26.05.2012 - 08:49 Uhr

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Wir sind die Geduldeten: Fünf Flüchtlinge über den Alltag des Wartens

Text: meredith-haaf

Am Donnerstag treffen sich die Innenminister der Länder in Nürnberg. Dort wollen sie ein automatisches Bleiberecht für Flüchtlinge, die länger als sechs bis acht Jahre mit Duldungsstatus in Deutschland leben, beschließen. Dabei geht es vor allem darum, die Praxis der Kettenduldungen abzuschaffen. Das bedeutet, dass Flüchtlinge jahrelang mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus leben und jederzeit abgeschoben werden können. Doch wegen zahlreicher Ausnahmen profitiert vermutlich nicht einmal die Hälfte der etwa 190.000 Betroffenen von dem Gesetz. +++ In der Organisation Jugendliche ohne Grenzen haben sich junge Flüchtlinge zusammengetan, um für ein Bleiberecht zu kämpfen. Hier erzählen sie von ihrem alltag.
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HerrIrgendwoAnders
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Mag ich Mag ich nicht

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12.11.2006 - 19:40 Uhr
HerrIrgendwoAnders

schon krass scheiße, wie der deutsche staat mit ausländern umgeht. elendiger institutioneller rassismus.

maggiesimpson
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12.11.2006 - 23:28 Uhr
maggiesimpson

Oh man. Da sieht man eben, was viele Leute die nur ihren Job machen und Kreuzchen setzen, gerne einmal vergessen: das hinter all den kalten, nackten Zahlen in den Behördenformularen letztlich menschliche Einzelschicksale stehen.

Alienbiber
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13.11.2006 - 08:37 Uhr
Alienbiber

aber auch menschliche Einzelschicksale müssen irgendwie bearbeitet werden. Es nützt ja auch nichts, jeden der angesprochenen 190000 Fälle individuell zu bearbeiten. So lässt sich auch keine Rechtssicherheit garantieren, vielleicht eher noch verhindern.
Sinnvoller wäre es da meiner Meinung nach aber tatsächlich, dass sich die Ausländerbehörden stärker mit den tatsächlichen Gegebenheiten in den Ländern auseinandersetzen, in welche die Flüchtlinge abgeschoben werden sollen. Auch wenn Staaten formal Demokratien sind, sei es Ghana, Gambia oder die Türkei kann es immer noch zu folter und verfolgung kommen, was aber oft nicht beachtet wird. Dass also ein dort Verfolgter nicht genau in die Arme der Verfolger abgeschoben wird, sollte ja auf der Hand liegen...

siegstyle
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13.11.2006 - 11:27 Uhr
siegstyle

zunächst mal kann ich keinen "institutionellen rassismus" erkennen. regelungen für ausländer gibt es überall. wenn du als deutscher in der schweiz lebst und arbeitest bekommst du einen ausländerpass. so ist das nun mal. und auch da musst du als deutscher zur ausländerbehörde und unterliegst den zwängen dieses systems.

und beamte sind beamte, weil sie sich eben an rechtliche regelungen halten müssen. dafür gibt es regeln. eine rote ampel heisst eben auch stop. und nicht "vielleicht halte ich jetzt besser mal an". das kann für den einzelnen manchmal sehr schlimm sein. aber ist eben so.

aber bei allem meckern über die deutschen regelungen: diese menschen leben hier. sie wurden aufgenommen und bekamen jede menge hilfe. das kann man doch bitte schön auch mal erwähnen.

farilari
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13.11.2006 - 11:36 Uhr
farilari

Was mich stört, ist, dass die Integration der Menschen hier nicht in die Entscheidung einbezogen wird. Hier sollten rechtliche Anreize geschaffen werden.

gewitterhexe
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13.11.2006 - 14:46 Uhr
gewitterhexe

ich stimme völig zu, dass es sich hier um institutionellen rassismus handelt. wie heißt es so schön: "nazis morden, der staat schiebt ab - das ist dasselbe rassistenpack"

siegstyle
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13.11.2006 - 15:01 Uhr
siegstyle

absoluter blödsinn dies als "institutionellen rassismus" zu bezeichnen. die selben institutionen des deutschen staats haben diese menschen hier aufgenommen. ihnen schutz, unterkunft und unterstützung gewährt. auch weil sie rassisten sind? völliger blödsinn. entschuldigung wenn ich das so deutlich sage.

Alienbiber
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13.11.2006 - 16:45 Uhr
Alienbiber

Das ganze als rassismus zu bezeichnen, würde ja auch implizierern, dass Menschen nur aufgrund physiologischer oder - weiter gefasst - ethnischer Gründe abgeschoben werden.
Ohne hier den aktuell aufflammenden Nationalismus klein reden zu wollen, so wäre es doch, wie Siegstyle sagt, etwas überzogen von Rassismus zu sprechen, wenn Menschen, die aufegnommen wurden wieder weggeschickt werden, wenn es keinen objektiven Grund mehr gibt, ihnen Schutz zu gewähren.

Wie oben schon gesagt: Ob und wie diese Gründe festgestellt werden ist für viele Verbesserungen offen.

_polar
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14.11.2006 - 12:26 Uhr
_polar

diese flüchtlingsheime, die "eigentlich" nur als zwischenstation dienen sollen, sind oft unterbringungen für jahrzehnte für ganze familien. die befinden sich außerhalb der zivilisation, oft muss man stundenlang laufen, um überhaupt die bushaltestelle zu erreichen. das geld, was ein ausländer bekommt, liegt unter der existenzbasis - und dann müssen sie noch 10 euro zahlen, um überhaupt ihr "gebiet" verlassen dürfen - täten sie das einfach so, wäre das ein grund, sie direkt abzuschieben.
das sind alles menschen, die nichts für ihr schicksal können oder dafür, was in ihrem land passiert. viele wollen ein teil der gemeinschaft werden, aber durch solche sachen wie oben beschrieben wird der integration nach kräften entgegengewirkt.
klar machen beamte nur ihre arbeit. aber ein paar instanzen höher kann auch mal verstand benutzt werden.

milliner
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15.11.2006 - 23:39 Uhr
milliner

Ich bin zur Zeit Sozialarbeitsprakti in einer Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und habe deren Lebenslagen jetzt auch hautnah kennen gelernt. Bis zur Volljährigkeit und einem dann folgenden Asylantrag fallen sie unter das KJHG. WAs danach kommt ist offen. In den meisten Fällen wird ein Asylgesuch, so es denn gestellt wird, als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Das Problem ist, dass sich die meisten Jugendlichen dann aber schon drei oder vier Jahre in der BRD aufgehalten haben. Also wohin?

Die Kinder und Jugendlichen sind schulpflichtig. Aber es ist schwierig sie zum regelmäßigen Schulbesuch zu motivieren, wenn völlig unklar ist, ob ihnen ein Schulabschluß bezüglich ihres weiteren Aufenthaltes irgendetwas nützt. Also gibt es einige, die versacken, die Schule schwänzen und sich anderweitig beschäftigen, eventuell auch illlegal, und andere, die glauben mit einem regelmäßigen Schulbesuch, guten Noten und einem vernünftigen Abschluß bei der Ausländerbehörde irgendwelche Vorteile bezüglich ihres Aufenthaltsstatus zu erreichen.
Ich war neulich mit einer mittlerweile 18jährigen Algerierin bei der Ausländerbehörde, da sie einen Bescheid bekommen hat um ihre Paßersatzpapiere bei der algerischen Botschaft zu beantragen (sog. Mitwirkungspflicht zur Beschaffung von Ersatzpapieren, da eigentlich alle ihre Pässe nach der Einreise vernichten). Dort hat sie unter Tränen ihre Fingerabdrücke abgeben müssen, um sich eindeutig zu identifizieren. Nachher hat sie mich gefragt was sie denn hätte anders machen sollen, sie wäre doch immer zur Schule gegangen, nicht straffällig geworden usw.
Ich hätte ihr eigentlich nur die Wahrheit sagen können: Dass ihre Schonfrist mit ihrer Volljährigkeit abgelaufen ist, dass sie hier nicht gewollt ist und sich keine Hoffnung auf Bleiberecht oder Arbeiterlaubnis machen solle.
Hab ich aber nicht.
Ich habe ihr geraten weiter zur Schule zu gehen und so eventuell eine Verlängerung ihrer Duldung zu erwirken und vor allem weiteres Wissen und noch mehr Sprachkenntnisse zu erwerben. Das sind Dinge, die ihr unter allen Umständen erhalten bleiben, egal wo sie sich befindet. Manchmal hat man bei der Zentralen Ausländerbehörde Erfolg und kann dann die Duldung verlängern (hängt aber von der Kommune ab). Die Jugendlichen hoffen auf die Entscheidung am Donnerstag. Leider übersehen sie dabei, dass es sie wohl eher nicht betrifft, da sie sich fast ausschließlich weniger als sechs bzw. acht Jahre in Deutschland befinden. Trotzdem bleibt ihnen nichts anderes übrig, als auf irgendetwas zu hoffen, dass ihnen erlauben wird hier zu bleiben.

Die Algerierin wird sich darauf einlassen weiter die Schule zu besuchen, wohlwissend, dass sie ihre intransparente Lebenssituation damit auch verlängert, verbunden mit massiven Zukunftsängsten und einem nicht planbaren Weg.

Bei den unbegleiteten Flüchtlingen handelt es sich vorwiegend nicht um politisch Verfolgte im engeren Sinne, sondern größtenteils um echte Elendsflüchtlinge, die keine Chance auf Asyl nach unseren Maßstäben haben. Ich halte es auch für entscheidend, wie Alienbiber) die Herkunfts- bzw. Abschiebeländer genauer unter die Lupe zu nehmen, aber welche politische Konsequenz würde das haben? Nach welchen Kriterien wäre ein solches Land dann annehmbar zu nennen?



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