Interessant ist auch der Umgang mit Rolf Dieter Brinkmann in Vechta, seinem Heimatort. Dort ist er immer noch verpöhnt, Vechtaer Buchhändlerinnen antworten auf die Frage nach seinen Büchern mit "So einen schmutzigen Schund führen wir hier nicht." Gabs mal eine schöne Dokumentation im NDR darüber.
Naja, wer weiß vielleicht ist ja ein Auswahlthema in meinem Abitur an Montag ja Brinkmann. Schaun mer mal.
23.04.2005 - 11:19 Uhr
cohiba
Überraschend, daß an keinem anderen Tag gleich so viele Literaturnobelpreisträger geboren sind: von Vladimir Nabokov über de Cervantes bis hin zu Halldor Laxness. Aber das nur nebenbei, denn welcher aufgeklärte Dichter glaubt schon an die Macht der Sterne?
Für mich hat Brinkmann jenen Parlandoton in der Lyrik "erfunden", der nicht nur das Ende der gereimten "Hochdichtung" einläutete, sondern auch eine Spur von sensiblen Alltagsempfindungen in Sprache umsetzte.
Leider ist Brinkmann das nicht wirklich bewußt gewesen; wie alle, die an einer Zeitgrenze arbeiten, ahnte er das grundlegend Neue, ohne es schon tatsächlich analysieren zu können.
An seinem Todestag verdient er jedenfalls auch zu Wort zu kommen:
"Einer jener klassischen
schwarzen Tangos in Köln, Ende des
Monats August, da der Sommer schon
ganz verstaubt ist, kurz nach Laden
Schluß aus der offenen Tür einer
dunklen Wirtschaft, die einem
Griechen gehört, hören, ist beinahe
ein Wunder: für einen Moment eine
Überraschung, für einen Moment
Aufatmen, für einen Moment
eine Pause in dieser Straße,
die niemand liebt und atemlos
macht, beim Hindurchgehen. Ich
schrieb das schnell auf, bevor
der Moment in der verfluchten
dunstigen Abgestorbenheit Kölns
wieder erlosch.
(aus R.D. Brinkmann: "Westwärts 1& 2. Gedichte",
Reinbek 1975)







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22.04.2005 - 14:37 Uhr
rockerking