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    <title>michael-moorstedt.jetzt.de</title>
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    <description>Alle Texte von michael-moorstedt auf jetzt.de</description>
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      <title>michael-moorstedt.jetzt.de</title>
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    <item>
      <title>Brauche ich eine Kreditkarte?</title>
      <description>&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fr&amp;uuml;her musste man, um eine Kreditkarte zu erhalten, noch ein regelm&amp;auml;&amp;szlig;iges Einkommen nachweisen, heute reicht dem Anschein nach schon das Erreichen der Vollj&amp;auml;hrigkeit - und das Kreditinstitut des Vertrauens vertraut zur&amp;uuml;ck und genehmigt eine Kreditkarte. Tats&amp;auml;chlich verschafft diese Karte jungen Menschen ein gewisses Ma&amp;szlig; an Unabh&amp;auml;ngigkeit und dient als Zahlungsmittel im grenzenlosen Webshop. Verantwortlicher Umgang ist dabei aber immer vorausgesetzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem streiten sich seit ihrer Erfindung vor knapp 60 Jahren Eltern, &amp;Ouml;konomen und RTL-Schuldnerberater Peter Zweigelt noch immer dar&amp;uuml;ber, was die Kreditkarte nun eigentlich wirklich ist: Eintrittsticket in die magische Welt der Konsumgesellschaft. Oder plastikgewordenes Teufelszeug, um diejenigen in Schuldknechtschaft zu f&amp;uuml;hren, die sich nicht die M&amp;uuml;he machen, das Kleingedruckte zu lesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Antwort auf diese Streitfrage kann nur jeder f&amp;uuml;r sich selber finden. Sicher ist jedoch, dass man die Einstiegsfrage zum Beispiel f&amp;uuml;r die Nutzung eines iTunes-Accounts mit &quot;Ja&quot; beantworten muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Michael Moorstedt, 30, ist sich noch immer nicht sicher, ob ihm seine Kreditkarte nicht irgendwann zum Verh&amp;auml;ngnis werden wird. Bis er dar&amp;uuml;ber Gewissheit hat, benutzt er sie nur, um im Internet unvern&amp;uuml;nftig viel Geld f&amp;uuml;r Platten auszugeben. &lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;lexikonbox&quot;&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;nf Tipps f&amp;uuml;r den richtigen Umgang mit der ersten Kreditkarte:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Kreditkarten verf&amp;uuml;hren &amp;ndash; das ist keine Frage. Deshalb sollte man das Limit m&amp;ouml;glichst niedrig setzen. 500 Euro sollten erst mal ausreichen, um trotzdem lustige Dinge zu tun - wie etwa Autos mieten oder Fl&amp;uuml;ge und Hotels buchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Kulante und liquide Eltern k&amp;ouml;nnen ihrem Nachwuchs bei ausreichendem Vertrauen eine Co-Karte ihrer eigenen Kreditkarte ausfertigen lassen. Das f&amp;uuml;hrt dazu, dass der Schuldenberg bei &amp;uuml;berschw&amp;auml;nglichem Gebrauch zumindest innerhalb der Familie abgearbeitet werden kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Das Konzept Prepaid hat sich mittlerweile auch in der Kreditindustrie festgesetzt. &amp;Auml;hnlich wie bei Mobiltelefonen wird daf&amp;uuml;r zun&amp;auml;chst einmal ein Guthaben auf die Karte geladen. Ist es aufgebraucht ist Schluss. Manche Anbieter verlangen f&amp;uuml;r diesen &amp;bdquo;Service&quot; allerdings bei jeder Transaktion eine Extra-Geb&amp;uuml;hr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Beim Bezahlen in Restaurants, Gesch&amp;auml;ften oder Clubs wenn m&amp;ouml;glich dabei sein. Nicht nur im Internet stellt Kreditkartenbetrug ein beliebter Zeitvertreib. Auch in der realen Welt sollte man ein Auge darauf haben, wer seine Karte mit in das Hinterzimmer nimmt und dann auff&amp;auml;llig lange f&amp;uuml;r die Abrechnung braucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. M&amp;ouml;glichst wenig mit der Kreditkarte beim normalen Geldautomaten abheben. Auch wenn die Banken die Geb&amp;uuml;hren f&amp;uuml;r EC-Karten anderer Institute Anfang 2011 gesenkt haben &amp;ndash; f&amp;uuml;r Kreditkarten wird immer noch ein Betrag f&amp;auml;llig.&lt;span&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/525985</link>
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      <pubDate>Mon, 04 Jul 2011 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der Kongress ballert</title>
      <description>Damit die Abgeordneten wissen, was sie verbieten wollen: Im bayerischen Landtag wurde ein Computerspielabend veranstaltet. jetzt.de war dabei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erste böse Wort taucht gleich auf der zweiten Powerpoint-Folie auf. Es heißt Spielsucht, der CSU-Abgeordnete Eberhard Sinner schaut ernst. Er steht auf einem Podium, er hat die Fakten einzeln untergliedert, damit allen die Bedeutung klar wird, damit keine Unsicherheiten herrschen. 50 Milliarden Dollar, 100 Millionen Menschen, 470.000 Euro. Umsatz der Computerspielindustrie weltweit, Spieler der Sims weltweit und ein Haushaltsposten zur „Förderung interaktiver Unterhaltungssoftware.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste parlamentarische Computerspielabend im bayerischen Landtag wird anstrengend. Es lädt ein – die CSU Fraktion. Eberhard Sinner ist ihr medienpolitischer Sprecher. Am Ende seines Vortrags erlaubt er sich eine spitze Bemerkung gegen den „Professor aus Niedersachsen.“ Christian Pfeiffer heißt der, ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover und steht meist an vorderster Mikrofon-Front, wenn es um simple Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichem Scheitern und Computerspielen geht. Sinner erntet anerkennendes Nicken aus der Ecke der Fachpresse. Er ist bemüht, er ist tolerant. Es ist die erste Veranstaltung dieser Art in einem deutschen Länderparlament.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/706222.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Der CSU-Abgeordnete Alexander Radwan am Controller.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Herren in Anzug und Krawatte machen Platz für junge Männer auf deren T-Shirts &quot;Halo 3&quot; und &quot;Metal Gear Solid&quot; geschrieben steht. Titel von Spielen, in denen auf Menschen oder Tiere oder Aliens geschossen wird - die Jungs von den Computerspielzeitschriften. 22 Abgeordnete sind geblieben, die meisten von der CSU. Es herrscht Fraktionsdisziplin. Ihnen stehen knapp hundert Vertreter der Computerspielindustrie zur Seite, um sie an 65 Spiele heranzuführen. Spieler haben keine Lobby, die Industrie schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der bayerische Landtag thront auf einer Anhöhe nahe der Isar, wer nach Westen schaut, unter dem breitet sich München aus, so schön und ordentlich, wie man es sonst nur bei Googles Maps sieht. Von hier oben hat man einen guten Überblick. Mancher scheint ihn in letzter Zeit verloren zu haben. Etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. „In ihren schädlichen Auswirkungen stehen Killerspiele auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie“, ließ er sich im März zitieren. Oder Herrmanns Kollege Siegfried Schneider, Chef der bayerischen Staatskanzlei, der kurz darauf einen Führerschein für Computerspiele forderte. Weder Herrmann noch Schneider sind heute Abend gekommen. Sie verpassen ein Anti-Mobbing-Spiel, und eines, um die Integration von Migranten zu verbessern. Ein weiteres Modul widmet sich der Förderung von Kulturkompetenz in der Geschäftswelt. Signal: Spiele müssen nicht immer nur Spaß machen oder brutal sein, man kann auch Gutes mit ihnen tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Spielekompetenz ist ein wichtiger Bestandteil der Medienkompetenz“, sagte Eberhard Sinner. Für eine Ausführung bleibt keine Zeit. Aber Kompetenz ist ein gutes Wort. Vielleicht weiß Jürgen Hilse weiter. Der Psychologe arbeitet bei der Unterhaltungssoftware – Selbstkontrolle. „Spielen ohne Risiko ist möglich“, sagt Hilse. „Man braucht nur Zeit, Information und Verständnis. Von allen Seiten.“ Es klingt so einfach. Jürgen Hilse und seine Kollegen haben im vergangenen Jahr knapp 3000 Titel überprüft. Knapp die Hälfte haben sie ohne Altersbeschränkung in die Regale der Kaufhäuser entlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine Gefahr also, Zeit zu spielen. Der Senatssaal des Landtags beherbergt heute Abend eine Leistungsschau der Industrie. Controller ragen in den Raum, verführerisch bunte Flatscreens leuchten an den Wänden.  Der größte Bildschirm hängt neben der Tür, von einem Ölgemälde blickt König Maximilian II. skeptisch auf das hektische Treiben unter ihm: Die medienpolitische Sprecherin der FDP klickt sich unbeholfen durch ein dunkles Gebäude, am nächsten Stand hat man Eberhard Sinner einen Controller in die Hand gedrückt, Tennis. Er gibt sich engagiert beim Aufschlag, eine Minute später hat er das erste Spiel zu Null verloren. Ein weiterer Abgeordneter versucht auf einem Wii-Balanceboard durch Gewichtsverlagerung bunte Bälle in ein Loch zu bugsieren. Nach dem fünften Level gibt er auf. Das Spiel zählt seine Punkte zusammen und nennt ihn Amateur. In die harsche Welt der Ego-Shooter traut sich kaum einer der Politiker. &quot;Crysis&quot;, immerhin der erfolgreichste Exportartikel der Branche, bleibt verwaist. Auch der Mann von Microsoft steht einsam vor der &quot;Halo-3&quot;- Konsole, er entleert das Magazin seiner Laserpistole in einen virtuellen Baum. Videospiele dienen auch dem Frustabbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas versteckt in einer Ecke hat der Verein Videospielkultur seinen Stand aufgebaut. „Wir bemühen uns um die Anerkennung von Videospielen als wichtiges Kulturgut. Auch von Seite der Politik“, erklärt der Vorsitzende André Horn. Zu Beginn des Abends hat er den Abgeordneten eine kurze Einführung gegeben. Hat um Verständnis gebeten, um Zeit, wollte informieren. Ist es ihm geglückt? Er ist sich nicht sicher und lächelt dann doch. Immerhin ein Wort hat man heute Abend nicht gehört: Killerspiele.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/478526</link>
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      <pubDate>Thu, 18 Jun 2009 18:30:05 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Bilder der Überwachung: "Kameras halten nicht was sie versprechen"</title>
      <description>Dietmar Kammerer, 36, arbeitet als Kulturwissenschaftler und Journalist in Berlin. Sein Buch „Bilder der Überwachung“ erschien Ende 2008 bei Suhrkamp. Darin beschreibt er die Kulturgeschichte der öffentlichen Überwachung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit: Ich bin zweimal umgestiegen, am Alexanderplatz und am Potsdamer Platz. Wie oft bin dabei ich wohl von Kameras aufgenommen worden?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
In der U-Bahn sicherlich einige Male. Solange man über den Alexanderplatz geht, wird man nicht gefilmt, es sei denn von den Kameras, die am Kaufhof hängen. In Deutschland gibt es im öffentlichen Raum, der dem Staat gehört, relativ wenige Kameras. Der Potsdamer Platz ist Privatbesitz, da ist die Situation anders. Man weiß nicht, was im Sony Center aufgenommen, in welches Gesicht gezoomt und was mit den Bildern gemacht wird. Berlin ist jedoch das einzige Bundesland, in dem es der Polizei nicht erlaubt ist, sogenannte Kriminalitätsschwerpunkte zu filmen. In München dagegen gab es die erste Kamera im öffentlichen Raum bereits 1958.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das war ja klar. Aber macht Videoüberwachung die Stadt überhaupt sicherer?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es wird immer klarer, dass Kameras nicht halten, was sie versprechen. Vor einigen Jahren galt Verbrechensverhinderung noch als wichtigster Grund. Heute weiß man, dass das so gut wie gar nicht klappt. Bei der Aufklärung gibt es zwar gewisse Erfolge, aber nur, wenn sich die Polizei die Mühe macht, die Bilder auszuwerten. Deshalb wurde schnell auch nicht mehr nur der Terrorismus, sondern auch die gemeine Straßenkriminalität als Begründung hinzugezogen. Inzwischen ist das vollkommen beliebig. Irgendetwas passiert - wir brauchen Überwachung. In England hat eine Gemeinde Kameras installiert, damit die Bürger ihren Müll anständig entsorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Kamera als Allheilmittel der öffentlichen Ordnung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Das glauben die meisten Politiker, die Polizei nicht. Die wollen sich nicht den ganzen Tag vor einem Monitor langweilen. 99 Prozent der aufgezeichneten Bilder werden vernichtet. Videoüberwachung zeichnet mehr Material auf als Fernsehen und Kino zusammen. Wenn man darüber nachdenkt, ist das also kein Verfahren zur Bildspeicherung sondern zur Bildervernichtung - paradox.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Du sprichst eine weitere Paradoxie an: Wenn Überwachung nicht hilft, sagen die Verantwortlichen, man brauche mehr.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
England ist das Land mit der größten Kameradichte. In zwei Drittel der Fälle sitzen aber keine Polizisten an den Monitoren, sondern schlecht ausgebildete Angestellte der Kommunen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kameras so gut wie keine der Verbrechen verhindern, für die sie eigentlich aufgestellt wurden. Also sagen die Verantwortlichen: „Wenn es nichts bringt, kann es nur bedeuten, dass wir mehr brauchen. Wir brauchen bessere Technologien, wir brauchen dickere Dinger.“ Im umgekehrten Fall - wenn die Maßnahmen zufällig bei der Verbrechensaufklärung oder -prävention helfen, heißt es: „Das Konzept hat sich bewiesen, wir brauchen mehr davon.“ Überwachung gewinnt immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/di/dirk-vongehlen/text/regular/678901.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Die Kamera als Symbol: Für Überwachungs-Experten Kammerer steht sie für die Situation: &quot;Der Staat darf uns überwachen und wir haben uns gefälligst zu benehmen.&quot;, Foto: ddp&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wenn Kameras nicht wirken, was ist dann mit der Angst vor dem allgegenwärtigen Überwachungsstaat? Alles halb so schlimm?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir müssen die Kritik korrigieren. Man sollte nicht zu technikgläubig und paranoid sein. Vieles, was uns Angst macht, ist reine Science Fiction. Automatische Gesichtserkennung funktioniert in der Praxis überhaupt nicht, außerdem können die Menschen auf der anderen Seite oft nicht mit der Technik umgehen. Das heißt aber nicht, dass Überwachung nicht zunehmen würde oder dass man diese Entwicklung einfach ignorieren kann. Die Kamera ist ein Symbol. Der Staat darf uns überwachen und wir haben uns gefälligst zu benehmen. Sobald eine Kamera aufgestellt wird, sind alle Menschen, die sich in ihrem Blickfeld bewegen potentiell verdächtig. Der ganze Rest, etwa Vorratsdatenspeicherung, Online-Untersuchung oder BKA-Gesetz ist aber viel gefährlicher als Überwachung im öffentlichen Raum. Der Computer kann Bilder nicht verstehen. Alles, was in Form von Daten vorliegt ist leicht auszuwerten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;In Deinem Buch beschreibst Du auch die Geschichte der Überwachung. Wie haben die Menschen früher reagiert? Ist der Kampf um die Privatsphäre ein modernes Phänomen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Als Louis XIV. Anfang des siebzehnten Jahrhunderts die Straßenbeleuchtung in Paris eingeführt hatte, wussten die Leute noch, was Privatsphäre ist. Ihnen war klar: das ist eine Maßnahme des Königs, um die Straßen unter seine Kontrolle zu bringen. Laternen wurden damals oft zerstört. Als modernes Beispiel werden immer die Proteste gegen die Volkszählung in den 1980ern genannt. Ich denke, das wird ein bisschen verklärt. Damals waren Computer noch unheimliche Dinge, heute ist der PC unser Freund. Dabei war die Volkszählung ein Witz gegenüber dem, was wir heute bei Amazon eingeben. Die Menschen sind sich noch immer zu wenig über die Gefahren bewusst, und deshalb gibt es auch zu wenig Kritik. Aber man kann beobachten dass es mehr wird. Man sieht es an den Teilnehmerzahlen der Antiüberwachungsdemos in Berlin. Vor drei Jahren waren da 5000 Leute, 2008 sind es zehnmal so viel. Andererseits haben wir uns zu sehr an die Preisgabe unserer Privatsphäre gewöhnt. Ich möchte nicht sagen, dass das am Fernsehen liegt, aber zwischen den Leuten im Big Brother-Container und den vielen Selbstdarstellern auf myspace oder Facebook gibt es schon Parallelen – es herrscht ein allgemeiner Imperativ des „zeige dich, sei unternehmerisch und verwerte dich selbst!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Du zitierst die Werbung. Ein Autohersteller wirbt in London mit dem Spruch: „Du wirst 300-mal am Tag gefilmt, gib ihnen etwas zum hingucken.“ Glaubst Du, dass Narzissmus Überwachung begünstigt?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Beide Phänomene kommen sich sehr entgegen. Zum Glück ist es noch nicht so weit, dass man Verbrechen begeht, um gefilmt zu werden. Jugendliche in Großbritannien machen aber etwas Ähnliches. Es gab Fälle, in denen Jugendliche vor den Kameras Messerstechereien oder Alkoholgelage inszenierten, um eine Reaktion der Leute hinter den Kameras zu provozieren. Das war natürlich gestellt. Weil es so viele dieser Pranks genannten Scherze gab, stehen in manchen Shoppingmalls bereits Schilder, die vorgetäuschten Alkoholkonsum verbieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das klingt ja subversiv - wie kann man sich gegen die Videoüberwachung wehren?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Diese Beispiele sind keine Aktionen gegen den Überwachungsstaat, sondern richten sich gegen die Leute hinter den Kameras. Aber die unterbezahlten Wachleute sind nicht die Feinde. Vielleicht gelingt es so, die Überwachung zumindest aufzuweichen. In den USA gibt es die &lt;a href=&quot;http://www.notbored.org/the-scp.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Surveillance Camera Players&lt;/a&gt;, die vor den Kameras Theater spielen und erst aufhören, wenn die Sicherheitsleute kommen und mit ihnen reden. Es gibt noch viele andere Beispiele. Anleitungen im Netz erklären, wie man Funkkameras hacken kann. Am effektivsten ist vielleicht die Gegenüberwachung. Wenn der Staat uns filmt, filmen wir zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dietmar Kammerers Buch &quot;Bilder der Überwachung&quot; ist bei &lt;a href=&quot;http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=12550&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Suhrkamp&lt;/a&gt; erschienen und kostet 13 Euro.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Mehr zum Thema im &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/385237&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Themenschwerpunkt Überwachung&lt;/a&gt; hier auf jetzt.de&lt;/b&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/467801</link>
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      <pubDate>Fri, 20 Mar 2009 18:30:16 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der Krieg im Web oder die Suche nach einer Million Unterstützern</title>
      <description>Während Israel in den Gazastreifen rückte, rüsteten die User beider Seiten zum Online-Gefecht - selbst Militärsprecher bezeichnen die Blogosphäre als &quot;Kriegszone&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es herrscht Krieg auf Facebook. Durch den Kulminationspunkt der globalen 2.0-Gemeinde läuft eine tiefe Verwerfung, die Kriegsbefürworter und -gegner, Hamassympathisanten und Israelunterstützer voneinander trennt. Kurze Zeit nachdem der Konflikt im Gazastreifen eskalierte, gründeten sich im Internet zahlreiche Gruppen, um die jeweilige Kriegspartei zu unterstützen. &quot;I wonder how quickly i can find 1 000 000 people who support Israel&quot; oder &quot;Hamas? I don't like them&quot; heißen sie beispielsweise. Die Pendants der Gegenseite nennen sich &quot;I bet i can find 1 000 000 who dislike the state of Israel&quot; oder profaner: &quot;Fuck Israel&quot;. Teils umfassen diese Netz-Interessengemeinschaften mehrere 100 000 Mitglieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die realen Auswirkungen der digitalen Entrüstung hielten sich zunächst in Grenzen. Man ruft zu Spenden für die Familien getöteter israelischer Soldaten auf, teilt der Gruppe Ideen für alternative Friedenspläne mit und beschimpft sich dabei ausgiebig. So genannte &quot;Flame Wars&quot; sind im Internet auch in Friedenszeiten nichts Ungewöhnliches und entzünden sich oft an Kleinigkeiten. Doch die Härte der Auseinandersetzung in Foren und Blogs erreichte in den vergangenen Tagen eine neue Qualität. Einige der oben genannten Gruppen waren in der vergangenen Woche über längere Zeit nicht erreichbar. Den Ruhm für die Blockade beanspruchte die so genannte Jewish internet defense force für sich. Eine Gruppe, deren Ziel es ist, &quot;Antisemitismus und Terrorismus im Web zu bekämpfen&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/663838.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Beispiel zeigt: Noch immer geht es um Territoriumsgewinne und Frontverläufe. Der Kampf verlagert sich vom realen Schlachtfeld auf das der öffentlichen Meinung. Im &quot;Krieg 2.0&quot; ist vor allem moralische Deutungshoheit das strategische Ziel. Informationsströme zu kontrollieren ist in Zeiten der dezentralisierten Online-Kommunikation und sozialen Netzwerke aber ein schwieriges Unterfangen. Früher wurden, sollte die feindliche Kommunikation lahmgelegt werden, Fernsehsender und Radiostationen bombardiert oder hinter der Grenze Flugblätter abgeworfen. Die Blogosphäre hingegen zum Schweigen zu bringen ist ungleich diffiziler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch: Aus dem Gazastreifen selbst erreichen in den vergangenen Wochen nur wenige Berichte die Online-Öffentlichkeit. Deren geringe Zahl ist vermutlich auf den dort herrschenden Elektrizitätsmangel zurückzuführen. Ein Aufschrei der Entrüstung durchfährt dagegen den Rest der arabischsprachigen Blogosphäre: Zahlreiche Blogeinträge aus Ägypten, Syrien oder dem Iran befassen sich mit dem Konflikt. So genannte &quot;Google-Bombs&quot; werden benutzt, um Webseiten mit dem eigenen Anliegen auf der Trefferliste der Suchmaschinen nach oben und damit in die öffentliche Aufmerksamkeit zu treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen direkteren Weg wählte eine marrokanische Hackercrew namens DNS-Team und griff in einem eher unkoordiniert scheinenden Akt der Cyber-Solidarität israelische Homepages an. Die überrannten Webseiten wurden mit Fotos toter palästinensischer Kinder und Durchhalteparolen gepflastert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/663839.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &quot;Aufrüstung&quot; á la Web 2.0 ist Teil einer umfassenden Strategie. Beide Seiten haben die Bedeutsamkeit der öffentlichen Meinung im postmodernen Krieg erkannt. &quot;Die Blogosphäre und die neuen Medien sind grundsätzlich eine Kriegszone&quot;, sagte Major Avital Leibovich, Sprecherin der israelischen Armee (IDF) kürzlich in einem Interview mit der Jerusalem Post.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint als hätte man sich bei der IDF bereits mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet - die Streitkräfte befüllen ihren Blog und den hauseigenen YouTube-Channel. Die Videos von Präzisionsluftschlägen gegen Hamasstellungen erlauben in der verfremdeten Ästhetik der Wärmebildkameras einen Einblick in das Kriegsgeschehen. Die Kommentarfunktion unter den Einträgen hat die IDF wohlweislich abgestellt. Im visuellen Bereich herrscht ein asymmetrischer Krieg. Aqsatube, das Videoportal der Hamas, ist bereits seit längerer Zeit nicht mehr erreichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mobile Kommunikation wird Teil des Kampfes um die Köpfe. Der isralische Konsul in New York, David Saranga, gibt über seinen Twitter-Account Pressekonferenzen mit 140 Zeichen Länge in Leet-Speak. &quot;we R pro nego...we talk only w/ ppl who accept R rt 2 live&quot;, so eine seiner Mitteilungen. Mobiltelefone werden auch andernorts zu Zielen im Informationskrieg. So verschickte die IDF nach einem Bericht des Guardian massenhaft SMS, um Zivilisten vor niedergehenden Bomben in ihrer direkten Nachbarschaft zu warnen. Ein Hamas-Sprecher bezeichnete diese Mitteilungen gegenüber der Zeitung jedoch als Propaganda, die viele Menschen ohne Not aus ihren Häusern getrieben habe. Die Antwort der Hamas auf dem SMS-Schlachtfeld besteht in Kurznachrichten an israelische Handy-Nutzer, in denen mit Vergeltungsschlägen in Form von fortgesetztem Raketenbeschuss gedroht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen gänzlich neuen Ansatz wählen die Betreiber der Website help-israel-win. Sie fordern auf ihrer Homepage den Surfer auf, seinen eigenen Anteil zum Sieg beizutragen. So soll der Besucher ein Programm mit dem treffenden Namen patriotinstaller.exe auf seinen Computer laden, &quot;um die Absicht unserer Feinde, den Staat Israel zu zerstören, zu behindern&quot;. Bei der Datei scheint es sich um einen Trojaner zu handeln, der die Computer des Downloaders in ein Bot-Netzwerk gliedert. So könnte help-israel-win konzertierte DoS-Attacken (Denial of Service) auf Hamas-freundliche Websites steuern und diese blockieren. Laut Angaben der Macher haben sich bereits über 8 000 Freiwillige das Programm heruntergeladen und ihre Rechner damit den selbst ernannten Cyber-Feldherren übereignet. Eine weitere kleine Armee im Krieg der Informationen.</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/461977</link>
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      <pubDate>Sun, 18 Jan 2009 18:30:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Anders als bei Heidi Klum</title>
      <description>Erst nimmt ihn &quot;Prada&quot; unter Vertrag, jetzt leiht er &quot;Calvin Klein&quot; sein Gesicht - Lenz wurde wie nebenbei Topmodel und wundert sich darüber&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich war es nicht schlimm, dass sie Lenz gefeuert hatten. Er hatte zweimal die Arbeit verschlafen, aber er hatte auch keine Lust mehr gehabt, am Set dieser Fernsehfilm-Produktion der Kaffeejunge und der Chauffeur zu sein. Set-Runner haben sie ihn genannt und das war ein Euphemismus für 17 Stunden Plackerei am Tag. Immer gegen Ende der Arbeitswoche war Lenz vor Übermüdung eingeschlafen, sobald er sich nur gesetzt hatte. Dabei hatte er sich soviel versprochen. Es sollte ein Schritt Richtung Schauspielerei sein, er war ja schon früher vor der Kamera gestanden, kleinere Rollen hier und da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Party nach Drehschluss hatte ihn das Filmteam trotzdem eingeladen. Und so fing es dann an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Lenz lustlos herumsteht, macht die Frau von der Maske Fotos und es beginnt eine Entwicklung, die Lenz zunächst nichts mitbekommt: Die Bilder landen bei einer Scouting-Agentur, zwei Tage später erreicht ihn ein Anruf. Man wolle ihn kennenlernen. Man wolle ihn sehen. Bei den ersten Polaroid-Aufnahmen trägt Lenz lediglich Boxershorts und fühlt sich unwohl in seinem, sagt er, &quot;nicht gerade perfekten Körper.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass die das Ernst meinen, denkt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenig später unterschreibt er seinen ersten Vertrag. Lenz von Johnston ist nun nicht mehr Schauspieler sondern Model, zum ersten Casting begleitet ihn eine Agentin. Es geht um &quot;Prada&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man zieht ihn an und um und aus und sagt, er solle laufen. Also läuft er. Einmal das Zimmer rauf und runter. Eine Woche später lädt man ihn nach Mailand ein. Ein paar Tage darauf fliegt man ihn nach Paris, Shooting für Vogue Homme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenz verfolgt das Geschehen interessiert und amüsiert. Er denkt: Das kann nicht deren Ernst sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Wir wollen ihn haben&quot;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein halbes Jahr ist vergangen. An einem Juninachmittag sitzt Lenz, 21 Jahre alt, im Weinbergspark in Berlin-Mitte. Die jungen Zugezogenen reden im Grünen von ihren Projekten, die älteren von ihren Kindern und dazwischen erzählt Lenz von Johnston, ein feingliedriger Mann mit blasser Haut, von seiner Reise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/608807.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Lenz&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kommt aus New York, macht nur einen Zwischenstopp und ist auf dem Weg Richtung Mailand. Die Strecke ist ihm anzusehen, 36 Stunden war er wach. Die Sonnenbrille verdeckt Schatten unter den Augen. Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, Baseballcap, seine weißen Lederschuhe sind schon ein wenig vergilbt vom vielen Reisen. Er erzählt, wie ihn Prada schließlich unter Vertrag nahm:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Tage lang stimmen die Stylisten die Klamotten auf ihn ab. Vor der Show lassen sie ihn zweimal auf dem Laufsteg in Socken üben, hinter den Kulissen herrschen Aggression und Stress, aber Lenz kennt das vom Fernsehen. Ein persönlicher Anzieher versucht, ihn innerhalb von zehn Sekunden in die nächsten Klamotten zu stecken. In eng taillierte Sakkos, in Hosen, die hoch über den Hüften enden. Seine neuen Kleider schillern und glitzern und es ist eigenartig: Bis vor wenigen Monaten machte sich Lenz kaum Gedanken über Mode. Er dachte höchstens darüber nach, was er am folgenden Tag aus seinem Kleiderschrank nehmen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Party nach der Schau treffen sich zwei Agentinnen. Die eine hat Lenz unter Vertrag, die andere, aus New York, ist an ihm interessiert. Model zu sein, bedeutet, fremdbestimmt zu sein. &quot;Wir wollen ihn haben&quot;, entscheidet die New Yorker Agentur Tage später und Lenz verlässt Berlin. Mit wenig Gepäck und wenig Lust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den geplanten drei Wochen werden drei Monate. Mit Polaroids in der Hand wird er zu den Castings für die New Yorker Fashion Week geschickt und läuft schließlich elf Shows in neun Tagen. Von morgens acht Uhr bis nachts um Zwölf, mehr als das Bett bekommt er in den ersten Wochen nicht von seiner neuen Stadt zu sehen. Mit acht weiteren Laufsteg-Aspiranten wohnt er in einem Appartement, zwei Zimmer, eine Küche, vier Stockbetten. Die Miete wird ihm von seinen noch geringen Honoraren abgezogen. Er ist ein Neueinsteiger, ein sogenanntes &quot;New Face&quot; und wird deshalb mitunter ausgenutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Lenz kommt an. &quot;Die Agentin nennt mich Prussian Prince&quot;, sagt er, preußischer Prinz, obwohl er doch in einem Dorf in Oberbayern aufgewachsen ist. Aber für die Modewelt zählen diese kleinen Unterschiede nicht. Das Business verlangt gerade nach nordischen Typen, nach Models aus Deutschland, Polen oder Skandinavien. Dünn sollen sie sein, noch besser androgyn, auch die Männer. Der Körper ist nun Lenz' Kapital, seine Größe, sein Gewicht, seine Maße sind ideal; Besuche im Fitness-Studio verbietet ihm die Agentur, Lenz soll schmächtig bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufträge gibt es für Lenz zu Beginn in New York nur wenige - ein paar Aufnahmen für Magazine und Modekataloge, das ist es, Money-Jobs, wie es in der Branche heißt. Immer morgens kommt der Anruf von der Agentur: &quot;Sei in zwei Stunden beim Casting!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Monat nach der Fashion Week in New York beginnt die Kampagnen-Saison. Die großen Mode-Imperien suchen nach neuen Gesichtern, die in ihren Namen von den Litfaßsäulen der Welt blicken sollen. Lenz wird das Gesicht der neuen Kampagne von Calvin Klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit zehn Bussen fährt das Produktionsteam eines Tages ab zum Shooting in eine Kiesgrube in New Jersey. 30 Leute schwirren um Lenz herum. In den ersten Tagen wird die Kollektion noch extra auf seinen Körper geschneidert. Für die Fotos klebt man ihm die Augenpartien straff an den Schläfen zurück, seine Brauen werden gefärbt. Und ein halbes Jahr, nachdem er zum letzten Mal Erfrischungen serviert hat, bringt ihm nun während der Pausen ein Junge einen Milchkaffee an den Platz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Lenz ein paar Wochen später die bearbeiteten Fotos sieht, erkennt er sich nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Monaten in den USA reist er aus, sein Visum ist abgelaufen. Man schickt ihn direkt nach Dubai und stellt ihn vor den Besuchern einer Cocktailparty aus: Er muss, angetan in feinem Zwirn, zwei Stunden lang in einer Glasröhre stehen. Nächster Stopp: Aufnahmen in Tokio. Und so geht es weiter, die Tage sind straff durchgeplant. Sobald er das Hotel verlässt, muss er sich um nichts mehr kümmern, er lebt ein passives Leben ohne viel Kontakt nach Außen. Nur einen Nachmittag hat er in Tokio Zeit, sich die Stadt anzusehen. Unterwegs sprechen ihn zwei Schulmädchen um ein Autogramm an - sie kennen ihn aus der Vogue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Du musst nur atmen&quot;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Warum sollte ich das alles nicht mitnehmen&quot;, sagt Lenz und offenbart seine ungewöhnliche Einstellung zum Mode-Business. Die Agentin wirft ihm vor, er sei nicht ehrgeizig genug. &quot;Modeln ist mir nicht wichtig&quot;, sagt Lenz. Gut, er will sein eigenes Geld verdienen, die Welt sehen, den Traum vom Film hat er aber nicht aufgegeben. &quot;Zwei oder drei Jahre mache ich noch weiter.&quot; Aber dann war es das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenz erzählt seltsam unberührt von seiner Karriere. Fast scheint es, als wäre er gar nicht beteiligt. Vielleicht liegt das an der Art und Weise wie dieser Beruf funktioniert, sagt er. Denn die meiste Arbeitszeit bestehe aus: Warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein typischer Tag sieht so aus: Lenz kommt morgens um sieben Uhr früh an einem Studio an, stellt sich vor, die Namen der Fotografen und Stylisten weiß er bereits genau, weil ihn die Agentur vorab mit Details versorgt. Sein Weg führt ihn direkt in die Maske. Der Makeup-Stylist wartet bereits. Gesichtsmassagen, Fingernägel, Pudern. Dann kommt der Mann für die Haare, wiederum mit seinen Helfern. &quot;Einmal bin ich während der Frisur eingeschlafen&quot;, sagt Lenz, &quot;und mit einem Afro aufgewacht.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Stunden später kommt der Stylist mit Dutzenden von Hemden und Hosen, die er seinem Assistenten in die Hand drückt, der sie Lenz dann anziegt. &quot;Du musst kaum etwas selbst machen. Eigentlich nur dastehen und atmen&quot;, sagt Lenz. Zwei Helfer bereiten die Kameras vor, zwei das Licht. Es ist schwer festzustellen, wer hier das Sagen hat, Lenz ist es jedenfalls nicht. Der Fotograf gibt vor, wie er sich zu bewegen hat. Auch während der Aufnahmen wieseln sie um ihn, zupfen seine Haare, richten den Kragen. Biegen ohne Kommentar die Schultern vor und zurück, richten den Kopf neu aus. Lenz muss die Pose halten, er hält still. &quot;Es geht nicht darum, ob ich mit den Fotos zufrieden bin&quot;, sagt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es sei ihm auch egal, sagt er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam scheint Lenz die aberwitzige Entwicklung, die sein Leben genommen hat zu begreifen. Als seine Erzählung endet, ist der Kaffee, den er die ganze Zeit in seiner Hand hielt, erkaltet. Er erzählt noch eine Szene:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kürzlich lief er in Berlin über die Kastanienallee und wurde angesprochen. Ob er sich nicht vielleicht vorstellen könne, Model zu werden? Lenz sagte: Nein.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/442461</link>
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      <pubDate>Sun, 03 Aug 2008 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Sind wir eine Generation auf Reisen? Der Film "Hotel Very Welcome"</title>
      <description>Sind wir eine Generation auf Reisen? Gerade kam der Film „Hotel Very Welcome“ in die Kinos, der die Geschichte von fünf Backpackern auf ihrer Reise durch Asien erzählt, gewissermaßen die Verfilmung der Welt von „Lonely Planet“. Jetzt.de sprach mit der Regisseurin Sonja Heiss über das Phänomen der Backpacker, die Rolle westlicher Touristen als Geldautomat – und die paradoxe Suche nach dem perfekten Reiseziel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Welche Motivation hattest du, diesen Film zu machen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir waren selbst auf einer Reise und es gab dauernd irgendwelche komischen und absurden Situationen – sei es die Kommunikation mit den Einheimischen oder wie man sich selbst verhält: Man bekommt eine Grippe und findet es auf einmal zum Kotzen, bei Sonnenaufgang auf diesem Vulkan zu stehen. Warum tue ich mir das überhaupt an? Wir haben uns gefragt, warum noch nie jemand einen witzigen Film über die Welt der Backpacker gemacht hat.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Inwieweit hast du deine eigenen Erfahrungen in dem Film verarbeitet?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es gibt schon viele Sachen im Film, die mir und meinem Co-Autor selbst passiert sind oder die wir beobachtet haben. In jedem Charakter ist etwas von uns drin. Wir sind früher viel nach Asien gereist. Zum Beispiel die Idee, die Figur Marion könnte sich über ihre Beziehung klar werden, indem sie nach Indien in ein Resort fährt – also weit weg, um ein Problem zu Hause zu lösen. So etwas habe ich auch schon gemacht. Ich war zwar nicht auf einer spirituellen Reise, dennoch hatte ich die gleiche Grund-Idee, die natürlich nicht funktionierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ro/roland-schulz/text/regular/517609.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Auf der Suche nach dem Sinn - des Lebens, der Reise, des ganzen Rests. Eine Szene aus &quot;Hotel Very Welcome&quot;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Bild: Nikolai von Graevenitz/Kinowelt&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Sind die Figuren in Deinem Film Klischees? Gibt es den typischen Backpacker?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es gibt natürlich verschiedene Backpacker-Stereotypen. Die sind aber nicht alle im Film vertreten, zum Beispiel fehlt derjenige, der nur in die Berge nach Tibet fährt. Oder der Surfer, also der saugut aussehende Typ mit einer blonden Freundin und dem Rucksack von Stüssy, der sich auf irgendwelchen seltsamen indonesischen Inseln rumtreibt. Im Film gibt es den klassischen Slacker, der sich durch Indien kifft. Die Frau auf der spirituellen Selbstfindungsreise ist dabei oder die englischen Party-Lads. Diesen Menschen sind wir immer wieder begegnet. &lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Du wirfst einen kritischen Blick auf die ganze Sache. Auf der anderen Seite werden solche Reisen in die Ferne von den Leuten im Nachhinein gern überhöht. Wie wichtig ist Dir die Kritik?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Der erste Ansatzpunkt war, das Ganze mal ein bisschen zu entmystifizieren. Ich habe schon selbst sehr viele solcher Reisen gemacht, und von denen war keine wie bei „The Beach“. Und die Leute, die ich dort getroffen habe, waren auch nicht wie bei „The Beach“. Die sind nicht durch geheime Drogenfelder gelaufen – das schwerwiegendste, was passiert ist, war Durchfall oder den Bus zu verpassen. Es war mir wichtig, auch das Profane zu zeigen. Aber es ist ja eine liebevolle Kritik. Früher habe ich mir ja auch vorgestellt: Wenn ich mit dem Rucksack reise, lerne ich Land und Leute wirklich kennen. Dem ist aber nicht so, ich kann nur einen kleinen Eindruck gewinnen und bestimmt unterhalte ich mich mit drei, vier Einheimischen. Das sind aber im Normalfall auch dieselben, die mir etwas verkaufen wollen. Auf meinen Reisen ist mir auch aufgefallen, dass die Backpacker stark unter sich bleiben. Gerade wenn man einsam ist, unterhält man sich doch eher mit einem Schweden als mit einem Inder.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Bewegt man sich in Wahrheit auf ausgetretenen Pfaden? Von Thailand nach Australien und zurück?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Klar, aber auch innerhalb der Länder gibt es klassische Routen, die wir im Film genommen haben – dort wo eben jeder Backpacker hinfährt. Wir haben Leute in Indien im Osho-Resort getroffen und einige Zeit später sind uns dieselben Leute in Thailand auf Ko Phangan wieder begegnet. Es gibt natürlich auch einige Ausnahmen, die nach Irian Jaya oder Papua-Neuguinea fahren. Aber das wagen die wenigsten. Es geht wohl weniger um das Reisen, sondern um die Grenzerfahrung im persönlichen Sinn: das Alleine-Sein.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Aber dann könnte man ja auch auf eine einsame Berghütte in den Alpen fahren. Wie wichtig ist denn die Fremde? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Gerade in Asien ist alles so wahnsinnig fremd, dass es einen großen Einfluss auf die Reisenden hat. Auch die starken Emotionen im Film treten ja nur wegen der Fremde auf. Der Charakter Marion fühlt sich in ihrem Resort, in dem nur westliche Menschen sind, zuerst sehr aufgehoben, kommt danach doch noch in das „echte“ Indien und fühlt sich total verloren. Bei anderen, wie den Engländern auf Partyurlaub in Thailand, macht es natürlich keinen Unterschied, ob die Einheimischen jetzt Spanier oder Thais sind.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Ihr seid selbst diese Routen bereist. Wie haben die „wahren“ Backpacker auf euch reagiert?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Eigentlich ganz positiv, weil man ja einer von ihnen ist. Es gab aber ein paar Momente, bei denen es nicht so entspannt lief. Vor allem in Goa. Da gab es eine Fraktion Althippies, die uns nicht sehr gerne gesehen haben. Die meinten zwar, sie wären wahnsinnig zufrieden mit ihrem Leben dort, aber hatten gleichzeitig panische Angst, gefilmt zu werden. In Thailand hatten wir ein paar Probleme, weil die thailändische Kultur schon sehr fremd ist und man manchmal nicht weiß, wie man mit Konfliktsituationen umgehen soll. Wir hatten zum Beispiel eine Kussszene auf einer Party gedreht und wurden dann komplett von der Partymafia in die Mangel genommen wurde, so dass man wirklich Angst bekommen hat. Wir haben ihnen erklärt, dass sie etwas Falsches vermuten, aber wenn die einmal was denken wollen, dann hilft auch keine Argumentation mehr. Aber das war auch nur in Thailand so, in Indien sind die Leute eher gerade heraus. Vielleicht so wie Bayern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ro/roland-schulz/text/regular/517610.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Sonja Heiss, Regisseurin von &quot;Hotel Very Welcome&quot;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Bild: Kinowelt&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Dein Film heißt Hotel Very Welcome. Wie wichtig ist es überhaupt, im jeweiligen Land willkommen zu sein?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Eigentlich denkt man ja, das sei sehr wichtig. Aber Thailand und Indien wollen gar nicht wirklich Backpacker haben, sondern lieber mehr Pauschaltourismus. Und sobald genug Geld vorhanden ist, verschwinden die kleinen Hostels ja auch. Man erträgt die Backpacker, aber richtig gerne hat man sie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Trotzdem hat das Backpacking den Anspruch, moralisch weniger verwerflich zu sein als der Massentourismus.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Backpacker und Pauschaltourist setzen sich beide ins Flugzeug, blasen Kerosin in die Luft und schleppen ihre Devisen in das Land. Trotzdem gibt es wohl einen höheren Satz an Backpackern, die Interesse am Land haben und etwas mehr Kommunikation mit den Einheimischen betreiben, als Leute, die gar nicht erst aus ihrer Ferienanlage herauskommen. Tourismus hat immer eine negative Wirkung, aber das Geld wird gebraucht. Das habe ich auch zu thematisieren versucht, der Tourist leidet ja auch unter seiner Rolle als Geldautomat. Aber damit muss man leben. Man hat auf der Stirn stehen: Mein Flug hat mehr gekostet, als dein Jahreseinkommen.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
Backpacking findet in der Popkultur so gut wie nicht statt. Ist das nicht seltsam, wo doch jedes Jahr eine Horde von Abiturienten und Studenten auf die Welt los stürzt?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Das hat mich auch immer gewundert. Das sind ja Millionen, eine ganze Generation, jeder kann es sich leisten. Die Europäer unterscheiden sich auch gar nicht mehr stark in ihren Gewohnheiten. Es ist relativ irrelevant, ob ein Schwede oder ein Deutscher auf Tour gehen. Backpacking ist ein großes Thema, über das vor allem in realistischer Hinsicht wenig gemacht wurde, „The Beach“ kann man ausklammern. Trotzdem ist das Bild noch immer stark von Buch und Film geprägt: Backpacker sind  cool und hübsch. Es gibt ja sogar eine gewissen Dresscode, da fällt schnell auf, wenn man anders aussieht. Ich war mal in Burma und dort hat niemand mit mir geredet, weil ich viel zu saubere Klamotten an hatte.&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&lt;br /&gt;
So richtig gut geht es deinen Protagonisten ja nicht nach ihrer Reise.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Der Film erzählt ja auch davon, dass man nichts erzwingen soll. Dann passieren die schönen Dinge von selbst. Das Schwierige ist, wenn du dir für eine Reise zu viel vornimmst. Selbst wenn das scheinbar banal ist, wie etwa die perfekte Hütte am Strand zu finden. Wenn man die dann sechs Wochen nicht findet, ist man natürlich frustriert. Es muss ja nicht mal um das große Problem gehen, das man zu Hause gelassen hat, wie bei meinen Protagonisten. Es war wichtig zu zeigen: Worunter wir als westliche Menschen so unglaublich leiden, da wäre ein Inder wahrscheinlich froh, nur dieses Problem zu haben.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/408954</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/408954</guid>
      <pubDate>Thu, 29 Nov 2007 19:00:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Schäublone auf dem Auto - Thomas im Visier der bayerischen Polizei</title>
      <description>Stiller Protest schlägt hohe Wellen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ma/max-scharnigg/text/regular/490083.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis vor zwei Wochen war Thomas K. ein unbescholtener Bürger. Dann wird der 22-jährige Informatikstudent aus München bei einer Polizeikontrolle in Schwabing angehalten, sein Auto durchsucht. An der Innenseite eines Fensters prangt das Konterfei von Innenminister Wolfgang Schäuble im Stil einer Graffitischablone – mit der Aufschrift „Stasi 2.0“. Diese so genannte „Schäublone“ ist ein Werk des Berliner Informatikers Dirk Adler, der so auf die Datenschutzproblematik aufmerksam machen will, die mit den Plänen des Innenministers zur Onlinedurchsuchung von Computern und E-Mail-Überwachung einhergeht. Die Situation fasst der Betreiber des Weblogs dataloo.de so zusammen: „Für ein ganz klein wenig Mehr an Sicherheit geben wir sehr sehr viel Freiheit auf.“ 65 Prozent der Deutschen befürworten nach einer aktuellen Umfrage Schäubles Pläne. In der deutschen Blogger-Szene und unter Datenschützern ist dies freilich anders: Hier werden Schäubles Pläne als weiterer Schritt in Richtung Überwachungsstaat gesehen. Tausendfach prangt Adlers „Schäublone“ von deutschen Webseiten den Besuchern entgegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Thomas K. hatte sich die Schäublone ausgedruckt – „aus stillem Protest“, wie er sagt. Seit April 2007, als er das Bild in sein Auto klebte, hatte er nie Probleme. Er war wohl, wie man sagt, zur falschen Zeit am falschen Ort. Das Schäublekonterfei weckt das Interesse der Polizisten, vier Beamte im Ganzen. Es ging ihnen „um den Anfangsverdacht auf Beleidigung“, wie Markus Dengler, Mitarbeiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums, erklärt. Durch einen Anruf beim diensthabenden Staatsanwalt versicherten sich die Polizisten, dass dieser Tatbestand zumindest der Überprüfung bedürfe, es wird Anzeige erstattet, das Bild beschlagnahmt. Einen Beleg erhält er nicht. Er muss mit auf die Wache. Für Thomas bedeutete dies drei Stunden Wartezeit. „Im Nachhinein finde ich das fast lustig, zum Glück hatte ich was zu lesen dabei“, sagt er nun. Eine Gelassenheit, die erstaunt, denn mittlerweile harrt die Anzeige, wie Polizeisprecher Markus Dengler bestätigt, bei der Münchner Staatsanwaltschaft ihrer Bearbeitung. Ob es zu einer weiteren Verfolgung oder gar einem Prozess kommt, ist derzeit noch unklar. Der stille Protest an der Fensterscheibe, in seiner öffentlichen Wirkung ist er nicht vom Protest im Internet zu unterscheiden. Damit könnte die Anzeige gegen Thomas K. zu einem Fall werden, der Tausende von Webseitenbetreibern zu potentiellen Straftätern werden lässt.</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/398409</link>
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      <pubDate>Mon, 17 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der junge Mann und das Meer</title>
      <description>Nach seinem Abitur kaufte sich Johannes Erdmann ein Boot und segelte über den Atlantik. Fast ein Jahr war er unterwegs, von Lissabon in Portugal nach Charleston in South Carolina.
Über sein Erlebnis hat der inzwischen 21-jährige Schiffbaustudent aus Kiel ein &lt;a href=&quot;http://www.delius-klasing.de/shop/detail.php4?artid=1985&amp;thema=&amp;rubrik&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Buch&lt;/a&gt; geschrieben. Im Gespräch mit jetzt.de erzählt er, wie es ist, mit Schrittgeschwindigkeit über den Ozean zu fahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Johannes, wie war die Zeit vor der Reise, welche Reaktionen kamen aus Deinem Umfeld?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Meine Eltern waren natürlich gar nicht begeistert. Meine Mutter hat es mir wenigstens geglaubt. Mein Vater hat mich bis vier Wochen vor der Abfahrt gar nicht für voll genommen. Als er merkte, dass ich es ernst meine, wollte er mir sogar noch ein größeres Boot besorgen, weil er Angst bekommen hat. Im Freundeskreis war das Feedback ziemlich ausgeglichen – manche waren begeistert, manche haben mich für verrückt erklärt. Das ist ja auch verständlich, allein wegen dem Boot, das wir für 6000 Euro im Internet ersteigert hatten. Eigentlich wollten wir nur an der Ostseeküste entlang segeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie bist Du überhaupt auf die Idee gekommen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich habe mit 14 angefangen, Bücher über Weltumseglungen zu lesen. Seitdem war das mein großer Traum. Aber den wollte ich eigentlich erst nach dem Studium verwirklichen. Nach dem Abi bin ich dann aber ausgemustert worden, dadurch hatte ich ein Jahr bis zum Studium gewonnen. Aber nur rum sitzen, darauf hatte ich keine Lust. Erst habe ich das Projekt auch selbst nur halbherzig verfolgt, habe langsam versucht an Sponsoren zu kommen. Auf einmal hat sich eine Tür nach der anderen geöffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/488368.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Johannes auf seinem Boot, der &quot;Maverick&quot;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Schließlich bist Du nach Lissabon gefahren, um von dort zu starten.&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
Das war im Oktober 2005. Das Boot war schon ziemlich alt, über 30 Jahre und bereits vor der eigentlichen Reise hatte ich das erste Problem: Das Deck war unter dem Mast abgesackt. Das ist ein ziemlich dramatischer Schaden, und ich dachte, die Reise ist schon vorbei, bevor sie angefangen hat. Die Reparatur hätte lange gedauert und ich war sowieso schon sehr spät dran, das Wetter ist immer schlechter geworden. Kurz habe ich überlegt, meine Eltern anzurufen, damit sie mich wieder abholen. Dann bin ich trotzdem losgefahren. Ich dachte, dass ich so schnell nicht mehr so weit kommen würde - dass das Boot schon im Atlantik liegt, und ich nur noch einkaufen und losfahren muss. Ich habe dann einfach eine Stahlstange unter den Mast gestellt und die hat zum Glück bis auf die andere Seite gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wann hast Du das erste Mal realisiert, dass es nun wirklich losgeht?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Als ich losgesegelt bin, kam ziemlich schnell ein Gefühl der Ungewissheit auf. Man merkt, man ist total auf sich allein gestellt, dieses Gefühl kannte ich davor nicht. Auch diese Distanzen zu erleben, jeden Tag geht die Sonne zu einer anderen Zeit unter, das ist natürlich etwas anderes als mit dem Flugzeug zu reisen. Ich habe mir jeden Meter selbst erkämpft, das Wetter war wirklich miserabel. Das einzige gute Wetter habe ich zwischen Madeira und den Kanaren erlebt, und da hatte ich dann drei Tage lang überhaupt keinen Wind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie waren die ersten Tage auf See?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Die ersten fünf Tage hatte ich permanent Sturm. Auf dem offenen Meer ist das schon enorm. Davor war ich ja nur in der Ostsee segeln. Es ist schon ziemlich beängstigend dabei zu zusehen, wie eine sechs Meter hohe Welle auf dich und dein Boot zurollt, das selbst nur acht Meter lang ist. Ich saß im Cockpit und habe große Augen gemacht. Ich war für fünf Tage im Cockpit angeleint, habe dort geschlafen, war vollkommen durchnässt, habe gefroren und gehungert – mein Kocher ist nach ein paar Tagen kaputt gegangen. Über Satellitentelefon habe ich mit meinen Eltern telefoniert, die mich bekniet haben, das Boot schon auf Madeira zu verkaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/488369.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;So beschaulich war das Wetter nur selten&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Dieser Bitte bist Du nicht nachgekommen: Einen Monat warst Du non-stop zwischen den Kanaren und der Karibik unterwegs. Wie hält man diese lange Zeit alleine aus?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich hatte Tage, an denen sich das Boot selbst gesteuert hat. Da wartet man und sitzt die Zeit ab. Die Einsamkeit war gar nicht so schlimm. Es gibt ja auch Leute, die ohne anzulegen um die Welt segeln, ein Jahr lang. Nach einem Monat war ich so in meiner eigenen kleinen Welt drin, das hätte noch ewig so weiter gehen können. Stressig waren nur die Nachtwachen. Ich musste ständig aufpassen, dass ich nicht von einem anderen Schiff überlaufen werde, deswegen bin ich alle halbe Stunde aufgestanden und habe nachgesehen. Das muss man erst mal trainieren. So eine Nacht ist natürlich auch nicht sehr erholsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie war Dein Leben an Bord?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es stellte sich ziemlich schnell eine Routine ein. Ich hatte eigentlich immer etwas zu reparieren, meine Segel sind regelmäßig gerissen. Wenn man da drin steckt kommt einem der Gedanke, mitten auf dem Atlantik zu sein, gar nicht mehr so außergewöhnlich vor. Bloß in den Stürmen, da habe ich mich schon mal gefragt: „Was in aller Welt machst du eigentlich hier draußen?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Es war nicht außergewöhnlich?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Na ja, als ich realisiert habe, dass ich seit zwei Wochen in eine Richtung gesegelt bin und noch mal zwei Wochen vor mir habe, das war schon krass. Das klingt seltsam, aber erst dann habe ich gemerkt, wie groß die Welt doch ist. Ganz im Gegensatz zu Flügen, bei denen man an einem Ort einsteigt und auf der anderen Seite der Welt wieder aus. Ich bin ja im Prinzip mit Schrittgeschwindigkeit gefahren, sechs bis sieben Kilometer die Stunde, fast so, als wäre ich die ganze Strecke gelaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/488370.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Fotos:allein-auf-see.de&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nach einiger Zeit in der Karibik bist Du dann in den USA angekommen. Wie hast du diese Zeit erlebt?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Komischerweise war das Gefühl der Einsamkeit viel schlimmer, wenn ich in einem Hafen gelegen habe, als auf See. Ich bin ja auch einen Tag vor Weihnachten 2005 losgesegelt, um nicht zu erleben, wie alle um mich herum mit ihren Familien feiern, während ich allein in meinem Boot sitze. Nach den Monaten in der Karibik bin ich dann noch die halbe Ostküste hoch gesegelt. Weiter hätte ich es auch nicht mehr geschafft, das Boot hatte mittlerweile schon ein kleines Leck. Ich habe es dann wieder über das Internet verkauft. Das war ein wehmütiger Abschied, das Schiff war wie ein Partner. Wir haben diese Reise zusammen erlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Vor kurzem hast Du Deine Erfahrungen als Buch veröffentlicht. Was fühlst Du, wenn Du die eigenen Aufzeichnungen noch mal liest?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es war schon seltsam, die ganze Reise in der Hand zu haben. Nachdem ich wieder in Deutschland war, rückte das ganze Erlebnis ziemlich schnell in die Ferne. Ich konnte das noch gar nicht realisieren. Es war fast so, als hätte ich es nicht selbst erlebt, sondern in einem Buch gelesen. Auch an der Uni war es komisch, so ganz allein zwischen ein paar hundert Leuten zu sitzen und zu denken: „Was mache ich eigentlich hier - ich könnte doch auch in einem Boot sitzen.“ Aber die nächste Reise ist schon geplant.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397866</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397866</guid>
      <pubDate>Wed, 12 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Die Utopie einer zwanzigminütigen Umarmung</title>
      <description>Das chinesische Bruderpaar Gao Zhen und Gao Qiang zählt zu Chinas bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Am 11. September inszenieren sie eine ihrer Performances am Brandenburger Tor - Ziel ist es, einander fremde Menschen sich für 20 Minuten umarmen zu lassen. Mit jetzt.de sprach Gao Qiang, 45, über den Wert körperlicher Nähe in der modernen Gesellschaft und über Unterschiede in den Umarmgewohnheiten einzelner Länder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Wann haben Sie mit Ihren inszenierten Umarmungen begonnen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Unsere erste Performance haben wir im Jahr 2000 in der chinesischen Stadt Jinan durchgeführt. Damals wurden 150 einander fremde Leute eingeladen, sich für zwanzig Minuten zu umarmen. Das Konzept heißt: die Utopie einer zwanzigminütigen Umarmung. Seit damals haben wir in verschiedenen Ländern ähnliche Performances durchgeführt. Letztes Jahr beispielsweise in England. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ist Berlin ein spezieller Platz, um diese Umarmungen zu inszenieren?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Natürlich ist die Stadt allein aufgrund ihrer Geschichte ideal. Wir hatten schon lange vorgehabt, eine unserer Performances in Berlin durchzuführen. Ich denke, das Brandenburger Tor ist ein sehr guter Platz, um durch die Umarmungen Einigkeit zu symbolisieren. Dass heute der sechste Jahrestag der New Yorker Anschläge ist, erhöht die Bedeutung der Aktion natürlich noch. Nach dem 11. September 2001 wurden wir nach New York eingeladen, um dort unsere Performance zu starten. Leider durften wir zu dieser Zeit nicht aus China ausreisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div id=&quot;player2&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;script type=&quot;text/javascript&quot; src=&quot;http://jetztimg.sueddeutsche.de/videocasts/swfobject.js&quot;&gt;&lt;/script&gt;&lt;script type=&quot;text/javascript&quot;&gt;var s2 = new SWFObject(&quot;http://jetztimg.sueddeutsche.de/videocasts/flvplayer.swf&quot;,&quot;single&quot;,&quot;420&quot;,&quot;325&quot;,&quot;7&quot;); s2.addParam(&quot;allowfullscreen&quot;,&quot;true&quot;); s2.addVariable(&quot;file&quot;,&quot;jetztvideo/embrace.flv&quot;); s2.addVariable(&quot;image&quot;,&quot;preview.jpg&quot;); s2.addVariable(&quot;backcolor&quot;,&quot;0x000000&quot;); s2.addVariable(&quot;frontcolor&quot;,&quot;0xCCCCCC&quot;); s2.addVariable(&quot;lightcolor&quot;,&quot;0x557722&quot;); s2.write(&quot;player2&quot;); &lt;/script&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Szenen vom 11.9.2007, als die Gebrüder Gao ihre Performance am Brandenburger Tor aufführten&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Aus welchen Gründen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Von 1989 bis 2003 standen mein Bruder und ich auf einer schwarzen Liste der chinesischen Regierung, die es uns nicht erlaubte, ins Ausland zu reisen. Damals hatten wir eine öffentliche Erklärung unterschrieben, die forderte, einige Dissidenten aus politischer Haft zu entlassen. Aber auch mit unserer Kunst war die Partei nicht einverstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Gibt es in den einzelnen Ländern Unterschiede in den Umarmgewohnheiten der Leute?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Auf jeden Fall. In China ist es sehr schwierig, die Leute dazu zu bewegen, sich zu umarmen. Viele Menschen dort sind sehr schüchtern und nicht an Körperkontakt gewohnt. Allgemein gesagt ist es für uns sehr viel leichter, die Performances in westlichen Ländern durchzuführen, dort sind  die Leute offener und verstehen das &quot;Konzept Umarmung&quot;. Aber im vergangenen Jahr in England war es auch nicht einfach. Es klingt zwar wie ein Klischee, aber die Leute dort sind etwas steif. Es dauerte eine Weile, bis wir Leute fanden, die von einer ihnen fremden Person umarmt werden wollten. Lustigerweise waren sogar Polizisten darunter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487928.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Fotos: &lt;a href=&quot;http://www.world-hug-day.net&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;world-hug-day.net&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie überzeugen Sie die Leute, sich von Fremden umarmen zu lassen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir haben im Vorfeld im Internet für unsere Aktion geworben und Freiwillige gesucht, die uns heute beim Umarmen helfen werden. Wir haben auch einige Freunde in Berlin, die uns dabei helfen, unsere Botschaft zu verbreiten. Dann ist es vielleicht leichter, sich dazu zu überwinden. Es klingt so einfach, das ist aber nicht der Fall. Ich bin mir nicht sicher, wie viele Leute kommen werden. Aber selbst wenn nur ein Mensch kommt, dann umarme ich eben nur diesen einen Menschen. Das ändert nichts an der Bedeutung der Aktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Welche Bedeutung könnte das sein?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es gibt einfach einen großen Bedarf an körperlicher Nähe und Geborgenheit in der heutigen Welt, in der die Leute oftmals von einer sozialen Kälte umgeben sind, unabhängig ob sie in der östlichen oder westlichen Gesellschaft leben.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397737</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397737</guid>
      <pubDate>Tue, 11 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen am Ende: Eva Herman vs. Britney Spears</title>
      <description>Am vergangenen Wochenende haben sich gleich zwei große Show-Damen offiziell von der Bühne verabschiedet - nicht ganz freiwillig. Die eine stolperte über einen Nazi-Vergleich, die andere über eine Bühne in Las Vegas. Zum Abschied gibt es noch einmal die Höhepunkte aus den Karrieren der Eva H. und Britney S.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Der Anfang vom Ende&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487483.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das endgültige Karriereende&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487482.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Da lachten sie noch&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487484.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Karrierehöhepunkt&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487486.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Unerreichte Vorbilder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487488.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Bevorzugtes Getränk&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487490.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Gegenspieler&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487492.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;In einem früheren Leben&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487493.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Woran es letztendlich mangelte&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487496.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Prognose&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487499.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wer leidet am meisten&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487501.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die verbliebenen Fans&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/487502.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Bilder: dpa, AP&lt;/span&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397587</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397587</guid>
      <pubDate>Mon, 10 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Schlechtes Zeugnis für Zeugnisse</title>
      <description>Die Dienstleistungsgewerkschaft hat Arbeitszeugnisse untersucht. Ihr Ergebnis: Vorsicht ist angebracht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In schlechten Fällen sind es harmlos erscheinende Formulierungen, die sich nach Dechiffrierung als karrierevernichtende Brandrede entpuppen. In guten Fällen ergießt sich ein Superlativregen über den ausgeschiedenen Mitarbeiter. Die Personalleiterpoesie, die oftmals in Arbeitszeugnissen verwendet wird, ist nicht einfach zu übersetzen. Das liegt an der gesetzlichen Vorschrift, dass die Bewertungen keine negativen Formulierungen enthalten dürfen. Um sich im Dickicht dieser Codes zurechtzufinden, gibt es bereits eine Menge Beraterliteratur, sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Und doch, so zeigt eine Untersuchung der Dienstleistungsgesellschaft ver.di, sind praktisch alle Arbeitszeugnisse mangelhaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/di/dirk-vongehlen/text/regular/487083.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;In der Schule ist die Sache noch vergleichsweise einfach, doch wie verhält man sich, wenn im Zeugnis keine Zensuren mehr stehen? Verdi hats untersucht. Foto: dpa&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zeitraum zwischen Juli 2005 und Mai 2007 untersuchte die Arbeitzeugnisberatung der Gewerkschaft 2650 Arbeitszeugnisse und kam zu dem alarmierenden Resultat, dass 80 Prozent der ausgestellten Zeugnisse in Form oder Inhalt mangelhaft sind. Nach Ansicht der Berater fehlt es auf beiden Seiten oft an Kenntnis darüber, wie ein Zeugnis aufgebaut sein, und welche Elemente es enthalten soll. „Besonders problematisch wird es, wenn die Unterlagen maschinell ausgewertet werden – fehlt eine wichtige Passage oder steht eine wesentliche Information an der falschen Stelle, wird die Bewerbung sofort aussortiert“, erklärt Gisela Schamann von der ver.di-Arbeitszeugnisberatung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kritikpunkt der Beratungsstelle ist die fehlende Individualität in den Bewertungen, die allzu oft nach einem simplen Satzbaukastensystem erstellt würden. Durch die allgemeinen Floskeln komme es dazu, dass man nach der Zeugnislektüre kaum mehr weiß, in welcher Branche oder Position der Arbeitnehmer angestellt war. „Ich habe Zeugnisse von wissenschaftlichen Mitarbeitern gesehen, in denen der bewertende Teil so stark verallgemeinert war, dass man dieses Zeugnis auch einer Fleischereifachverkäuferin zuordnen hätte können“, sagt eine Beraterin von ver.di, die an der Auswertung der Zeugnisse mitgearbeitet hat. Gerade in großen Unternehmen, die über eigene Personalabteilungen verfügen, arbeiten die Verantwortlichen gerne mit diesen schlichten Botschaften. Auf der anderen Seite, bei kleinen und mittelständischen Betrieben „schreiben hingegen die Geschäftsführer oft wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, das kann auch oft zu Missverständnissen führen“, so die Erkenntnis von ver.di. Das bedeutet, dass der neue Arbeitgeber in 80 Prozent der Fälle keine Möglichkeit hat, sich ein Bild über den Bewerber zu machen, das abseits von Allgemeinplätzen entstehen könnte. Nicht gerade das beste Vorzeichen für eine erfolgreiche Jobsuche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass Tätigkeiten, die als geringer angesehen werden auch tendenziell schlechter bewertet würden, wohingegen Führungskräfte, sollten sie sich nicht einen groben Schnitzer geleistet haben, Gefälligkeitszeugnisse ausgestellt bekommen. Generell stellen die Berater eine hohe Sensibilität und eine großes Misstrauen der Arbeitnehmer gegenüber den ausgehändigten Zeugnissen fest. Doch Adjektive wie etwa „kontaktfreudig“ oder „gesellig“, die unter den Personalern als Chiffren für Alkoholismus und innerbetriebliche Affären stehen, und demnach als Karrierekiller gelten, kommen der Erfahrung nach höchst selten vor. Tritt man an den Personalverantwortlichen heran, könne man in den meisten Fällen die gewünschten Änderungen erreichen, sollte es sich dabei nicht um gravierende Nachbesserungen bei der Bewertung der Arbeitsleistung handeln. Durch diesen Schritt könnte wohl eine Vielzahl der mehr als 20.000 Prozesse, die jährlich um Arbeitszeugnisse vor dem Arbeitsgericht geführt werden, vermieden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekommt man von seinem Arbeitnehmer das Angebot, sein Zeugnis selbst zu schreiben, so die Beratungsstelle, kann man zwar für die nötige individuelle Note sorgen, sollte sich aber zuvor auf jeden Fall ausführlich informieren. Sonst läuft man Gefahr, dass der Vorgesetzte die eigenen formellen Fehler abzeichnet. Dann könnte eine nachträgliche Änderung schwierig werden.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397461</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397461</guid>
      <pubDate>Sun, 09 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Wie ein besetztes Haus Dänemarks Jugend politisiert</title>
      <description>Im März brannten nach der gewaltsamen Räumung eines besetzten Hauses Kopenhagens Straßen. Ein halbes Jahr später kam es erneut zu Ausschreitungen. Dass jedoch auch friedlich demonstriert wurde, wurde kaum berichtet. Jetzt.de sprach mit Carsten Bo, 45, einem der Organisatoren des Protests.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Carsten, was genau habt Ihr in dieser Woche bereits getan?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Seit letztem Donnerstag finden in Kopenhagen Veranstaltungen statt, die gegen den Abriss des Ungdomshuset Jugendhauses Anfang März protestieren. An jedem Tag gibt es verschiedene Aktionen. Am Montag haben wir zum Beispiel einen Anti-Kommerz Tag organisiert. In der Fußgängerzone gab es eine große Versammlung mit Zelten, Infoständen und Workshops. Dort wurden die Leute auch über leer stehende Häuser informiert, die sie besetzen können. In Kopenhagen gibt es sehr viele junge Leute, die es sich nicht leisten können, in der Stadt zu wohnen. Gleichzeitig gibt es sehr viele Häuser, die ursprünglich als Bürogebäude geplant waren und nun seit langer Zeit leer stehen. Natürlich ist es illegal, Häuser zu besetzen - wir haben den Leuten nur gesagt, wo die Häuser stehen. Ich hörte einige Jugendliche, die darüber sprachen, es zu tun, aber ob es wirklich passiert weiß ich nicht. Das war aber nur eine unserer Aktionen gestern. In einem anderen Zelt konnten sich Passanten einen Aktivisten „ausleihen“, der ihnen von unseren Plänen und Gründen in einer persönlichen Atmosphäre erzählte. Das kam sehr gut an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie ist die Haltung der Allgemeinheit gegenüber eurer Bewegung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir bekommen schon die ganze Woche sehr hohe und sehr positive Resonanz. Natürlich sind die Leute nicht glücklich, wenn Geschäfte angezündet werden. Aber sie verstehen, dass viele Leute wütend über den Verlust des Hauses sind. Leider ist es wie immer – die Presse berichtet nur über die Szene, wenn es wieder Ausschreitungen gibt. Am Samstag war die Räumung ein halbes Jahr her und in all der Zeit haben wir jede Woche drei oder vier Aktionen gemacht, die vollkommen gewaltfrei abliefen. Darüber wurde aber nicht berichtet. Jeden Donnerstag gab es eine Demonstration, die sogar in den Sommerferien, bei strömendem Regen oder während des Roskilde Festivals von mindestens 300 Leuten besucht wurde. Seit den Ereignissen im März gibt es eine große alternative Bewegung. Mittlerweile verkaufen viele Läden Klamotten mit unserem Logo, der 69 aufgedruckt, aber dafür haben wir nie Geld gesehen. Für viele Leute ist der Protest eben nur eine Mode. Wir haben damit angefangen, um die Bewegung zu finanzieren. Der Mainstream übernimmt unsere Symbole, wie es schon oft passiert ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Warst du oft im Ungdomshuset?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ja, ich war von Anfang dabei, als wir es Mitte der Achtziger bekamen. Mittlerweile waren auch meine Kinder oft dort. Das ist natürlich ein extra Ansporn, mich dafür zu engagieren, dass es einen Ersatz gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/486051.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Szenen vom 30.August, als 2000 Demonstranten für ein neues Jugendhaus auf die Straße gingen. Mit Dank an &lt;a href=&quot;http://www.modkraft.dk&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Modkraft.dk&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Am morgigen Donnerstag ist der letzte Tag der Aktionswoche – was habt Ihr vor?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir haben die ganze Woche verschiedene Thementage veranstaltet. Am Dienstag gab es eine Antisexismusveranstaltung, heute ist Kulturtag – wir montieren Boxen auf ein paar Trucks und beschallen damit die Stadt. Wenn wir kein Haus haben, leben wir unsere Kultur eben auf der Straße aus. Am letzten Tag wird es eine große Demonstration geben, die von 69 verschiedenen Orten in Kopenhagen startet. Dann ziehen wir zuerst nach Norrebro, dem Viertel, in dem das Ungdomshuset stand und später vor das Rathaus, wo es eine Kundgebung geben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Der Protest vereinigt verschiedene alternative Szenen, wie ist die Verständigung innerhalb der Bewegung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Der Vorfall um das Ungdomshuset versammelt die verschiedenen alternativen Gruppen um ein gemeinsames Ziel. Ich bin seit langer Zeit dabei, und habe die Entwicklung beobachtet. Meiner Meinung nach war die Bewegung noch nie so groß wie im Moment.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Von welchem Ziel sprechen wir genau? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ein Ersatzhaus ist das Minimum, denn vor zwei Jahren wurde bereits ein besetztes Haus geräumt. Damals sagte die Stadtregierung den Besetzern zu, dass Ersatz gestellt wird, wenn sie protestfrei abziehen. Das ist jedoch nie geschehen. Es geht uns aber auch um die Möglichkeit, Plätze zu haben, an denen wir uns vom Mainstream absetzen können. Das wird immer schwieriger - der Freistaat Christiania wird mehr und mehr normalisiert. Mittlerweile gibt es sogar Touristenführungen durch diesen Stadtteil. Auch zum Platz wo früher das Ungdomshuset stand, fahren inzwischen Touristenbusse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Für wie groß hältst Du die Chancen, dass die Stadt einlenkt? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Das ist schwierig zu sagen. Verständlicherweise ist Ritt Bjerregaard (die Bürgermeisterin von Kopenhagen, Anm. d. Red.) nicht erfreut, dass es immer wieder Straßenkämpfe in ihrer Stadt gibt. Ich denke, dass sie nicht einlenken kann, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das wäre wohl politischer Selbstmord. Sie äußert sich normalerweise auch nicht zu diesem Problem, es sei denn, es gibt gewaltsame Ausschreitungen. Der friedliche Protest wird nicht kommentiert. Seit einiger Zeit gibt es nun eine Gruppe, die sich G13 nennt. Sie haben vor, ein Haus zu besetzen, um einen Ersatz zu schaffen. Allerdings kündigen sie ihren Plan zum ersten Mal davor an. Damit geben sie der Stadt die Möglichkeit, einen Dialog zu starten und sich mit der Bewegung auseinander zu setzen. Wenn das nicht geschieht, dann werden sie es natürlich ohnehin tun. Ich glaube, dass das eine sehr große Aktion wird, viele Leute sind schon sehr gespannt. Vor kurzem habe ich mit einigen Leuten gesprochen, die sagten, dass sie eine Art Training im Hausbesetzen durchführen. Die Leute sollen lernen, sich gewaltfrei durchzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was hältst du persönlich von den Krawallen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich verstehe, dass die Leute wütend sind. Ich sage nicht, dass ich dafür bin, aber ich kann es verstehen. Das einzige Problem ist, dass von Seiten der Medien, der Polizei und der Politik immer nur von Halbstarken gesprochen wird, die Ärger suchen. Das ist aber nicht der Fall. Es gibt Leute aller Altersklassen und unterschiedlicher Bildung, die einen für sie sehr wertvollen Platz verloren haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Schaden die Ausschreitungen nicht dem Ruf der Bewegung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Die Leute, die schon immer gegen das Haus waren, interessiert das sowieso nicht. Wir kriegen sehr viel Sympathie aus der Bevölkerung. Ich war am Samstag dabei und habe viele Anwohner und  Leute aus Norrebro getroffen, die sagten, dass sie uns verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was passiert im März 2008, zum Jahrestag der Räumung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir feiern eine große Party, weil wir bis dahin ein neues Jugendhaus haben werden.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397043</link>
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      <pubDate>Wed, 05 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Glas zu Geld: Wie man mit Pfandbons helfen kann</title>
      <description>Raul Krauthausen, 27, studiert an der Universität der Künste in Berlin. Zusammen mit seiner Gruppe &lt;a href=&quot;http://www.sozialhelden.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Sozialhelden&lt;/a&gt; startet er am Donnerstag die Aktion &lt;a href=&quot;http://pfandtastisch-helfen.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Pfandtastisch helfen&lt;/a&gt;. Dabei werden die Bons von Pfandautomaten gesammelt und das darauf gut geschriebene Geld an Hilfsorganisationen gespendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir haben vor zwei Jahren eine Party bei uns zu Hause gefeiert. Danach sind ziemlich viele Pfandflaschen übrig geblieben, und wir haben dann überlegt, wenn wir sie zurück geben, haben wir dann doch nur sechs Euro. Man tut das ja nicht wegen dem Geld, sondern wegen der Umwelt oder weil man die Wohnung sauber haben will. Dann haben wir überlegt, wem sechs Euro noch was bringen und ein Freund meinte, man sollte das Geld spenden. Diese Idee Sammelboxen einzurichten haben wir dann bei einem Wettbewerb eingereicht und dort den ersten Platz belegt. Daraufhin hat sich die Berliner Tafel bei uns gemeldet. Davor haben wir zwar schon nach Kooperationen gesucht, daraus hat sich aber nichts ergeben. Die Tafel hat dann den Kontakt mit einer Supermarktkette aufgenommen, die die Boxen in ihren Filialen aufstellt. In Schleswig-Holstein geht der Kontakt nicht über eine ganze Kette sondern über einzelne Filialen. Dort werden die Spenden an Pro Familia gehen. Wir versuchen auf jeden Fall die Aktion auf ganz Deutschland auszuweiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Am Donnerstag startet eure Aktion. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Seit vier Monaten steht eine Testbox in einem Supermarkt. Bis heute konnten wir damit 700 Euro einnehmen. Während dieser Zeit haben wir noch einige Kinderkrankheiten ausgemerzt und zum Beispiel die Optik der Box verändert. Geplant sind aber 100 Boxen. Wenn man das hochrechnet kommt eine Menge Geld zusammen. Das gespendete Geld geht von uns zu Hundert Prozent an die Hilfsorganisation Berliner Tafel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/486014.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Raul Krauthausen (li.) und sein Kollege bei den Sozialhelden, Jan Mörsch. Im Vordergrund wertvolles Pfandgut&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie ist die Reaktion der Kunden?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Durchweg positiv. Wir bekommen das Feedback zwar nicht direkt von den Leuten, sondern nur über die Filiale, aber viele Verkäufer haben erzählt, dass sie auf die „gute Idee“ angesprochen worden sind. Dass das Projekt angenommen wird, zeigt aber vor allem der bis jetzt gesammelte Geldbetrag. Wir rechnen, dass wir pro Box und Tag in etwa vier Euro einnehmen werden. Bei momentan Hundert Stück ist das auf jeden Fall eine Summe, mit der eine Hilfsorganisation wie die Tafel viel anfangen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ihr nennt euch die Sozialhelden – wer steckt dahinter?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich habe die Gruppe zusammen mit meinem Freund Jan Mörsch gegründet. Mittlerweile sind die Sozialhelden zu einem losen Netzwerk gewachsen. Wir haben Kontakt zu BWLern, Grafiker, Werber, oder Architekten, die sich mehr oder weniger sozial engagieren. Zusammen versuchen wir jetzt regelmäßig, ähnliche Projekte aufzuziehen. Das hat aber nichts mit Mitleid zu tun. Wir wollen nicht nur notorische Weltverbesserer ansprechen, es geht darum, auch für die Spender einen Mehrwert zu generieren. Wenn man die Flaschen zurückgibt, hat man das Geld im Kopf eh schon ausgegeben. Das tut dann auch nicht weh. Wir haben auch schon früher einige Projekte gestartet. 2004, damals lief auf RTL gerade die erste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ haben wir anstatt einen Star zusammen mit einem Radiosender den Superzivi gesucht. Das war damals sehr erfolgreich. Unser bisher größtes Projekt ist aber „Pfandtastisch helfen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Foto:privat)&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/397068</link>
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      <pubDate>Wed, 05 Sep 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Sicherheit erfordert Freiheit</title>
      <description>Werner Hülsmann, 45, selbstständiger Datenschutzberater und Mitarbeiter des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung. Für Ende September plant dieser eine Demo gegen den Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;In drei Wochen wird es in Berlin eine große Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung geben – aus welchem Anlass?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konkret geht es darum, dass die Verabschiedung des Gesetzes kurz bevorsteht. Am 21.9 gibt es eine Anhörung vor dem Rechtsausschuss des Bundestags. Davor wollen wir ein weiteres Mal deutlich machen, dass es viele Bürger gibt, die sich gegen die Vorratsdatenspeicherung und den immer stärker um sich greifenden Überwachungswahn wehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wird es dabei nur um die Vorratsdatenspeicherung gehen, oder auch um andere Vorhaben der Regierung wie den so genannten Bundestrojaner?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich das Hauptthema, aber es gibt einen ganzen Katalog von Dingen, die wir kritisieren. Dazu gehören neben der Onlineuntersuchung die Videoüberwachung, die Einführung von Biometrie und RFID-Chips in Pässen und das Erheben von Flugpassagierdaten und das Aufzeichnen von Kfz-Kennzeichen. Darüber hinaus fordern wir auch, dass die bestehenden Überwachungsgesetze in den Prüfstand kommen und zwar nicht nur solche, die seit 2001 verabschiedet worden sind, sondern alle seit 1968 beschlossenen Gesetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nun könnte man argumentieren, dass die Regierung mit diesem Gesetz nur eine EU-Richtlinie umsetzt und keine andere Wahl hat.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Regierung ist auch daran beteiligt gewesen, dass es überhaupt zu dieser Richtlinie kam. Und dass, obwohl der Bundestag zuvor beschlossen hat, dafür keine Zustimmung zu geben. Eine weitere Sache ist: Auch die EU kann keinen ihrer Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, eine verfassungswidrige Regelung einzuführen. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass den aktuellen Klagen gegen die Vorratsdatenspeicherung vor dem europäischen Gerichtshof statt gegeben wird, so dass es zumindest sinnvoll gewesen wäre zu warten, bis diese Klagen verhandelt worden sind. Hinzu kommt noch, dass die Bundesregierung in ihrer Umsetzung weitergehen will, als es die ursprüngliche Richtlinie vorgesehen hat. Ursprünglich sollte die Datenspeicherung nur für schwere Straftaten benutzt werden – in Deutschland umfasst der der Straftatenkatalog alles von der Beleidigung per Telefon über Internetbetrug bis hin zur Urheberrechtsverletzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ihr Arbeitskreis will nun Verfassungsbeschwerde einreichen.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben vor diese Beschwerde einzureichen, sollte das Gesetz verabschiedet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/mi/michael-moorstedt/text/regular/485648.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Werner Hülsmann&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie viel Unterstützung erfahren sie in der Gesellschaft?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Verfassungsbeschwerde haben über 5000 Bürger ihre Vollmacht in Papierform an unseren rechtsanwalt geschickt. Online sind es noch wesentlich mehr, allerdings benötigen wir für die Beschwerde diese Vollmacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Man könnte meinen, das sei vergleichsweise wenig Resonanz.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für ein Datenschutzthema ist das sogar eine sehr hohe Resonanz, dass sieht man allein an der Liste der Unterstützer auf unserer Website. Im Vergleich zu anderen Vorhaben, wie beispielsweise der Flugdatenspeicherung gibt es eine relativ breite Basis der Ablehnung und ein hohes Bewusstsein. Dass diese Themen im Allgemeinen eine geringe Aufmerksamkeit genererieren, kann ich mir nur damit erklären, dass in den vergangenen Jahren keine größere Datenschutz-GAUs an die Öffentlichkeit gelangt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ist die geringe Beteiligung vielleicht auch als ein Zeitgeistphänomen zu betrachten?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das denke ich schon. Es hat in den letzten Jahren eine Entwicklung stattgefunden, die den Wert der Privatsphäre geringschätzt. Viele stellen sich und ihre Privatleben in Blogs oder sozialen Netzwerken dar. Daneben gibt es auch die Problematik mit den Bonusprogrammen oder Gewinnspielen, bei denen jedes Jahr Millionen von Daten und Adressen eingesammelt werden. Man kann sagen: Die allgemeine Sensibilität für den Wert der Privatsphäre hat sich reduziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Auf ihrer &lt;a href=&quot;http://www.vorratsdatenspeicherung.de&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Website&lt;/a&gt; zeichnen auch viele Unterstützer aus politischen Nachwuchsorganisationen.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich finde es sehr spannend, dass beispielsweise die Jusos mit ihrer Unterstützung ganz offen ihre Mutterpartei kritisieren. Inwieweit dort aber Überzeugungsarbeit geleistet werden kann, ist natürlich eine andere Frage. Aber unsere Erfahrung ist, dass es auch in den Regierungsfraktionen viele Abgeordnete gibt, die da einverstanden sind und wir haben bereits einige Stimmen gehört, die sagen, dass sie gegen das Gesetz stimmen werden. Auch viele Ortsverbände haben sich gegen die Vorratsdatenspeicherung eingesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie ist es die Datenschutzsituation in der freien Wirtschaft einzuschätzen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rabattprogramme oder RFID-Chips sind keine Dinge, die gegen geltendes Recht verstoßen, sondern Methoden, die das Recht so weit wie möglich ausnützen. Leider ist es so, dass geltendes Recht den momentanen Entwicklungen nicht standhält und wir nicht immer von dem so genannten mündigen Bürger ausgehen können, der sich bewusst ist, dass er möglicherweise für ein Prozent des Preises seine Daten preisgibt. Auf der anderen Seite ist natürlich auch so, dass etwaige Verstöße von den Aufsichtsbehörden nicht ausreichend sanktioniert werden. In Bayern sind es, glaube ich, gerade mal fünf oder sechs Leute, die dafür zuständig sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie machen sie Leuten die Problematik klar, die sagen, sie hätten nichts zu verbergen und deswegen auch nichts dagegen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu habe ich vor kurzem auf einem Vortrag einen sehr guten Satz gehört. Der Redner sagte: Es gibt ja auch ein Arztgeheimnis, ein Bankgeheimnis und ein Steuergeheimnis gibt und wer dann immer noch nichts zu verbergen hat, der ist ein armer Mensch, weil er offensichtlich in keiner Weise ein Privatleben hat, das es sich zu schützen lohnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das Motto der Demo heißt Freiheit statt Angst. Denken Sie, dass es Menschen gibt, die ihre Freiheit aufzugeben bereit sind, um keine Angst mehr zu haben?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau auf diesen Mythos zielen wir ab. Es ist ja nicht so, dass durch diese Maßnahmen mehr Sicherheit entstehen würde. Letztes Jahr hat es ein Datenschutzranking gegeben, bei dem Deutschland noch als eines der liberalsten Länder gelistet wurde und selbst Angela Merkel hat ja gesagt, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt sei. Man könnte also folgern, dass Sicherheit Freiheit erfordert. Ein anderes Beispiel ist Großbritannien, ein Land mit einer sehr hohen Dichte an Videoüberwachung - jeder Londoner Bürger wird im Schnitt 300 mal täglich gefilmt, trotzdem ist die Stadt nicht sicher. Außerdem wird 80 Prozent des Etats für Kriminalitätsprävention für die Überwachung ausgegeben, andere Projekte, die mit Sicherheit mehr erfolg versprechen würden, bleiben auf der Strecke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Foto: privat)&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/396948</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/396948</guid>
      <pubDate>Tue, 04 Sep 2007 19:10:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Jan Delay über HipHop und Freestyle</title>
      <description>armin-wolf hatte die Gelegenheit vor Jan Delay zu rappen (&lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/392632&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; kannst du dir seinen Freestyle anschauen). Er selber fands nicht so gut, was aber  sagt Jan Delay dazu. Ein Interview.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Jan, was hältst Du denn nun von Armins Freestylekünsten?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Er bewegt sich im soliden Mittelfeld. Ich habe auf jeden Fall schon mal Leute gehört, die besser waren aber auch auf jeden Fall solche, die sehr viel schlechter waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Armin meinte gerade, er sei gestresst von seinem „wacken Rap“, wie viel Bedeutung hat der Text im eigentlichen Sinn? Beim letzten Stück hat er ja eine Menge Unsinn erzählt.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Aber das macht einen Freestyle aus, egal ob er nun gut oder schlecht ist. Man muss einfach extrem schnell Zeilen im Kopf bilden. Da kommt es schon mal vor, dass man Unsinn erzählt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/di/dirk-vongehlen/text/regular/475792.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Der Rapper als Lehrer: Jan Delay hier selber auf der Bühne, Foto: ap&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das erste Stück hat ja in gewisser Weise doch Sinn ergeben. Wie wichtig ist das für einen guten Freestyle?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Das darfst du mich nicht fragen, sondern die Freestyle-Rapper. Ich habe damit ja vor 15 Jahren aufgehört. Wenn man das ernsthaft betreiben will, muss man das jeden Tag machen. Sobald du Pause machst, bist du sofort aus dem Training.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Weshalb hast du denn damit aufgehört?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich wollte einfach richtige Songs schreiben und hatte nicht mehr die Zeit und die Energie, jeden Tag durch Gegend zu freestylen. Wenn man sich richtig damit beschäftigt und richtig darin aufgeht dann verliert man auch die Fähigkeit, Songs zu schreiben. Man kann sagen: Gute Freestyler schreiben schlechte Songs. Richtig gute Freestyler - wie Samy Deluxe oder David P - haben jeden Tag gefreestylt. Von Sam weiß ich, dass er über zwei Jahre jeden Tag von morgens bis abends nichts anderes gemacht hat. Danach war er der Beste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Aber die beiden schreiben ja auch „echte“ Songs.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Sam hat ja auch wieder damit aufgehört. Aber wenn man das so extrem betrieben hat, und so viele Wettbewerbe gewonnen hat wie die beiden, fällt es auch leichter für längere Zeit Pause zu machen und danach immer noch einen guten Freestyle zu kicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ist das ein logischer Karriereschritt, vom Freestyle zum Lieder schreiben?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Definitiv, das ist einfach die billigste und einfachste Art sich selbst zu trainieren und gleichzeitig einen gewissen Namen zu bekommen. Aber irgendwann steigt dann auch der eigene Anspruch. Das geht mir mit meinen Alben auch so: Ich mag keine Platten doppelt machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Du hast ja in der Szene eine gewisse Deutungshoheit über den deutschen HipHop? Was denkst du über die aktuelle Lage?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ja, es gibt ihn immer noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie wäre es denn mit einer etwas profunderen Analyse?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich finde es sehr gut, was gerade passiert. Es ist nicht so, dass ich mir jeden Tag in der Küche die aktuellen Platten anhöre, aber weil ich selber meine Wurzeln im HipHop habe, freue ich mich, dass die Szene unabhängig bleibt und die Indie-Labels viele Platten verkaufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Momentan gibt es aber auch einige Leute, die bei Major Labels unter Vertrag genommen wurden.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ja, aber die verkaufen eben keine Platten. Der einzige, der auf Major Erfolg hat, ist Bushido, alles andere ist Indie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Gibt es immer noch den Authentizitätsbonus für Indie-Labels?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Nein, das liegt einfach daran, dass die Majors nicht peilen, was geht, und vor einigen Jahren  dachten, Rap ist tot. Die Macher der kleineren Labels, wie beispielsweise AggroBerlin wussten, dass das nicht der Fall ist, und haben sich in Ruhe aufbauen können, und gute Künstler unter Vertrag genommen. Dann hatten sie auch Erfolg. Nach Jahren hat das die Industrie wieder gemerkt und versucht jetzt krampfhaft, irgendwelche Halbgangster zu signen, um auch noch was vom Kuchen abzukriegen. Aber die Leute merken halt, dass das nicht der richtige Shit ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die meisten Künstler, die bei AggroBerlin unter Vertrag stehen, verbreiten eine sehr krude Message. Kann man diesen Erfolg überhaupt gutheißen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wie gesagt, das ist nicht die Musik, die ich mir selbst anhöre. Aber es verwundert mich doch, wenn die Leute damit nicht klar kommen. Als ich mit HipHop angefangen habe und  amerikanischen Rap gehört habe, wurde das auch schon erzählt. Die ganze Empörung liegt doch nur daran, dass die Texte jetzt auf Deutsch gerappt werden. Kool Herc oder NWA haben schon vor zwanzig Jahren geschrieben, dass sie deine Mutter ficken.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/393241</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/393241</guid>
      <pubDate>Tue, 07 Aug 2007 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>

  </channel>
 
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