Alte Lieder.
Noch ist November. Es war der niederschlagärmste November seit Jahrzehnten. Habe ich heute in der Uni gelernt. Oder war es gestern? Ich stehe in der Küche, das kalte Licht leistet mir Gesellschaft. Die rechte Hand verbunden, die Schmerzen nicht sichtbar. Es prallt alles ab. Ich lasse nichts an mich ran, ich tue nichts. Außer abzuspülen und dabei traurige Lieder falsch wiederzugeben.Ich gucke viele Filme. Versuche, mich abzulenken. Abzukühlen, hat meine koreanische Mitbewohnerin letztens gesagt. Ich musste kurz auflachen. Einen kühlen Kopf bewahren, sie hat es durchschaut. Das Leben durchschauen und trotzdem gegen die Wand fahren. Das ist es wohl. Das ist das Lied. Ich möchte niemand zitieren, niemanden beschimpfen, niemanden beleidigen. Leid teilen, Mitleid. Nein. Nur manchmal, wenn ich ganz still in mich hineinhorche, dann finde ich falsche Abzweigungen, leere Bierflaschen, schlechte Reime und so manch hässliche Erinnerung.
Der Dezemeberwind steht vor der Haustür. Ich bin gespannt, was du mir zu erzählen hast. Ob du weiterhin vor mir herlaufen wirst? Weglaufen? Ob du auch einen Gangen runterschalten kannst? Das Radio abstellen? Die Devise für Dezember: Die alten Lieder Lieder sein lassen. Lieber leben. Leben, Lieber! Lieder lieben. Leider. Lieder. Leidlied. Liedleid. Ob es auch einen Liedschlussreflex gibt? Noch ist November.
Lied aus. Lid zu.
Ende






