26.05.2012 - 08:54 Uhr

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Macht Freiheit einsam? Die Plätze 2 und 3 des Essay-Wettbewerbs

Text: peter-wagner

Gemeinsam mit der "Initiative Freiheit" rief jetzt.de vor kurzem dazu auf, Essays zu der Frage Macht Freiheit einsam? zu verfassen. Mehrere Hundert spannende Beiträge erreichten uns. Die Jury hat beraten und in den vergangenen Tagen haben wir die Plätze 10 bis 4 im Label EssayWettbewerb veröffentlicht. Heute stellen wir die Plätze zwei und drei vor. Am Mittwoch erscheint hier und auf der jetzt.de-Seite in der Süddeutschen Zeitung das Siegeressay. Platz zwei belegt Peter Wünschinger*, 25 Jahre. Er studiert in Berlin Philosophie und Katholische Theologie. Sein Beitrag trägt den Titel Es tut uns ja auch leid. Die Jury lobt, dass Peter gängige Annahmen auf den Kopf stellt und neue und kluge Gedanken spinnt. Platz drei belegt Tobias Haberkorn. Sein Beitrag, zu lesen auf der nächsten Seite, ist mit Wir sind so frei überschrieben. Die Jury findet den Text fulminant geschrieben, eine "Tirade", die von großem Überblick zeuge.
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notan
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Mag ich Mag ich nicht

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09.04.2007 - 20:16 Uhr
notan

heiner müller

ein neujahrstag des jahres fünfundneunzig
der letzte paarreim deiner zwei terzette
wie eingebüsst/ der schatten ferner ranken
an deinem grabesblock/ die kettenblumen

geh hin und fahre ein ins reich des hundes/
mit cerberusbeflissnen sklaventreibern
verdank dem hund dein tagwerk/ krieg und frieden
wir werfen in dein grab die blätter schweigend

aus klebrigen collagen fremder träume
die kunst hebt an/ verdammt und unbeholfen/
der stundenblankvers tritt in leere ärsche
was gehts uns an? was haben wir zu fürchten?

wasbesonderes
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Mag ich Mag ich nicht

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10.04.2007 - 15:01 Uhr
wasbesonderes

Super.

Wo bitte kann man ein Treffen mit dem Autor gewinnen?

rocktag
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10.04.2007 - 16:36 Uhr
rocktag

Mir gefällt Platz 3 besser als Platz 2, aber das ist natürlich rein subjektiv.

funivia
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11.04.2007 - 16:06 Uhr
funivia

ja mit dem würde ich auch gerne reden.....vor allem über die alternativen, die er am ende verschluckt.

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11.04.2007 - 16:09 Uhr
funivia

ja mit dem würde ich auch gerne reden.....vor allem über die alternativen, die er am ende verschluckt.

melan
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12.04.2007 - 00:08 Uhr
melan

mit welchem?

sozialesatom
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19.04.2007 - 20:51 Uhr
sozialesatom

das sind zwei definitiv gelungene texte.

nur: mich wundert ein wenig, dass hier allenthalben proklamiert wird, unsere generation hadere mit ihrem bohemian lifestyle, mit cyberspace und praktika bzw., dass sie das tue oder tun müsse, sei bedauerlich.

nicht dass ich bestreiten wollte, daran seien auch allerhand beklagenswerte züge zu finden. aber wo bleibt das lob für die möglichkeiten, die so viele von uns mit kusshand annehmen? wo die feststellung, dass man tatsächlich noch nie in einer so freien welt gelebt hat, was definitiv als errungenschaft bezeichnet werden darf?

diese generation befindet sich in einem bedauernswerten konflikt zwischen der (bürgerlichen) sicherheit unserer eltern und der freiheit des jetzt. jene haben wir vorgelebt bekommen, und wenn wir unsere zukunft befragen, dann fällt es den meisten von uns schwer, andere antworten von ihr zu bekommen, als diese, welche uns die vergangenheit gegeben hat (das ist zutiefst menschlich).

und dementsprechend gilt es - eben zukunftsorientiert - auch in erwägung zu ziehen, dass zumindest ein teil dieser zustände normalität werden könnte, selbstverständlichkeit; dass unsere kinder oder zumindest unsere enkel, dieses freie oder vielleicht belastend ungebundene leben als etwas ganz normales hinnehmen, so wie wir es vielleicht gerne mit der lebensweise unserer eltern täten; dass sie das dann auch nicht mehr derart belastet, wie es so manchen von uns belastet.

das eine oder andere, was jetzt unangenehm erscheint, mag auch zu institutionellen veränderungen führen, die diese unannehmlichkeiten lindern oder gar beseitigen.

im übrigen bedeutet die derzeitige entwicklung nicht, dass wir zukünftige gar nicht mehr anfassen und nur noch gruscheln, keine freunde und nur noch bekannte mehr haben werden. diese projektion ist - denke ich - nur eine vereinfachung, aber auf vereinfachungen sind junge wie alte menschen auch schon früher gerne hereingefallen.
dass sich das mischungsverhältnis ändern mag, bedeutet noch lange nicht, dass die welt lebensfeindlich wird, und dass nur die rückkehr zu einer der sicherheitswelt unsere elterngeneration analogen situation eine taugliche lösung unserer probleme darstellt.

derartige momente fehlen mir in beiden texten und überhaupt in vielen der texte, die hier vorgestellt werden.




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peter-wagner unbekannt

peter-wagner

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


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