Rindergrippe, Hühnerwahn und Gurkenthrombose
Ich gehöre zu dieser Generation. Gerade noch knapp miterlebt, wie die ältere Schwester meiner Freundin ihr Modern Talking Plakat im Kinderzimmer abgehängt hat, weil es nicht mehr in war.Tschernobyl habe ich noch nicht bewusst mitbekommen, es war in aller Munde, aber noch jenseits meines persönlichen Erinnerungsvermögens.
Es war der Rinderwahnsinn. Ein schlimmes Problem. Werden wir alle sterben, weil Mutti ab und zu eine leckere Suppe gekocht hat? Die Verbannung des Rindfleisches aus unserem Speiseplan war nur konsequent. Ersatz gibt es ja. Und als der Hype längst abgestumpft war, saß ich in meinen letzten Teeniejahren mit meiner ersten Internetfreundschaft in einer Kneipe irgendwo auf dem Land in der Schweiz. Gefährlich, so ein Internetdate, aber damals, es war eine neue Möglichkeit, die sich geboten hat, Leute kennenzulernen. Es wurde nichts ernsthaftes daraus. Aber er lud mich ein. Ich hatte die Wahl, als er mich fragte, ob ich auch ein Steak nehmen. Nach Jahren endlich wieder einmal Rindfleisch zu nehmen oder meinen Ekel zu überwinden. Er belehrte mich, wie er es macht. Seit es aufgekommen ist, nimmt er kein Rindfleisch mehr zu sich, sondern Pferdefleisch. Und diese Kneipe hatte das natürlich im Angebot. Ethische Vorbehalte, Wendy-Romantik gegen die eigene Gesundheit. Drei Streifen drückte ich herunter, mehr konnte ich nicht. Er war dankbar, zusätzlich zu seinem Pferdesteak mampfte er noch 85% meines runter. Glücklicher Mensch! Er liebt Pferdefleisch. Und zurück in Deutschland erzählte ich davon. Hätte ich nicht tun sollen. Ich böser Mensch. Arme Pferde.
Ich gab es auf. Da die Rinderseuche nicht großflächig auf die Menschen übergegriffen hat, war es wohl nur noch logisch, meinen Rindfleischkonsum wieder aufzunehmen. Es folgte mal die Hühnergrippe. Hähnchenbrust, nein danke, lieber Tofu. Gleichzeitig ging ich am Chipsregal angeekelt vorbei, Acryladmid, ganz schlimm. Und ich mochte so gerne Chips! Aber Vorsicht, dort steht ein hustender Asiate! Und kommen die Sojabohnen meiner Tofuwurst im Einkaufwagen nicht am Ende aus China?
Es ging immer so weiter. Ehec. Salat, Gurke, tot. Ich verzichtete zwei Wochen lang im Sommer auf jegliches rohes Gemüse! Ich gab mir einen Ruck! Mach dich nicht verrückt!
Zu Schnäppchenpreisen lagen da die Bio-Salate im Supermarkt, frisch, knackig! Ein wahrer Genuß! Und beim dritten Salatkopf in einer Woche angekommen, verzichtete ich auf die klinische Reinigung mit 20Liter Wasser! Hurra! Ich lebe!
Es war ein Wechsel in meiner Einstellung. Irgendwann wurde es zuviel. Zweimal im Jahr eine neue Gefahr, Umstellung der Lebensweise und der Ernährung. Ich beginne meinen Opa zu verstehen, der sich über die Gefahren immer lustig gemacht hat. Stumpft man nur ab mit der Zeit?
Jetzt, etwas ganz neues. Keine Prionen die das Gehirn zersetzen. Aber Thrombosen und Embolien. Diesmal ist die Pille Schuld. Erstes Präparat vom Markt genommen! Ich husche sofort nach meiner Rückehr ins Badezimmer! Glück gehabt, es ist ein anderes! Ich lese den nächsten Artikel zu diesem Thema! Oh Gott, doch, meine steht da auch in der Liste der gefährlichen. 3 Sekunden überlege ich! Nein, diesmal lasse ich es mir nicht verderben. Mittwoch, rosa Kügelchen auf die Zunge, runter damit! Der Sex letzte Nacht war gut. Sehr gut! Und er rechtfertig das Risiko von 1/1Million schwere Nebenwirkungen zu bekommen. Das Leben ist zu schön. Und manchmal, manchmal bedauere ich wirklich, damals aus Angst doch zum Pferdesteak gegriffen zu haben!









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10.02.2013 - 12:46 Uhr
cafedusoleil