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Momentderbleibt
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Leben| 03.01.2010 22:06Auf Eisgurkenernte im Spreewald
Text: weltherrrschaft
Der Spreewald morgens um Halbdrei. Immer wieder Nebelwände über den kleinen Kanälen. Es ist so, als fahre man auf einer Ursuppe. Eine unwirkliche Landschaft, Trauerweiden gemischt mit Flußbirken, immer wieder halb zerfallene Bootssteege. Die Natur holt sich, was der Natur gehört, seien es brach liegende Fabriken – davon gibt es mehr als man denkt im Spreewald – seien es alte Uferkaten. „Das Wasser gewinnt. Das Leben verrinnt.“ Unterwegs mit Herrn Milzer im Spreewald zur Eisgurkenernte.Herr Milzer zündet sich die siebente Overstolz ohne Filter an. Sanft streicht seine Hand über den Rücken von Dobermannmischlingsrüde „Huitziele“. „Es klingt vielleicht seltsam“, Milzer spuckt in seine Hände, „aber der Hund, der Hund, der weiß immer zuerst, wo wir was finden.“ Und wirklich, kaum hat Milzer seine letzten Worte ausgesprochen, nimmt der Hund Witterung auf. Milzer klatscht begeistert in die Hände, dass es klirrt. Die Spucke ist in Sekundenschnelle gefroren. Wir drehen mit den Schneemobilen und folgen dem Hund so weit es geht in den Wald. Es splittert und kracht, wenn man so früh morgens durch einen gefrorenen Wald, der größtenteils überschwemmt ist, kreuzt, aber man gewöhnt sich schnell daran. Immer hinter her. Immer dem Hund hinterher, so lange die Abstände zwischen den Baumstämmen es noch zulassen. Huitziele wird langsamer, mit zum Boden herab gesenkten Kopf schnüffelt er nun das zentimeterdicke Eis nach Gurkengeruch ab. Immer angefeuert von Milzer, der ihm zu Vergleichszwecken immer wieder ein in Eisgurkenwasser getränktes Taschentuch vor die Schnauze hält. „Da! Huitziele! Da! Such!“ Milzer erklärt, während wir dem Hund hinterherkeuchen, was die Besonderheit der Eisgurken ausmacht, dass sie bei Temperaturen unter −17 °C handgeerntet werden, dass das in den Gurken enthaltene Essig nur bei diesen Temperaturen kristallisiere und als Resultat die geernteten Eisgurken besonders sauer und gleichzeitig besonders methanhaltig seien, weswegen sich viele Chefs de Cuisine besonders aus Frankreich nach den Eisgurken aus Spreewälder Produktion die Finger leckten. Dann schlägt Huiziele an. Mit einem elektrischen Vorschlaghammer, den Milzer in einem Schuppen in der Nähe gebunkert hat, nähern wir uns dem Eis, der Hund ist kaum noch zu beruhigen, zieht die Lefzen hoch, springt sein Herrchen an, leckt am Eis. Milzer schaut mich an und fragt, ob ich das schwere Gerät zuerst bedienen möchte, auf mein wortloses Nicken drückt er es mir in die Hand. Ich starte den Motor, indem ich an einem Reißriemen ziehe, öliger Geruch schlägt mir entgegen, als der Vorschlaghammer mit Gewalt aufs Eis trifft, es einen Schlag tut und wir alle ins klaffende Eisloch gerissen werden und von der Gewalt der Strömung bis in die Ostsee getrieben werden. ![]()
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