13.02.2012 - 04:15 Uhr

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Alle mögen den Dalai Lama. Zurecht? Blick hinter eine Fassade

Text: ralf-heimann

Alle mögen den Dalai Lama. Weil er so freundlich ist, weil er immer lächelt. Oder weil man zu wenig über ihn weiß …
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Rochen68
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29.01.2007 - 13:40 Uhr
Rochen68

@kg: Genau sowas hätte z.B. in so einen Artikel gehört.

kulturgut
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Mag ich Mag ich nicht

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29.01.2007 - 14:10 Uhr
kulturgut

man sollte aber noch dazu sagen, dass ein angriff auf den dalai lama keinen angriff auf den buddhismus im allgemeinen bedeutet, denn der tibetanische buddhismus, für den er steht, ist eine in mancher hinsicht sehr spezielle sonderform.

dazu gehört übrigens, dass viele dinge in dieser tradition nur direkt vom meister an den schüler weitergegeben werden dürfen, also geheim bleiben sollen. was vollkommen in ordnung ist, aber bösartige spekulationen fördert.

diese spekulationen braucht man aber wie gesagt nicht, wenn man genau mitdenkt bei den sachen, die der dalai lama öffentlich sagt und bei denen es sich nicht nur um schöne allgemeinplätze handelt (die allerdings so ca 90% ausmachen)

Mo_
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29.01.2007 - 14:10 Uhr
Mo_

Prinzipiell versucht doch die Autoren doch nur Geld zu machen. Die Autoren des Buches und der Autor dieses Artikels. Verkaufsslogan: Die Tibeter sind doch böse. Uff, das ist aber eine Erleichterung für uns, die wir als "demokratische und liberale" Gesellschaft nicht tolerieren können, dass jemand toleranter als wir sind.

Nun zum Inhalt eine kleine Bemerkung: es fällt mir auf, dass in der ganzen Diskussion und dem Inhalt des Buches der hier erschlossen ist eine GROBE Verallgemeinerung stattfindet. Es mag zwar sein, dass der Dalai-Lama weltlicher Repräsentant der Tibeter. Trotzdem ist hier nur Rede vom Tantrizismus, einem Zweig der ganzen Sache (siehe zB. Teravada).
Und der Dalai-Lama repräsentiert nich nur ganz einfach eine spezielle Praktik. Desweiteren ist er Oberhaupt der "Gelbmützen" Sekte (nicht herabwertend gemeint --> nur zum Hintergrund seiner religiösen Erziehung) . Das ist fast wie wenn man sagen würde: das Christentum ist doch "böse" weil die Orthodoxen einen bestimmten seltsamen Ritus vollziehen und teilweise für Aussenstehende unverständliche (Welt-)Anschauungen vertreten (frei erfunden).

Letztes Kommentar von mir: Der Dalai-Lama ist für mich immer noch eine Art Staatsoberhaupt (Die Monarchie wurde ja abgeschaft in Tibet, was heisst, das der einzige weltliche Repräsentant nun der Dalai-Lama bleibt; und selbst wenn es Tibet als Staat nicht mehr gibt und wahrscheinlich nie mehr geben wird). Bevor man nun Behauptungen macht über solche Personen sollte man sich das zweimal überlegen, ausser man macht es aus Profitgier und Verkaufs/Leserzahlen. Reisserischer Journalismus ist ein Schandfleck für jede sich behauptende Informationsquelle und nicht eine von der Mehrheit vertretene ungenaue Vorstellung vom Buddhismus (Es sei hier zB. erwähnt, dass es im Buddhismus keine Seele gibt --> Jainismus).

PS: die "jetzt" Artikel beweisen mal wieder ihre mindere Qualität

Lai
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29.01.2007 - 15:01 Uhr
Lai

Immerhin hat der "Artikel minderer Qualität" dazu angeregt mal zu rekapitulieren was wir eigentlich über "den" Buddhismus wissen: nämlich kaum etwas. Schon allein "der" Buddhismus existiert an sich nicht, sondern gliedert sich, wie die meisten Religionen in viele einzelne Glaubensgruppen (jemand hat Theravada und Tantrismus angesprochen). Vermutlich ist auch sinnvoll eine Unterscheidung zwischen der "ursprünglichen" Lehre, ich denke doch dass man von so etwas sprechen kann, und dem praktizierten, rituellen Buddhismus zu machen. Eine für uns, die wir kulturell christlich geprägt sind, sicher schwer zu begreifende Religion.

sozialesatom
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29.01.2007 - 15:41 Uhr
sozialesatom

ich mache es mir mal einfach:

1. sind die zugänglichen grundsätzlichen lehren des buddhismus so auslegbar, dass sie den menschen zu einem friedfertigen, gutmütigen, vielleicht großzügigen und gar liebenswerten verhalten anleiten und motivieren können?

-> JA.

2. sollte es uns verwundern, dass ein gedanklich-sprachliches konstrukt mit

a) wenigstens einigen metaphysischen hintergründen und absichten,
b) einer langen geschichte und einer beträchtlichen ausbreitung in kulturell unterschiedlichen regionen,
c) einem ausgeprägten grundzug mönchischer ausübung und
d) durchaus strengem traditionsbewusstsein samt unzureichender transparenz

ausreichend winkel und nischen bereitstellt, um

a) ein menge unterschiedlicher bedeutungen hineinzulesen und
b) praktiken zu legitimieren,

den personen in die hände spielen, welche die leider sehr menschlichen eigenschaften der macht- (und)/sexualperversion auszuleben gedenken?

-> NEIN.

3. müssen wir daher den buddhismus verteufeln? -> NEIN.

4. müssen wir die erfahrungsoffenheit bewahren, auch wenn das möglicherweise bedeutet, dass wir negative elemente und entwicklungen entdecken, die sich mit dem buddhismus in verbindung bringen lassen? -> JA.

es gibt gute wie schlechte menschen in allen religionen. sie alle berufen sich auf ihre religion und behaupten von den jeweils anderen, die hätten die "wahre lehre" der religion verkannt oder absichtlich verkehrt. strukturelle gemeinsamkeit: fast alle religionen lassen sich beliebig interpretieren, und der mensch kann damit machen, was ihm beliebt. daher taugen für die moralische beurteilung und legitimation von verhaltensweisen andere kriterien besser als religiöse.

daniel0178
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29.01.2007 - 17:27 Uhr
daniel0178

Der Artikel hat mich davon überzeugt, doch kein Buddhist zu werden.
Tue mir auch schwer mit dem Lesen eines Buches vom Dalai Lama: Das klingt alles so unnatürlich ausgewogen. Werde es auf dem Flohmarkt verhökern.

kulturgut
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29.01.2007 - 18:07 Uhr
kulturgut

daniel: buddhist im klassischen kannste auch ohne dalai lama werden und ohne irgendwo bei- oder überzutreten. es geht doch vor allem darum, sich die welt irgendwie zu erklären - dafür kannst du dir von überall her anregungen holen.

wenn du dagegen vor allem gemeinschaft suchst...finde ich auch die offeneren strömungen des buddhismus zu einschränkend...nette leute findest du überall.

Drapondur
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30.01.2007 - 03:45 Uhr
Drapondur

Bis jetzt habe ich mich immer zurückgehalten hier was zu posten, da ich als alter Sack (38), eigentlich hier nichts verloren habe. Ich breche nun mit dieser Gewohnheit, da ich mich außerordentlich freue, mal etwas Kritisches über "Seine Heiligkeit" gelesen zu haben. Dabei will ich gar nicht mal in das gleiche Horn wie das Autorenpaar Trimondi tuten, denn deren Veröffentlichungen habe ich nicht gelesen.
Allerdings habe ich einige Erfahrungen mit "westlichen" tibetischen Buddhisten, wenngleich nicht aus der gleichen Schule wie der Dalai Lama. Und ich habe mir den buddhistischen Oberboß auch schon mal eine Woche lang live angehört. Resüme: was Sexualität angeht erzählt er den gleichen Schmonz wie schon der letzte (und auch dieser?) Papst: ficken nur wenn Du Kinder willst, schwul/lesbisch ist auch nicht erwünscht. Was den Dalai vom Johannes Paul #2 unterscheidet, ist dabei zwar der Tonfall, nicht aber die Melodie. Beim Erzkatholen war das böse-böse, beim Erzguru ist es nur unratsam, pfui ist es aber allemal. (Und das von einem der aus Erfahrung soviel von Sexualität verstehen dürfte, wie moderne europäische Päpste oder eine Kuh vom Gottesdienst).
Vollends beknackt finde ich jedoch, dass der Buddhismus ebenso wie der Christanismus faktisch auf dem Gedanken aufruht, höheres Wissen über das Leben nach dem Tod (oder auch vor der Geburt) zu haben und anhand dieses höheren Wissens sich erhebt, moralische Richtlinien ex kathedra aufzustellen, statt sie im Diskurs freier, selbstbestimmter Subjekte zu begründen zu versuchen.
Die westlichen tibetischen Buddhisten rekrutieren sich, meiner Erfahrung nach, deswegen auch seltenst aus aufgeklärten Menschen, sonden aus gescheiterten Ex-Katholen, Esoterik-Freaks und Astrologie- (Tarot-, IGing-, Numerologie, etc)-Gläubigen.
Von solchen Leuten habe ich durchaus ernst gemeinte Aussagen gehört, wie:
"Das Ozonloch kommt daher, dass Leute aus Afrika nach Europa einwandern." (Die bringen dann nämlich angeblich ihr "Wüstenkarma" mit).

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30.01.2007 - 05:12 Uhr
Drapondur

@kulturgut
Zitat:
"dazu gehört übrigens, dass viele dinge in dieser tradition nur direkt vom meister an den schüler weitergegeben werden dürfen, also geheim bleiben sollen. was vollkommen in ordnung ist, aber bösartige spekulationen fördert."

Die geheime Weitergabe von Wissen finde ich aus (mindestens) zwei Gründen im Ggs. zu Dir alles andere als in Ordnung:

I) Ein extrabuddhistisches Argument (Wahr = Gut = Schön)
Wenn das Wissen, was weitergegeben wird, ein "echtes" Wissen ist, also, in irgend einer Weise wahre Inhalte haben soll, ist dieses Wissen, (aufgrund einer klassischen abendländischen Überzeugung) heilsam für die menschliche Seele, eben genau deswegen, weil Wahheit in diesem Wissen steckt. Ein solches Wissen zu "privatisieren" wäre also ein unmenschlicher Akt. Nun kann man natürlich die hier unterstellte Gleichsetzung von Wahrheit einerseits und "Heilsamkeit"/Gutsein andererseits Infrage stellen. Mit dem gleichen Recht kann man jedoch auch hinterfragen, ob eine "geheime" Wahrheit diesen Titel überhaupt verdient. Denn:

II) Ein (fast inner-)budhistisches Argument
Der Buddha, wie wir ihn durch den Pali-Kanon kennen, sagt, er habe keine (geheimen) Lehren für sich zurückbehalten, sondern alles gesagt, was es zum Thema "Leben, Universum und dem Rest" zu sagen gibt. Ferner erteilt der Buddha, den wir aus diesen (frühesten) buddhistischen Schriften kennen, jeglichem Zauber- oder Wunderglauben definitiv eine Absage.
Der sog. tantrische Buddhismus nimmt für sich jedoch in Anspruch auf echte Belehrungen Buddhas zurückzugehen, die jedoch der historische Buddha seinerzeit angeblich nur den Turboverständigen offenbart habe (in der sog. "Dritte Drehung des Dharmarades"). Diese Oberchecker seien dann diejenigen gewesen, die die "geheime" oder "innere" Lehre aufbewahrt hätten (und zwar ausschließlich auf eine magisch-übernatürliche Weise), bis die Zeit reif geworden sei, nun doch wirklich die ganze Wahrheit zu offenbaren. Dummerweise würde man aber selbst dann noch nicht Kreti und Pleti alles erzählen, sondern nur denjenigen, die bereit wären die "tiefen" Lehren zu verstehen. Und da ja alles so supergeheim ist, kann man ja auch seine Quellen nicht offenlegen.
Ich sage nun: "Das könnte Ihr einem erzählen, der die Hose mit der Kneifzange zumacht." Dummerweise erzählen gerade die tibetischen Lamas gerne diese Mär. Deswegen kann ich von vorne bis hinten nicht gutheißen, "dass viele dinge in dieser tradition nur direkt vom meister an den schüler weitergegeben werden dürfen, also geheim bleiben sollen."
Damit sind "bösartige" Gedanken über dieses Geheimlehrensystem auch keine Spekulation, sondern das System ist selbst als bösartig belegt.

Leben_leben_lassen
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30.01.2007 - 21:44 Uhr
Leben_leben_lassen

wow, also ich äh finde den text gut, wie irgendjmd davor schon geschrieben hat aber doch etwas zu allgemein gehalten, sachen werden nur angeschnitten, besser wäre es wohl, ein argument auszuführen...
aber ich hab um ehrlich zu sein eine andere seite des buddismus noch nie wirl´klich betrachtet oder einengedanken daran verschwendet und ich finde es interessant und gut, dem mal etwas nachzugehen...



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