Neujahrsgedanken
Text: glamourgirl
Da ist immer noch die Sehnsucht nach den Armen, die mir längst schon so fremd sind.
Ich seh mir alte Bilder von Dir an.
Die Perspektive lädt ein sich dort direkt auf Deinen Bauch zu legen, sich an Dich hinzukuscheln, sich wie eine Katze auf Deinem Bauch zusammen zu rollen.
Der Silvesterkater liegt noch auf meiner Zunge, aber denk ich an Dich, möchte ich eine Zigarette. Obgleich mir dies gute Vorsätze verbieten. Doch in zu vielen Situationen wie dieser, war die Zigarette das Einzige, an dem ich mich noch festhalten konnte.
Ich weiß nicht wie viele sms ich schon an Dich schrieb. Und keines abschickte. Gestern Abend begriff ich, dass ich es nüchtern nicht bereuen wollte, weshalb ich mich dem Impuls der Stunde versagte.
Es ist alles schon ein Jahr her, was in bewegten Bildern durch meinen Kopf tobt.
Ich spüre den eisigen Wind und die Sonne, die uns in Stockholm begleiteten. Aber da war auch schon diese Grollen in meinen Eingeweiden. Ich sehe es deutlich auf jedem Bild, das dort in meinem Kopf auftauscht. Erinnre mich, wie ich stumm neben Dir hertrabte. Oder mich mit Dir laut stritt. Ich war wütend auf Dich. Frustriert von Deinem Starrsinn, der allem entgegenstand, was ich wollte. Fühlte mich unwohl mit Dir.
Aber ich war mit Dir dort und wollte es vergessen, weil ich bei Dir sein wollte.
Doch war ich es da schon nicht mehr.
Nicht bei Dir, weil Du nicht mehr bei mir.
Ich bin noch lange mit Dir mit gelaufen, hinter Dir her, neben Dir her, um Dich herum.
Aber ich glaube Du hast mich verlassen, in dem Moment, als Du eigentlich schon entschieden hattest, Silvester mit Deinen Freunden allein zu feiern. Und ich dann doch mitkam.
Weiß nicht warum ich immer noch an Dich denke, fast jeden Tag.
Sicher jeden Tag. Ertränke Dich, vergesse Dich und erinnere mich wieder. Betrachte alte Fotos, die in mir nur Wut auslösen.
Wut wohl auch auf mich selbst, dass ich nicht einfach ging.
Sondern bei Dir blieb. Obwohl Du da schon warst, wie Du warst. Egoistisch. Abweisend. Blöde. Desinteressiert. Nein, nicht nur. Aber viel zu oft.
In meiner Erinnerung mischt sich die Sehnsucht, nach dem was ich bisher nur bei Dir fand, mit der Wut. Wut auf Dich, soviel Wut. Weil Deine hochtrabenden Worte des Anfangs, Deine Blicke, Deine Küsse, Deine Berührungen in meinem Herzen so viele Felder anlegten. Den trockenen verdorrten Boden nährten, versorgten, umpflügten und wieder fruchtbar machten. Jedes Wort wuchs zu einer wunderschönen Blume, ein endloses Feld von Sonnenblumen.
Reihe an Reihe sich dem Horizont entgegen biegend, sich in der Ferne verlierend.
Doch all die Schönheit verkam und verdorrte fast so schnell, wie sie gewachsen war. Jede einzelne, gestorbene und ermordete, dahin gemeuchelte Hoffnung verwandelte sich in kleine Teufel oder Dämonen, als die Sonne und Deine Liebe sie verließ. Eine finstere Heerschar tobt durch meine Venen und Adern, malt alles schwarz und blutig rot. Schreit nach gandenloser Rache, nach Vergeltung, während ich nur versuche mir die Ohren zu zu halten.
Ich will Dich nicht zurück.
Ich mag Dich nicht einmal.
Oder ist das nur, weil Du mich nicht magst?
Mich nicht verstehst, nicht verstehen willst;
Dich einfach nur nie für mich interessiert hast?
Ich glaube deswegen bin ich so wütend auf Dich.
Weil Du ein Schlachtfeld hinterlässt, mit einem Axel zucken irgendwo anders hingehst, um dort neue Zerstörung zu hinterlassen.
Ich bin so unglaublich wütend auf Dich.
Hab Dir schon so viele Worte ungehört nach geschrieen, es wird nie etwas davon bei Dir ankommen. Selbst wenn man Dir jedes einzelne auf Deine Haut tätowieren würde, Du würdest es nie verstehen.
Es ist alles schon so lange her, doch ich leide jeden Tag.
Verbeiße mich in dem Hass, der in meinem Innersten spukt und mir keine Ruhe lässt. Ich wollte nie so werden, habe Schlimmeres erlebt und überlebt und nun bringt mich so ein Kind zu Fall? Ich war völlig blind und wollte es sein. Ich wusste die ganze Zeit, dass ich etwas übersehe, aber habe mir nichts mehr gewünscht, als mich zu täuschen.
Kein Licht ohne Schatten.
Ich wusste nicht, wie schwarz Deine Schatten sind.
Oder vielleicht doch.
Ich hatte nur gehofft, die Fackel, die Du mir gegeben hattest, würde den Schatten vertreiben. Und nicht er sofort alles Licht verschlingen.
Doch wenn ich nun die Wirklichkeit mit der in meinem Kopf vergleiche, tatsächlich Fotos von Dir betrachte, auf den Du dem Betrachter und mir gerade in die Augen blickst, sehe ich da nichts mehr. Nichts was in mir mehr außer einem negierenden Kopfschütteln auslöst.
Da ist nichts, was mich interessiert.
Ich sehe da nichts. Ich sehe, wie ich Dich auf anderen Bildern verliebt ansehe.
Aber in Deinem Blick ist nur Leere.
Abwesenheit.
Die Dämone schweigen.
Vielleicht sollte ich so ein Bild von Dir immer bei mir tragen.
Um es mir in sentimentalen Momenten anzusehen und fest zu stellen: es gibt nichts, was da zu vermissen wäre.
Aber dann betrachte ich ein anderes, und es alles wieder da.
Und die Teufel sind nichts weiter als gefallene Engel, die ihr Gesicht in den Händen vergraben um still an ihrem Grab zu weinen.
Je mehr ich betrachte, desto weniger wird der Hass. Mit jeder schönen Erinnerung, mit jedem kleinen Lächeln, vom Abschiedschmerz überschattet, schwindet der Rachedurst.
Die Wut ist weg. Für diesen Moment.
Es dauert wohl einfach seine Zeit. Ich weiß nicht, warum Du immer noch als fixe Idee in durch mein Wachen und Schlafen geisterst.
Ich würde gerne sagen, ich möchte Dich nie nie wieder sehen.
Aber das ist einfach nur gelogen.
Ich möchte Dich irgendwann wieder sehen.
Wenn es mir egal ist.
Bis dahin:
Auf nimmer wieder sehen.
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01.01.2008 - 17:29 Uhr
jbo007
toller Satz, gefällt mir*