Verehrte Trauergemeinde
Lieber Brutus,
meine Beine sind müde geworden, von den vielen Kilometern, die mein Leben sind. Ich habe mich so lange angebrüllt, bis mein rechtes Ohr fast taub war, damit ich nicht mehr so viel uninteressanten Kram hören muss, und ich kenne alle obligatorischen Witze – über die ich immer obligatorisch gelacht habe. Jetzt bin ich wahrscheinlich tot (derzeit wird noch erörtert, ob juristisch, biologisch oder in jedem Sinne dahingeschieden).
Ich bin über diesen Umstand nicht übermäßig entsetzt, denn ich bin glücklicherweise mit meinen Sehnsüchten im Reinen. Über alles andere lohnt sich das Nachdenken kaum. Allerdings muss ich dich um einige Gefallen im Rahmen meiner Beerdigung bitten. Ich bin in der Überzeugung gestorben, dass Beerdigungen für die Lebenden sind, denen die körperliche Anwesenheit des Toten eher als Symbol dient. Daher bitte ich dich in meinem Namen und vor dem Herrn folgende Nachrichten zu überbringen, die ich zu Lebzeiten nicht mehr zustellen konnte:
1) Onkel Peter stinkt. Es seien ihm diesbezüglich die technologischen Errungenschaften unserer modernen Zivilisation ans Herz gelegt.
2) Die mit einer Packung Kaugummis und einer halben Zigarette verschuldete Henriette möge ihre ausstehenden Zahlungen als Grabbeilage begleichen.
3) Verehrte Trauergemeinde: Blumen finde ich scheußlich. Keine Rosen auf meinem Grab! Stattdessen ersuche ich sie, meinen Sarg ausschließlich mit Dreck zu beschmeißen.
4) Gut geschnittener Herrenanzug Größe 52 Mintgrün / Erdbraun kariert mit passender, modischer Krawatte an Selbstausgräber abzugeben.
Vielen Dank.
- Seifenblasen 24.07.2010
- Warum ich heut´ nicht arbeite 15.06.2010
- Sie 06.06.2010
- für dich 15.10.2006








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14.03.2012 - 22:02 Uhr
Volere