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Basiswissen Brinkmann

Text: thomas-ernst

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rockerking
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22.04.2005 - 14:37 Uhr
rockerking

Basiswissen Brinkmann -

Brinkmann passt ganz sicher nicht in die gleiche Kiste, in der heute die Popliteratur steckt. Das geht gar nicht. Brinkmann war mal eines der vielversprechensten Talente der Deutschen Literatur. Dass er dann am Linksverkehr starb, war mir immer eine Warnung.

diejodie
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22.04.2005 - 14:40 Uhr
diejodie

Basiswissen Brinkmann -

"Rom, Blicke" ist großartig.
Interessant ist auch der Umgang mit Rolf Dieter Brinkmann in Vechta, seinem Heimatort. Dort ist er immer noch verpöhnt, Vechtaer Buchhändlerinnen antworten auf die Frage nach seinen Büchern mit "So einen schmutzigen Schund führen wir hier nicht." Gabs mal eine schöne Dokumentation im NDR darüber.

amplifythegoodtimes
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22.04.2005 - 16:17 Uhr
amplifythegoodtimes

22.4.2005 14:40:41 -

Ich mag diesen Weitermachentext so gerne. Das lief, glaube ich, bezeichnenderweise auch am Ende von Stuckrad-Barres MTV-Sendung Lesezirkel über den Bildschirm: Die Geschichtenerzähler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die Regierungen machen weiter, die Rock'n'Roll-Sänger machen weiter, die Preise machen weiter, das Papier macht weiter, die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht macht weiter, der Mond geht auf, die Sonne geht auf, die Augen gehen auf, Türen gehen auf, der Mund geht auf, man spricht...

formtief
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22.04.2005 - 17:24 Uhr
formtief

Basiswissen Brinkmann -

Das mit Vechta stimmt nicht so ganz. Dort gibt es unter anderem die Rofl Dieter Brinkmann Gesellschaft, die sich intensiv mit seinem Leben und Werk beschäftigt. Ich hab zwar in Vechta nie nach Büchern von Brinkmann gefragt, aber ich habe den Eindruck, dass die Vechtaer mittlerweile eher stolz auf ihren berühmtesten Sohn

egozentrikerin
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22.04.2005 - 21:14 Uhr
egozentrikerin

Basiswissen Brinkmann -

Der Brinkmann also. Habe meine ersten Erfahrungen vor einandhalb Jahren im Deutsch LK gemacht. Zunächst pures Unverständnis. Der mensch wollte mich provozieren und das Schlimme war, er hats geschafft. Anfreunden konnte ich mich damit nicht, auch wenn ich nach umfassender Analyse doch ein klein wenig Verständnis für ihn und seine inhalte entwickeln konnte. Anders wurde mein Verhältnis zu ihm erst seit meiner Facharbeit über Popliteratur, ich hatte plötzlich Respekt vor diesem Menschen -auch wenn ich es bis heute noch nicht fertig gebracht habe "keiner weiß mehr" zu lesen, bin nur bis zur detaillierten Darstellung einer Abtreibung gekommen, danach habe ich es weggelegt. Vielleicht ja irgendwann mal. Dieser Respekt hat sich in letzter Zeit vergrößert und ich sehe Brinkmann mittlerweile als den an, der er ist: ein Mensch, der -von den meisten unbemerkt- die deutsche Lieteratur enscheidend weitergebracht hat und mit seinen banalen Themen und Inhalten mehr ausgesagt hat, als die meisten anderen Autoren, die sich dengroßen weltfragen zuwenden.
Naja, wer weiß vielleicht ist ja ein Auswahlthema in meinem Abitur an Montag ja Brinkmann. Schaun mer mal.

annagross
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23.04.2005 - 09:53 Uhr
annagross

Basiswissen Brinkmann -

ist das nicht alles ein endloser blues...

cohiba
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23.04.2005 - 11:18 Uhr
cohiba

23.4.2005 09:53:01 -

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23.04.2005 - 11:19 Uhr
cohiba

23.4.2005 11:18:18 -

gut dass man das alles lesen kann... amplifythegoodtimes: das was du meinst ist die vorbemerkung zu seinem gedichtband westwärts 1&2... meine favoriten sind "ein gedicht" und "die orangensaftmaschine"... geiler typ...

AngeBleu
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23.04.2005 - 15:51 Uhr
AngeBleu

23.4.2005 11:19:18 -

über den habe ich meine erste facharbeit geschrieben. wenigstens ein interessantes thema

2aT
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23.04.2005 - 17:08 Uhr
2aT

23.4.2005 15:51:57 -

Die Ironie und Tragikomik des Todes von Brinkmann begreift man erst, wenn man weiß, daß der 23. April zugleich als Geburts- wie Todestag von Shakespeare gesehen werden; ein Grund übrigens, daß der 23. April zum "Weltbuchtag" gemacht wurde.
Überraschend, daß an keinem anderen Tag gleich so viele Literaturnobelpreisträger geboren sind: von Vladimir Nabokov über de Cervantes bis hin zu Halldor Laxness. Aber das nur nebenbei, denn welcher aufgeklärte Dichter glaubt schon an die Macht der Sterne?

Für mich hat Brinkmann jenen Parlandoton in der Lyrik "erfunden", der nicht nur das Ende der gereimten "Hochdichtung" einläutete, sondern auch eine Spur von sensiblen Alltagsempfindungen in Sprache umsetzte.
Leider ist Brinkmann das nicht wirklich bewußt gewesen; wie alle, die an einer Zeitgrenze arbeiten, ahnte er das grundlegend Neue, ohne es schon tatsächlich analysieren zu können.
An seinem Todestag verdient er jedenfalls auch zu Wort zu kommen:

"Einer jener klassischen

schwarzen Tangos in Köln, Ende des
Monats August, da der Sommer schon

ganz verstaubt ist, kurz nach Laden
Schluß aus der offenen Tür einer

dunklen Wirtschaft, die einem
Griechen gehört, hören, ist beinahe

ein Wunder: für einen Moment eine
Überraschung, für einen Moment

Aufatmen, für einen Moment
eine Pause in dieser Straße,

die niemand liebt und atemlos
macht, beim Hindurchgehen. Ich

schrieb das schnell auf, bevor
der Moment in der verfluchten

dunstigen Abgestorbenheit Kölns
wieder erlosch.


(aus R.D. Brinkmann: "Westwärts 1& 2. Gedichte",
Reinbek 1975)



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