26.05.2012 - 10:43 Uhr

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Warum so retro?

Text: kathrin-hollmer  Foto: Nicco - photocase.com

Kameras, Apps, Musik - Nostalgie begegnet uns überall. Ist die Sehnsucht nach dem Vergangenen auch okay, wenn wir das Original gar nicht kennen? Ein Fall für Zwei.
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vaus
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Mag ich Mag ich nicht

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19.01.2012 - 13:08 Uhr
vaus

wenn ich einem kind sage, es soll einen tannebaum zeichnen, das kommt so eine art säge. und wenn es eine eisenbahn zeichnen soll, dann kommt eine dampflok, die es seit 50 jahren nicht mehr gibt.
also: man hat retro in den genen. ;-)
oder vielleicht auch die sehnsucht nach einer bestimmten sorte "ur-bilder", weil diese das leben ordnen und einfacher machen. also reduktion. s/w oder sepia statt farbe. was man dabei an preisen bezahlt wie moral und ressentiment ist zunächst mal nicht bewußt.

ruebezahl
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Mag ich Mag ich nicht

1

19.01.2012 - 18:29 Uhr
ruebezahl

@vaus: was eine säge als tannenbaum mit retro-look zu tun hat, ist mir unklar. die dampflok erklärt sich daher, dass kleinkinder von anfang an mit nostalgisierendem spielzeug zu tun haben, stilisierte dampfloks (aus holz oder plaste) gibts in jedem laden, frag mal nach einem holz-ice. bedeutet: dieses vermeintliche "ur-bild" ist angelernt.
es gibt sogar einen pädagogischen grund für das festhalten an der nostalgie-dampflok: im ggs zum ice oder einer modernen e-lok bietet die form einer dampflok für kinder einen hohen wiedererkennungswert gegenüber anderen dingen. ein ice sieht aus wie eine schlange und eine e-lok oder diesellok ist einfach nur ein holzklotz. so funktioniert auch eine säge als tannenbaum bzw der umriss eines tennisschlägers als laubbaum: typisierte, charakteristische form.
was bedeutet: es gibt keine nostalgie in den genen. (jedes gen-argument ist mir zutiefst zuwider.) die sehnsucht nach sepia (s/w nehme ich ausdrücklich aus, denn s/w hat eine sehr eigene, künstlerische komponente, die weit mehr als bloß nostalgisches darzustellen in der lage ist) ist in der tat, da gebe ich dir recht, sehnsucht nach reduktion, nach einfachheit und ordnung. denn in der rückschau erscheint das vergangene in den meisten fällen einfacher und aufgeräumter als die komplexe gegenwart (das gedächtnis verdrängt, ändert, räumt auf, fälscht die damalige realität.) so wie die vorpubertäre kindheit eine glückliche welt zu beschreiben scheint. dabei lebt kein kind in einer unproblematischen welt, doch schmerz, unsicherheit, unglück verdrängt das gedächtnis, da es der natürlichen neugier des kindes im weg steht.
jedes heute ist immer komplexer als ein von heute aus besehenes gestern: retro ist die bewusste einnahme einer verändernden, verklärenden perspektive, die sich grundskeptisch dem heute und morgen gegenüber verhält. ich halte das für problematisch, aber das muss nicht jeder so sehen.

vaus
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Mag ich Mag ich nicht

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19.01.2012 - 20:01 Uhr
vaus

ich fühle mich warm verstanden, ruebe!

Montrose
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.01.2012 - 19:45 Uhr
Montrose

stirnlappenbasilisk sagte:

Es ist für mich ein tatsächlich ein Unterschied, ob ich den Kontrast oder die Helligkeit erhöhe (was ich bekanntermaßen bei meinen Fotos mache und was ich bereits im analogen genauso getan habe) oder einen Standard-Verfremdungsfilter drüberjage.
Dieser Filter macht im besten Falle ein gutes Bild nicht schlechter. Aber mit Sicherheit kein schlechtes Bild besser. Die Wirkung ist für mich schlicht billig und kitschig, eben so wie bei den guten alten Softpornobildern mit dem Unschärfefilter vor der Linse. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung.



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kathrin-hollmer

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.


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