Kafka ist sowieso Mainstream
Ich öffne den Reißverschluss meiner Hose. Es spannt immer so, wenn ich mich setze, besonders nach dem Essen. Und zurzeit esse ich recht viel, was untypisch für mich ist, ich esse viel, weil ich immer weniger von dir habe. Im Grunde habe ich nichts mehr. Es spannt im Kopf und es spannt am Bauch. Welch Tragik heute -- dass sich Kopf und Bauch ausnahmsweise einig sind.Jetzt, wo der Bauch voll und der Kopf leer ist, sitze ich zuhause allein an einem Samstag Abend und öffne den Reißverschluss, weil du weg bist. Früher hast nur du den Reißverschluss geöffnet, ich habe mir oft einen Spaß daraus gemacht, als du ihn nicht finden konntest, weil er nicht mittig saß, sondern links. Du hast dich mal links herum gedreht -- fiel mir in jenen Augenblicken stets ein -- als wir in Prag durch dieses fürchterliche Gässchen liefen, du schautest einer anderen Hose hinterher und sagtest „Kafka ist sowieso Mainstream. Lass uns lieber schwimmen gehen.“ Schwimmen gehen?, dachte ich mir, wir sind doch schon längst baden gegangen. (Die schlechtesten Witze fielen mir immer in schlechtesten Zeiten ein, und ich sprach sie nicht aus, weil ich damals nicht mehr die Kraft dafür aufbringen konnte, dreifache Ironie als Humor gut zu heißen.)
Und ich schließe den Reißverschluss. Ich schließe den Reißverschluss, weil du einen anderen öffnetest, während du der Hose hinterher schautest.

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131111 sagte:
.
101 sagte:
oh.
freethinker sagte:
Das sind sehr echte Zeilen.
noplacespecial sagte:
oh gott, du hast es wirklich geschafft. es is so gruselig.
Nicht wahr? Ha.








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14.01.2012 - 20:33 Uhr
131111