10.01.2006 - 00:33 Uhr

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Trist, trister, Asylbewerberheim in Brandenburg

Text: cuevas

Das Setting war recht ungewöhnlich: Eine Studenten-Party mitten in Berlin-Kreuzberg. Sie waren gekommen um zu feiern, zu trinken, zu tanzen, sich zu unterhalten, und um vielleicht den einen oder anderen netten Menschen kennen zu lernen. Deswegen war die Ankündigung erst überraschend, fand dann aber schnell Anhänger. „Man wolle jetzt einen Film zeigen. Einen ernsthaften und wer keine Lust darauf habe, könne ja das Zimmer verlassen.“ Es geht um eine kleine Dokumentation, die zwei Freunde aus einem Asylbewerberheim in Brandenburg gedreht haben. Zwei Schwarze betraten das Zimmer, der eine mit einer CD in der Hand. Sie wollten auch erst einmal gar nicht viel sagen, nur nachher mit den anderen weiterfeiern. Eine wackelige Kameraführung bringt uns zum Ort des Geschehens. Durch Wälder und Büsche, einen kleinen Weg entlang steht man dann urplötzlich vor einem Zaun. Das Asylbewerberheim. Eine Stimme aus dem Off erklärt die Lage: „Es sind 60 Kilometer bis zum nächsten größeren Stadt und eine Stunde Fußmarsch bis zur Bushaltestelle. Da sind wir. Hier wohnen wir.“ Eine ehemalige NVA-Kaserne in ihrer ganzen Tristesse ist das Heim für 16 Leute, darunter zwei Kinder. Die Längsten leben hier schon seit dem ersten Jugoslawienkrieg. Graue Gänge im Haus führen zu kleinen Zimmern mit Doppelstockbetten, einem Tisch und zwei Stühlen. Am Tisch sitzt ein junger Schwarzer aus Kamerun. Seine Blicke gleiten entlang der Fassaden des gegenüberliegenden Hauses. Ein Fenster nach dem anderen, manche kaputt. Das Weiß der Fensterrahmen ist schon vor langer Zeit abgeblättert. „Als ich nach Deutschland kam hatte ich ein Bild von einem freien Land im Kopf. Einem Land in Europa, wo jeder glücklich werden kann, in der jeder alles sagen kann. Europa, die Mutter der Demokratie und Meinungsfreiheit. Jetzt bin ich hier schon seit zwei Jahren. Hier in diesem Nichts. Nur schlafen und essen, schlafen und essen. So kann ich nicht weiterleben.“ Alles an diesem Haus riecht nach Sackgasse, nach Haltestelle im „No Where“. Genauso gut könnte dieses Haus in der Wüste liegen. Es würde keinen Unterschied machen. Der junge Schwarze aus Kamerun ist verzweifelt, er weiß nicht mehr weiter. Er weiß nicht wie er weiter leben soll, ohne Aussicht, ohne Beschäftigung, ohne Kontakt und ohne Zukunft. Diese kleine privat erstellte Dokumentation zeigt durch ihre Unverfälschtheit, durch ihren klaren Blick auf die Menschen und auf ihre Situation, ein Leben in Gefangenschaft ohne Gefangen zu sein. Das Licht ging an. Betroffenheit spiegelt sich in den Gesichtern der Anwesenden wieder. „Dass das so ist, hätten ich nicht gedacht.“, sagt eine junge Frau. „Aber ihr seit doch hier, ihr könnt doch daraus“, mit fragender Miene schaut sie die beiden Gäste an. Mit einem entschuldigendem Lächeln antwortet einer von ihnen: „Wir verstoßen gerade gegen ein Gesetz, es sagt das wir nicht weiter als 35 Kilometer von unserem Heim entfernt sein dürfen. Wenn wir jetzt von der Polizei geschnappt werden, verbringen wir die Nacht im Gefängnis.“


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lachender_dritter
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10.01.2006 - 00:47 Uhr
lachender_dritter

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