Wo bitte kann man ein Treffen mit dem Autor gewinnen?
11.04.2007 - 16:09 Uhr
funivia
nur: mich wundert ein wenig, dass hier allenthalben proklamiert wird, unsere generation hadere mit ihrem bohemian lifestyle, mit cyberspace und praktika bzw., dass sie das tue oder tun müsse, sei bedauerlich.
nicht dass ich bestreiten wollte, daran seien auch allerhand beklagenswerte züge zu finden. aber wo bleibt das lob für die möglichkeiten, die so viele von uns mit kusshand annehmen? wo die feststellung, dass man tatsächlich noch nie in einer so freien welt gelebt hat, was definitiv als errungenschaft bezeichnet werden darf?
diese generation befindet sich in einem bedauernswerten konflikt zwischen der (bürgerlichen) sicherheit unserer eltern und der freiheit des jetzt. jene haben wir vorgelebt bekommen, und wenn wir unsere zukunft befragen, dann fällt es den meisten von uns schwer, andere antworten von ihr zu bekommen, als diese, welche uns die vergangenheit gegeben hat (das ist zutiefst menschlich).
und dementsprechend gilt es - eben zukunftsorientiert - auch in erwägung zu ziehen, dass zumindest ein teil dieser zustände normalität werden könnte, selbstverständlichkeit; dass unsere kinder oder zumindest unsere enkel, dieses freie oder vielleicht belastend ungebundene leben als etwas ganz normales hinnehmen, so wie wir es vielleicht gerne mit der lebensweise unserer eltern täten; dass sie das dann auch nicht mehr derart belastet, wie es so manchen von uns belastet.
das eine oder andere, was jetzt unangenehm erscheint, mag auch zu institutionellen veränderungen führen, die diese unannehmlichkeiten lindern oder gar beseitigen.
im übrigen bedeutet die derzeitige entwicklung nicht, dass wir zukünftige gar nicht mehr anfassen und nur noch gruscheln, keine freunde und nur noch bekannte mehr haben werden. diese projektion ist - denke ich - nur eine vereinfachung, aber auf vereinfachungen sind junge wie alte menschen auch schon früher gerne hereingefallen.
dass sich das mischungsverhältnis ändern mag, bedeutet noch lange nicht, dass die welt lebensfeindlich wird, und dass nur die rückkehr zu einer der sicherheitswelt unsere elterngeneration analogen situation eine taugliche lösung unserer probleme darstellt.
derartige momente fehlen mir in beiden texten und überhaupt in vielen der texte, die hier vorgestellt werden.







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09.04.2007 - 20:16 Uhr
notan
ein neujahrstag des jahres fünfundneunzig
der letzte paarreim deiner zwei terzette
wie eingebüsst/ der schatten ferner ranken
an deinem grabesblock/ die kettenblumen
geh hin und fahre ein ins reich des hundes/
mit cerberusbeflissnen sklaventreibern
verdank dem hund dein tagwerk/ krieg und frieden
wir werfen in dein grab die blätter schweigend
aus klebrigen collagen fremder träume
die kunst hebt an/ verdammt und unbeholfen/
der stundenblankvers tritt in leere ärsche
was gehts uns an? was haben wir zu fürchten?