L.
Text: tippytoe
Gestern, als du aus all diesen Büschen gekommen bist, da wusste ich es. Es nieselte, so wie auf Beerdigungsszenen in den alten Filmen und du hattest die Arme ganz fest um dich geschlungen. Musst du dein Herz schützen? Vor mir, vor der Welt, vor dir selbst? Du fällst auseinander. Nie sah ich in so zerbrochene Augen wie die deinen. Meist versteckst du sie hinter einem Lächeln, hinter hilflosen Gesten. Doch du kannst anders.
"Heute ist N.s großer Tag. Den sollte man nicht mit Nachdenken über Humanität und so intellektuellen Quatsch verschwenden.", hat H. gesagt. "L. ist zu kompliziert für diese Welt.", F.s Worte. "Der braucht doch nur wieder 'ne Show.", wieder H.s Worte. Und ich und mein fragendes Herz, wir waren allein. Du zerbrichst an dir. Ich sehe es und kann doch nichts verhindern. Mir sind die Worte, die Gesten, die Küsse ausgegangen. Sie sind aus mir geflossen und unerhört verendet. Du machst mir Angst. Ich glaube, eines Tages wirst du uns alle verlassen. Einfach so, weil du nicht mehr mit dir kannst.
Ich zerbrech' mit, an und wegen dir. Aufhören kann ich nicht.
Wir verschwinden.
Weißt du, ich erkenne mich in dir wieder. Nie zuvor habe ich jemanden wie dich getroffen. Nie zuvor wurde mein Herz derart berührt.
Doch du kannst nicht. Du wirst zerfressen. Da sitzt du nun, in meine Jacke gehüllt, die Augen geschlossen, in den Händen eine vergessene Zigarette. Meine fragenden Blicke umhüllen dich. Doch du spürst nichts. Bist wieder weit entfernt von mir, von uns, von der Welt. Ich frage mich - wie lange werden wir noch weiter spielen? Was haben wir, wenn wir nichts vorgeben? Um uns herum feiern die Menschen N. So viele berauschte Gesichter. Doch in mir ist es ganz still. Dein Schweigen höhlt mich aus. Du rinnst durch meine Finger. Mir ist danach kalten Rauch in die Lunge zu ziehen und mich in deine Arme zu drücken. Ich bleibe schweigend neben dir.
L. - Leben, lieben, loslassen
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