Aber mich zwingt ja keiner dazu. Deshalb muss ich es ja irgendwie wollen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Fühlst du dich heute wie ein richtiger Popstar?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Yeah. Definitiv. Als was sonst? Ich bin ein großer Popstar. Ich hatte zwei Nummer-Eins-Hits. Ich habe mein eigenes, unabhängiges Musiklabel und habe eine Menge Platten verkauft. Ich fühle mich definitiv wie ein Superstar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wo findest du heute die Geschichten, über die du rapst?&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
Im Club. Party machen hilft. Das gilt andersherum genauso: Wenn du selbst Partymusik machst, hilft es dir beim Feiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wenn man sich die Charts in den UK anschaut, scheint es einen generellen Trend zu Dance zu geben, egal in welchem Genre, im HipHop oder im Indie. Ein Überraschungshit des letzten Jahres war „Put a donk on it“ von Blackout Crew...&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
... du kennst die Blackout Crew? (lacht) Manchmal sind die einfachsten Sachen die besten. Ich hab keine Ahnung, wo die plötzlich herkamen, jedenfalls sind die in Nordengland bei den Kids gerade sehr groß. Es ist vom Sound her wie Techno mit ein bisschen Rap. Happy Hardcore. Ich mag das, was sie machen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Deine aktuelle Single „Bonkers“ hört sich ein bisschen danach an, finde ich. Sehr schnell, sehr direkt, fast schon primitiv. &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Achja? Hmm. Nein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ok, andere Frage. Kannst du uns erklären, warum UK-HipHop bislang, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie dir, sich noch nicht fest im Mainstream etabliert hat?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Die britische Form von Hip-Hop ist ja eigentlich Grime. Grime ist zum Großteil aus Drum’n’Bass und Genres wie Dancehall und Garage entstanden. Ich denke, ein Grund ist, dass Grime nicht von Superproducern gemacht wird. Es ist nicht so durchgestylt wie HipHop aus den Staaten, nicht so gut produziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Hörst du viel amerikanischen HipHop?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Immer. Ich liebe dreckigen Southern Rap aus den Südstaaten, der viel mit Elektro experimentiert. Es bounct, entspannt und gibt mir Energie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Du bist irgendwie auch so ein Indie-Liebling, sprich: viele Leute, die normalerweise kein HipHop hören, hören dann doch ganz gerne Dizzee Rascal. &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Das ist großartig. Ich arbeite ja nicht nur mit Rappern zusammen, sondern mit ganz unterschiedlichen Leuten wie &lt;i&gt;Calvin Harris&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Alex Turner&lt;/i&gt; von den &lt;i&gt;Arctic Monkeys&lt;/i&gt;. Ich bin mit &lt;i&gt;Nirvana&lt;/i&gt; genauso aufgewachsen wie mit &lt;i&gt;TuPac&lt;/i&gt;. Das ist für mich etwas ganz Natürliches. Ich möchte zu so vielen verschiedenen Sounds wie nur irgendwie möglich rappen. Ich habe keine Angst vor fremden Einflüssen. Das hebt mich von anderen Rappern ab. Genauso sind meine Texte.  Ich sage nicht die typischen Sachen, ich mache mich auch über mich lustig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Du meinst also, dass du mehr Selbstironie als andere Rapper besitzst?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Genau das. Ich rede nicht nur über mein Ego. Auch, aber nicht nur. Man muss nicht immer „hart“ sein, „street“ und all das. Ich will einfach nur, dass die Leute abgehen. &lt;i&gt;Fuck everything&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Bist du &quot;Bling-Bling&quot;?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Was meinst du?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ich meine den stereotypen protzigen HipHop-Lifestyle.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
HipHop-Lifestyle unterscheidet sich nicht von Donald Trump. Es ist &lt;i&gt;high life&lt;/i&gt;. Ich kann mich mit &lt;i&gt;high life&lt;/i&gt; identifizieren. Es ist angenehm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/720338.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dizzee Rascals neues Album &quot;Tongue In Cheek&quot; erscheint am 25. September bei Universal&lt;/i&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/484199</link>
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      <pubDate>Fri, 11 Sep 2009 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>To Do-Liste: Was Mama und Papa auf Facebook machen</title>
      <description>Der britische &lt;a href=&quot;http://www.guardian.co.uk/media/2009/aug/06/young-abandon-social-networking-sites&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Guardian&lt;/a&gt; nennt es einen „Exodus“: Einer Studie nach löschen bereits die ersten jüngeren Facebook-Mitglieder ihre Profile. Die lieben Eltern fallen nämlich in die virtuelle Welt ein. Wir haben Mama und Papa eine To Do-Liste für ihren Erst-Account erstellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laut der Studie wird Facebook zunehmend von Menschen zwischen 25 und 34 und, Schreck, gar noch älteren überrannt. Das führe zum ersten Mal überhaupt zu einer Facebook-Abwanderung einer Alterskohorte – nämlich jener der 15- bis 24-jährigen, die keine Freundschaftsanfrage ihrer Eltern im Internet erhalten wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/xi/xifan-yang/text/regular/716568.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/482741</link>
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      <pubDate>Mon, 10 Aug 2009 18:30:06 +0200</pubDate>
    </item>

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