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    <title>meredith-haaf.jetzt.de</title>
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    <description>Alle Texte von meredith-haaf auf jetzt.de</description>
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      <title>meredith-haaf.jetzt.de</title>
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    <item>
      <title>Hilfe, die Welt will was von uns</title>
      <description>Sie sind ängstlich, lieb und unfähig, Verantwortung zu übernehmen - was ist bloß mit der Generation der 25-Jährigen los? Acht Thesen einer Betroffenen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;1. Meine Generation ist geschwätzig&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit warb ein Mobilfunkanbieter mit dem Slogan »Quatsch dich leer«. Der Werbefilm zeigte Früh- bis Spätzwanziger, deren Körper im Laufe endloser Telefonate so lange an Volumen verloren, bis sie am Ende nur mehr als platte Hüllen auf dem Boden lagen, mit übergro-ßen, unbeirrt schwatzenden Köpfen. Selten habe ich in den Medien ein so zutreffendes Bild meiner Generation gesehen. Denn wenn es eins gibt, das sie quer über alle Grenzen von Wohlstand, Bildung oder Ethnie hinweg eint, dann das hemmungslose Mitteilungsbedürfnis. Wir posten Weblinks bei Twitter, laden Fotos bei Flickr hoch, aktualisieren unsere Statusmeldungen bei Facebook und scheuen dabei keine Banalität. Eine meldet, dass sie mit ihrem Boyfriend chillt, die andere brät sich ein Steak – »Mmm, lecker« –, der Nächste kratzt sich am Kopf. Die Grunger und Raver vor uns waren süchtig nach Party, Drogen und merkwürdiger Synthetikkleidung. Wir sind vor allem süchtig danach, etwas zu sagen. Egal, was.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/ph/philipp-mattheis/text/regular/717688.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;2. Wir sind nicht fähig, Kritik zu üben&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Um noch kurz online zu bleiben – das Geschäftsmodell von Facebook und Twitter lebt davon, Nutzer möglichst häufig auf ihre Seiten zu ziehen und dort möglichst aktiv zu halten. Interaktion findet aber vor allem in Form von Lob statt. Jeder für gelungen befundene Inhalt wird mit Kommentaren, Followern oder dem »I like«-Daumen belohnt. Erscheint etwas hingegen unangemessen oder langweilig – keine Reaktion. Diese Tendenz zur Affirmation fällt mir auch an der Universität auf. In München habe ich die Vorlesung eines Professors für Wirtschaftsethik gehört, dessen Haupterrungenschaft es ist, die neoliberale Wirtschaftsordnung als Apriori einer neuen Ethik eingeführt zu haben. Im Zuge seiner Ausführungen verteidigte er Kinderarbeit als historisch notwendigen Schritt zur Industrialisierung ärmerer Regionen. Aus den Reihen der Studenten kam kein Wort des Widerspruchs, außer: »Oh Mann, so kommen wir mit dem Stoff ja nie bis Semesterende durch!«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;3. Wir wissen, was auf uns zukommt – und haben: Angst&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Klar, keine Generation vor uns ist so sicher, wohlhabend und mobil aufgewachsen. Doch wer Ende zwanzig ist oder jünger, dessen Zukunftsmusik wurde ihm als Dreiklang aus Arbeitslosigkeit, Klimawandel und Energiekrise vorgespielt. Dass Konkurrenzfähigkeit wichtiger ist als Solidarität, ist inzwischen die Kernbotschaft unseres Bildungssystems. Wir erben eine Welt, deren Natur sich unaufhaltsam verändert – und nicht zum Besseren – und deren Wirtschaftsordnung immer mehr Menschen ausschließt. Dem entgegenzusetzen haben wir aber nur Fleiß, Konsum, Kommunikation und als Hauptantrieb die Angst. Nicht vor Überwachung und auch nicht ernsthaft vor Terrorismus, sondern davor, keinen Platz in dieser Welt zu finden. Und Angst ist alles Mögliche, nur nicht produktiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;4. Meine Generation hat keine Subkultur&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Die Generationen vor uns haben stets zu einer Form des Ausdrucks gefunden, mit der sie ihr Missfallen an Werten, Lifestyle oder am Kulturbegriff ihrer Vorgängergenerationen und der Massenkultur anzeigten. Hippies gegen Materialismus, Popper gegen Spiritualismus, Punks gegen Hygienismus. Meine Generation macht einfach alles irgendwie ein bisschen. Die zwei Alternativen zum Mainstream heißen Emos und Hipster. Die einen sind eskapistische Heulsusen, die anderen definieren sich über ein ganz bestimmtes Lifestyleprogramm, das sich aus diversen Posen (ein altes Rennrad fahren), Konsum (MacBooks, enge Hosen, Hornbrillen) und ironischen Anspielungen (billiges Bier, Pornoästhetik) zusammensetzt. Hipsterkultur grenzt sich gegen nichts ab außer gegen den Hipster von gestern. Sie bringt wenig hervor außer einer Ansammlung von Konsumvorgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/30321/2/1#texttitel&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Auf der nächsten Seite:&lt;/a&gt; Die 25-Jährigen fürchten die Konfrontation, sind sich für nichts zu schade und lieben ihr gestörtes Körperbild.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/483185</link>
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      <pubDate>Thu, 13 Aug 2009 11:59:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Krieg der Welten in Berlin: Die Auseinandersetzungen in Friedrichshain</title>
      <description>Im Berliner Bezirk Friedrichshain kämpfen die Anwohner gegen Rechts, aber auch gegeneinander&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Samstagabend in Berlin-Friedrichshain. Eine gewaltige Menschenmasse schiebt sich durch die Boxhagener Straße, der Lautsprecherwagen spielt Musik gegen Rechts, über die Köpfe ragen Transparente mit Sprüchen wie „Vielfalt statt Einfalt“, „Kein Pardon fürs Jeton“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das „Jeton“ ist eine Diskothek auf der Frankfurter Allee, der Hauptverkehrsader des Viertels und es besteht in Friedrichshain ein gesteigertes Interesse daran, es so bald wie möglich schließen zu lassen. Vorvergangenes Wochenende haben vier Neonazis hier erst die Nacht durchgefeiert und dann am frühen Sonntagmorgen einen 22-jährigen Neuköllner ins Koma geprügelt. „Der Bordsteinkick von Friedrichshain“ – darüber sind sich in Berlin alle einig – ist eine neue Stufe der Eskalation rechtsextremer Gewalt in der Stadt. Nachdem sie Jonas K., das Opfer und ein aktives Mitglied der linken Szene bewusstlos geprügelt hatten, versuchten die Täter, ihn mit dem Gesicht auf den Bordstein zu lehnen und durch einen Sprung auf den Kopf zu töten. So, wie das die Hauptfigur in dem Anti-Nazi-Film „American History X“ auch tut, so wie vor vier Jahren im brandenburgischen &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/285208&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Potzlow&lt;/a&gt; ein 17-Jähriger ermordet wurde. Jonas K. hat schwer verletzt überlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der genaue Hergang ist nach wie vor nicht klar, aber Berlin ist beunruhigt. „Einer von denen war angeblich so im Blutrausch, dass er noch auf ihn eingetreten hat, als die Polizei schon da war“, erzählt ein Demonstrant, andere tauschen Anekdoten aus, von Freunden und Nachbarn, die am selben Bahnhof auch schon von Rechten bedroht oder verprügelt wurden. Friedrichshain führt seit drei Jahren die Statistik rechter Gewalt in der Stadt an. „Es ist schon seit Jahren klar, dass man zum Beispiel ins Jeton nicht geht“, sagt Sebastian Lorenz, Sprecher der Antifa Berlin. Die Rechten treffen sich dort zum Trinken, und gehen am Bersarinplatz shoppen: vor einigen Monaten eröffnete dort ein Laden für das Klamottenlabel Thor Steinar, gegen den die Anwohner bisher mit mäßigem Erfolg vorgehen. Es ist die ultimative Provokation – sich in einem Stadtteil auszubreiten, der von Punkrock, Multikulti, Queerkultur und Hedonismus definiert ist. „Wir gehen davon aus, dass die Neonazis bewusst ins Viertel kommen, weil denen die Vielfalt hier nicht passt,“ sagt  Sebastian. Die Antifa versteht gerade den letzten Vorfall als deutliche Kampfansage – und hat nicht gezögert, zurück zu schießen. Zwei Tage nach dem Überfall zog eine große Gruppe offenbar linksautonomer Aktivisten nachts vor das Jeton und ließ dort eine Fensterscheibe zu Bruch gehen. „Da ist eben ein Unmut zum Ausdruck gekommen, der sich schon lange angestaut hat“, erklärt Sebastian halbentschuldigend. Die Antifa hat auf Indymedia ein &lt;a href=&quot;http://de.indymedia.org/2009/07/256035.shtml&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Pamphlet&lt;/a&gt; veröffentlicht, das über den üblichen Demonstrationsaufruf hinausgeht. „Wir wollen wir den Nazis im Viertel ein offensives „Fickt euch!“ entgegen schreien&quot;, stand da, &quot;gleichzeitig aber auch klarstellen, dass „die Friedrichshainer Szene“ endlich mal klar kommen soll, dass sie merken muss, das ihr Heititeiti-Szene-Biotop nicht die wunderbare Welt ist, für das sie es so gern halten“. Angesprochen davon fühlte sich offenbar vor allem die Hedonistische Internationale. Eine ihrer Sektionen postete sehr schnell eine &lt;a href=&quot;http://akno.blogsport.de/2009/07/14/willkommen-im-antifa-szenebiotop-stellungnahme-des-akno-zum-aufruf-von-antifagruppen-in-berlin-friedrichshain-zur-demo-am-18-juli/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Antwort&lt;/a&gt; und wies darauf hin, dass es ja wohl alles andere als hilfreich sei, Mitstreiter auf eine so rüde Art zu verprellen. Sebastian erzählt, der Text sei im Alleingang von einigen Mitstreitern verfasst worden. „In Friedrichshain gibt es einerseits diese alternative Kultur, es verkehren hier aber auch immer Menschen, die wirklich Geld haben und hier leben wollen, weil sie sich dieser Kultur irgendwie zu gehörig fühlen“, sagt er. „Natürlich setzen wir uns auch für deren Freiheit ein. Aber ich kann schon verstehen, dass man sich nicht gern für eine Kultur verprügeln lässt, die nicht politisch ist, aber in Wirklichkeit genauso betroffen. Denn die passen den Rechten ja genauso wenig, wie die Punks oder die Migranten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist die Situation, die Stadtsoziologen als Gentrifikation bezeichnen und der in Berlin einen Ostbezirk nach dem anderen mitnimmt. Und sie sorgt dafür, dass in Friedrichshain noch ganz andere Barrikaden aufgezogen werden, als zwischen Anwohnern und rechtsradikalen Eindringlingen. Immer wieder brennen dort Autos, letztes Jahr wurden einige Kinderwägen angezündet. An manchen Häusern hängen Transparente, die „Yuppies raus!“ fordern. „Erst kommen die Hausbesetzer, dann kommen die Studenten und die Künstler. Dann kommen Familien, Geld, es wird saniert und dann können es sich immer weniger Leute leisten dort zu leben“, sagt „Monty Cantsin“ von der Hedonistischen Internationalen. Dieser lose Zusammenschluss von Menschen setzt sich mit satirischen und partyorientierten Aktionen gegen alles ein, was, so könnte man es fast sagen, ihnen gerade schlechte Laune macht: Nudistische Tanzeinlagen gegen Nazikneipen, Partyparaden gegen das gigantische Neubauprojekt &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/439908&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Media-Spree&lt;/a&gt;, Sabotageaktionen wie das &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/428330&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Tito von Hardenberg&lt;/a&gt; gegen schlampige Medien. Die Hedonistische Internationale ist gerade in Berlin ziemlich aktiv, hat aber kein Programm, keine Hierarchie, keine Satzung. „Unser Dreh- und Angelpunkt ist sicher die Freiheit“, sagt Monty, der allerdings am überzeugendsten ist, wenn er mit schwäbischem Einschlag gegen die Institutionalisierung („ich will mich gar nicht ständig wegen der Sache mit Leuten treffen“) und Parteien an sich („es gibt nichts Schlimmeres“) wettert. Obwohl er auch gegen Gentrifizierung protestiert, glaubt er nicht, dass sich in der Hinsicht viel aurichten lässt: „Man braucht da letztlich eine Politik der Mietpreisdeckelung.“ Das ist natürlich vielen Antifa-Leuten zu wenig. Sie sehen die Hedonisten eher in einer Ecke mit den Hipstern, die am Boxhagener Platz abhängen, schwäbische Bäckereien und Designerläden betreiben und ihnen scheinbar ihr linksalternatives Viertel kaputt zu machen drohen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich finde es schwierig, jemanden zu kritisieren, der innerhalb eines kapitalistischen Systems versucht, klar zu kommen“, sagt Elli Woltemade. Sie arbeitet und wohnt in der &lt;a href=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/473895&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Bar 25&lt;/a&gt;, einem der beliebtesten Clubs der Stadt nahe der Oberbaumbrücke an der Spree und ist Mit-Initatorin des Anti-Gentrifizierungs-Bündnisses „Megaspree“, an dem sich sowohl die großen Clubs an der Spree als auch diverse linkradikale Gruppen und auch die Grünen beteiligen. Sie sagt: „Friedrichshain ist ein Ort, an dem viele Kämpfe ausgetragen werden.“ Elli war unglücklich über den Aufruf der Antifa: „Es wäre einfach gut, wenn die Antifa in der Bar25 anruft, wenn sie ein Problem haben, statt das auf Indymedia zu veröffentlichen.“ Aber auch: „Man muss eben den kleinsten gemeinsamen Nenner finden. Natürlich gibt es Widersprüche, wenn das Watergate und die Gruppe Soziale Kämpfe zusammen arbeiten.“ Deswegen will sie bei einer großen Diskussionsveranstaltung alle Fraktionen zusammen bringen. „Die Leute sollen sich das ins Gesicht sagen, und dann machen wir weiter.“  Auch Hedonist Monty meint: „Gerade gegen die Rechten ist es verdammt wichtig, den langen Atem zu haben.“ Und für Antifa-Sprecher Sebastian will sich nicht ablenken lassen: „Das größere Problem sind die Nazis.“ Immerhin da sind sich in Friedrichhain alle einig.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/481264</link>
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      <pubDate>Mon, 20 Jul 2009 18:30:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>"'Schwuchtel' ist das meistgebrauchte Schimpfwort"</title>
      <description>Koray ist Jugendarbeiter in Berlin und hat eine Tagung mit vorbereitet, die am Dienstag stattfindet - es geht um &quot;Homophobie unter Einwanderern&quot;. Das Thema klingt ziemlich speziell, muss aber endlich besprochen werden, sagt er im Interview&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Dienstag findet in Berlin eine Fachtagung zu &lt;a href=&quot;http://www.gladt.de/aktuell/aktuell-gemeinsam-fuer-anerkennung-und-respekt.xhtml&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft&lt;/a&gt; statt, die der Jugendarbeiter Koray Y&amp;#305;lmaz-Günay, 34, mit organisiert. Koray arbeitet derzeit am Projekt &lt;a href=&quot;http://www.hej-berlin.de&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Handreichungen für emanzipatorische Jungenarbeit&lt;/a&gt; (HEJ), das der Verein &lt;a href=&quot;http://www.gladt.de&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gays and Lesbians aus der Türkei&lt;/a&gt; (GLADT e.V.) erarbeitet und vom Berliner Senat gefördert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;jetzt.de: „Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft“  - der Begriff ruft erstmal das Klischee der knallharten türkischen Jungengangs hervor, die nicht besonders zugänglich sind. Wie schnell kommst du denn mit den Leuten ins Gespräch, wenn du deine Arbeit machst?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Yilmaz-Günay:&lt;/b&gt; Sehr schnell. Ich weiß auch nicht genau, warum das für uns einfacher ist, aber ein Grund könnte sein, dass Jugendarbeit in der Regel von weißen, christlich sozialisierten Deutschen gemacht wird, die mit ihrer Zielgruppe nicht viel gemeinsam haben. Bei uns gibt es diese Polarität nicht. Die Jugendlichen bekommen ja mit, dass es große gesellschaftliche Debatten gibt, in denen sie zum Problem erklärt werden. Wenn sich dann eine Lehrerin vor sie stellt und sagt, lasst uns mal über Antisemitismus reden, dann fühlen die sich sofort angegriffen und sagen: &quot;Ja klar, fuck you!&quot; Ich halte das für relativ nachvollziehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Aber die Probleme gibt es ja. Wo siehst du die Wurzeln?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich denke, man darf das Elternhaus als ersten Sozialisierungsort nicht unterschätzen. Viele bekommen da schon ihre Vorurteile mit. Aber auch die Kindergärten und Schulen sind wichtig. Leider machen Lehrkräfte in dieser Hinsicht viel zu wenig. Die einen fühlen sich nur für den Fachunterricht zuständig – dabei kennen sie die Schüler besser als sie manchmal gerne möchten. Dementsprechend könnten sie auch eingreifen und Einfluss nehmen. Aber selbst wenn sie wollen, fehlen oft das inhaltliche und das methodische Wissen. Wir stehen da in Berlin sogar noch weit besser da als in anderen Bundesländern oder auf dem flachen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Was sind denn konkrete Konflike?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Laut unseren Befragungen kommt es an Schulen vor allem zu Mobbing. Da müssen Leute die Schule wechseln, weil sie fertig gemacht werden und in Einzelfällen auch verprügelt werden. Offensichtlich gibt es ein Klima, das Übergriffe gegen homosexuelle Jugendliche gestattet. „Schwuchtel“ ist eines der meistgebrauchten Schimpfwörter auf Berliner Schulhöfen. Das Hauptproblem fängt allerdings damit an, wie reduziert Weiblichkeit und Männlichkeit dargestellt wird. Homophobie entsteht dann, wenn nur ein bestimmter Teil möglicher Weiblichkeiten und Männlichkeiten als akzeptabel gilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/pe/peter-wagner/text/regular/645467.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Koray&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Woher kam der Anstoß, die Tagung zu veranstalten?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Aus mehreren Richtungen. Wir bei GLADT wollten schon länger die Arbeitsbereiche Homophobie und Rassismus zusammenbringen, denn das sind Themen, die in einer modernen Einwanderungsgesellschaft zusammen gedacht werden müssen. Die Europäische Union hat 2008 zum Jahr des interkulturellen Dialogs ausgerufen und das Land Berlin hatte dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Homophobie gelegt. Vor allem der Aspekt der Mehrfachdiskriminierung ist uns wichtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Also wie verschiedene Diskriminierungsebenen ineinander greifen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ja. Man kann zum Beispiel fragen: Wirkt sich die Diskriminierung einer schwarzen Frau anders aus als die gegen Schwarze oder Frauen zusammengerechnet? Wenn sich das denn überhaupt zusammenrechnen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Bei der Tagung geht es aber auch darum, diese Dinge in die Praxis umzusetzen. Wie geht ihr denn bei eurer Arbeit vor?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Im Moment sind wir dabei, pädagogisches Material zu Sexismus und Homophobie gemeinsam mit Jugendlichen zu entwickeln. Das heißt, die setzen die Themen selbst und sagen uns, welche Aspekte sie für wichtig halten. Sie erzählen uns aber auch, welche Ausschlussmechanismen in ihren Gruppen noch wahrgenommen werden. Zum Beispiel kommen junge Türken oft nicht in die Diskos. Also kann man diese Erfahrung nutzen, um Empathie zu vermitteln gegenüber anderen, die ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es euch denn vor allem – eher um Homosexuelle mit Migrationshintergrund oder um homophobe Jugendliche?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Eigentlich richten wir uns mit unserer Arbeit vor allem an die Heterosexuellen. Wir wollen, dass die sich mehr mit diesen Themen beschäftigen. Außerdem muss erstmal überhaupt sichtbar werden, dass es Homosexualität unter Migranten gibt, aber auch Homophobie. Das Aufklärungsmaterial ist bisher so gestaltet, dass man glauben muss, Schwule sind immer weiß, deutschstämmig und christlich sozialisiert. Wir zeigen Nicht-Weiße, Weiße, Deutsche und Nicht-Deutsche in diesem Kontext und machen damit etwa Türken klar, dass das ein Thema ist, das sie genauso angeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Auf der Fachtagung soll ja auch über Rassismus und Islamophobie in der schwullesbischen Szene gesprochen werden. Gibt es denn da auch eine Zusammenarbeit mit anderen Gruppen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wie andere Minderheiten auch, sondern sich Schwule und Lesben gerne in ihre Problembereiche ab. Sie meinen, sie hätten es selbst schon schwer und wollen nichts mit unseren Spezialproblemen zu tun haben. Wir können das natürlich nicht akzeptieren, weil man als Lesbe oder als Schwuler mit einem türkischen Namen eben vor allem mit Rassismus und dann mit Homophobie zu tun hat. Du kannst deine sexuelle Orientierung zur Not verstecken, aber deine Hautfarbe eben nicht. Araber oder Türken kommen in manche Bars nicht rein, weil sie als Stricher oder Taschendiebe gelten! Mit einzelnen Organisationen, die zu Rassismus oder Homophobie arbeiten, gibt es schon Kooperationen, aber wenn du in den unterschiedlichen Szenen fragst, sind sich alle deutschstämmigen Schwulen einig, dass es da keinen Rassismus gibt.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/455453</link>
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      <pubDate>Sun, 23 Nov 2008 18:30:00 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Endlich eine echte Challenge: Die Fantasy-Zwillinge</title>
      <description>Die Zwillinge Jyoti und Suresh Guptara wollten eigentlich nur ihre eigene Langeweile bekämpfen – jetzt sind sie auf Lesereise&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jyoti und Suresh Guptara passen immer sehr genau auf, ob sie „Wir“ oder „Ich“ sagen. Die Zwillinge sitzen nebeneinander, im Café, auf Lesungen oder beim Essen und übergeben sich die Sätze. Mit Blicken und kurzen Berührungen vergewissern sich die beiden 19-Jährigen der gegenseitigen Zustimmung, und scheinen doch ohnehin sehr genau zu wissen, was sie von sich und voneinander preisgeben. Es ist eine Geschichte, für die sie sich gemeinsam entschieden haben: von dem Kampf gegen die eigene Aufmerksamkeitsspanne, von zwei Jungs, die sich in der echten Welt so sehr langweilten, dass sie sich eine eigene erschufen und zum Beststeller machten.&lt;br /&gt;
  An einem Nachmittag im Frühjahr tragen Suresh und Jyoti altmodische schwarze Herrenhüte und bunte Schals zu ihren Turnschuhen. Sie sehen etwas erschöpft aus, eine ereignisreiche Zeit liegt hinter ihnen. Im Jahr 2007 schaffte es ihr Debütroman Calaspia - Die Verschwörung auf Platz zwei der indischen Beststeller-Liste. Seitdem sind sie fast ununterbrochen unterwegs gewesen, um ihr Buch zu präsentieren. In Indien und den USA, zuletzt in Deutschland, wo Calaspia im Frühjahr erschienen ist. Dafür absolvieren sie jeden Tag mehrere Termine: Interviews, Lesungen, Fernsehauftritte. Wenn die Jungs nicht gerade auftreten, müssen sie am Computer arbeiten: Der zweite Teil ihrer Fantasy-Trilogie ist fast fertig und das Manuskript zum letzten Teil müssen sie laut Vertrag im Sommer abgeben. Doch jegliche Vermutung, dass das Ganze auch etwas anstrengend sein könnte, winkt Suresh mit einer ausladenden Bewegung ab und Jyoti lächelt: „Uns macht das Spaß. Wir würden uns ja langweilen, wenn wir nicht so viel Arbeit hätten.“ Lesungen meistern die beiden mit der Leichtigkeit alter Profis: Eloquent und selbstironisch beplaudern sie das Publikum und wechseln sich beim Vorlesen ab. Jyoti tritt dabei als Lenker und Unterhaltungskünstler auf, Suresh hält sich auch in Interviews und privaten Situationen eher zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Die Zwillinge wuchsen als die jüngsten Kinder eines britisch-indischen Ehepaares erst in England und dann im Schweizer Kanton Thurgau auf. Mit elf schrieben sie gemeinsam ein Buch. Die zehnte Version des Manuskripts wurde 2006 in Indien veröffentlicht. In dem Fantasy-Roman geht es um den 16jährigen Bryn Bellyset vom Stamm der Barue, ein Volk, das sich von Menschen nur darin unterscheidet, dass seine Mitglieder in der Lage sind, die Emotionen anderer sinnlich wahrzunehmen. Er lebt in der Parallelwelt Calaspia, die von der dunklen Macht „Wahnsinn&quot; bedroht wird. „Wir haben die böse Kraft deswegen Wahnsinn genannte, weil das Leben – anders als in den meisten Fantasy-Romanen – so oft unvorhersehbar ist, weil es eben nie schwarz und weiß, gut und böse gibt“, erklärt Suresh. „Wir sind nämlich total gegen Fantasy als Eskapismus“, ergänzt Jyoti, der gerade den aktuellen Roman von Martin Walser liest. „Sehr interessant, Walser kannten wir noch nicht.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Texte spielten schon früh eine Rolle im Leben der Zwei. „Als wir drei waren, konnten wir lesen und schreiben“, so beginnt Suresh stets die Vorstellung bei öffentlichen Gelegenheiten und Jyoti erzählt, wie die beiden schon in der Grundschule bereits Anfang des Schuljahres alle Mathearbeitshefte voll rechneten und dann nichts mehr zu tun hatten. Scheinbar die einzige äußere Herausforderung ihrer Kindheit stellte sich ihnen, als der Vater die Familie aus London in die Schweiz umsiedelte, um dort eine leitende Position in einer Bank anzutreten. „Wir wollten da überhaupt nicht hin, wir konnten ja kein Deutsch und hatten dort keine Freunde“, sagt Suresh. Doch mittlerweile fühlen sich die beiden in der Kleinstadt Weihenfelden zu Hause. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/di/dirk-vongehlen/text/regular/579101.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Suresh und Jyoti Guptara, Bild: privat&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Sie vertrieben sich gegenseitig die Zeit mit Abenteuerspielen, dachten sich fantastische Rahmenhandlungen und Rollen füreinander aus. Insbesondere Jyoti zeichnete schon früh Landkarten und begann, die Fantasiegeschichten auch aufzuschreiben. Er macht ständig Notizen in einem winzigen Block und kann den kompletten Kanon der Fantasy-Literatur herunter rattern. Er war es, der im Alter von elf Jahren das Mittel fand, mit dem die Brüder Herren ihrer Langweile werden sollten: „Ich saß am Computer, als Suresh hereinkam. Ich sagte ihm, dass ich jetzt einen Roman schreibe und dass er mitmachen darf. Wir hatten endlich eine richtige Challenge.“ Die nächsten sechs Monate verbrachten die beiden Elfjährigen fast täglich damit, die Challenge zu bewältigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Von ihren Eltern ermuntert schickten sie das erste Manuskript, das damals hundert Seiten lang war, an verschiedene Verlage. „Wir bekamen keine Antwort. Aber nach ein paar Monaten stellten wir fest, dass uns das Buch nicht mehr gefiel. Also fingen wir noch mal von vorne an“, sagt Jyoti. Schon damals, meint er, sei ihnen klar gewesen, dass sie wirklich gut würden sein müssen, um sich gegen die Konkurrenz auf dem Fantasy-Markt durchzusetzen. Jedes Jahr verschickten sie neue Fassungen, und nach und nach kamen auch begründete Absagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Mit 14 wechselte Suresh auf ein englisches Internat, „ich bin mit dem System in der Schweiz nicht zurecht gekommen“, sagt er. Ein Jahr später stieg Jyoti ganz aus der Schule aus – „ich habe nicht den Eindruck, dass diese Einrichtung sinnvoll ist und wollte lieber selbst entscheiden, in welchem Tempo ich lerne“ – machte seine Fachhochschulreife per Fernunterricht, verkaufte seinen ersten Artikel an das Wall Street Journal und nannte sich seitdem „vollamtlicher Autor“. Zwei Jahre später kaufte ein indischer Verlag „Calaspia“ und ließ es vom Gouverneur von Goa und der Bürgermeisterin von Delhi präsentieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  Jyoti ist ein bisschen unzufrieden mit seiner Generation: „Teenager heute lesen und schreiben kaum, sie konsumieren nur. Dabei macht nichts so glücklich, wie kreativ zu sein“, sagt er und klingt dabei etwa 30 Jahre älter als er ist. „Wir spielen aber auch gerne Computer“, beeilt er sich anzufügen und abends trinken sie auch mal ein Bier. „Am liebsten mit Freunden zu Hause. Da spart man auch Geld.“ Die meisten ihrer Freunde fangen gerade ein Studium an. „Vor allem deren Eltern finden es komisch, wenn ich ihnen sage, dass ich nicht studiere sondern Schriftsteller bin.“ Nicht, dass die Brüder darunter leiden würden: „Eigentlich wollten wir immer anders sein als die anderen“, sagt Suresh, „wenn jemand über uns sagte, die sind doch nicht normal, dann waren wir eigentlich immer froh darüber.“ Alles andere wäre ja auch langweilig.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 13 May 2008 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Fotografieren und fertig machen: Wie der britische Tunichtgut bekämpft werden soll</title>
      <description>Die Regierung von Großbritannien ist unbeliebt. Mit der so genannten Frame and Shame-Kampagne will sie ihr Image aufpolieren: Potentiell kriminelle Jugendliche sollen in den nächsten Tagen von der Polizei massiv bedrängt werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus der Geschichte bekannt ist das Phänomen Stellvertreterkrieg: Um die verheerenden Konsequenzen einer direkten Konfrontation zwischen zwei Großmächten zu vermeiden, führt eine der beiden einen Kampf gegen eine strategisch vermeintlich bedeutungslose Ersatzmacht.&lt;br /&gt;
Der Einsatz gegen Rüpelhaftigkeit und Mangel an Respekt unter der Jugend einer Nation ist des in Bedrängnis geratenen Politikers liebster Stellvertreterkrieg. Das wissen wir bereits seit Roland Koch und dem hessischen Wahlkampf. In Großbritannien aber reitet Innenministerin Jacqui Smith das Popularitätsvehikel Ruhe-und-Ordnung“ gerade im Formel-Eins-Tempo. Sie hat &lt;a href=&quot;http://www.timesonline.co.uk/tol/news/uk/article3891917.ece&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;angekündigt&lt;/a&gt;, dass die Polizei in den nächsten Tagen großflächig „asoziale Jugendliche“ massiv „belästigen“ würde. So genannte „Frame and Shame“-Aktionen seien geplant. Dabei fotografiert und befragt die Polizei verdächtige junge Menschen über mehrere Tage lang regelmäßig und führt Hausdurchsuchungen und Personenkontrollen durch, teilweise mehrmals am Tag. Zudem werden Action Squads gebildet, also Gruppierungen  von freiwilligen Asozialen-Überwachern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich hat Großbritannien ein Problem mit seinen wütenden jungen Männern, oder &lt;a href=&quot;http://www.urbandictionary.com/define.php?term=yob&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Yobs&lt;/a&gt;, wie sie auch genannt werden. Laut Umfragen trinken 42 Prozent der 13-Jährigen Kampf; die die Waffengewalt unter Jugendlichen hat beträchtliche Ausmaße angenommen – zumindest in der Wahrnehmung der Briten. Vor allem im letzten Jahr kamen einige Kinder durch Schießereien und Messerstechereien ums Leben, was von den Medien als Trend gewertet und von der Bevölkerung als massive Bedrohung empfunden wird. Statistisch gesehen ist die bewaffnete Gewalt zwar eher zurück gegangen. Doch das ändert nichts daran, dass sich der Bürger vom sozial benachteiligten jungen Mensch an sich bedroht fühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch deswegen ist die britische Labour-Regierung gerade ziemlich in der Krise. Außer einem unbeliebten Premierminister und einer schwachen Wirtschaft hat die Labour-Partei zuletzt extreme Verluste in den Kommunalwahlen hinnehmen müssen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/577984.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Da dachten sie noch, Tony Blair wäre ihr einziges Problem: Wütend: Gordon Brown, daneben Jacqui Smith&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
Ganz besonders plagt die Briten das Problem der „asocial behaviour“: Vor zehn Jahren führte das Parlament so genannte ASBOS (Anti-Social Behaviour Orders) ein, &lt;a href=&quot;http://www.guardian.co.uk/politics/2005/apr/05/ukcrime.prisonsandprobation&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Anordnungen&lt;/a&gt;, die jedem Bürger ausgesprochen werden können, der sich daneben benimmt. Allerdings wird ihm dabei nicht das daneben benehmen an sich untersagt, sondern alle Handlungen die ein solches Verhalten begünstigen könnten. Beispiel: In einem kleinen Dorf fühlten sich mehrere Anwohner dadurch gestört, dass sie ihre Nachbarin halbnackt sahen, als diese in Unterwäsche durch ihren Garten lief. Also erhielt sie eine Anordnung, sich in Zukunft nicht in Unterwäsche in die Nähe ihres Fensters zu begeben. Auch arme Familien, in denen Kinder oder Eltern nach Ansicht ihrer Umgebung heruntergekommen wirken, haben schon ASBOS erhalten. In Großbritannien &lt;a href=&quot;http://www.statewatch.org/asbo/asbowatch-puborder.htm&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;wird&lt;/a&gt; der Staat zunehmend zum Erzieher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Empfänger einer ASBO ist 87, aber selbstredend erhalten vor allem ungehobelte und grenz-kriminelle Jugendliche und ihre Eltern solche Anordnungen. Doch ihren Zweck scheinen sie trotzdem zu verfehlen – nach Medienberichten gelten ASOS unter jungen Leuten oft als eine Art Orden der Coolness. Es gäbe also Anlass die Praxis an sich zu hinterfragen und es vielleicht statt mit Repression doch noch mal mit Ursachenforschung und Prävention zu versuchen. Doch scheint es Jacqui Smith je für angebracht zu halten, jugendliche potentielle Straftäter mit Staatsgewalt zu bedrohen. Denn die ist laut, auffällig und erweckt den Anschein, als würde der britische Staat nun doch etwas für seine Bürger tun. Auch wenn es nur ist, dass er einen Teil von ihnen psychisch fertig machen will.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Thu, 08 May 2008 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Diese Woche ist emotionaler Tiefgang angesagt!</title>
      <description>Manchmal ist es besser, Dinge vorher zu wissen. Deswegen schreiben wir hier auf, was die kommende Woche bringt. Diesmal: Klimaschutz, coole Mucke und Muttis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Wichtige Termine:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Es steht uns eine ganz und gar bedeutungsschwangere Woche bevor. Zum einen ist nämlich offizielle Europa-Woche. Wir werden davon vermutlich genau so viel mitbekommen wie von allen Weltsonstwas-Tagen. Außerdem ausführlich belabert wird das Thema Umwelt: Am Montag findet in Essen der Klima- und Energiekongress statt, auf dem hoffentlich ein paar gute Ideen herum kommen. Zeitgleich wird in Berlin der Naturschutzpreis verliehen, am Dienstag werden in Bonn die „Dialogues in Global Environmental Change“ gepflegt. Wenn wir bis Freitag also nicht wissen, wie wir die Welt retten können, dann ist irgendetwas schief gelaufen.&lt;br /&gt;
Außerdem:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Ab Mittwoch heißt der Präsident von Russland nicht mehr Wladimir Putin sondern Dimitri Medvedev, was vermutlich an der Weltordnung nichts ändern wird, geschweige denn an der russischen Demokratie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+ Am Donnerstag spielen die Frauenfußballmannschaften von Deutschland und Belgien ein EM-Qualifikationsspiel gegeneinander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
+  Am Sonntag sind wir alle lieb, stehen früh auf und nehmen uns Zeit für die Mütter. Deren Tag ist das nämlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nummer Eins der Single-Charts:&lt;/b&gt;  4 Minutes von Madonna&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Satz der Woche auf jetzt.de:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
manal 30.04.2008 | 22:24  &lt;br /&gt;
hallo hannah montana du bist so cool schreib zurück &lt;br /&gt;
in liebe&lt;br /&gt;
manal, iman&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter einem&lt;a href=“/texte/anzeigen/430675/2/10#kommentarfeld“ target=_blank“&gt;Text&lt;/a&gt; über Miley Cyrus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, weil ich nicht widerstehen kann:&lt;br /&gt;
cougarten 02.05.2008 | 03:00  &lt;br /&gt;
lull&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Thema &lt;a href=“texte/anzeigen/430803/TrkHomeMagImg13“ target=”_blank”&gt;Christival&lt;/a&gt;. Ich habe zwar nicht ganz verstanden, was er meint, vermute die Antwort aber in der Uhrzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Lied der Woche:&lt;/b&gt; „Do you wanna“, ein überaus sexuelles Lied aus dem neuen Kooks-Album &lt;i&gt;Konk&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Alben erscheinen: &lt;i&gt;Pershing&lt;/i&gt; (Someone still loves you, Boris Yeltsin), &lt;i&gt;Oracular Spectacular&lt;/i&gt; (MGMT), &lt;i&gt;You, Spider&lt;/i&gt; (The Jessica Fletchers)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;TV-Erkenntnis:&lt;/b&gt; Ohne Vanessa ist Germany's Next Topmodell, was ein Bayern-Spiel ohne Luca Toni ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wichtigste Eltern-Sorge:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wird das Kind am Sonntag daran denken, mich anzurufen oder habe ich versagt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Diesen Film sollte man gesehen haben:&lt;/b&gt; „Draußen bleiben“, eine Dokumentation über zwei Teenager-Mädchen in München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/575768.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Valentina und Suli sind 16 und als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Während die Ugurierin Suli bereits eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hat, warter die Albanerin Valentina immer noch mit ihrer Mutter in einem Flüchtlingslager. Die Zeit vertreiben sich die beiden mit Fußball, Abhängung und Prügeleien. „Draußen bleiben“ ist wie ein Spielfilm aufgebaut und gilt als die Dokumentarfilm-Sensation des Jahres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nächste Woche hoffentlich vorbei:&lt;/b&gt; Die Berichterstattung über das Keller-Verlies von Amstetten ist geradezu obszön in ihrer Detailversessenheit. Bevor ich jetzt in die große Medienschelte ausbreche – bitte aufhören.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/431034</link>
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      <pubDate>Sun, 04 May 2008 19:00:11 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Penis-Panik vs. Brusthalter</title>
      <description>Drei wirklich schlechte Ideen zum Thema Sex:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;1. Die so genannte „Handvoll“ bekommt eine ganz neue Bedeutung:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/573351.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;2. Den Penis mit nach Kinshasa nehmen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
In der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa geht &lt;a href=http://www.reuters.com/article/newsOne/idUSN2319603620080423?pageNumber=1&amp;virtualBrandChannel=0 target=“_blank“&gt;Angst unter Penisbesitzern&lt;/a&gt; um. Schon 14 Männer haben bei der Polizei Anzeige erstattet, weil ihre Geschlechtsorgane teils zusammen geschrumpft, teils komplett abhanden gekommen sind. Mannometer! Da muss Voodoo im Spiel sein; und deswegen ist es, weniger lustig, in Kinshasa schon zu einigen Mob-Prügeleien gegen angebliche Zauberer gekommen. Die Polizei hat 13 mutmaßliche Voodooer verhaftet. Hoffentlich wissen sie, wo sie ihre Beute versteckt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/573352.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Das ist der Penosaurus aus Australien. Vielleicht rettet er die Männer von Kinshasa&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;3. Ein amerikanischer Teenager mit christlichen Eltern sein&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Auf der fundamental-christlichen Website &lt;a href=&quot;http://www.marryourdaughter.com/index.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;marryourdaughter.com&lt;/a&gt; schalten religiöse Eltern Kontaktanzeigen für ihre minderjährigen Töchter. Wer sich für Kerry, 15 oder Lisa, 13 interessiert, kann man einen Antrag auf Verlobung stellen. Und dann gibt es noch den Brautpries zu zahlen, der zwischen 20.000 und 90.000 Dollar rangiert. Okay, ist zwar höchstwahrscheinlich ein Fake – aber in einem Land, wo junge Mädchen ihre Jungfräulichkeit in aufwändigen Zeremonien ihren Vätern versprechen, gar nicht mal so absurd.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/430203</link>
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      <pubDate>Sat, 26 Apr 2008 09:00:08 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Ist Madonna zu alt? Ein Fall für zwei</title>
      <description>In diesen Tagen ist wieder überall Madonna zu sehen. Ihr neues Album erscheint &quot;Hard Candy&quot; wird überall besprochen. Aber bedeutet uns Madonna überhaupt noch etwas? Ein Streit über eine ältere Frau (und den Sex).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon gut, ich weiß, es handelt sich hier um eine Ikone des Pop über die sämtliche postmodernen Theoretiker mindestens ein Großwerk verfasst haben etc.pp. Ja, Madonna hat viele Bahnen gebrochen und metaphorische Schallmauern durchstoßen, mit ihrem Willen zum Skandal, ihrer aggressiven Anzüglichkeit und ihrer Selbstinszenierung als stahlharte Geschäftskünstlerin. Sie ist extrem reich, extrem bekannt und so wichtig, dass junge Popstars alles für ihre Absolution geben. Sie ist der Maßstab, der vor allem an weibliche Poppersonen gehalten wird. Das alles ist zweifellos beeindruckend. Gerechtfertigt ist es aber heute nicht mehr, Madonna als die Obergöttin der Musikindustrie zu feiern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/573340.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Bild: dpa&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klar ist sie immer noch fähig, Hits zu erzeugen. Aber die Provokationslust ist ihr inhaltlich und musikalisch schon lange abhanden gekommen. Das neue Album klingt nicht großartig anders, als alle anderen Alben, die in den letzten paar Jahren von den Neptunes produziert worden sind. Kracht schon, flasht nicht. Wieso das jetzt zum Großereignis gemacht wird, das in sämtlichen Medien besprochen werden muss, ist nicht mehr nachvollziehbar. Denn nein, Madonna setzt – musikalisch gesehen – keine Standards mehr. Man dürfte sie also getrost wie jede andere erfolgreiche Künstlerin behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich ist es aber ihre Selbstdarstellung, mit der Madonna seit ein paar Jahren an ihrem eigenen Sockel sägt. Für mich verkörpert sie perfekt diesen Typ der unreifen Mutter, die es in jedem Freundeskreis gibt. Diese hat nie kapiert, dass sie älter als ihre Kinder ist. Die Freundinnen ihres Sohnes fragt sie nach deren Jeans-Größe und sagt dann stolz, „Ach, wirklich? Ich trage ja Größe 27.“ Sie taucht gern auf den Partys ihrer Tochter auf um „noch ein Glas mit euch zu trinken“. Diese Art von Mutter ist fester Bestandteil der Teenie-Komödie, siehe Stiflers Mom, und ist für ihre Umgebung außerordentlich irritierend: Einerseits beeindruckt sie auf den ersten Augenblick mit ihrem alters-ungemäßen Aussehen und Benehmen. Andererseits macht genau das sie zu einem Quell der Beschämung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau wie Madonna. Denn bei all ihren anderen Fähigkeiten beherrscht diese eine entscheidende Kunst nicht: Sie weiß nicht, wie man in Würde altert. Ich meine, die Frau wird dieses Jahr fünfzig und hat in ihrem neuen Video nichts Besseres zu tun, als sich von Justin Timberlake ausziehen zu lassen – zu einem Refrain in dem es darum geht, dass wir nur vier Minuten haben, um die Welt zu retten. Text und Clip entsprechen in etwa dem Reflektionshorizont einer 12-jährigen. &lt;br /&gt;
Es ist vor allem Madonnas Fixierung auf ihren eigenen Sex, der so unsagbar daneben geht. Denn von natürlicher Erotik darf hier nicht mehr die Rede sein. Auf ihrem Album posiert Madonna mal wieder in Lingerie, ihr Albumtitel ist ein Wortspiel mit dem amerikanischen Internetslang für ein minderjähriges Sexualobjekt. Vor 25 Jahren war es gesellschaftlich relevant, sexuelle Erregung in der Öffentlichkeit zu simulieren und dabei den Anspruch zu erheben, eine Künstlerin zu sein; heute macht das jeder Pornostar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gesagt, Madonna ist über ihre sexuelle Knallhärte – den „SEX“-Bildband, „Like a virgin“, „Justify my love“ berühmt geworden. Ein Vierteljahrhundert nach dem Beginn ihrer Karriere sollte sie sich langsam mal etwas Neues einfallen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Auf der nächsten Seite sagt johannes-siebold, warum Madonna immer noch die wichtigste Frau von Pop ist&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/573341.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Madonna ist mehr als ein Popstar. Madonna ist ein Prinzip. Dabei ist ihre Musik nur schmückendes Beiwerk. Madonna macht Pop-Musik und Pop ist nun eben das, was es immer war: eine mehr oder weniger seichte Hintergrundbeschallung unter dem erbarmungslosen Hammer des kleinsten gemeinsam Nenners weich geklopft. Doch wer Popmusik als Ganzes kritisieren möchte, kann gleich in die KPD eintreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Madonna ist die personifizierte Projektionsfläche der Verheißung und die heißt: Selbstbestimmung. Aus einfachsten Verhältnissen hoch gearbeitet, sich selbst immer wieder neu erfindend, wandelbar wie kein anderer Star. Sie hat das Phänomen der Popkultur von Grund auf durchschaut: Anstatt zu einem drogenabhängigen Opfer des Betriebes zu werden, das den Ruhm nicht verkraftet hat, bestimmt sie selbst, was und wie Pop zu sein hat. Sie hat das System wirklich von innen durchwandert und beherrscht es nun. Madonna passt sich nicht an, Madonna gibt den Ton an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, und diese Frau besessen. Sie ist derart von ihrer Selbstbestimmung besessen, dass sie auch über ihr eigenes Alter triumphieren will. Madonna Louise Ciccone feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Zwar können Algen-Diät, mehrere Stunden Yoga am Tag und Kabbala-Meditationen den körperlichen Verfall nicht aufhalten, aber ihn mit Erfolg verlangsamen. Jugendwahn und Schönheitsterrorismus als Ganzes kann man kritisieren. Aber innerhalb dieser Logik ist Madonna von Peinlichkeiten a la Cher oder Uschi Glas meilenweit entfernt. Von dieser Frau würden sich auch Mike Tyson mit Vergnügen an die Leine legen lassen. (Wer die Faszination von Madonna verstehen will, der lese übrigens von Phillippe Djian &quot;Schwarze Tage, Weiße Nächte&quot;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Madonna zeigt sich und allen anderen, was man mit und aus sich selbst machen kann, wenn man will - und das seit 30 Jahren in immer wieder wechselnden Rollen. Nur Madonna selbst bestimmt, wann Madonna alt ist. Deswegen ist sie eine Ikone.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;/jetztpage/johannes-siebold&quot;&gt;johannes-siebold&lt;/a&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/430194</link>
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      <pubDate>Fri, 25 Apr 2008 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Busen out, Baggy in - Wie stehst du zur Mode?</title>
      <description>Manchen macht sie das Leben schwer, anderen geht sie an ihrem schicken kleinen Hinterteil vorbei. Wie ist dein Verhältnis zur Mode und ihren Entwicklungen. Bist du ein Trendsetter, ein Trendbefolger oder ein modischer Tranie?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ey, wir sind hier nicht beim Karneval! Du bist voll unmodisch angezogen!“, raunzte mich gestern eine, sagen wir mal, ausgelassene 13-jährige an der Bushaltestelle an. Meine Sünde: Rote Schuhe, goldgelber Rock und meine tolle Oma-Tasche mit dem hässlichen Hund. Ich selbst fand mich eigentlich ganz stylie, aber dann neige ich in Sachen Modebewusstsein auch zur Renitenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ja auch in gewisser Weise anstrengend. Da hat man sich gerade an den Anblick des eigenen Hinterns – vom Hintern der Anderen mal ganz zu schweigen – in einer knallengen Röhrenhose gewöhnt, da hat man die Ballerinasammlung gerade mal wieder auf Vordermann gebracht und dann heißt es auf einmal: Röhre ist raus, jetzt kommt die Schlaghose wieder. Und darunter „tragen wir eine Plateausohle“, wie es die Modezeitschrift des Vertrauens schreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/571310.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Auch sehr modern: aus einer aktuellen Modeschau&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nicht nur die enge Hose ist im Gehen, auch der BUSEN ist so was von '07, wenn man den &lt;a href=&quot;http://www.telegraph.co.uk/fashion/main.jhtml?xml=/fashion/2008/03/26/efcurves126.xml&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Berichten&lt;/a&gt; der Modemedien Glauben schenken darf. Waren noch bis vor kurzem gepolsterte BH’s und Push-Ups vollkommen unvermeidlich, geht der Trend jetzt zum Brust-Minimierer. Jetzt stehen also Frauen nicht mehr so sehr unter Druck, ihre weiblichen Reize möglichst zu betonen – sie sollen im Gegenteil so tun, als hätten sie keine. Ich meine, es ist ja schon schlimm genug, das Hinterteil und Hüften von erwachsenen Frauen nach 14jährigem Buben aussehen sollen. Aber dass Brüste aus der Mode kommen, ist doch etwas abstrus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/571309.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Kommt aus der Mode&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder ist es ein Gesetz? Manche Menschen halten sich ja strenger an die Anweisungen der Modeindustrie als andere – wie ist das bei dir? &lt;br /&gt;
Eine Freundin von mir trägt ihre Haare immer analog zu Heidi Klum, verstehst du das? Oder bist du eher die Person, die von Heidi Klum imitiert wird? (Also bist du Kate Moss?) Befällt dich die Schwermut, wenn du merkst, dass &quot;jetzt alle Leute genau so herum laufen wie ich, dabei hatte ich die Jacke schon vor einem halben Jahr&quot;? Was hast du dir zuletzt gekauft? Und was wirst du diesen Sommer tragen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hältst du Leute, die Trends befolgen für Mode-Opfer und setzt nach wie vor auf die „gute alte Levis 501“? Ist es dir wichtig, wie sich eine potentielle Liebschaft kleidet? Und überhaupt: Wie geht es den Jungs? Gibt es einen Modezwang unter Männern? Gerät man als Mann auch ins Schwitzen, wenn der neuste Jeanstrend die eigenen Schenkel nicht ganz so vorteilhaft in Szene setzt – oder zieht man dann eben was anderes an?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist das so mit dir und den Klamotten? Sag’ es uns!&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/429573</link>
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      <pubDate>Mon, 21 Apr 2008 09:00:01 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>In den Schuhen von: Aliza Shvarts '08, die Kunst aus Abtreibung machen will</title>
      <description>Eine Yale-Studentin sorgt mit einem grenzwertigen Performance-Stück für Netz-Remidemmi.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Was sind das für Schuhe:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Modisch korrekte, turnschuhartige Stoffstiefel, möglicherweise von Clarks und für eine angehende Performance-Künstlerin an der Ostküste sehr passend. Die Besitzerin hat lustige Fransen an ihnen befestigt, die ihr Schuhwerk einen Touch Mokassin verleihen – und auch ein bisschen an Elvis Presley erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wem gehören diese Schuhe?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Einem &lt;a href=&quot;http://www.cinderella.de/whelp/news/?p=514&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Monster&lt;/a&gt;, wie es eine Bloggerin formuliert hat. Grundsätzlich gehören sie Aliza Shvarts, einer Kunst-Studentin an der renommierten Yale Universität in den USA. Sie hat eine Abtreibungsperformance als Abschlussprojekt entworfen. Das ist natürlich gefundenes Fressen für die politische Aktivisten, denn in den USA ist das Recht auf Abtreibung höchst umstritten. Die einen, sie selbst wohl inklusive – sehen sie als unerschrockene Kämpferin für das weibliche Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Die anderen sehen sie als Serienmörderin oder schlicht aufmerksamkeitssüchtige &lt;a href=&quot;http://www.jezebel.com/380897/yale-senior-undergoes-multiple-self+induced-miscarriages-in-the-name-of-art target=&quot;_blank&quot;&gt;Mogelpackung&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/570607.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Aliza vor ihrer Ausstellung&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach eigener Aussage hatte Alicia sich für die Arbeit neun Monate lang regelmäßig selbst künstlich befruchtet. Mit einer Spritze hatte sie sich „So oft wie möglich“ Sperma eingeführt. Einmal im Monat unterzog sie sich einer Kräuter-Abtreibung. Die Prozedur nahm sie auf Video auf, das Blut und Gewebe, das dabei austrat, sammelte sie. Beides möchte sie jetzt eben in der Abschlussausstellung ihrer Klasse zur Schaustellen. Als sie das vor ein paar Tagen &lt;a href=&quot;http://yaledailynews.com/storymin.html&quot; target=“_blank“&gt;bekannt&lt;/a&gt; gab, braute sich in der Blogosphäre innerhalb kürzester Zeit eine Kakophonie der moralischen und ästhetischen Entrüstung zusammen.&lt;br /&gt;
Was Shvarts damit will? Angeblich ein gesellschaftliches Statement abliefern. Sie sei der Meinung, sagte sie den Reportern ihrer Unizeitung, dass es die Aufgabe eines Künstlers sei, politische Aussagen zu machen. Sie wolle zu der US-amerikanischen Debatte über das Abtreibungsrecht einen Beitrag leisten und einen „Diskurs entfachen“. Die meisten Kommentatoren werfen ihr jedoch vor, sie trivialisiere die Abtreibung an sich. &lt;br /&gt;
Nachdem Abtreibungsgegner in den Medien Sturm gelaufen waren gegen eine Hochschule, die solch gesundheitlich riskanten und moralisch fragwürdigen Experimente erlaube, &lt;a href=http://yaledailynews.com/articles/view/24528 target=“_blank“&gt;bezeichnete&lt;/a&gt; Yale in einer Pressemitteilung die Performance als „kreative Fiktion“ der Künstlerin. Die wiederum ließ es sich nicht nehmen, ihre Uni der Feigheit zu bezichtigen. Yale wolle sich eben nur aus der Affäre ziehen, ob sie wirklich schwanger geworden sei während den neun Monaten, wisse nicht einmal sie selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/570608.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Aliza beim performen&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wohin gehen die Schuhe?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Vermutlich eher nicht den Pfad der Erleuchtung. Sondern entweder zurück in die relative Obskurität, aus der Aliza Shvarts vor drei Tagen heraus stapfte. Oder in ein paar Jahren in die Tate Modern und auf die Shortlist für den Turner Preis. Denn es hat noch kaum einer Künstlerin oder einem Künstler geschadet, einen Mediensturm in die Existenz pusten zu können.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/429279</link>
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      <pubDate>Fri, 18 Apr 2008 19:00:07 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Wieso findet ihr uns betrunken so blöd?</title>
      <description>Immer zum Wochenende: Mädchen fragen Jungs fragen Mädchen. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/570625.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Mädchenfrage:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Also Jungs, heute muss ich mir was von der Leber reden. Ja, genau, es geht um Alkohol. Also darum, was er aus uns macht, in euren Augen.&lt;br /&gt;
Sehr betrunkene Mädchen sind nämlich etwas anderes als sehr betrunkene Jungs. Wenn ihr so richtig dicht seid, grölend und torkelnd und auch aufdringlich – dann seid ihr halt Männer. Ihr seid vielleicht nicht bei allen Anwesenden beliebt, aber man wird euch euer Verhalten nicht vorwerfen. Vor allem werft ihr es euch selbst und gegenseitig nicht vor, im Gegenteil. Denn euer Exzess ist eine Geschichte, er gehört, genau wie Fußball gucken oder Hintern ansehen zu einem kulturell abgesegneten Inventar der Männlichkeit.&lt;br /&gt;
Sind wir so richtig voll und knülli, wackeln und grölen und kichern wir enthemmt umher – dann sind wir peinlich. Anderen Frauen und euch offenbar auch oft. Oder wieso hört man den Spruch „Es gibt nichts schlimmeres als eine betrunkene Frau“ so oft? Da hilft es nichts zu protestieren, dass besoffene Kerls auch ätzend sind, wir merken es an der Fallhöhe eurer Augenbrauenminik wenn ein dichtes Mädchen oder ein zugeknallter Kerl an euch vorbeieiert. Das ist nicht unbedingt eure Schuld, ich glaube ja nicht, dass ihr uns aus eurem bierseligen Vergnügen heraus halten wollt. Und wir sind untereinander ja auch schnell dabei, uns gegenseitig für alkoholinduziertes Danebenbenehmen abzuwatschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiel gefällig? Auf Musikfestivals gehört es ja zum guten Ton, 24 bis 72 Stunden am Stück hauptsächlich Alkoholisches zu sich zu nehmen. Dementsprechend unangenehme Erfahrungen mit entgrenzten Artgenossen macht man dort. Aber komischerweise werden die dichten Männer mit ihren nackten Oberkörpern höchstens als extrem unangenehm empfunden. Den Horden von Mädels, die eigentlich nichts anderes machen, als genauso zu nerven, wird gerne ein „Die können einem nur leid tun“ oder „Ganz schöne Opfer“ entgegen geraunt. Anders als euch selbst gesteht ihr uns ein autonomes Sich-zu-saufen nicht zu. Wir können nicht einfach dicht sein, weil wir halt Bock drauf haben, sondern wir sind dann gleich peinlich. Und nicht nur das. Betrunkene Mädchen sind eurer Ansicht nach direkt eine Gefahr, natürlich nur für sich selbst. Sobald wir mal ein bisschen die Kontrolle verlieren, wird uns sofort damit gedroht, dass jemand genau das ausnutzen könnte. Also sollten wir wohl besser immer schön ordentlich bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke, darin liegt der Knackpunkt. Ihr erwartet von uns „weibliches“, sprich: geordnetes, sauberes und vor allem kontrolliertes Verhalten. Das entspricht dem allgemeinen gesellschaftlichen Anspruch an uns. Wir sollen uns im Griff haben, egal, ob es um unseren Nahrungsmittel- oder unseren Alkoholkonsum geht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder liege ich damit falsch? Ich meine, klar, eine weibliche Alkoholleiche ist auch nicht besser als eine männliche. Aber ist sie denn schlechter? Oder anders gefragt: Jungs, findet ihr uns denn wirklich so scheiße, wenn wir betrunken sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Jungsantwort:&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst müssen wir einmal sagen: Es ist super, wenn ihr trinkt. Es ist sogar super, wenn ihr sauft. Weil saufen einfach eine tolle Sache ist, bei der jeder – egal welcher Nationalität, Religion oder Geschlechts – mitmachen darf. Und es gibt nichts Schlimmeres als diese Apfelschorledrosseln und Milchkaffeemädchen, die panische Angst vor Kontrollverlust haben und sich um ein Uhr früh noch einen KiBa bestellen. Nicht, dass es uns jetzt darum ginge, eure fehlende Kontrolle auszunutzen, aber lockere, unkomplizierte und lachende Frauen mit einem Kräuterschnaps in der Hand sind einfach umwerfend. &lt;br /&gt;
Allerdings hat deine gesellschaftliche Analyse etwas für sich: Weibliche Dichtlinge finden wir irgendwie nicht so toll. Es gibt nämlich nur zwei Möglichkeiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;1. Mädchen, die saufen nicht checken&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
Weil Mädchen seltener richtig viel trinken (nur damit wir uns richtig verstehen: Wir reden hier nicht geselligen Trinken-wir-mal-ein-paar-Bier-zusammen, sondern vom selbstdestruktiven Vollrausch, bei dem leichte Alkoholika wie Bier lediglich den Fuß bilden, die Spitze des Rausches aber durch Schnäpse und/oder Longdrinks hervor gerufen wird), weil Mädchen also im Allgemeinen seltener richtig voll sind, haben sie darin keine Übung. Los geht es mit einem wahnsinnig infantilen Gekichere, irgendwann wird dann mit greller Stimme durch die Bar geplärrt und am Ende liegt dann ein Haufen Erbrochenes rum, wo er nicht sein sollte. Im schlimmsten Fall liegt die Frau sogar selbst darin. Das T-Shirt ist verrutscht, die Haare angekotzt und jedem Dahergelaufenen schmeißt sie sich um den Hals. Das kann Jungs zwar auch passieren, aber um unsere Kumpels müssen wir uns nicht kümmern. Die kommen schon irgendwie klar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;2. Mädchen, die saufen können&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Sind faszinierend. Anfangs. Wenig ist beeindruckender als eine Frau, die, ohne uns zu fragen, noch zwei Wodka bestellt und nicht „Findest Du nicht, dass es langsam mal reicht?“ fragt. Frauen, die saufen können, haben keine Angst vor Kontrollverlust. Das wirkt unglaublich selbstbewusst und imponiert uns. Zwischen dem dritten und sechsten Bier sind wir ein bisschen verliebt. Aber was kommt dann? Was sollen wir von einem Mädchen halten, das Herrenwitze macht? Das sich aus Schnaps und Bier ein „U-Boot“ baut? Mit dem wir uns irgendwann in die Arme fallen und uns ewige Freundschaft schwören? Das machen wir dann doch lieber mit unseren Kumpels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tertiam non datur. Vielleicht ist Saufen einfach ein Hobby, bei dem Jungs und Mädchen unter sich bleiben sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;/jetztpage/johannes-siebold&quot;&gt;johannes-siebold&lt;/a&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/429292</link>
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      <pubDate>Fri, 18 Apr 2008 19:00:00 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Sex hat im Job nichts verloren - oder?</title>
      <description>Was ist von den Romanzenstandorten Büro und Uni zu halten? Diskutier mit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn es eine Regel gibt, die sich durch alle Branchen zieht, dann ist das wahrscheinlich: „Don’t fuck the office“. Als Arbeitnehmer empfiehlt es sich, Kollegen, Assistentinen, Chefs da zu lassen wo sie hingehören – im Büro. Zumindest in der Theorie. Denn selbstredend haben Menschen, die dieselbe Arbeit verrichten oft auch ähnliche Interessen, und so gemeinsame Erfolgerlebnisse, Geschäftsreisen oder durchgearbeitete Nächte können ja durchaus eine aphrodisierende Wirkung entfalten. Und auch zwischen Professoren und Studentinnen, Schülern und Lehrerinnen scheint es oft genug so arg zu funken, dass es zum Gesetzesbruch kommt. Nicht umsonst gehört die verstohlene Fummelei im Kopierzimmer oder der ungelenke Geschlechtsverkehr auf dem nächlichen Büroschreibtisch zu den Standardsituationen des Seitensprung-Szenarios.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/570393.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Haben sich zum Beispiel auch auf Arbeit kennen gelernt: Brangelina in voller Pracht. Bild: dpa&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann gut gehen – und in kreativ-produktiver Traumpaarigkeit münden. Es kann aber auch ordentlich in die Hosen gehen, etwa wenn die Affäre unglücklich endet und man bei jeder wichtigen Konferenz dem Flegel oder der Kuh in die Augen sehen muss. Oder wenn die Chefin bezichtigt wird, ihren Angestellten nicht nur in der Kiste sondern auch in seiner Karriere besonders zu fördern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allen Risiken ist die Büro-Liebe eine anthropologische Konstante der modernen Welt. Wie geht es dir dabei? Hast du dich schon mal in einen Kollegen oder eine Kollegin verguckt? Und wenn ja – wie hast du dich verhalten? Bereust du die Entscheidung? Wie findest du es, wenn Professoren ihre Studentinnen verführen? Sollte es strenge Sanktionen gegen kollegiale Romanzen geben, weil sie die Zusammenarbeit beeinträchtigen – oder ist so ein bisschen gediegene Flirterei auch abseits von Betriebsfeiern auch gut für die Inspiration?&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/429194</link>
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      <pubDate>Fri, 18 Apr 2008 09:00:01 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Internet gegen Stromausfall. Wie junge Afghanen sich in die Gegenwart bloggen.</title>
      <description>Nasim Fekrat lebt in der afghanischen Hauptstadt Kabul und arbeitet dort als freier Journalist. Er war zehn, als er seine Heimat verließ und über Pakistan in den Iran und nach Dubai floh. 2002, wenige Monate nachdem die NATO Afghanistan angegriffen hatte, kehrte er zurück. Kurze Zeit später begann er unter einem Pseudonym zu bloggen und schrieb über die gesellschaftliche und politische Entwicklung seit Ausbruch des Krieges. Als der Deckname von einem seiner islamistischen Gegner verraten wurde, begann Nasim 2004 zwei neue Blogs, &lt;a href=&quot;http://www.afghanlord.org/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;eines&lt;/a&gt; auf Englisch, das &lt;a herf=&quot;http://kabuli.org/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;andere&lt;/a&gt; auf Farsi. Nasim beschreibt sich selbst als „Kämpfer für die Meinungsfreiheit“, er ist Mitbegründer des &lt;a href=&quot;http://afghanpenlog-en.blogspot.com/&quot; target=_blank&quot;&gt;Afghan Penbog&lt;/a&gt;, einem Live-Journal, an dem sich 128 afghanische Blogger weltweit beteiligen. 2005 verlieh ihm die französische Organisation Reporters Sans Frontières (Reporter ohne Grenzen) einen Preis für seinen Blog für die Meinungsfreiheit. Letzte Woche veranstaltete er den ersten Blog-Workshop in Kabul. Auf seiner Seite sammelt er Spenden, um weitere Workshops zu finanzieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Bringt sich ein Blogger in Afghanistan in Gefahr?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Hier ist es generell gefährlich, digitale Medien zu nutzen. Die afghanische Regierung versucht ständig, den Internetzugang der Menschen zu beschränken, sie übt Druck auf die IP-Provider aus, Daten zu filtern und Informationen weiter zu geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/568423.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Nasim stellt regelmäßig Fotos aus Kabul online&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie sieht es mit anderen Medien aus?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Wir haben hier keine unabhängigen Medien. Alle Zeitungen und Magazine sind entweder Regierungsorgane oder gehören zu bestimmten politischen oder religiösen Gruppierungen. Als ich nach Kabul zurückkam, habe ich zunächst ein Magazin gegründet, doch es wurde von islamischen Fundamentalisten geschlossen. Im Netz wird man auch bedroht, wenn man gegen die Islamisten schreibt oder die Regierung kritisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie denn?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ein afghanischer Kollege ist aus dem Exil in Iran zurück gekehrt und veröffentlichte auf seiner Website Dokumente, mit denen die Korruption der Regierung belegt wurde. Daraufhin wurde er vom afghanischen Geheimdienst fünf Tage lang fest gehalten. Kurze Zeit später wurde er wieder verhaftet, sie drangsalierten ihn so lange, bis er das Land wieder verließ. Aber die Mujaheddin sind auch nicht besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Man stellt sich islamische Fundamentalisten ja eher nicht als progressive Internetnutzer vor..&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Doch, die sind sehr aktiv. Einmal habe ich zum Beispiel über die Rolle, die Analsex im Koran spielt, gebloggt. Daraufhin kamen so massive Drohungen gegen mein Leben, dass ich den Post wieder offline gestellt habe. Sie beschuldigten mich, ihre Nation beschädigen z wollen. Das ist die Art, wie diese Leute sind: Sie wollen die Menschen blind machen, sie sollen ein vollkommen unreflektiertes Verhältnis zur Religion und zu Gott haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Aber was können Blogs denn daran ändern? Ich vermute mal, dass nicht allzu viele Afghanen einen eigenen Internetanschluss haben.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ha! Lass mich dir mal beschreiben, wie es bei mir gerade aussieht. Es ist jetzt halb zehn Abends und ich sitze im Dunkeln, ich kann nicht mal die Hand vor Augen sehen. Warum? Weil wir hier nur acht Stunden am Tag Strom haben. Also ja, die wenigsten Menschen kommen regelmäßig ins Netz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Wie arbeitest du denn dann?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ich tippe meine Posts zu Hause und speichere sie auf einer Diskette. Damit gehe ich ins Internetcafé, jeden Tag zwei Kilometer hin und zurück. Es ist ein wahnsinniger Energieaufwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/568424.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Trotzdem siehst du im Internet ein großes Potential für dein Land, warum?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Zum einen werden die regionalen und lokalen Medien hier sehr stark vom Internet beeinflusst, ich beobachte, wie die Zeitungen hier Geschichten aufgreifen, die sie zuerst auf unseren Seiten gelesen haben. Es gibt derzeit auch keine andere Möglichkeit als das Netz, eine Meinung auszudrücken, überall anders werden wir zensiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Aber Afghanistan hat doch in gewisser Weise noch dringendere Probleme, die Hungerkrise und der kalte Winter. Was kann ein Blog denn da nutzen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Zum einen ganz konkret. Vor ein paar Monaten schrieb ich auf meiner Seite darüber, dass viele Kinder in den Flüchtlingslagern keine Schuhe hätten. Kurz darauf schickten mir ein paar Menschen aus den USA 15 Paar Schuhe, die Kinder waren so glücklich als ich sie ihnen brachte. Zum anderen geht es aber auch darum, dass wir mit dem Internet eine wunderschöne Verbindung zur Welt aufbauen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ist die Vernetzung Afghanistans als eine Art kulturelle Aufbauarbeit?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ja klar, wir haben so viele Ideen, aber leider so wenig Geld, wir haben ja nicht mal Computer oder Projektoren. Gerade Deutschland leistet ja sehr viel Hilfe und Unterstützung, aber wenn es um Blogs geht, besteht kein Interesse. Dabei kann das Netz die junge Generation inspirieren und uns helfen, dieses Land in die Moderne zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ist das dein Anliegen? Die Modernisierung Afghanistans?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Ja, unbedingt. Wir sind nicht mehr das Land der 80er und 90er Jahre. Wir sind nicht nur Krieg, wir Afghanen haben auch Liebe, Herzen, Kultur. Manche Menschen in Europa und den USA meinen, wir würden wie auf einem anderen Planeten leben. Dabei sind wir hier, in der Welt.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
      <link>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/428366</link>
      <guid>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/428366</guid>
      <pubDate>Sat, 12 Apr 2008 09:00:09 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der Mensch im Affen</title>
      <description>Ach, ein Geschlechterklischee sollte man sein. Man wäre so wahnsinnig beliebt und alle würden einen immer in Schutz nehmen. Was ein Experiment mit Affen über unsere Sicht auf Frauen und Männer verrät&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor ein paar Tagen veröffentlichte die &lt;i&gt;Frankfurter Rundschau&lt;/i&gt; eine Meldung der Nachrichtenagentur AP:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;background-color: yellow;&quot;&gt;Jungen spielen gerne mit Autos und Baggern, Mädchen lieber mit Puppen. Solche Geschlechter-Stereotypen sind nicht spezifisch menschlich. Wie Forscher laut einem Bericht des britischen Wissenschaftsmagazins „New Scientist“ jetzt feststellten, gibt es ähnliche Verhaltensweisen bei Affen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigentlich müsste man annehmen, dass der &lt;a href=&quot;http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/?em_cnt=1315368&amp;index_page=3&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Artikel&lt;/a&gt; wie folgt weiter geht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine repräsentative Befragung unterschiedlicher Primatengruppen ergab, dass auch Schimpansen ihre Geschlechterverhältnisse mit einem komplexen Kategoriensystem ordnen. In ausführlichen Einzelgesprächen klagten Bonobomännchen über ihre Weibchen, die sich in ihrer Freizeit exzessiv mit Diäten und Celebrities befassten. Schimpansenfrauen warfen hingegen ihren männlichen Artgenossen vor, sich eigentlich nur für Dosenbier und Tischfussball zu interessieren.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich geht der Artikel anders weiter. Er handelt von einem &lt;a href=&quot;http://www.newscientist.com/channel/life/dn13596-male-monkeys-prefer-boys-toys.html?feedId=online-news_rss20&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Experiment&lt;/a&gt;, das angeblich beweist, dass Frauen und Männer in ihren Hobbys biologisch festgelegt seien und nicht sozial geprägt. Und zwar war das so: Einer Gruppe Rhesus-Affenkindern wurden verschiedene Spielzeuge vorgesetzt, ein Auto und eine Plüschpuppe. Die Affenboys beschäftigten sich länger und ausführlicher mit den „typisch männlichen“ Spielsachen; die kleinen Äffinnen spielten hingegen sowohl mit Puppen als auch mit Baggern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/568026.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Der Beweis: Rhesusaffen sitzen lieber auf Jungsschultern! Genau wie Jungs!&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schlussfolgerung der zuständigen Tier-Psychologen und der Medien, die über die Studie berichten, ergibt sich von selbst. Primaten sind genau wie wir! Frauen nämlich flexibel und fürsorglich, Männer haben in erster Linie Interesse an Sachen mit Rädern. An sozialem Druck, Erziehung, Werbung kann das nicht liegen, schließlich waren die Äffleins keinem gendergerechten Marketing ausgesetzt und auch nicht von ihren Eltern zu einer bestimmten Geschlechtsidentität erzogen worden. Und in einem ähnlichen Experiment hatten 80 Meerkatzenkinder ein ähnliches Verhaltensmuster an den Tag gelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wirft natürlich die Frage auf: Was zur Hölle sind eigentlich genau Meerkatzen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/568022.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Diese possierlichen Tierchen!&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanter als die Gewohnheiten verschiedener Affenarten ist die Art und Weise, wie diese Sorte Meldungen verfasst werden - und zwar nicht nur von den Redakteuren dieser bestimmten Zeitung, sondern durchgehend von allen Medien, die über das Experiment berichteten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://jetzt.sueddeutsche.de/upl/images/user/me/meredith-haaf/text/regular/568288.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;txtbildcredit&quot;&gt;Und auch dieser Affe nennt sich Meerkatze. Bild dpa&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese erfüllt nämlich offenbar nur einen Zweck: Die ohnehin enorm starren Vorstellungen, die wir von Frauen und Männern haben, mittels angeblich neutraler, wissenschaftlicher Ergebnisse in diskursiven Zement zu gießen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dass die Farbe oder Funktion von Spielzeugen Affen möglicherweise ganz anders ansprechen als Menschen, dass es auch unter Affen so etwas wie eine Gruppendynamik geben kann – bleibt unerwähnt. Und auch die Formulierungen, in welche die Nachricht gegossen wird, sprechen für sich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fängt an mit der Aussage, dass Jungen bestimmte Vorlieben haben und Mädchen andere. Dass es sich dabei eigentlich nicht um eine unumstößliche Tatsache handelt, sondern um ein Klischee, wird nicht gekennzeichnet. Ein Zusatz wie „viele Leute glauben“ oder „eine gängige Annahme ist“, hätte dem Ganzen gut getan. Weiter geht es mit der – ebenfalls ziemlich gewagten – Aussage, dass Stereotypen auch im Tierreich existierten. Nun ist bisher einzig die menschliche Art bekannt dafür, sowohl Charaktereigenschaften als auch Tätigkeitsfelder nach Geschlechtern zu ordnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch abgesehen davon schwingt in diesem Satz die Aussage mit: Dann ist ja alles in Ordnung – wir können uns wieder zurück lehnen, was die Darstellung und Bewertung von Geschlechtern betrifft. Wir müssen die Vorstellung, dass Frauen „von Natur aus“ weich und nachwuchsorientiert seien, und Männer mit Technik mehr anfangen können als mit Babys, nicht über Bord werfen, auch wenn das in unserer Gesellschaft gefragt ist. Denn wenn die Tiere sich wie ein Klischee verhalten, dann ist uns das Klischee in die DNS eingepflanzt. Und wenn es die DNS befiehlt, ist Widerstand zwecklos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adieu Aufklärung, tschausen Freiheit des Willens. See you back in der Höhle! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn aus der, so sieht es die populärwissenschaftliche Berichterstattung, sind wir eigentlich nie so richtig raus gekommen.&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/img&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;&lt;/br&gt;</description>
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      <pubDate>Thu, 10 Apr 2008 19:15:00 +0200</pubDate>
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      <title>Ticker-Mobil: Sind die Autofahrer die wahren Bösen?</title>
      <description>&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spätestens seitdem letzte Woche die Biospritoffensive des Bundesumweltministeriums so gründlich in die Hosen gegangen ist, kann man sagen, dass die Tage der Biomasse als Erdölersatz eindeutig angezählt sind. Nicht nur, weil so viele Autos das Zeug nicht vertragen. Nein: Biomasse macht die Menschheit hungrig. In Südamerika werden Urwaldbestände dem Rapsanbau geopfert, in Mexiko konnten sich die Menschen ihr Grundnahrungsmittel Mais nicht mehr leisten, als das Korn plötzlich nur noch an die Autos verfüttert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur: Mit Solarenergie werden so schnell die Autos nicht fahren können und deswegen beharren Konzerne wie BP darauf, so bald wie möglich überall Ethanol einzuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon gemerkt: Immer geht es um die Autos. Autos gegen Menschen, Autos gegen die Luft, Autos gegen den Regenwald. So wie es aussieht, werden wir im Westen erst lernen müssen, auf unsere Karren zu verzichten, bevor es der Erde wieder besser gehen kann. Kann man nicht vielleicht sogar sagen, die Autofahrer sind an ziemlich viel schuld, was in den letzten Jahrzehnten schief gelaufen ist? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Deutschen gelten als das! Autofahrer-Volk! schlechthin! Als Kinder führen wir schon Grundsatzdiskussionen darüber, ob wir uns später mal ein Auto kaufen werden und wenn ja, was dann für eines. Manche Menschen sehen ihren Wagen als Ausdruck ihrer Persönlichkeit, andere finden genau das moralisch verwerflich. Autobesitzer erklären sich mit dem Argument, alles wäre einfacher mit Wagen, wenn man mal zum Baumarkt muss oder zum Skifahren will zum Beispiel. Stimmt schon, aber geht es nicht auch ohne? Und wäre es nicht langsam angezeigt, sich das Düsen abzugewöhnen?&lt;br /&gt;
Gehörst du zu den Menschen, die Autos für ein Grundrecht halten, oder bist du passionierter Nutzer des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs? Was bedeutet die dein Auto – oder umgekehrt deine Autolosigkeit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und apropos: Weiß eigentlich jemand, wo der New Beetle von VW hin ist? Auf welchen Straßen sieht man den noch? In München jedenfalls nirgends.</description>
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      <pubDate>Mon, 07 Apr 2008 09:00:01 +0200</pubDate>
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