A.J. Weigonis ‚Vignetten’ folgen einer mäanderförmigen Struktur. Dieser Schriftsteller nähert sich tastend und fragend. Und das entspricht dem Charakter dieser Novelle, die reflexiv ist, indem sie beim Betrachten und Beschreiben innehält. Diese Novelle kommt in einem verhaltenen Ton daher, sie ist nicht auf eine Pointe hingeschrieben, sondern zieht weite Kreise ums jeweilige Thema, verliert sich gelegentlich auch ganz in Entlegenem. Übergroße Klarheit im Denken verhindert einen wachen Blick oft eher.
Die literarische Qualität der ‚Vignetten’ wurde mir erst beim erneuten Lesen vollständig bewußt. Kein früheres Buch transformiert Weigonis geistige und ideelle Substanz so sehr ins sinnlich konkret literarische wie dieses. Die Sinnlichkeit der Beschreibung erinnert teilweise an Louis Aragons Erzählung ‚Die Abenteuer des Telemach’. Die Protagonisten werden von ihren eigenen Gefühlen oft überwältigt, das wird von ihnen nicht direkt ausgesprochen, sondern diskret umrissen. Es sind nicht nur die Lebensfragen der Figuren, die nach einer Form suchen, Weigoni befragt gleichzeitig die Literaturgattung mit.
Die filmschnittartigen Reflexe des Großstadtlebens sind Walter Benjamin nahe, doch auch die ‚Mythen des Alltags’ von Roland Barthes. Was Benjamin noch ungebrochener faszinierte, zeigt Weigoni mehr im Technomodernismus. Manchmal glaubt man gar, es werde eine künftige Welt beschrieben. Weigoni präsentiert mit dieser Novelle mehr Erzählstoff als viele so genannte Erzähler in einem ganzen Roman, er hat mit den ‚Vignetten’ den Quellcode der deutschsprachigen Literatur überarbeitet.
Jo Weiß
»Vignetten«, Novelle von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2009 – Limitierte und handsignierte Ausgabe als Hardcover
Auch als Hörbuch umgesetzt, Eine Hörprobe findet sich auf«:
http://www.hoerspielprojekt.de/MetaPhone...
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de
Bleibt miro nur --> hört mal rein, Herr Weigoni ist mir besondere Entdeckung².







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03.11.2009 - 20:51 Uhr
MatthiasHagedorn
“So stöbere ich im Juli 1981 in der Fußgängerzone von Wuppertal-Barmen Thomas Bernhards Amras – Nach dem Selbstmord unserer Eltern waren wir zweieinhalb Monate in dem Turm eingesperrt, in dem Wahrzeichen unseres Vorortes Amras, das nur durch den großen, in südlicher Richtung hinauf an das Urgestein führenden Apfelgarten, vor Jahren noch ein Besitztum unseres Vaters, zugänglich ist –, im März 2007 in einem Antiquariat auf dem Mauritiussteinweg am Neumarkt in Köln Samuel Becketts Murphy – The sun shone, having no alternative, on the nothing new – und im Oktober 2009 im Internet auf jetzt.de A. J. Weigonis Vignetten – Blinklicht. Zuerst sieht Max sie an einer Ampel – auf. Die schreibende Kraft ist die reibende Kraft ist die treibende Kraft ist die bleibende Kraft.”
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