Zeitraffer
Der Abend gießt sein gelbes Licht in die Straßenschluchten, wo Schatten sich ins Unendliche verlängern und Ameisen Menschenköpfe tragen.
Ein stählerner Fluss windet sich dickflüssig durch die Stadt, trägt die faltigen Gesichter der Häuser mit sich fort, und sein mächtiges Rauschen spielt den Soundtrack für die Dramen der unentwegt Flüchtenden – mit hektischem Beat und einer wirren Melodie, die ständig bedeutungsvoll auf- und abschwillt, so als wären die Bewegungen dort unten auf dem Asphalt irgendwie von Bedeutung, so als könnte man Ziele herbei lärmen.
Auffallend still dagegen die Flugzeuge hoch oben, die mit ihren Kondensstreifen versuchen, Sehnsucht zu buchstabieren, solange ihnen noch genügend Licht dafür bleibt.
Ein voller Mond eilt der Dunkelheit voraus, leuchtet die Dämmerung herbei, als wär er zu früh aufgestanden, und die Geschichten ziehen sich hinter Mauern zurück, hinter denen sie keiner kennt und keiner kennen will.
Alles ist Willkür in den Häusern, die ihr Licht aus den Fenstern gießen wie flüssiges Gold.
Die Nacht gibt sich verschwenderisch, als sie ihren schwarzen Samt über der Stadt ausbreitet, golddurchwirkt und trügerisch. Denn nichts ist samtgebettet in ihr außer vielleicht der unschuldige Schlaf der kleinen Menschen, die erst noch hinein wachsen müssen in das große Vermissen. Die schon genügend Großen tragen ihr Leben mit Fassung aber ohne Würde und treffen sich an schummrigen Plätzen, wo man das Vermissen gegen das Vergessen tauschen mag, der Kurs steht 1 zu 2 und du musst dich schnell entscheiden.
Manche versuchen sich zu lieben im Schutz der Dunkelheit und immer wieder versuchen sie es.
Die Musik ist meist billig, das Essen manchmal zu teuer, das Licht immer gedimmt. Man hat keine Zeit zu verlieren, aber alles lässt sich beschleunigen. Die Kunst der Betäubung wird jedoch nur von wenigen beherrscht, den Meisten reicht schon ein leichter Schwindel oder ein Lallen - egal, wenn sich das Leben nur irgendwie mal kurz anders anfühlt, nur anders.
Fremde Geschichten und Bilderfluten müssen Bedeutung auftischen gegen Geld und den Preis des Verstummens. Nur hinterher fragt man sich: und – wie fandst du’s? – weil man hofft, dass jemand was gefunden hat, was einem selbst entging.
Aber jenes flüchtige Gefühl von Da-Sein, jener ungenaue Schmerz – wenn er doch bliebe, den Schlaf überstünde und man nicht erneut belanglos erwachen müsste!
Und wenn doch die Liebe nicht so lichtscheu wäre und man Herr und Frau seiner Tage….
Und wenn doch die Nacht weniger verlogen wäre…
...dann müsste ich mich nicht so vermissen.
- Vollmond 13.09.2011
- Ach"T".... 23.07.2011
- Die Nacht atmet den Rhythmus der Stadt. 20.05.2011
- Hups. Vorbei. 01.02.2011
- Nachtschneespaziergang, der Sechste 11.12.2010
die musik unten ist super ... nicht billig.
und ich muss mal nach new york.








0
03.02.2009 - 21:18 Uhr
thingamajig
(bekomm ich jetz nen preis für den destruktivsten kommentar? ich muss nachdenken. zu mehr bin ich im moment nich fähig)