Sie ist nicht ICH - Nur für DICH
Mit zitternden Händen betrachtete sie das Foto. Sie hatte es ihr schicken wollen. Das Bild eines Mädchens mit bräunlichblonden Haaren. Geknickt. Zerknittert......Sie hatte das Bild verunstalten müssen. Sie hatte nicht anders gekonnt. Das Mädchen war zu hübsch - das war nicht sie, nicht sie, wie sie sich sah. Sie war nicht so glatt. Nein, sie war kantiger und eckte an. Sie zündete sich eine Zigarette an. Schon vor dem Entzünden wußte sie dass sie ihr nicht schmecken würde. Sie schmeckten ihr nie. Doch sie beugte sich vor zur Kerze, die offenen bräunlichblonden Haare senkten an, doch die Kerze mußte brennen, brennen wie die Zigarette. Obwohl sie eh schon wußte, dass der Tabak auf der Zunge brennen würde, steckte sie sie an. Es roch nach verkohltem Haar. Es kohlte doch brannte nicht. Sie betrachtete das andere Foto. Ein schlankes, schönes - ehrlich hübsches - Mädchen mit schwarzen Haaren. Schwarz wie Kohle von Ebenholz. Schwarz wie Teer. Hustend nahm sie einen tiefen Lungenzug, und färbte mit der Glut ihres Herzens, dem brennenden Feuer an ihren Lippen, die Haare des bräunlichblonden Mädchens, das sie nicht (er)kannte und doch war, schwarz. Schwarz wie Kohle von Ebenholz. Schwarz wie Teer. Ja, das gefiel ihr. Obwohl der Gestank der Verwandelung in der Nase schwelgte. Sie rümpfte sie, zog sie kraus und strich das zerknitterte Bild ihres schönen, neuen und ehrlichen Ichs glatt. Leise summend betrachtete sie ihr neues Ich, das sie jedoch noch nicht erkannte. Doch schon lieber mochte. Leise summte sie ein Lied aus ihrer Kindheit: "Mein Herz ist ein verlassenes Haus, ein toter Brunnen ist mein Mund, wie leere Fenster ist mein Blick und ohne Glanz ist jede Stund..." Sie murmelte dieses Kinderlied um so zurückzukehren, zurückzukehren in die einsame Zeit als sie noch mit Murmeln spielte, in die Zeit wo sie noch nicht war was sie jetzt ist. Sie wollte den Haaren Zeit geben neu zu wachsen, Zeit zu wachsen von schneeweiß zu kohlrabenschwarz. Um das zu werden was das Foto ihr zeigte - ihre neue Zukunft, mit der neuen Vergangenheit. Sie hatte ihre Gedanken gelesen und hatte sie verstanden, denn es waren bereits ihre Erinnerungen - gefangen in einem noch fremden Körper. An den Armen hatte sie ihren blasweißen Körper bereits aufgeschnitzt. Jetzt mußte sie sich nur noch ausziehen, das häßlich schöne Kleid ablegen und in die neue Haut hineinschlüpfen und -wachsen. Sie hatte geblutet doch jetzt war der Schmerz abgeschnitten. Mit einer rostigen Schere stach sie sich das aufgesetzte Grinsen aus dem Gesicht. Sie wollte sehen was dahinter steckte - Nichts. Sie hatte es gewußt - schließlich war es mal ihr Lächeln gewesen. Doch das wollte sie nicht mehr haben. Sie wollte seien wie das fremd vertraute, schwarzhaarige Mädchen - mit einem verstecktem Lächeln. Geheimnisvoll wie das der Mona-Lisa. Mit der Kippe kokelte sie sich die Augen aus. Alles was sie gesehen hatte mußte ausgelöscht werden. Zu erst verdampfte die Feuchtigkeit - dann schmorte das Fenster zur Seele. Kappt die Verbindung zur Erinnerung. Nur die fremd vertraute Erinnerung sollte bleiben. Nur das eigene Leben im fremden Körper. Sie mußte ihn nur noch finden. Sie wußte wie er aussah und aussehen sollte - sie mußte nur noch rausfinden wo er sich versteckte. "...Wie ein Hund der durch den Winter streunt und ein Versteck sucht vor dem Wind. Und noch viel schlechter fühl ich mich wenn wir einander ferne sind..." Ihre Stimme klang verraucht - das mochte sie, denn es hatte etwas verruchtes - etwas kaputtes. Sie hatte mit ihr sprechen wollen, und jetzt wollte sie auch mit ihr sprechen. Jetzt wo die zu hübsche Hülle zerstört war - und nur die rauchige Stimme blieb. Ja sie sollte diese Stimme hören. Denn diese Stimme paßte zu ihrem Körper. Ihr eigenes Anlitz ließ sie in den Flammen der Kerz den Weg allen Fleisches gehen. Das Papier war geduldig - aber es schmorte - es brannte plötzlich lichterloh. Brannte im Aschenbecher. Der Körper war Vergangenheit - für die Zukunft brauchte sie nur noch eine Stimme. Mit zittrigen Händen, die schwarz waren von der Asche, griff sie nach dem Hörer. Sie wählte... 0 ... 8 ... 5 ... 1 ... Dann schloß sie die Augen. Der Anfang war intuitiv gewesen - der Rest war Schicksal. Mit geschlossenen Augen, sah sie schwarz - Kohlrabenschwarz - und überließ den Rest Fortuna. Diese würde die Zwillingsseele schon zusammenführen und in einem Körper vereinigen. Die Chancen standen 1 zu 50.ooo. Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Sie wählte... Jemand nahm ab, sie wußte dass sie es war und wartete auf keine Namensmeldung, sie wußte dass sie es war und kannte auch ihren Namen. Sie sang einfach, obwohl die Stimme ihr nicht rauchig genug schien, sang sie weiter: "...Mein Herz ist ein Geburtstagstisch, mein Mund voll fröhlicher Musik..." Es klang krächzend - wie ein ausgeschütteter Aschenbecher. Wie sterbliche Überrest. Am anderen Ende der Leitung. Nur Atem, sie wußte wer sie war. Sie war es... "...Die Stunden sind wie ein Geschenk, wie hundert Kerzen ist mein Blick. Wie die Larve die zum Falter wird, wie Apfelblüten die aufgehn. Und noch viel froher fühl ich mich... ...wenn du mit mir sprichst..." Leiser Atem - Schweigen. Sie hatte mit ihr gesprochen, ihr Gesicht brauchte sie nun nicht mehr sehen - sie kannte es, denn es war ihr Gesicht, nur ohne Fleisch - das war bereits verkohlt und körperlos. Ihre Seele hatte einen neuen Körper gefunden - am anderen Ende der Welt - am anderen Ende der Leitung. Sie hatte mit ihr gesprochen, sie legte auf - das Atmen erstarb...- 26. November 2011, ca. 18 Uhr 11.05.2012
- samstagabend. 06.05.2012
- Das Spiel mit den Klischees. 11.04.2012
- Kommen. Gehen. Bleiben. // Under the tree. 04.04.2012
- Der letzte Gang.//Visit on the cemetery. 27.03.2012
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Und aus lauter Diplomatie enthalte ich mich eines Kommentars, sondern gebe nur Bescheid, dass ich es gelesen habe. (Auch wenn das natürlich bereits ein Kommentar ist. Aber kein expliziter.)
Das RZK
over and out
es geht doch fozzy... ja es geht wieder aufwärts. Ein ganz besonderer Text, meines Erachtens, für eine ganz besondere tgb-Schreiberin... fozzy und WundR ihr standet heute mal wieder zurecht bei den Beliebtesten. Macht beide weiter so!!!
Mehr wäre dazu nicht zu sagen.
bravo, charly.
21.02.2007 - 22:48 Uhr
louisalou
und frag nicht warum
es ist wie jemanden erkennen..
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17.09.2004 - 14:41 Uhr
WolkenbruchundRegenbo…